Im Sommer hält eine 11-kg-Gasflasche gefühlt ewig, im Herbst und Winter kann das schon ganz anders aussehen. Je nachdem, ob und wie viel du im Wohnmobil oder Wohnwagen heizt und wie viel warmes Wasser du benötigst, kann die Verbrauchsspanne zwischen 2 und 14 Tagen liegen.
Mit so einer weit gefassten Aussage kannst du für deine Reiseplanung natürlich herzlich wenig anfangen, deshalb zeigen wir dir in diesem Ratgeber, wie viel Gas Heizung, Kühlschrank, Kocher und Boiler tatsächlich ziehen, wie du deinen eigenen Verbrauch richtig kalkulierst und welches Gas im Winter das beste ist.
Inhaltsverzeichnis
- Was die einzelnen Geräte wirklich verbrauchen
- Rechenbeispiel Herbst: Fast eine Woche mit einer Flasche
- Rechenbeispiel Winter: Aus einer Woche werden zwei Tage
- Der eigene Verbrauch lässt sich in vier Schritten ausrechnen
- Propan oder Butan – warum das im Winter kein Detail ist
- Die größten Gasfresser der kalten Jahreszeit
- Reserve einplanen statt nachträglich frieren
Was die einzelnen Geräte wirklich verbrauchen
Jedes Gasgerät hat einen Verbrauch pro Stunde, der im Datenblatt steht, meist in Gramm pro Stunde (g/h).
Ein paar Heizungsklassiker als Beispiele:
die Truma Combi 4 zieht maximal 335 g/h
die größere Combi 6 je nach Generation bis zu 460 bis 480 g/h
die Trumatic S 3004 kommt auf maximal 280 g/h
die VarioHeat comfort auf rund 290 g/h.
Der Absorberkühlschrank ist im Vergleich ein Sparschweinchen: 14 bis 18 g/h. Der Kocher braucht beim großen Brenner bis zu 160 g/h, beim kleinen rund 70 g/h.
Der Boiler Truma B10 (heute Boiler Gas BG 10) verbraucht 120 g/h und braucht im reinen Gasbetrieb etwa 31 Minuten, um 10 Liter Wasser von 15 auf 70 °C aufzuheizen. Backofen und Gasgrill liegen bei 100 bis 150 g/h beziehungsweise 150 bis 250 g/h.
Entscheidend ist aber nicht nur der Maximalwert. Eine Heizung läuft selten durchgehend auf voller Leistung – der Thermostat schaltet den Brenner nur einen Teil der Zeit ein.
Diese Einschaltdauer liegt im Herbst üblicherweise bei 20 bis 40 Prozent, bei Frost bei 50 bis 70 Prozent. Kocher, Boiler und Grill dagegen laufen während der Nutzung durchgehend, also mit 100 Prozent Einschaltdauer.
Rechenbeispiel Herbst: Fast eine Woche mit einer Flasche
Ein typischer Herbsttag mit Heizung, Kühlschrank, Kochen und Boiler sieht rechnerisch so oder ähnlich aus:
Heizung (12 Stunden bei 30 Prozent Einschaltdauer): 1.206 Gramm pro Tag.
Kühlschrank (24 Stunden Dauerbetrieb): 360 Gramm.
Herd (30 Minuten Nutzung): 75 Gramm.
Boiler-Aufheizung: 62 Gramm.
In Summe sind das 1.703 Gramm pro Tag, also 1,7 Kilogramm. Das entspricht einem Energieäquivalent von 21,9 kWh.
Eine volle 11-kg-Flasche hält unter diesen Bedingungen 6,5 Tage.
Rechenbeispiel Winter: Aus einer Woche werden zwei Tage
Bei -5 °C sieht die Rechnung komplett anders aus.
Heizung (24 Stunden bei 50 Prozent Einschaltdauer): 5.760 Gramm
Kühlschrank: weiterhin 360 Gramm
Herd und Boiler werden jetzt häufiger genutzt: 113 + 124 Gramm
Macht in Summe 6.357 Gramm pro Tag, also 6,36 Kilogramm, entsprechend 81,8 kWh Energie. Die 11-kg-Flasche ist damit nach 1,7 Tagen leer.
Das ist bewusst ein Worst Case: Die Rechnung setzt die Heizung die halbe Zeit auf Vollast, in der Praxis moduliert ein modernes Gerät meist auf kleinerer Stufe. Doch selbst damit ist die Flasche nach gut fünf Tagen leer, bei starkem Wind und schlechter Isolierung deutlich früher.
Der eigene Verbrauch lässt sich in vier Schritten ausrechnen
Die Rechenlogik dahinter ist simpel und für jedes Fahrzeug individuell anwendbar:
Verbrauch je Gerät in Gramm pro Tag = Verbrauch in g/h × Betriebsstunden × Einschaltdauer.
Wer die Leistung seines Geräts in kW kennt statt den Gasverbrauch, kann auch umrechnen:
g/h = kW ÷ (12,87 kWh/kg × Wirkungsgrad) × 1.000.
Eine 4-kW-Heizung mit 93 Prozent Wirkungsgrad kommt so rechnerisch auf 334 g/h – fast exakt der Datenblattwert der Truma Combi 4.
Praktisch heißt das: Liste aller Gasgeräte im Fahrzeug anlegen, Verbrauch pro Stunde notieren, geschätzte tägliche Nutzungszeit und Einschaltdauer ergänzen, dann multiplizieren und addieren.
Unser Rechner unten übernimmt die Kalkulation für dich: Heizungstyp, Kühlschrank, Kocher und Boiler auswählen, Flaschengröße und Reisedauer eintragen – und du siehst sofort, wie lange die Flasche reicht und wie viele du für die Tour brauchst.
Der häufigste Rechenfehler: die Heizung mit 100 Prozent Einschaltdauer kalkulieren. Das überschätzt den Verbrauch meist um das Doppelte, weil modulierende Heizungen oft auf kleiner Stufe laufen.
Propan oder Butan – warum das im Winter kein Detail ist
Die grauen Tauschflaschen in Deutschland müssen laut DIN Norm mindestens 95% Propan enthalten. Warum ist das wichtig? Der Unterschied zu Butan betrifft nicht den Energiegehalt, sondern die Kälteverträglichkeit:
Butan siedet bei -0,5 °C und kann bei Frost nicht mehr verdampfen – die Flasche ist noch schwer, aber es kommt kein Gas mehr heraus.
Propan dagegen bleibt bis etwa -42 °C nutzbar. Mit dem Heizwert von 12,87 kWh/kg rechnen auch die Beispiele in diesem Artikel.
Relevant wird die Mischung bei Gastankflaschen, die an der Autogas-Säule befüllt werden: Dort gibt es im Sommer meist 40 Prozent Propan und 60 Prozent Butan, im Winter „Wintergas" mit 60 bis 95 Prozent Propan.
Wer in Südspanien oder Süditalien überwintert und kaum mit Frost rechnen muss, kommt mit dem örtlichen Gemisch meist aus. Fährst du dagegen Richtung Skandinavien oder in den Schnee, solltest du die Tankflasche vorher gezielt mit Wintergas füllen – sonst bleibt am Ende ein unbrauchbarer Butan-Sumpf in der Flasche.
Mehr dazu, auch zu Gasflaschen im Ausland, im Artikel Propan oder Butan? Welches Gas eignet sich wofür.
Die größten Gasfresser der kalten Jahreszeit
In der Heizsaison verschiebt sich die Rangfolge der Verbraucher deutlich. Die Heizung verursacht laut Rechenbeispiel rund 71 Prozent des gesamten Tagesverbrauchs im Herbst, im Winter steigt ihr Anteil durch die längere Einschaltdauer noch weiter.
Die wichtigsten Gasverbraucher im Winter in der Reihenfolge ihres Anteils:
Heizung: mit Abstand größter Verbraucher, 150 bis 500 g/h je nach Gerät und Außentemperatur
Warmwasser/Boiler: rund 120 g/h während der Aufheizphase von etwa 30 Minuten
Kochen: 50 bis 160 g/h, aber meist nur kurze Nutzungsdauer
Kühlschrank: mit 14 bis 20 g/h der kleinste Posten, läuft aber oft 24 Stunden durch
Wer diese Reihenfolge im Kopf hat, weiß auch, wo sich Sparen lohnt: nicht beim Kühlschrank, sondern bei der Heizstufe.
Reserve einplanen statt nachträglich frieren
Die Praxis zeigt: Verbrauchswerte aus der Rechnung sind Näherungswerte des Maximalverbrauchs und dienen zur groben Orientierung, um einen Flaschentausch rechtzeitig einzuplanen. Der tatsächliche Verbrauch kann höher ausfallen, etwa wenn die Heizung länger läuft als gedacht oder der Grill häufiger brennt. Deshalb lohnt sich eine Kontrolle des Füllstands gerade im Winter, weil Außentemperatur und Nutzungsverhalten von Tag zu Tag schwanken.
Für längere Wintertouren ist eine zweite volle Gasflasche praktisch Pflicht, nicht nur als Notreserve, sondern als fester Bestandteil der Planung. Wer öfter im tiefsten Winter unterwegs ist, kann über eine automatische Zweiflaschenanlage nachdenken, die bei leerer Flasche selbständig umschaltet, oder größere 33-kg-Flaschen im Außenbereich nutzen, sofern der Campingplatz das erlaubt.


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