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Abgasskandal bei Wohnmobilen – das sind deine Rechte

Nachdem bekanntlich bei Diesel-Pkw im großen Stil Manipulationen vorgenommen wurden, um die Abgaswerte zu schönen, wurde vor einiger Zeit nun (eigentlich wenig überraschend) über die Medien offiziell bekannt, dass auch Wohnmobile vom „Dieselskandal“ betroffen sind. Was können Besitzer solcher Fahrzeuge jetzt tun? Welche Rechte haben sie? Und wie kannst du deine Ansprüche prüfen? Wir haben Claus J. Goldenstein von der Kanzlei Goldenstein Rechtsanwälte ausführlich zu diesem Thema befragt.

CAMPERSTYLE: Herr Goldenstein, wann wurde klar, dass sich der „Dieselskandal“ auch auf Wohnmobile ausgeweitet hat?

Rechtsanwalt Claus Goldenstein

CLAUS GOLDENSTEIN: Es ist bereits seit mehr als fünf Jahren bekannt, dass Hersteller wie VW und Daimler ihre Fahrzeuge manipuliert haben. Von diesen Manipulationen sind unter anderem auch Autos betroffen, die von namhaften Reisemobil-Herstellern als Fahrgestelle genutzt werden – zum Beispiel der Mercedes-Benz Vito. Es ist somit grundsätzlich nichts Neues, dass auch Wohnmobile vom Abgasskandal betroffen sind.

Wirklich groß wurde das Thema aber erst im Juli 2020. Damals führte die Staatsanwaltschaft Frankfurt Razzien in Geschäftsgebäuden von Fiat Chrysler (heute Stellantis) und Iveco durch. Nur wenige Wochen später gaben die Ermittler bekannt, dass allein in Deutschland mehr als 200.000 manipulierte Fahrzeuge mit Fiat-Motoren zugelassen worden seien – darunter zahlreiche Wohnmobile. Für die Camping-Szene war diese Nachricht natürlich ein Schock, denn mehr als zwei Drittel aller Wohnmobile werden auf Basis von Fahrgestellen wie dem Fiat Ducato und den Iveco-Modellen Daily Hi-Matic, Daily 4×4 und Eurocargo gebaut.  

Tatsächlich geht aus einem Bericht des ZDF-Fernsehmagazins Frontal21 hervor, dass die deutschen Behörden bereits 2016 von dem Fiat-Abgasskandal Bescheid wussten. Der Automobilzulieferer Bosch gab nämlich nach dem Bekanntwerden des VW-Abgasskandals gegenüber dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zu, auch an Fiat Chrysler Motor- und Dosiersteuergeräte geliefert zu haben, mit deren Software der Konzern den Schadstoffausstoß seiner Diesel-Fahrzeuge manipulierte.

Das deutsche Verkehrsministerium hatte diese Information auch an die italienischen Behörden weitergeleitet, welche weitgehend für die EU-weiten Zulassungen sowie die Rückrufe von Fiat- und Iveco-Fahrzeuge zuständig sind. In Italien wurden jedoch bis heute keine Rückrufe in der Sache angeordnet, weshalb die EU-Kommission sogar ein Vertragsverletzungsverfahren gegen das südeuropäische Land eröffnete. So erfolgte der erste offizielle Dieselskandal-Rückruf in der Sache erst im Jahr 2021, als das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt Iveco Daily-Fahrzeuge in die Werkstatt beorderte.

CAMPERSTYLE: Wie wurde das herausgefunden?

CLAUS GOLDENSTEIN: Nachdem der Automobilzulieferer Bosch 2016 im Rahmen des VW-Abgasskandals zugab, auch an Fiat Chrysler Software geliefert zu haben, die zur Manipulation des Schadstoffausstoßes von Diesel-Wohnmobilen dient, konnte das Kraftfahrt-Bundesamt noch im selben Jahr erhöhte Abgaswerte bei dem Fiat Ducato feststellen. Allerdings haben die italienischen Behörden, die für die Zulassung und Rückrufe der manipulierten Fahrzeuge zuständig sind, nicht darauf reagiert. Erst, als die Frankfurter Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen 2020 vorantrieb, kamen die Details über den Wohnmobil-Abgasskandal und dessen Ausmaße ans Licht.

CAMPERSTYLE: Um welche Wohnmobile, also Hersteller, Modelle und Motorisierungen, geht es hier konkret?

CLAUS GOLDENSTEIN: Nach bisherigem Kenntnisstand ergaben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt, dass alle Fiat- und Iveco-Diesel-Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 5 und Euro 6 vom Wohnmobil-Abgasskandal betroffen sind. Ausgenommen davon sind nach jetzigem Kenntnisstand nur Euro 6d-TEMP-Motoren.

Darüber hinaus wurden auch Motoren der Hersteller Daimler und Volkswagen manipuliert, die in Modellen wie dem Mercedes-Benz Marco Polo oder dem VW California verbaut sind.

Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass der Dieselskandal quasi die gesamte Camper-Szene betrifft. Insgesamt setzen nämlich mehr als 50 Reisemobil-Hersteller auf die Fahrgestelle und Motoren von Fiat, Iveco, Daimler und VW. Dazu zählen nahezu alle namhaften Hersteller. 

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Folgende Motoren sind betroffen
Daimler:

  • OM 622
  • OM 626
  • OM651

VW:

  • EA 189
  • EA 288

Fiat & Iveco

  • alle Euro 5 und Euro 6 Motoren

Du findest hier eine genaue Auflistung aller bislang bekannten Hersteller und Modelle, die vom Abgasskandal betroffen sind. Diese Liste wird laufend aktualisiert, da das volle Ausmaß des Dieselskandals bisher noch nicht bekannt ist.

CAMPERSTYLE: Von wie vielen Fahrzeuge sprechen wir da ungefähr alleine in Deutschland und evtl. auch international?

CLAUS GOLDENSTEIN: Allein in Deutschland sind über 200.000 Fahrzeuge vom Fiat- und Iveco-Dieselskandal betroffen, darunter viele Wohnmobile. Wie viele Fahrzeuge international manipuliert wurden, ist allerdings schwer einzuschätzen. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass europaweit möglicherweise mehr als eine Million Wohnmobile vom Abgasskandal betroffen sind.

CAMPERSTYLE: Was wurde bei diesen Fahrzeugen genau manipuliert?

CLAUS GOLDENSTEIN: Bislang ist bekannt, dass in manipulierten Wohnmobilen mit Fahrgestellen von Fiat und Iveco spezielle Abschalteinrichtungen verbaut wurden. Diese regulieren den Schadstoffausstoß nur innerhalb eines begrenzten Zeitfensters ab dem Start des Motors und schalten die Abgasreinigung danach komplett ab. Die Abgasrückführung, die den Stickoxidausstoß verringert, arbeitet dabei gerade lang genug, um eine reguläre Abgasprüfung für die Fahrzeugzulassung zu bestehen. Darüber hinaus setzte Fiat auch auf sogenannte Thermofenster, die nur bei bestimmten Temperaturen für eine korrekte Abgasreinigung sorgen. Konkret bedeutet dies, dass die betroffenen Fahrzeuge nur auf dem Prüfstand die vorgeschriebenen Stickoxid-Grenzwerte einhalten. Im normalen Straßenbetrieb stoßen sie hingegen deutlich mehr Schadstoffe aus, als es eigentlich erlaubt wäre. Diese Fahrzeuge hätten somit eigentlich gar nicht zugelassen werden dürfen.

Bei VW und Daimler kamen weitere Abschalteinrichtungen zum Einsatz. Das Kraftfahrt-Bundesamt entdeckte allein in den Diesel-Fabrikaten von Daimler insgesamt fünf verschiedene Abschalteinrichtungen. Beispielsweise wurde die Motorensteuerung von einigen VW-Fahrzeugen mittels einer Software so manipuliert, dass der Schadstoffausstoß nur bei stillstehendem Lenkrad deutlich reduziert wurde. Logischerweise ist auch das nur während der Zulassungsprüfung der Fall.

CAMPERSTYLE: Wie ist der aktuelle Stand der Ermittlungen?

CLAUS GOLDENSTEIN: Das volle Ausmaß des Skandals ist noch nicht bekannt, auch stehen zahlreiche Rückrufe noch aus. Das Kraftfahrt-Bundesamt ließ bislang mehrere Daimler-, Iveco- und VW-Fahrzeuge zurückrufen, die als Basis für Wohnmobile dienen. Es ist jedoch äußerst wahrscheinlich, dass es insbesondere bei Fiat und Iveco zeitnah noch zu vielen weiteren Rückrufen kommen wird.

CAMPERSTYLE: Was können Kunden jetzt tun? 

CLAUS GOLDENSTEIN: Wer ein illegal manipuliertes Wohnmobil besitzt, hat Anspruch auf Schadensersatz. Seit Mai 2020 herrscht diesbezüglich Rechtssicherheit, nachdem wir von Goldenstein Rechtsanwälte das erste Dieselskandal-Urteil vor dem Bundesgerichtshof erwirkt haben. Das Urteil gilt aktuell nur für manipulierte VW-Fahrzeuge, doch es lässt sich grundsätzlich auf sämtliche illegal manipulierte Fahrzeuge übertragen. Allgemein haben Wohnmobil-Halter zwei Möglichkeiten, um ihre Rechtsansprüche durchzusetzen:

  1. Sie können ihr manipuliertes Fahrzeug entweder zurückgeben und erhalten im Gegenzug eine Entschädigung, die sich am ursprünglichen Kaufpreis orientiert. Sie müssen sich lediglich die bisherige Nutzungsdauer negativ anrechnen lassen. Dafür erhalten sie aber Anspruch auf Verzugszinsen, die ihre Entschädigungssumme erhöhen.

    Im Klartext bedeutet das: Betroffene Fahrzeughalter sollten sich so schnell wie möglich rechtlich beraten lassen, denn mit jedem neuen Tag erhöht sich die Nutzungsentschädigung, die dann wiederum von der Entschädigungssumme abgezogen wird. Verzugszinsen, die diesen Wertverlust ausgleichen sollen, werden hingegen erst ab dem Tag der Klage-Einreichung fällig.

  2. Wohnmobil-Halter haben darüber hinaus die Möglichkeit, ihr Fahrzeug zu behalten und trotzdem Schadensersatz durchzusetzen. Die manipulierten Wohnmobile werden nämlich aufgrund des Dieselskandals enorm an Wert verlieren.

    Diese Entwicklung hat der PKW-Abgasskandal bereits gezeigt. Daher ist es möglich, sich für diesen Wertverlust entschädigen zu lassen. In der Regel erhalten die Fahrzeug-Besitzer so etwa 20-25 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises als Entschädigung zugesprochen.

Beispiel-Rechnung für oben genannte zwei Möglichkeiten:

Angenommen, ein betroffener Wohnmobil-Besitzer hat sein Wohnmobil vor 2 Jahren für 80.000 Euro gekauft.

  1. Er könnte sein Fahrzeug rückabwickeln lassen und seinen Schadensersatzanspruch geltend machen. Der Schadensersatz berechnet sich aus dem Kaufpreis abzüglich der Nutzungsentschädigung. Da die zuständigen Gerichte im Regelfall von einer maximalen Lebensdauer der Wohnmobile in Höhe von 25 Jahren bzw. 300 Monaten ausgehen, würde in diesem Fall eine Nutzungsentschädigung in Höhe von 8 Prozent des Kaufpreises abgezogen werden. Das wären bei 80.000 Euro insgesamt 6.400 Euro. Der Kläger würde somit eine Entschädigung in Höhe von 73.600€ erhalten. Hinzu kommen dann noch die Verzugszinsen ab Klageerhebung.

  2. Möchte der betroffene Wohnmobil-Halter sein manipuliertes Fahrzeug nicht zurückgeben, könnte er es auch behalten und auf Schadensersatz klagen. Hierbei würde er ca. 20-25 Prozent des Kaufpreises zurückerhalten, in diesem Fall also etwa 16.000 bis 20.000€.
Wie viel Schadensersatz dir zusteht, kannst du bei Goldenstein Rechtsanwälte kostenlos berechnen lassen.

CAMPERSTYLE: Wie wirken sich nachträgliche Einbauten am Wohnmobil auf die Entschädigungssumme aus?

CLAUS GOLDENSTEIN: So genannte Nachbauten wirken sich positiv auf die Entschädigungssumme aus, da diese den Wert des Fahrzeugs steigern. Die Kosten dafür können deshalb im Rahmen einer Diesel-Klage ebenfalls eingefordert werden. Die einzige Voraussetzung hierfür ist, dass der Abgasskandal dem Wohnmobil-Besitzer zum Zeitpunkt der Fahrzeug-Aufwertung nicht bekannt war. Es ist nämlich nicht möglich, sich die Aufrüstung des eigenen Fahrzeuges im Zuge einer Schadensersatzklage subventionieren zu lassen. Wer seine Rechtsansprüche im Wohnmobil-Abgasskandal durchsetzt, kann währenddessen also Umbauten an seinem Fahrzeug vornehmen, aber die Kosten hierfür nicht in seine Schadensersatzklage einfließen lassen.

CAMPERSTYLE: Wird es eine Art Sammelklage wie im Pkw-Bereich geben?

CLAUS GOLDENSTEIN: Bisher gibt es noch keine Anzeichen dafür, dass es bald zu einer Sammelklage im Wohnmobil-Dieselskandal kommen wird. Möglich ist es dennoch. Die Erfahrung aus der sogenannten Musterfeststellungsklage – der Dieselskandal-Sammelklage gegen VW – hat aber gezeigt, dass solche Formen der Rechtsdurchsetzung nicht das bestmögliche Ergebnis für die Kläger hervorbringen. So erhielten die berechtigten Teilnehmer dieser Sammelklage ein Vergleichsangebot in Höhe von bis zu 15 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises, wenn diese ihr Fahrzeug behalten und auf sämtliche Rechtsansprüche verzichten. Nur kurze Zeit später erwirkten wir mit unserer Kanzlei dann das Dieselskandal-Grundsatzurteil vor dem Bundesgerichtshof. Im Anschluss offerierte Volkswagen deutlich bessere Vergleichsangebote. Individualkläger erhielten daher nicht selten mehrere Tausend Euro mehr als Sammelkläger mit dem gleichen Fahrzeug.

CAMPERSTYLE: Kann bzw. muss ich mein Wohnmobil per Update nachrüsten lassen?

CLAUS GOLDENSTEIN: Die Hersteller sind dazu verpflichtet, die Abgasreinigung von manipulierten Fahrzeugen zu normalisieren, wenn diese im Rahmen des Dieselskandals von einem offiziellen Rückruf betroffen sind. In der Regel erfolgt dies durch ein Software-Update. Grundsätzlich sind betroffene Halter nicht dazu verpflichtet, dieses Update installieren zu lassen. Wenn sie sich weigern, droht dem eigenen Fahrzeug allerdings die Stilllegung, da es die geltenden Umweltrichtlinien nicht erfüllt. Das Fahrzeug könnte im schlimmsten Fall also nicht mehr genutzt werden. Anders sieht es aus, wenn ein Fahrzeughersteller ein freiwilliges Software-Update ohne behördlichen Rückruf durchführen möchte.  Ein solches Update kann und sollte von betroffenen Haltern abgelehnt werden.

CAMPERSTYLE: Falls ich mich für das Update entscheide – wer trägt dann die Kosten?

CLAUS GOLDENSTEIN: Das hängt von der jeweiligen Art des Updates ab. Für Software-Updates durch die verantwortlichen Hersteller kommen die Autobauer selbst auf. Alternativ ist es aber auch möglich, eine Hardware-Nachrüstung am Fahrzeug vornehmen zu lassen. Viele Experten sind der Meinung, dass dies die einzige Möglichkeit ist, um manipulierte Fahrzeuge wirklich sauber zu kriegen. Diese Form der Umrüstung kann allerdings teuer werden. Zwar haben sich einige Hersteller bereit erklärt, sich unter bestimmten Voraussetzungen an den Kosten zu beteiligen. Allerdings reicht dies oft nicht aus, um die gesamten Kosten zu decken. Außerdem sind nicht alle Hersteller bereit, sich an der Umrüstung zu beteiligen.

CAMPERSTYLE: Ist ein Update mit irgendwelchen Risiken für den Fahrzeughalter verbunden?

CLAUS GOLDENSTEIN: Ein Soft- oder Hardware-Update ist kein harmloser Eingriff und kann unter Umständen zu weiteren Schäden führen. Eine Umfrage des Vereins für Konsumenteninformationen ergab, dass jeder zweite Fahrzeughalter nach der Durchführung eines Software-Updates im Rahmen des Dieselskandals über Probleme klagt: Ein erhöhter Kraftstoffverbrauch, Leistungseinbrüche, unangenehme Gerüche, Ausfälle des Abgassystems, verstopfte Partikelfilter bis hin zu einem komplett defekten Motor – die Liste der Schäden nach einem Update ist lang. Daher sollten betroffene Fahrzeug-Halter kein Update durchführen lassen, solange sie nicht offiziell dazu aufgefordert werden.

CAMPERSTYLE: Wer haftet für negative Folgen von Updates?

CLAUS GOLDENSTEIN: Wie bereits erwähnt, hat fast jeder zweite vom Dieselskandal betroffene Fahrzeughalter mit negativen Folgen nach einem Update zu kämpfen. Das sind nicht gerade wenige. Allerdings ist es oft nicht einfach, den direkten Zusammenhang zwischen Software-Update und Fahrzeugschaden zu belegen. Oftmals müssen betroffene Verbraucher daher selbst für nachfolgende Reparaturen aufkommen. Das kann für viele Verbraucher problematisch werden, da die Reparaturen der Folgeschäden häufig sehr kostspielig sind. VW kommt beispielsweise nur innerhalb von zwei Jahren nach der Durchführung des Updates für damit verbundene Schäden auf – allerdings auch nur dann, wenn das Fahrzeug bis dahin scheckheftgepflegt wurde. Häufig treten teure Schäden aber erst mittelfristig auf und die damit verbundenen Reparaturen sind dann wiederum mit besonders hohen Werkstattkosten verbunden.

CAMPERSTYLE: Was passiert, wenn ich untätig bleibe oder das Update keine Besserung der Abgaswerte bringt?

CLAUS GOLDENSTEIN: Die Stilllegung eines manipulierten Fahrzeugs droht, wenn ein behördlich angeordnetes Software-Update verweigert wird oder der verantwortliche Hersteller die Abgasreinigung eines manipulierten Fahrzeugs nicht mittels eines solchen Updates normalisieren kann. In beiden Fällen erfüllen die Fahrzeuge die EU-Umweltregularien nicht und sind somit nicht länger für den Straßenverkehr geeignet.

CAMPERSTYLE: Wie bzw. wo kann ich prüfen, ob ich überhaupt eine Chance z.B. auf Schadenersatz habe?

CLAUS GOLDENSTEIN: Auf unserer Website ra-goldenstein.de können Verbraucher in zwei einfachen Schritten kostenlos und ohne Risiko prüfen, ob ihr Fahrzeug möglicherweise vom Dieselskandal betroffen ist und mit welcher Entschädigung sie rechnen können. Außerdem bieten wir ihnen eine kostenlose Erstberatung in der Sache an, um die rechtlichen Möglichkeiten im Dieselskandal abzuwägen.

Anspruch prüfen und Schadensersatz berechnen

CAMPERSTYLE: Gegen wen richtet sich die Klage?

CLAUS GOLDENSTEIN: Im Normalfall richtet sich die Dieselskandal-Klage gegen Entwickler bzw. Hersteller des Fahrzeugmotors – also Fiat, Iveco, VW und Daimler oder deren jeweilige verantwortliche Tochter. Stand heute ist nicht davon auszugehen, dass Reisemobilhersteller wie Hymer, Carthago oder wie sie alle heißen, bewusst illegal manipulierte Motoren verbaut haben.

CAMPERSTYLE: Wenn ich gegen einen ausländischen Hersteller klagen möchte, muss die Klage dann im Herkunftsland oder in Deutschland eingereicht werden?

CLAUS GOLDENSTEIN: Wer seinen Wohnsitz in Deutschland hat, darf natürlich auch hier juristisch gegen die Manipulation von Fiat und Iveco vorgehen und muss nicht in Italien oder der Schweiz klagen. Dazu gibt es eine eindeutige Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshof (EuGH).

CAMPERSTYLE: Reicht eine Strafanzeige gegen den Hersteller aus, um Schadensersatz zu erhalten?

CLAUS GOLDENSTEIN: Nein, eine Strafanzeige reicht nicht aus, um seine Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Wer seine Rechte durchsetzen will, benötigt die Unterstützung von einem Anwalt bzw. einer Rechtsanwaltskanzlei. Letztlich wirkt sich eine Strafanzeige weder positiv noch negativ auf die Durchsetzung der Entschädigung aus. Eine Strafanzeige hat schlichtweg keinen Einfluss auf die zivilrechtliche Aufarbeitung des Abgasskandals.

CAMPERSTYLE: Ist dafür eine Rechtsschutzversicherung erforderlich bzw. welches finanzielle Risiko muss ich hier tragen?

CLAUS GOLDENSTEIN: Rechtsschutzversicherungen übernehmen die vollen Kosten eines Dieselskandal-Verfahrens, wenn der Versicherungsschutz zum Zeitpunkt des Wohnmobil-Kaufs bestand. In diesem Fall müssen die betroffenen Fahrzeughalter lediglich die vertraglich vereinbarte Selbstbeteiligung zahlen. Wer keine Rechtsschutzversicherung hat, kann sich dennoch juristisch gegen diesen Betrug zur Wehr setzen. Bei Klagen gegen VW und Daimler arbeiten wir beispielsweise mit Prozesskostenfinanzierern zusammen, die ebenfalls für die vollen Verfahrenskosten aufkommen. Nur im Erfolgsfall – also, wenn ein Fahrzeughalter eine Entschädigung erhält – bezieht der Prozesskostenfinanzierer eine kleine Provision. Der Prozesskostenfinanzierer übernimmt also das volle finanzielle Risiko für eine Dieselskandal-Klage. Aktuell stehen wir mit mehreren Prozesskostenfinanzierern in Kontakt, um diese Leistung auch Haltern von Fiat- und Iveco-Fahrzeugen anbieten zu können.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch die Möglichkeit, die Kosten für das Verfahren selbst vorzustrecken. Hierbei ist zu beachten, dass die Kläger die kompletten Verfahrenskosten erstattet bekommen, wenn sie ihren Fall gewinnen. Wer sich nicht sicher ist, ob er eine Klage einreichen möchte, kann sich diesbezüglich von uns beraten lassen. Die Erstberatung zum Dieselskandal ist zumindest bei uns immer kostenlos.

CAMPERSTYLE: Wie lange dauert eine Klage in der Regel und wie hoch sind die Erfolgschancen?

CLAUS GOLDENSTEIN: Die Prozessdauer unterscheidet sich von Gericht zu Gericht. Im Schnitt vergehen rund neun Monate von der Übermittlung der Klageschrift bis zum Urteil. Natürlich sind wir stets daran interessiert, die Rechte unserer Mandanten so effizient wie möglich durchzusetzen und dabei das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Daher erarbeiten wir auch außergerichtliche Einigungen für unsere Mandaten, wenn dies für sie sinnvoll ist. Selbstverständlich schließen wir solche Vergleiche nie ohne die Zustimmung unserer Mandanten ab. Aktuell können wir von Goldenstein Rechtsanwälte bei über 28.500 vertretenen Mandanten eine Erfolgsquote von 99 Prozent verzeichnen – die Chancen für eine erfolgreiche Entschädigung stehen also sehr gut für betroffene Fahrzeughalter.

CAMPERSTYLE: Welche Fristen müssen beachtet werden? Wie verhält es sich mit der Verjährung?

CLAUS GOLDENSTEIN: Im Fall von Betrug oder sittenwidriger Schädigung gilt in Deutschland grundsätzlich eine Verjährungsfrist von drei Jahren zum Jahresende ab Kenntnis der geschädigten Personen. Im Rahmen des VW-Abgasskandals entschieden die BGH-Richter, dass Verbraucher teilweise bereits 2015 im Zuge der von VW veröffentlichten Ad hoc-Meldung vollständige Kenntnis über den Dieselskandal hatten. Ihre Rechtsansprüche sind demnach am 1. Januar 2019 verjährt. Das ist absolut nicht verbraucherfreundlich, denn ein Verbraucher als technischer und rechtlicher Laie hätte demnach bereits vor Jahren mehr über den VW-Abgasskandal gewusst haben sollen, als Volkswagen noch Jahre später zu wissen vorgab. Hierzu gehört vor allem die Kenntnis über die konkret verwendete Software sowie deren Wirkweise und rechtliche Einordnung. Davon hängt schließlich die Gebrauchsfähigkeit und das damit einhergehende Stilllegungsrisiko der betroffenen Fahrzeuge ab. Auch der entstandene Vermögensschaden war vor mehreren Jahren kaum einsehbar. 

Insofern ist es für betroffene Wohnmobil-Halter wichtig, ihre Rechte möglichst schnell durchzusetzen. Auch im Wohnmobil-Abgasskandal ist nämlich davon auszugehen, dass die BGH-Richter sich streng positionieren werden, wenn es um die Verjährung geht.

Wichtig zu wissen ist diesbezüglich noch Folgendes: Nach der eingetretenen Verjährung bestehen für betroffene Fahrzeughalter noch immer sogenannte Restschadensersatzansprüche. Gemäß § 852 BGB sollen betroffene Verbraucher so für die Bereicherung durch die Manipulation entschädigt werden. Die Hersteller müssen den Diesel-Fahrern dabei die Summe erstatten, die der jeweilige Konzern durch den Betrug eingenommen hat. Hierfür ist eine Frist von zehn Jahren nach dem Kauf des manipulierten Fahrzeugs gesetzt.

CAMPERSTYLE: Wurden in Deutschland schon Klagen gegen die Hersteller eingereicht?

CLAUS GOLDENSTEIN: Die genaue Anzahl der laufenden Klagen im Wohnmobil-Abgasskandal lässt sich aktuell noch nicht einschätzen. Allein wir von Goldenstein Rechtsanwälte vertreten aber bereits die Rechte von Hunderten betroffenen Wohnmobil-Haltern und stehen mit zahlreichen weiteren Verbrauchern in Kontakt. Unser selbsterklärter Anspruch ist es natürlich, auch in der Aufarbeitung des Wohnmobil-Dieselskandals eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Titelbild: (c) Corepics / Depositphotos.com

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