|

CityFreighter & Vöhringer: Vollintegriertes E-Wohnmobil mit 128-kWh-Batterie und 430 km Reichweite

CityFreighter & Vöhringer: Vollintegriertes E-Wohnmobil mit 128-kWh-Batterie und 430 km Reichweite© Jalil Landero Flores / CamperStyle

Camping-Fahrzeuge

Bei Google bevorzugen

Während auf dem Caravan Salon die meisten Hersteller noch zögerten, zeigte ein Demonstrator von CityFreighter und Vöhringer, dass elektrische Wohnmobile längst mehr sind als eine ferne Zukunftsvision. Sebastian hat sich auf dem vergangenen Caravan Salon mit Michael Schöning von CityFreighter getroffen und einen Blick auf ein vollintegriertes E-Wohnmobil geworfen, das mit seinen technischen Daten überrascht.

Die wichtigste Erkenntnis: Elektromobilität im Wohnmobilbereich ist machbar und könnte schneller Realität werden als viele denken.

Du willst das komplette Gespräch von Sebastian mit Michael Schöning hören und mehr über die technischen Details erfahren? Die ganze Podcast-Folge vom Caravan Salon findest du hier:

Warum die Branche bisher zögerte

Jahrzehntelang musste die Wohnmobilbranche mit dem arbeiten, was die großen Fahrzeughersteller übrig ließen. Chassis von Mercedes Sprinter oder Ford Transit bildeten die Basis, auf der Aufbauhersteller ihre Wohnmobile konstruierten. Diese Verbrenner-Fahrwerke ließen sich nach Belieben bearbeiten: bohren, sägen, schweißen – alles kein Problem.

Mit der Elektromobilität ändert sich das grundlegend. Hochvolttechnik, Cybersecurity und Functional Safety stellen völlig neue Anforderungen. Wie Michael Schöning berichtet, liefen verschiedene Hersteller bereits bei Mercedes vor. Die Antwort war ernüchternd: Es sei ein Nischenmarkt, man müsse die Kunden umerziehen. Diese Haltung war für Schöning und sein Team der Auslöser, selbst aktiv zu werden.

Der Demonstrator: Beeindruckende technische Daten

Das Fahrzeug, das auf dem Caravan Salon zu sehen war, hat die Maße eines klassischen vollintegrierten Wohnmobils: 6,95 m Länge. Doch die inneren Werte überraschen. Die Kombination aus Leichtbau-Expertise von Vöhringer und durchdachter Aerodynamik macht den Unterschied.

Besonders interessant ist die Aerodynamik. Das Fahrzeug ist in Wassertropfenform aufgebaut: vorne 2 m breit, in der Mitte 2,35 m und hinten wieder 2 m. Selbst Details wie die Größe der Außenspiegel oder eine spätere Nahtlos-Integration der Markise spielen eine entscheidende Rolle für den Luftwiderstand.

Die komplette Inneneinrichtung inklusive Wärmepumpe und Kühlschrank wiegt lediglich rund 600 kg. Zusammen mit der großen 128-Kilowattstunden-Batterie bringt es das fahrbereite Fahrzeug auf ein Gesamtgewicht von etwa 3,5 t. Bei der geplanten Führerscheinerweiterung auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 4,25 t für E-Fahrzeuge verbleibt somit eine praxisgerechte Zuladung von rund 750 kg.

Der Praxistest: 430 Kilometer sind möglich

Theoretische Werte sind das eine, die Praxis das andere. Als ein Entwicklungsleiter eines süddeutschen Herstellers behauptete, mehr als 260 bis 270 km Reichweite seien nicht erzielbar, führte das Team von CityFreighter den Beweis an. Sie beluden den Demonstrator mit Schraubenkisten auf das maximale Gewicht von 4,25 t und absolvierten einen ausgiebigen Test in Aachen – bergauf, bergab, Autobahn.

Das Ergebnis: 430 km echte Reichweite. Nach Einschätzung von Michael Schöning braucht es keine 600 oder 700 km, wie manche Hersteller fordern. Entscheidend ist vielmehr die Kombination aus einer praxistauglichen Reichweite (um 400 km) und einer Schnellladefähigkeit von mindestens 200 Kilowatt.

Die Niedrigflur-Plattform als Schlüssel

Ein wesentlicher Unterschied zu herkömmlichen Wohnmobilen liegt in der Konstruktion des Fahrgestells. Während traditionelle Plattformen wie beim Fiat Ducato eine Fußbodenhöhe von 600 bis 700 mm aufweisen, arbeitet CityFreighter mit einer speziellen Low-Floor-Plattform (Niedrigflurfahrwerk). Diese liegt bei nur 350 bis 400 mm über dem Boden.

Der Vorteil: Die Batterie lässt sich geschützt und komplett im Fahrzeugboden unterbringen, was gleichzeitig für einen niedrigen Schwerpunkt sorgt. Zudem ist die Konstruktion flexibel: Je nach Einsatzzweck – etwa bei einem städtischen Lieferfahrzeug – kann die Batteriegröße angepasst werden.

Zukunftssicher durch modularen Aufbau

Ein Wohnmobil ist für viele Menschen eine langfristige Investition, die zehn, fünfzehn oder sogar zwanzig Jahre genutzt wird. Gleichzeitig entwickelt sich die Batterietechnologie rasant weiter. CityFreighter hat darauf eine clevere Antwort: Der Batterieraum ist so konstruiert, dass zukünftige Batteriegenerationen in vier bis fünf Jahren nachgerüstet werden können, ohne das Chassis verändern zu müssen.

Wie Michael Schöning aus eigener Erfahrung mit seinem Tesla berichtet, halten moderne Batterien ohnehin deutlich länger als früher angenommen. Fahrzeuge mit 300.000 bis 500.000 km Laufleistung weisen oft noch 80 % Restkapazität auf. Die aktuellen Standards der Hersteller liegen bei etwa 3.000 Ladezyklen.

Schnellladen wird immer effizienter

Schöning, der regelmäßig die Strecke von Aachen zu Vöhringer nach Reutlingen fährt, erlebt die Fortschritte beim Laden hautnah. An modernen Schnellladestationen ist das Fahrzeug oft schon wieder fahrbereit, noch bevor er die Bestellung für seinen Burger überhaupt entgegengenommen hat. Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren weiter beschleunigen.

Für Camper bedeutet das: Eine Pause nach 300 bis 400 km passt ohnehin gut zum entspannten Reisen. Mit hoher Ladeleistung wird diese Pause zur sinnvollen Erholung, statt zum lästigen Zeitverlust.

Die Koalition der Willigen

Das Ziel von CityFreighter ist nicht zwingend, selbst als Endkunden-Marke Wohnmobile zu verkaufen. Vielmehr wollen sie zeigen, was technisch möglich ist, und Partner aus der Branche zusammenbringen. Michael Schöning spricht von einer „Koalition der Willigen“ – ein Zusammenschluss von Unternehmen, die das Thema Elektromobilität aktiv vorantreiben wollen, statt weitere Jahre verstreichen zu lassen.

Bislang haben sich vor allem namhafte Zulieferer und Player aus der Supply Chain gemeldet, die Komponenten beisteuern wollen. Gespräche mit den großen Wohnmobilherstellern stehen an. Der Ansatz lautet: Nicht das Feld kampflos chinesischen Herstellern überlassen, sondern strategisch kooperieren und Win-win-Situationen schaffen.

Wann kommt das erste Serienfahrzeug?

Die konservative Schätzung von CityFreighter: Bis Ende 2028 könnte eine erste Klein- bzw. Pilotserie auf den Markt kommen. Das klingt nach viel Zeit, ist aber im Automotive-Bereich realistisch. Selbst chinesische Entwicklungszyklen benötigen rund zwei bis zweieinhalb Jahre, und allein die europäische Homologation (Zulassung) nimmt viel Zeit in Anspruch.

Die Kleinserie dient zunächst als Testflotte für Straßentests mit Partnern. Entscheidend für den späteren Markterfolg wird laut Schöning der Preis sein: Das elektrische Wohnmobil muss preislich in einer ähnlichen Liga wie heutige Verbrenner-Modelle spielen. Das funktioniert nur über Stückzahlen und Skalierung.

Cityfrighter/ Vöhringer auf dem Caravan Salon 2026: Nummernschild mit der Aufschrift "Zero emission".© Jalil Landero Flores / CamperStyle
Cityfrighter/ Vöhringer auf dem Caravan Salon 2026: Nummernschild mit der Aufschrift "Zero emission".

Produktion: Europa und Asien kombinieren

Um wettbewerbsfähige Preise zu erreichen, denkt CityFreighter über eine globale Kombination nach: Das Grundchassis oder die Rohkabine könnten in Asien gefertigt werden, während die Endmontage und der Ausbau in Europa stattfinden. Auch bei den Batterielieferanten (wie CATL) setzt man auf etablierte Partner, um die Lieferkette abzusichern.

Dieser pragmatische Ansatz unterscheidet sich deutlich von der abwartenden Haltung mancher Branchenvertreter. Statt darauf zu hoffen, dass klassische Fahrzeughersteller irgendwann die perfekte Basis liefern, sucht CityFreighter eigenständig nach Lösungen.

Weitere Informationen unter www.evolve.cityfreighter.com.

Fazit: Die Elektro-Wohnmobil-Zukunft nimmt Fahrt auf

Der Demonstrator von CityFreighter und Vöhringer zeigt eindrucksvoll, dass elektrische Wohnmobile keine reine Zukunftsmusik mehr sind. Mit über 400 Kilometern Reichweite, Schnellladefähigkeit und durchdachtem Leichtbau sind die technischen Voraussetzungen bereits heute gegeben. Die Niedrigflur-Plattform ermöglicht eine flexible Batterieintegration, und der modulare Aufbau macht das Konzept zukunftssicher.

Bis Wohnmobile dieser Art beim Händler stehen, wird es noch ein paar Jahre dauern. Doch die Dynamik in der Branche ist spürbar: Während manche noch abwarten, formiert sich eine Koalition von Unternehmen, die das Thema aktiv anpackt. Collaboration statt Stillstand – das könnte der Schlüssel für das Camping von morgen sein.

10 Kommentare

  1. Jo
    Nur was für Lottogewinner in warmen Gegenden. btw: Wobitte ist der Datenschutzhinweis, dem man hier zustimmen soll???
    1. Nele Landero FloresRedaktion
      Hallo Jo, ich weiß nicht genau, wo du einem Datenschutzhinweis zustimmen solltest, aber für unsere Website findest du die Datenschutzerklärung hier: https://camperstyle.de/datenschutzerklarung/
  2. Johannes Peschk
    Auf der CMT Stuttfart habe ich Vertreter einiger Hersteller hinsichtlich der E-Mobilität im Wohnmobil-Segment angesprochen. Die Reaktionen waren...völlig überrascht v.meinem Vorschlag. Als ich diesen damit begründete, dass nur noch eine Energieform notwendig sei, zum Fahren/Wohnen, entgegnete man mir, dass die Hersteller sehr konservativ seien und jeder Hersteller auf den Anderen warte, bis dieser etwas 'Neues' auf den Markt bringe.. und..wie es sich dann verkauft. Auch im Caravan-Segment sieht es nicht anders aus, obwohl durch die V2L-Technologie bei vielen E-Fahrzeugen der rein elektrische Betrieb eines Wohnwagens mit geringer technologischem Umbau schnell durchführbar wäre. Man denke nur daran, wie lange ein Wohnwagen durch einen Auto-Akku (80 KW) betrieben werden könnte..und..das E-Auto kann zum Nachladen 'alleine' zu einer HPC-Stadion fahren und innerhalb von einer 1/2 Std wäre der genug Strom für mehrtägige Autarkie geladen. Mir völlig unverständlich, dass die deutschen Hersteller diese Entwicklung verschlafen. In diesem Bereich 'verpennen' die dt. Hersteller einen zukunftsweisende Entwicklung und 'reiben' sich die Augen, wenn andere Länder (China) ihnen 'das Wasser abgraben'.
  3. alain lefevre
    Also vollich aufladen beim schnellladsaulen ungefahr 3 biss 4 stunden? Oder langer? Soll das nach entspannten klingen? Preiss fur dass alles? Fur jedermann?
    1. Michael
      Wie kommen Sie auf diese Zahlen? 30 Minuten und mein E Auto ist von 10 auf 80%, bereit für weitere 400km.
  4. Franz Rebein
    Spätestens vor 5 Jahren war schon klar wo die Reise auch bei den Wohnmobilen hingeht. Passiert ist im Land der Mittelaltermärkte und Nachtwächter nichts. Fahre seit 4 Jahren elektrisch und würde mir sofort ein bezahlbares vollelektrisches Wohnmobil kaufen. Eure Idee ist gut und richtig, wünsche Euch viel Erfolg bei der Umsetzung. Das wird schwer in einem Land wo die Interessen der Gewerkschaften wichtiger als die der Kunden sind.
  5. Ludwig Bombardelli
    Die Entwicklung dieses E-Wohnmobils mit 430 km Reichweite finde ich als langjähriger Wohnmobilfahrer super! Man fährt ja in den Urlaub da sind meine längsten Strecken zwischen 300 max 350km pro Reisetag. SOLARPANELE wäre für einen Induktionherd super. Das Heizsystem ist zu Überdenken, weil einige das Fahrzeug auch im Winter benutzt werden. Ansonsten wäre die Konstruktion echt super! Gratulation 👍 🥂 👍
  6. Stefan Juffa
    Deutschland müsste endlich wieder zu einem Wirtschaftsmotor werden und nicht alles aus China importieren. Eine Reichweite von 400 Kilometer ist ein sehr guter Anfang ,wünschenswert sind 500 Kilometer da sich in einer kalten Jahreszeit und auf Autobahnen die Reichweite minimiert. Man sollte auch mal darüber nachdenken bei einem Integrierten Wohnmobil die Chassis komplett aus Solarzellen zu fertigen. Es ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein aber ein Anfang und Ausbaufähig .
  7. Werner König
    Finde ich interessant. Keine Gasanlage, Elektroheizung ist überall installierbar. Da gibt es noch viel Überzeugungsarbeit bei den Campingplatzbesitzern, 99% verbieten Autoladungen auf dem Platz. Wir würden uns dennoch dafür entscheiden.
  8. Wolfgang Regner
    Finde ich super toll wenn sowas kommt oder geplant ist. Gut wäre es allemal mit Solaranlage und Klimaanlage und Heizung .Aber ich denke die Chinesen haben da schon was in der Schublade

Schreib einen Kommentar

Sei nett, bleib beim Thema — und teile gerne deine eigenen Erfahrungen mit uns!

Alle Kommentare werden moderiert und erscheinen erst nach Freigabe.

Justyna Glatzer

Justyna Glatzer ist unsere Content Marketing Managerin. Seit fünf Jahren verbindet sie ihren akademischen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für Camping, steuert die Artikelplanung und berichtet über aktuelle Angebote und Branchen-Neuheiten. Privat erkundet sie die Natur am liebsten beim Zeltcamping und Wandern – stets in Begleitung ihrer zwei Hunde.

Dir hat der Beitrag gefallen?

Dann teile ihn mit deinen Freunden!