Auf dem Caravan Salon 2026 stand in Halle 11 ein Wohnwagen, bei dem ich zweimal hinschauen musste. Heckklappe offen, Hubdach ausgefahren, an der Seite eine ausgezogene Küche aus Edelstahl. Das ist der Aquila 360 von LIDU. Die Marke kommt aus China und war meiner Erinnerung nach nicht zum ersten Mal in Düsseldorf. Neu ist in diesem Jahr jedoch der komplette Innenraum. Ich habe mir den kompakten Wohnwagen genauer angeschaut.
Wer steckt hinter LIDU?
LIDU RV gehört zu Zybody Automotive. Die Mutterfirma ist seit über 20 Jahren Zulieferer für große Autohersteller. Das merkt man dem Aquila an: Die Kabine setzt LIDU wie im Autobau aus Stahl- und Aluminiumblechen zusammen, laut Hersteller sind 80 Prozent davon Aluminium. Das Chassis hat LIDU selbst entwickelt. Es ist warmumgeformt und hochfest, auch das ist ein Verfahren aus dem Autobau.
Ein grüner Aufkleber im Innenraum sagt es ganz offen: „Designed by Europe, Made in China.“ Den neuen Innenraum hat ein europäisches Designstudio gestaltet. Das Messefahrzeug war weiß und anthrazit, mit einem kupferfarbenen Streifen. Wer es bunter mag: Laut Datenblatt gibt es den Aquila auch in Lemon Yellow, Cherry Red oder Raspberry Pink.
Die Maße
Der Aquila 360 ist 523,5 cm lang, 219 cm breit und 224,5 cm hoch. Fährt das Dach aus, wächst er auf 274,5 cm.
Leer wiegt er laut Datenblatt am Stand 1.200 kg, die LIDU-Website nennt 1.230 kg. Das zulässige Gesamtgewicht stand weder auf dem Datenblatt noch auf der Website. Ein Leichtgewicht ist der Aquila also trotz Alu nicht. Schau also in den Fahrzeugschein deines Autos, dort steht die erlaubte Anhängelast. Und zwar bevor du dich verliebst…
Einstieg durchs Heck
Rein kommst du in den Aquila buchstäblich durchs Hintertürchen. Die Heckklappe schwenkt elektrisch nach oben und steht dann wie ein kleines Vordach über dir. Unten klappt eine Plattform ab. Auf dem Datenblatt heißt das Ganze „Electric tailgate and lovers seats“. Ich übersetze das mal so: “Heck auf, zu zweit auf die Kante setzen, Kaffee in die Hand und verliebt gucken”.
Wie praktisch ist das im Alltag? Bei Regen stelle ich mir das Ein- und Aussteigen umständlicher vor als durch eine normale Tür. Bei Sonne ist das offene Heck dagegen klasse, weil drinnen und draußen fast ineinander übergehen. Die Privatsphäre kommt, ähnlich wie beim Karoo, vielleicht ein bisschen kurz. Denn kaum ist die “Tür” offen, kann dir jeder auf den Frühstückstisch schauen.

Das Hubdach
Das Dach fährt elektrisch nach oben. In die Stoffwände sind Fenster eingebaut, eine LED-Leiste am Dachrand beleuchtet den Balg. Dazu kommt ein Dachlüfter, der in beide Richtungen arbeitet.
Laut LIDU bringt das Dach Stehhöhe und zusätzlichen Schlafplatz. Insgesamt ist der Aquila für zwei bis drei Personen ausgelegt.

Wohnen und Schlafen
Vorne im Bug liegt eine große U-Sitzgruppe mit Säulentisch. Abends baust du sie zum Doppelbett mit 160 x 200 cm um. Richtung Heck stehen sich Küchenblock und ein Schrank mit Schubladen gegenüber.
Und dann ist da noch die Aufpreisliste. Selbst die Markise steht drauf, ebenso ein Duftsystem. „Smart Aromatherapy System“ steht auf dem Datenblatt. Wer’s mag.
Die Wände sind mit hellgrauem Filz bezogen. Die Sitzpolster sind hell gehalten, die Rückenlehnen ockerfarben, die Schrankfronten haben einen dunklen Holzton. Dazu kommt indirektes Licht an der Decke und am Boden. Das wirkt sehr wohnlich, obwohl die Innenschale laut Datenblatt aus spritzgegossenem ABS-Kunststoff und die Möbel aus Aluminium sind. Der Filz macht hier viel aus.

Bei der Technik legt LIDU ordentlich vor. Ein 13-Zoll-Display ist für die Steuerung da, eine HiFi-Anlage mit Subwoofer für die Musik. Für die Privatsphäre gibt es elektrochromes Glas: Auf Knopfdruck wird es milchig, dann kann niemand mehr reinschauen. Eine 360-Grad-Kamera, ein Rauchmelder und ein 2-kg-Feuerlöscher sind ebenfalls an Bord.
Die Küche: Induktion drinnen, Diesel draußen
Innen kochst du auf Induktion. Dazu gibt es eine Edelstahlspüle mit Klappdeckel und einen Kühlschrank mit 50 Litern.
Am Messefahrzeug war außen eine Auszugsküche verbaut, sehr typisch für chinesische Campingfahrzeuge. Sie fährt auf Schienen aus einem Seitenfach, der Dieselkocher hat 4,5 kW und ein eigenes Bedienteil mit Display. Ich mag solche Lösungen, weil Gerüche und Fettspritzer draußen bleiben. Ob die Außenküche schon im Preis steckt, ist allerdings fraglich. Dazu gleich mehr.
Gas taucht auf der Ausstattungsliste nicht auf. Du kochst mit Strom oder Diesel, und auch die Heizung läuft mit Diesel.

Bad und Wasser
Ein Bad hat der Aquila nicht. An Bord ist eine mobile Toilette. Zum Duschen gibt es gegen Aufpreis einen Duschkopf und ein Duschzelt für draußen.
Der Frischwassertank fasst 31 Liter, der Abwassertank 23 Liter. Für Aufenthalte auf dem Campingplatz ist das völlig ausreichend und entspricht dem Standard in “normalen” Caravans.
Strom und Heizung
Die LiFePO4-Batterie hat 314 Ah bei 12 Volt, das sind rund 4 kWh. Ein Ladegerät mit Wechselrichter (3.000 Watt) macht daraus 230 Volt. So kannst du auch ohne Landstrom auf Induktion kochen. Wie lange, hängt an deinem Verbrauch.
Die Heizung ist eine Diesel-Luftheizung mit 2 kW. LIDU verbaut die Höhenversion, die für Touren in den Bergen ausgelegt ist.
Gegen Aufpreis gibt es Solarmodule mit 360 Watt samt 40-A-Laderegler, eine zweite Batterie mit 314 Ah und eine Klimaanlage von Dometic.
Fahrwerk und Stauraum
Unter dem Aufbau setzt LIDU auf bekannte Technik: Die Gummifederachse und die Auflaufeinrichtung kommen von AL-KO, die Antischlingerkupplung ist optional. Der Aquila rollt auf Alufelgen mit Reifen im Format 205/55 R16. Die Größe kennst du vom Kompaktwagen. An den Ecken sitzen elektrische Stützen, am Bug ein Staukasten mit 300 Litern. Da passt einiges an Campingkram rein.
Was kostet der LIDU Aquila 360?
Am Stand hing ein handgeschriebenes Preisschild: 38.000 Euro. Das Datenblatt daneben teilt die Ausstattung in „Selected“ und „Not Selected“ ein. Ich lese das so: Was einen ausgefüllten Punkt hat, steckt im Preis. Alles andere kostet extra. Ganz sauber passt das nicht zum Messefahrzeug, denn dort war die Diesel-Außenküche verbaut, obwohl sie als „Not Selected“ markiert ist.
Mein Tipp: Lass dir vor dem Kauf eine schriftliche Ausstattungsliste zum Preis geben.

Worauf du beim Kauf achten solltest
LIDU ist hierzulande noch relativ neu. Den Import übernimmt Starlight aus den Niederlanden, ein Händlernetz baut die Firma gerade erst auf. Kläre deshalb vor dem Kauf diese Punkte:
COC-Papier: LIDU gibt an, dass der Aquila eine EU-Typgenehmigung hat. Lass dir das Dokument zeigen, sonst wird die Zulassung mühsam.
Service und Ersatzteile: Wer repariert Hubdach, Heckklappe oder das schaltbare Glas, wenn mal etwas klemmt? Und wie lange dauert es, bis Teile da sind?
Gewicht: Frag nach dem zulässigen Gesamtgewicht und der Zuladung.
Technische Daten im Überblick
Daten | LIDU Aquila 360 |
|---|---|
Hersteller | LIDU RV (China), gehört zu Zybody Automotive |
Import Europa | Starlight (Niederlande) |
Länge x Breite x Höhe | 523,5 x 219 x 224,5 cm |
Höhe mit offenem Dach | 274,5 cm |
Leergewicht | 1.200 kg (Datenblatt Messe), 1.230 kg (LIDU-Website) |
Zulässiges Gesamtgewicht | keine Angabe |
Schlafplätze | 2 bis 3 |
Bett | 160 x 200 cm (umgebaute Sitzgruppe) |
Aufbau | Stahl-Aluminium-Hybrid, laut LIDU 80 % Aluminium |
Fahrwerk | AL-KO Gummifederachse und Auflaufeinrichtung, Reifen 205/55 R16 |
Wasser | 31 Liter Frischwasser, 23 Liter Abwasser |
Kühlschrank | 50 Liter |
Batterie | LiFePO4, 12 V, 314 Ah |
Ladegerät/Wechselrichter | 3.000 W |
Heizung | Diesel-Luftheizung, 2 kW |
Staukasten vorn | 300 Liter |
Farben | Blue, Green, Coconut White, Pomelo Gold, Lemon Yellow, Cherry Red, Raspberry Pink |
Messepreis | 38.000 Euro (Stand: September 2026, evtl. Messepreis?) |
Mein Fazit: Für wen lohnt sich der Aquila 360?
Der Aquila 360 ist kein Wohnwagen für Familien mit zwei Kindern oder Reisenden, die sich einen vollausgestatteten Camper mit “richtiger” Toilette und evtl. sogar Dusche wünschen.
Er passt zu Paaren, die gerne und oft kurz losfahren, Design mögen und ein Zugfahrzeug mit genug Anhängelast haben. Technik-Fans finden hier einiges zum “Spielen”: Hubdach, elektrische Heckklappe, schaltbares Glas und eine große Lithium-Batterie.
Ich finde den Ansatz spannend. Hier baut ein Zulieferer der Autoindustrie einen Wohnwagen, und das sieht man an vielen Details. Wie gut die viele Elektronik nach ein paar Jahren auf Schotterplätzen noch funktioniert, kann heute niemand sagen. Offen ist auch, wann du den Aquila bei einem Händler in deiner Nähe anschauen kannst.
Wie siehst du das: Machen die chinesischen Fahrzeughersteller so langsam den europäischen Konkurrenz? Oder müssen die sich erstmal keine Sorgen machen?


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