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Norwegen-Insidertipps für Camper: Lieblingsorte, Sehenswürdigkeiten, Routenempfehlungen

Norwegen-Insidertipps für Camper: Lieblingsorte, Sehenswürdigkeiten, Routenempfehlungen© cookelma/Depositphotos.com

Reiseziele

Bei Google bevorzugen

Norwegen steht bei fast allen Campern auf der Liste. Fjorde, Gletscher und Straßen, bei denen du alle zehn Minuten anhalten willst. Viele fahren trotzdem mit falschen Vorstellungen hin. Vor allem beim Thema Freistehen.

Unsere Gäste Jenny und Lukas leben seit über sieben Jahren in Norwegen und stecken hinter der Camping-App und der Nordcamp-App. Im Podcast haben sie erzählt, was Norwegen für Camper besonders macht, wo ihre Lieblingsorte liegen und was es mit dem Jedermannsrecht wirklich auf sich hat. Hier sind ihre Tipps.

Warum Norwegen perfekt fürs Campen ist

Norwegen macht es Campern leicht. Außerhalb der Städte gilt meist Tempo 80, der Verkehr ist entspannt. Überall findest du Ver- und Entsorgungsstationen, viele davon kostenlos, oft mit Frischwasser gratis dazu.

Die Campingplätze sind anders als in Südeuropa. Keine abgezäunten Parzellen, wenig Animation, viel Natur. Reservieren musst du meist nicht. Wer spontan reist, findet fast immer einen Platz.

Route raus, Klappstuhl rein

Der wichtigste Planungstipp von Jenny und Lukas passt in einen Satz: Plan locker. Rechne mit einem Schnitt von etwa 50 km/h. Das liegt nicht nur an den Straßen. Kleine Fähren, Fotostopps und Kaffeepausen mit Fjordblick fressen Zeit, und genau dafür fährst du ja hin.

Wer einen straffen Zeitplan abarbeitet, verpasst das Beste. Jenny und Lukas erzählen, dass sie selbst schon an Elchherden vorbeigefahren sind, weil sie stur ihrer Route gefolgt sind. Seitdem gilt: weniger Kilometer, mehr Umwege.

Das Jedermannsrecht: Was du darfst und was nicht

Kein Thema sorgt bei Norwegen-Reisenden für mehr Missverständnisse. Viele glauben, das Jedermannsrecht (allemannsretten) erlaube das Übernachten im Wohnmobil überall in der Natur. Das stimmt nicht.

Das Jedermannsrecht gilt für Menschen zu Fuß, nicht für Fahrzeuge. Es erlaubt dir:

  • durch die Natur zu wandern, auch über privates Land, mit Abstand zu Wohnhäusern (etwa 150 Meter)

  • ein einfaches Zelt bis zu zwei Nächte auf nicht landwirtschaftlich genutzter Fläche aufzustellen

  • Beeren und Pilze zu sammeln und zu angeln, mit saisonalen Einschränkungen und teils Angelschein

Für Fahrzeuge gilt etwas anderes. Autos, Vans und Wohnmobile gehören auf Straßen und ausgewiesene Parkflächen. Auf Wiesen, im Wald oder am Strand hat dein Fahrzeug nichts zu suchen. Reifenspuren in der Natur sind tabu.

Jenny und Lukas vergleichen die Stimmung in manchen Regionen mit dem Ärger über Kreuzfahrttouristen. Wer auf Campingplätzen und legalen Stellplätzen übernachtet, lässt Geld vor Ort. Davon leben der Fahrradverleih, die Kajakstation, das Café und der Laden mit handgestrickten Pullovern. Und du bist in der Region willkommen statt geduldet.

Atemberaubende Landschaft in Stryn, Norwegen© fokkebok/Depositphotos.com
Atemberaubende Ausblicke in Stryn

Die Lieblingsregionen von Jenny und Lukas

Stryn und Olden

Jenny und Lukas nennen die Gegend „Bilderbuch-Norwegen“. Gletscher, türkisfarbenes Wasser, Wanderwege und kleine Dörfer. Ein Tipp ist Melkevoll Bretun Camping im Oldedalen. Der Platz liegt direkt am Weg zum Gletscher, hat eine Sauna und wirkt mit seinen Grashütten wie ein Hobbitdorf. Lust auf mehr Touren? Hier sind 4 Wanderungen in Norwegen, die du kennen solltest.

Fjærland

Fjærland ist ein Bücherdorf. Im ganzen Ort stehen Antiquariate und Bücherregale. Dazu gibt es das Gletschermuseum und Kajaktouren. Bøyum Camping liegt nur ein paar Schritte vom Museum entfernt. Weitere Infos zum Ort findest du auf fjaerland.org.

Flåm

Flåm kennen viele von der Flåmsbahn. Lohnenswert sind auch das Ægir BrewPub mit Bierverkostung und Wikinger-Menü in einer Halle im Wikingerstil sowie Kajaktouren auf dem Fjord. Alles rund um den Hafen findest du bei Flåm Brygga.

Valdresflye und Jotunheimen

Die Gebirgsstraße über die Valdresflye ist etwa von Mai bis Oktober offen. Du fährst in der Nähe des höchsten Bergs Norwegens entlang und siehst mit etwas Glück Rentierherden. Am Rand des Jotunheimen liegt Randsverk Camping. Der Platz ist in Terrassen angelegt, verleiht E-Mountainbikes, und Elche sind hier keine Seltenheit.

Senja

Senja ist die zweitgrößte Insel Norwegens. Jenny und Lukas nennen sie „Klein-Norwegen“, weil du auf engem Raum alles findest: Fjorde, schroffe Berge und Küste.

Vesterålen

Die Vesterålen liegen direkt neben den Lofoten, sind aber deutlich ruhiger. Hier gibt es Walsafaris, bei denen Tourismus und Forschung zusammenarbeiten.

Jæren

Die Küste südlich von Stavanger hat Leuchttürme, Fjorde und viel Landwirtschaft. Weniger spektakulär als der Westen, dafür auch weniger Trubel.

Vestfold und der Oslofjord

Die sonnigste Ecke des Landes. Kleine Hafenstädte mit Galerien und Restaurants. Tønsberg gilt als älteste Stadt Norwegens. Beim Projekt Oseberg Vikingarv wird ein Wikingerschiff nachgebaut, und Besucher dürfen mitmachen. In Åsgårdstrand steht das Haus von Edvard Munch, eingerichtet wie zu seinen Lebzeiten. Kragerø ist bekannt für seine weißen Holzhäuser.

Oslo

Viele Camper fahren an Oslo vorbei. Jenny und Lukas finden das schade. Die Stadt ist eng mit der Natur verbunden, mitten in der Stadt gibt es Wasserfälle am Fluss Akerselva. Ihr Lieblingscafé dort ist Hønse-Lovisas hus. Auch das Essen in Oslo ist richtig gut.

Røros

Die alte Bergbaustadt ist im Dezember einen Besuch wert, wenn dort der Weihnachtsmarkt stattfindet. Pack warm ein. Røros gehört zu den kältesten Orten Norwegens.

Ersfjordstranda in Senja, Norwegen© stefano.zaccaria/Depositphotos.com
Der wunderschöne Strand Ersfjordstranda

Die Nationalen Landschaftsrouten

Norwegen hat 18 Nationale Landschaftsrouten. Das sind Straßen, die der Staat wegen ihrer Landschaft ausgewählt und ausgebaut hat. Entlang der Strecken stehen Aussichtsplattformen, Rastplätze und Toiletten, viele davon von Architekten gestaltet. Du findest Bänke, die genau zum Sonnenauf- oder -untergang ausgerichtet sind, und Rastplätze mit Rundumblick. Jenny und Lukas planen ihre Touren gern entlang dieser Routen, weil du hier fast automatisch an den schönsten Stellen anhältst.

Wichtig für Camper: An den Rastplätzen der Landschaftsrouten darfst du keine Toilettenkassetten leeren. Entsorgungsstationen gibt es in den Orten entlang der Strecke.

Senja: Klein-Norwegen auf 102 Kilometern

Die Route über Senja ist 102 Kilometer lang und führt auf den Straßen 862 und 86 von Botnhamn nach Gryllefjord. Unterwegs siehst du auf engem Raum alles, wofür Jenny und Lukas die Insel „Klein-Norwegen“ nennen: steile Berge, die direkt aus dem Meer ragen, weiße Sandstrände und kleine Fischerdörfer.

Diese Stopps lohnen sich:

  • Bergsbotn: Aussichtsplattform hoch über dem Fjord, im Winter ein guter Platz für Nordlichter

  • Tungeneset: Holzsteg über die Felsen mit Blick auf die gezackten Gipfel, die „Teufelszähne“

  • Ersfjordstranda: Sandstrand mit dem goldenen Toilettenhäuschen, das als eine der teuersten Toiletten Europas gilt

  • Mefjordvær und Husøy: Fischerdörfer als kurze Abstecher, Mefjordvær hat eine Entsorgungsstation

  • Sukkertoppen und Husfjellet: zwei Wanderungen mit Aussicht, Husfjellet ist die leichtere

Entsorgen kannst du in Skaland, Senjahopen und Mefjordvær. Senja lässt sich gut mit anderen Routen verbinden. Von Botnhamn fährt eine Fähre Richtung Tromsø, von Gryllefjord eine Fähre nach Andenes auf den Vesterålen. So kommst du ohne Umweg zu den Walsafaris.

Helgelandskysten: 433 Kilometer, sechs Fähren

Die Helgelandskysten ist die längste der 18 Landschaftsrouten. Sie führt über 433 Kilometer von Holm im Süden bis Godøystraumen bei Bodø, größtenteils auf der Straße 17. Unterwegs nimmst du sechs Fähren. Genau das macht die Strecke aus: Du fährst ein Stück, stehst an Deck, fährst weiter. Hier passt der Tipp von Jenny und Lukas besonders gut, mit 50 km/h im Schnitt zu rechnen. Plan mindestens drei bis vier Tage ein, besser mehr.

Die Landschaft wechselt ständig. Im Süden liegen tausende kleine Inseln und Schären vor der Küste, weiter nördlich wird es bergiger. Zwischen Jektvik und Kilboghamn überquerst du auf der Fähre den Polarkreis.

Diese Stopps lohnen sich:

  • Torghatten: Berg bei Brønnøysund mit einem riesigen Loch, durch das du hindurchwandern kannst

  • Vega: Inselgruppe mit UNESCO-Welterbe-Status, per Fähre erreichbar

  • Ureddplassen: Rastplatz direkt am Meer mit Blick auf die Inseln

  • Engabreen: Gletscherzunge des Svartisen, die sehr tief ins Tal reicht

  • Saltstraumen: am Ende der Route bei Bodø, einer der stärksten Gezeitenströme der Welt

Mit einem AutoPASS-Fährvertrag sparst du auf dieser Route am meisten, weil so viele Überfahrten zusammenkommen. Entsorgungsstationen gibt es unter anderem in Brønnøysund, Sandnessjøen, Nesna und an der Storvika.

Valdresflye: 49 Kilometer übers Fjell

Die Valdresflye ist kurz, aber hoch. Die Route führt auf der Straße 51 über 49 Kilometer von Hindsæter nach Garli und steigt dabei bis auf 1.389 Meter. Ein großer Teil verläuft oberhalb der Baumgrenze. Du fährst über eine offene Hochebene mit Blick auf die Gipfel des Jotunheimen. Mit etwas Glück ziehen Rentiere über die Straße.

Diese Stopps lohnen sich:

  • Flye 1389: der höchste Punkt der Route mit Rundumblick

  • Steinplassen: Aussichtspunkt mit einem großen Felsblock, der auf einem anderen liegt

  • Gjende: Abstecher zum See, hier startet die berühmte Wanderung über den Besseggen-Grat

Im Winter ist die Straße zwischen Garli und Maurvangen gesperrt, meist etwa von Mitte Dezember bis Ende März oder Anfang April. Auch danach kann sie nachts oder bei schlechtem Wetter zu sein. Prüf den Straßenzustand vor der Fahrt. Entsorgen kannst du erst unten im Tal, in Vågåmo oder Fagernes. Übernachten kannst du nicht weit entfernt auf Randsverk Camping am Rand des Jotunheimen.

Stopp unterwegs: der Stahl-Elch an der Straße 3

Keine offizielle Landschaftsroute, aber einer der Lieblingsstopps von Jenny und Lukas: Am Rastplatz Bjøråa an der Straße 3 steht Storelgen, ein zehn Meter hoher Elch aus poliertem Stahl. Die Straße 3 ist eine beliebte Strecke vom Oslofjord Richtung Trondheim und Røros.

Weitere Ausflugstipps

  • Telemarkkanal: historische Schleusentreppe, die du per Boot erleben kannst

  • Runde: Vogelinsel an der Westküste mit riesigen Kolonien

  • Under in Lindesnes: ein Restaurant unter Wasser

  • Elgtun: Elchpark im Süden mit Parkplätzen, auch für Wohnmobile

Apps und Praktisches für deine Reise

  • AutoPASS: Mautbox für Norwegen. Mit einem Fährvertrag bekommst du auf vielen Fähren bis zu 50 Prozent Rabatt.

  • EasyPark: Parken per App. Viele private Stellplätze sind hier eingebunden.

  • KvoteAppen: App vom norwegischen Zoll. Damit rechnest du aus, was du einführen darfst und ob Zoll fällig wird.

  • Camping-App und Nordcamp-App: Die Apps von Jenny und Lukas. Die Nordcamp-App bündelt Orte, Routen und Unterkünfte speziell für Skandinavien.

Alkohol bekommst du in Norwegen nur in den staatlichen Vinmonopolet-Läden, Bier mit wenig Alkohol auch im Supermarkt. Rechne mit hohen Preisen.

Auf dem Landweg führt die Anreise meist über die Storebælt-Brücke in Dänemark und die Øresundbrücke nach Schweden. Alternativ nimmst du eine Fähre direkt nach Norwegen. Was du dabei beachten musst, erklären wir in Mit Wohnwagen & Wohnmobil auf der Fähre.

Winter in Norwegen© Romija/Depositphotos.com
Winter in Norwegen – idyllisch und mit dem richtigen Fahrzeug kein Problem!

Und im Winter?

Keine Angst vor dem Winter. Die Infrastruktur in Norwegen ist auf Kälte und Schnee ausgelegt, und viele Campingplätze haben ganzjährig geöffnet. Winterreifen und ein wintertaugliches Fahrzeug brauchst du natürlich trotzdem.

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    Nele Landero Flores

    Träumte seit ihrer Kindheit von einem Leben auf Rädern. Tourt jetzt mit Mann und Hund ganzjährig im Wohnwagen durch Europa und verbringt die kalten Wintermonate in Mexiko. Expertin für Caravan, Camping-Ausstattung, Reise-(Geheim)Tipps, Dauerreisen und Arbeiten unterwegs. Lieblingsspots: Andalusien, Baskenland, Albanien & Mexiko.

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