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Mit altem Alkoven und kleinen Kindern auf die arabische Halbinsel

Episode 255 · 01:06:33

In der heutigen Folge haben wir zwei echte Weltenbummler zu Gast: Jessica und Fabian waren mit ihren zwei kleinen Kindern zweieinhalb Jahre in einem alten Alkoven-Wohnmobil unterwegs – eine abenteuerliche Reise, die sie von Europa bis auf die Arabische Halbinsel führte.

Wir sprechen mit ihnen über die Freuden und Herausforderungen des Langzeitreisens als Familie, spannende und manchmal auch absurde Situationen unterwegs und das Eintauchen in fremde Kulturen. Die beiden teilen faszinierende Geschichten über kulinarische Entdeckungen, bizarre Landschaften und unerwartete Begegnungen.

In Teil 1 nehmen Jessica und Fabian uns mit von der Türkei nach Israel, Jordanien, Saudi-Arabien, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate und den Irak.

Lass dich inspirieren von einer Familie, die Minimalismus lebt und zeigt, wie Reisen das Leben tiefgreifend verändern können. Achtung: Fernweh garantiert!

Mehr über Familie Israel und ihre Reisen findest du hier.
Das wirklich lesenswerte Buch kannst du hier kaufen.
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Unser Buch

Das Transkript der Folge

Das Transkript wurde automatisch (KI) erstellt und kann daher kleine Unklarheiten oder Fehler enthalten.

Hallo und herzlich willkommen zu Camper Style, deinem Camping-Podcast. Ich bin Nele.

Und ich bin Sebastian und heute nehmen wir euch mit auf 'ne Reise einer Familie mit 'nem alten Wohnmobil auf die Arabische Halbinsel.

Dazu begrüßen wir Fabian und Jessica ganz herzlich. Ich hatte die beiden schon angekündigt, ich glaube, in unserer Hörer-Feedback-Folge. Ähm, da hatte ich eure E-Mail nämlich vorgelesen. Und heute haben wir euch endlich zu Gast bei uns und ich bin schon total gespannt, was ihr uns heute erzählt. Ich hab nämlich auch schon in euer Buch reingespickert und das war so toll, das zu lesen. Hat mir richtig Fernweh gemacht. Aber bevor wir loslegen, stellt ihr euch doch einmal bitte vor: Wer seid ihr? Wie wart ihr unterwegs? Wie lange wart ihr unterwegs?

Ja, hallo. Danke für die Einladung. Freut uns sehr, Gast im Podcast zu sein. Ich bin Fabian, achtunddreißig Jahre alt, komme aus dem Schwabenland, wie man wahrscheinlich dann auch, ähm, an meinem Dialekt dann erkennen wird. Und, ähm, ja, wir waren zweieinhalb Jahre unterwegs mit unseren kleinen Kindern auf Europa und, ja, sagen wir mal, glei, Weltreise mehr oder weniger in unserem Wohnmobil und mit meiner Frau Jessica.

Genau, ich bin Jessica, ich gehör auch dazu. Ich bin vierzig mittlerweile. Genau, und wie Fabian gesagt hat, wir waren mit unseren Kindern in 'nem alten Alkoven-Wohnmobil, ähm, in Europa und auf der arabischen Halbinsel unterwegs.

Ihr habt darüber 'n Buch geschrieben, das hatt ich ja eingangs schon kurz erwähnt. Ähm, das heißt Vannegade und, ähm, ja, setzt sich zusammen, hab ich gelernt, aus Van und Renegade. Könnt ihr dazu 'n bisschen was sagen, wie ihr auf den Titel gekommen seid?

Genau, also Fabian, das ist Fabians in-- auf Fabians Misch gewachsen.

Der, der Name entstand irgendwie schon, entstand irgendwie schon vor der Reise, als wir noch mit 'nem Bus, also 'nem Van und 'nem Dachzelt unterwegs waren. Da war die Paulina grad 'n halbes Jahr alt. Und da haben wir so angefangen, diese Reisewelt, Campingwelt so reinzuschnuppern, reinzuwachsen. Und irgendwie haben wir festgestellt, da hängt viel mehr dran, als nur Urlaub zu machen. Irgendwie ist dann eins zum anderen gekommen, so Minimalismus. Ähm, man hat sich irgendwie mit Finanzen beschäftigt und also, wo kann man überall hin? Tolle Menschen kennengelernt. Also irgendwo war dann, da hatte ich dieses englische Wort renegade, das so 'n bisschen Abtrünniger oder Ausbrechen, Abenteuerlust bedeutet und Van und so kam dann dieses Kunstwort zustande für unseren Kanal und unsere Seite. Und es ergibt jetzt eigentlich rückblickend immer mehr Sinn, ähm, weil wir einfach her festgestellt haben, dass das ja ganz viel mit einem macht, wenn man so in die weite Welt hinausreist.

Das könnt ihr jetzt draußen nicht sehen, aber hier nicken Nele und ich fleißig mit den Köpfen.

Das können wir nur bestätigen. Das Buch verlinken wir auch noch mal in die Show-Notes, falls es euch interessiert, falls ihr euch entführen lassen wollt in, ähm, exotische Gegenden, in, ähm, teilweise, ja, spannende, teilweise auch 'n bisschen absurde Situationen, die da so passiert sind, die ihr erlebt habt, ähm, dann könnt ihr euch das Buch auch kaufen und einmal selber durchlesen. Vielleicht kommen wir einmal kurz, bevor wir mit der Reise starten, zu euerm Hintergrund, weil wenn man hört von Langzeitreisenden, also wir machen das nicht, aber die meisten Leute haben dann immer als erstes die Frage: Ja, wie können die das machen, zweieinhalb Jahre reisen? Weil, und dann noch mit Kindern. Ähm, könnt ihr da 'n bisschen die Vorgeschichte zu erzählen?

Ja, genau. Also es war schon immer 'n großer Wunsch von uns, mal 'ne längere Reise zu machen, denn auch vor den Kindern sind wir schon viel gereist, mit Rucksack damals oder mit 'nem Zelt ins Auto gepackt und dann halt in die Natur gefahren. Und es war schon immer 'n großer Wunsch, mal so 'n Sabbatjahr zu machen. Und als die Kinder dann da waren, haben wir einfach gesagt: „Jetzt oder nie." Weil wir hatten Elternzeit und ja, die, wo Kinder haben, wissen ja, pro Kind hat man drei Jahre. Das heißt, wir haben dann beide jeweils sechs Jahre und haben wir gesagt: „Okay, wenn nicht jetzt, wann dann?" Und so hat sich das ergeben. Und im Grunde aus diesem Jahr, das wir einfach, äh, gehen wollten, ähm, hat sich dann, haben sich achtundzwanzig Monate entwickelt. Einfach deshalb, weil die, ähm, Vorbereitung so heftig war.

Wir haben so viel Zeit braucht, um das Ganze zu, äh, vorzubereiten und Geld anzusparen, dass wir einfach gesagt haben: „Nö, wir nehmen die maximale Zeit, bis unser Sohn in die Schule kommt."

Genau, also da steckte einfach so viel dahinter. Man befasst sich mit der Krankenversicherung und dem Fahrzeug aufzubereiten und da haben wir gesagt, also dann jetzt so lange, wie es eben geht. Und genau, durch die Elternzeit war's halt eben möglich. Zwar unbezahlt, aber man ist mal freigestellt, also hat man 'ne gewisse Sicherheit. Und dann hat man, glaub ich, fast zwei Jahre Zeit, Geld zu sparen und eben alles auf das Ziel auszurichten. Wir haben ganz viel verkauft, alles reduziert. Wir haben dann auch relativ früh dann beschlossen, ähm, dass wir unser Haus vermieten wollen in der Zeit, sodass das dann eben gedeckt ist von den Kosten und vom Ersparten erst mal zu leben. Das Ziel war dann eigentlich weiter weg. Wir haben von Nordamerika geträumt, Südamerika, also hatten ganz große Ziele.

Ja, und dann kam Corona. Und das haben wir am Anfang natürlich wie alle, keiner hatte das von uns erlebt gehabt. Wir wussten nicht, was, wie, wie lange bleibt das jetzt so? Und, ja, und dann waren die ganzen Grenzen zu. Und ja, wir waren natürlich erst mal sehr geknickt und dachten: „Jetzt soll jetzt der Traum dann jetzt auf Eis liegen." Und irgendwann haben wir gesagt: „Nee, also irgendwo wird's gehen, also werden wir dorthin fahren zu Beginn." Wir haben damals gesagt, Mai 2021 wollen wir starten und daran haben wir festgehalten und dort, wo wir hinreisen können, das werden wir tun. Mussten also dann sehr flexibel sein und, ja, am Anfang war eben Spanien und Portugal und so hatte das dann alles gestartet.

Da seid ihr ja trotz der ganzen Beschränkungen auch in der, in, in der ersten Phase eurer Reise ziemlich viel rumgekommen, hab ich gelesen. Ähm, jetzt würde mich noch interessieren: Ihr hattet kalkuliert ungefähr so tausendfünfhundert Euro Ausgaben im Monat. War das dann im, in der Nachbetrachtung realistisch für eure Ausgaben, die ihr unterwegs hattet, oder ist es doch mehr oder weniger geworden?

Nö, also im Durchschnitt hat es tatsächlich gereicht. Es gab Länder wie die Türkei, da haben wir wesentlich weniger Geld braucht und dann gab's einfach Länder wie zum Beispiel Skandinavien zum Schluss, Norwegen und Schweden. Da haben wir dann schon mehr gebraucht. Da waren's dann so zweitausend oder zweitausenddreihundert oder so. Aber im Schnitt waren's tatsächlich immer die tausendfünfhundert.

Respekt.

Genau, man muss dazu sagen, Jessica ist Schuldnerberaterin, also hatte dann schon immer die, die Finanzen im Blick von Anfang an. Und was ich also immer noch, äh, interessant find, sie hatte damals gesagt, das Ziel sind tausendfünfhundert und wir haben wirklich, Jessica hat jede Ausgabe genau akribisch mitgeschrieben. Die gesamte Reise ist protokolliert und wir haben am Ende 'n Fazit gezogen und es war eigentlich genau der Betrag, ne.

Krass.

Genau, gelernt ist gelernt.

Und das sind dann tatsächlich also wirklich alle Kosten, die ihr quasi zum Leben inklusive Versicherung alles brauchtet. Oder, oder ist da irgendwas nicht drin?

Genau. Nee, also wir haben, wir haben das zweigeteilt gemacht. Wir haben das so gemacht, dass wir zu Hause, ähm, geschaut haben, was sind unsere Fixkosten oder die hatte ich natürlich auch schon im Kopf. Ich weiß, was wir einfach zu Hause brauchen mit dem Haus, ähm, das ist noch nicht abbezahlt, also quasi die ganzen, ähm, die, die Hypothek und halt einfach die Versicherungen. Alles, was halt einfach an Fixkosten zu Hause sind. Das, ähm, war klar, dass wir das weiter zahlen müssen, ja, wenn wir weg sind. Und dann haben wir halt ausgerechnet, was kostet so 'ne Auslandskrankenversicherung? Was kostet das Wohnmobil an Unterhalt, also Verse-Versicherung und Steuer und so weiter. Und das hab ich dann halt hochgerechnet und erst ja auf dieses Jahr und dann irgendwann auf diese achtundzwanzig Monate, um einfach 'n Betrag zu haben, ähm, den wir ansparen müssen. Und wir haben dann auch tatsächlich ja zwei Jahre lang gespart. Also wir sind immer schon sehr, ähm, ja, sparsam und, ähm, haben alles Mögliche verkauft, unsere Autos und, ähm, unserem, unserem Motorrad.

Also alles, was halt irgendwie noch so 'n bisschen Geld bringen konnte, haben wir dann hergegeben. Und so sind wir dann irgendwann schon auf diesen Betrag gekommen. Also wir hätten im Grunde durch diese, ähm, extreme Sparerei gar nicht nebenher noch arbeiten müssen. Wir haben dann aber entschieden, das Haus noch zu vermieten, einfach, ähm, ja, als Sicherheit. Hätten wir aber gar nicht müssen. Das hat, hätte eigentlich so geklappt.

Mhm.

Also richtig gute Schwaben einfach.

Wir sind richtige Schwaben, genau. Und noch 'ne Schuldnerberaterin dazu.

Super.

Mir geht's, mir geht's halt auch 'n bisschen, sozusagen das für, für Leute bisschen rauszufinden, die jetzt angesteckt werden von diesem Reisevirus und sagen, ich will auch so was machen, dass die halt so 'ne Vorstellung haben, was quasi da auf sie zukommt. Ähm, wir haben ja, also ich weiß nicht, Nele, ob ihr das auch gemacht habt. Wir haben das ja auch, als wir ins Wohnmobil gezogen sind, so, so 'n, uns überlegt, wie viel brauchen wir zum Leben. Und es ist erstaunlich, mit wie wenig Geld man auskommt. Und, ähm, es ist auch erstaunlich, wie viel man Geld dafür ausgeben kann. Also, ne, je nachdem, wie man eben spart oder nicht spart. Und, ähm, und die tausendfünfhundert ja auch zu viert. Also vielleicht das auch noch mal kurz: Wie alt waren eure Kinder zum, zum Start der Reise?

Zwei und vier waren die. Und, ähm, also in diesen tausendfünfhundert ist sowohl Diesel drin als auch, ähm, alle Eintrittsgelder, Lebensmittel und, ähm, ich glaub, das Wohnmobil haben wir extra, äh, gerechnet gehabt, Fabian, gell? Aber die Krankenzusicherung war bei diesen tausendfünfhundert auch mit drin.

Okay.

Ja.

Seid ihr, wart ihr aber wirklich sparsam. Also wir haben damals bei unserem Sabbatical deutlich mehr kalkuliert. Wir waren aber auch, ähm, mit Wohnwagen unterwegs, wo man sich halt dann nicht auch frei hinstellen kann irgendwo. Das spart natürlich wahnsinnig viel Geld, wenn du nicht immer jeden Tag auf 'n Campingplatz fahren musst.

Ja, absolut.

Aber ja, also doch. Und Maut in Europa ist ja auch sehr teuer, wenn man-

Ja

... wenn man sehr viele Kilometer auf der Autobahn macht.

Also Reisegeschwindigkeit ist natürlich 'n großer Faktor. Dann brauchen wir mehr Maut, mehr Diesel und so weiter oder mehr Treibstoffkosten dann einfach. Also Reisegeschwindigkeit ist ein, eine, was man vielleicht Leuten mitgeben kann und eben, dass wenn man dieses Ziel hat, sich dann eben stark drauf zu fokussieren. Und dann sind natürlich andere Wünsche oder wir haben dann zumindest andere Wünsche hinten angestellt. Also alles geht dann vielleicht nicht, sondern wirklich dann alles darauf ausrichten.

Jetzt haben wir ja gelernt, dass Jessica Schuldnerberaterin ist. Das heißt, sie konnte das Ganze durchkalkulieren, durchrechnen und, und quasi aus der finanziellen Sicht möglich machen. Was, was ist dein Beruf, äh, Fabian?

Ich bin Elektrotechniker und Elektroingenieur. Ähm, genau, so technischer Hintergrund hat jetzt auf jeden Fall auch nicht geschadet in der Vorbereitung und auch unterwegs. Da haben wir uns ganz gut ergänzt.

Und ihr seid ja, das habt ihr schon gesagt, mit 'm alten Wohnmobil unterwegs. Wie, wie alt ist es und was, was für 'n Wohnmobil ist das, mit dem ihr unterwegs seid?

Genau, es ist ein Fiat Ducato Alkovenwohnmobil, ähm, also auch relativ kurz, fünf Meter sechzig Länge. Also auch vor allem für vier Personen relativ kompakt. Wollten wir eigentlich auch so, dass wir gesagt haben, wir kommen auch in Städten und so überall zurecht, dass es recht wendig ist. Ja genau, Baujahr 2000, hat auch nur neunzig PS. Also eigentlich so die ganzen, ja, Voraussetzungen sind nicht ideal, aber irgendwie haben wir von Anfang an fest in die Wanda geglaubt, so haben wir sie genannt. Die war auch schon foliert, also die hat jetzt irgendwie so 'n zweites Leben auch bekommen. Die war nämlich knallrot und, ähm, war davor so als ein Bodypainting-Mobil von 'ner Bodypainterin so und war die mit auf Messen unterwegs und dementsprechend, ja, hatte der Verkäufer gesagt, wir können die Folie einfach entfernen und den alten Glänzer strahlen lassen, was aber nicht mehr möglich war.

Und somit sind wir dann recht auffällig auch unterwegs gewesen und immer noch unterwegs.

Und das ja auch in Ländern, in denen das jetzt vielleicht nicht so Usus ist, Wohnmobile zu sehen, wie hier in, in Mitteleuropa oder Südeuropa. Da werdet ihr sicher nachher auch noch 'n paar Anekdoten erzählen, ähm, wie ihr da Aufmerksamkeit auf euch gezogen habt. Aber mich würde jetzt noch interessieren Also wir haben selber ja auch schon festgestellt, wenn wir gewisse Reisepläne zu Hause erzählen – bei uns war's ja in Anführungszeichen nur bis Albanien oder halt auch Mexiko, wo wir sehr viel unterwegs sind – dann gibt's schon diverse Reaktionen. Jetzt seid ihr ja in den Nahen Osten aufgebrochen, von dem man ja auch oft in den Medien nicht nur Gutes hört, äh, wo hier 'n bestimmtes Bild und bestimmte Vorurteile herrschen. Wie seid ihr denn damit umgegangen?

Habt ihr euch da von der Sorge oder von den Einwürfen eurer Mitmenschen anstecken lassen oder habt ihr wirklich gesagt, ist uns egal, wir wollen's halt wirklich selber kennenlernen einfach?

Ja, also wir haben dann schon Freunde gehabt, die schon mal da waren und die einfach nur Gutes berichtet haben. Und natürlich klar, unser Umfeld, unsere Familie und unsere Freunde, die haben uns, glaube ich, schon abgeschrieben gehabt. Mit dem Gedanken, die kommen eh nie wieder. Aber nein, also im Grunde haben wir uns da nicht abschrecken lassen, weil wir haben einfach gemerkt, ähm, auf den Reisen von Land zu Land, ähm, es gibt überall tolle Menschen und, ähm, die Blöden, die gibt's überall, aber die sind so, so vernichten klein, dass wir da keine Angst haben brauchen. Also wir waren da guten Mutes.

Und ihr hattet ja auch 'ne gute Vorbereitung, so wie ich das mitbekommen habe aus 'm Vorgespräch und auch aus euerm Buch. Also ihr seid ja jetzt nicht da hingefahren und habt gesagt, „Ja, gucken wir mal, was passiert", sondern ihr habt ja schon euch auch informiert, was ist mit Einfuhrbestimmungen, was für Papiere brauche ich für welche Länder und so weiter.

Genau. Also man muss sagen, wir hatten den ersten Winter in der Türkei. Wir haben uns vorgestellt, in der Türkei ist immer warm, aber das war dann nicht so. Ähm, der Winter war ziemlich, ähm, garstig, also fast schon wie in Deutschland. Und wir haben gesagt, den zweiten Winter, der muss warm sein. Das machen wir nicht noch mal mit dem Wohnmobil, ähm, diese Kälte, diese Klammheit und so weiter. Und, ähm, genau, dann, äh, war das mit den Corona-Bestimmungen wieder besser. Wir hätten theoretisch noch, ähm, nach Amerika, nach Nordamerika verschiffen können, aber das wäre weniger als 'n Jahr gewesen. Da haben wir einfach gesagt, das ist uns, ähm, einfach der ganze Aufwand und auch die Kosten sind uns einfach zu hoch für, für so kurze Zeit. Also f-für die ganze Reise gesehen war das dann natürlich 'ne kurze Zeit. Und dann haben wir gesagt, okay, was könnten wir machen, wo wir hinfahren können, wo wir auch mit der Wanda hinfahren können?

Und, ähm, ja, dann war einfach der Nahe Osten naheliegend, weil dort ist's im Winter auf jeden Fall warm und, ähm, so sind wir überhaupt erst dadrauf gekommen. Und halt au-- Wir hatten eigentlich vor, auf den Landweg, also über den Iran, ähm, einzureisen und, ähm, somit haben wir auch gar nicht an 'ne Verschiffung zuerst gedacht. Aber das mit dem Iran hat dann nicht funktioniert. Wir haben kein Visa bekommen und, ähm, dementsprechend mussten wir dann halt umdisponieren. Also so hat sich das Ganze überhaupt ergeben.

Dann springen wir jetzt einfach mal direkt rein in eure Reise, oder?

Ja, wir können ja zum Schluss auch noch mal 'n paar Sachen. Also ich hab noch 'n paar Fragen zum Wohnmobil, aber das können wir auch zum Schluss machen.

Ich hab auch noch ganz viele Fragen zu Tipps und Rat-Ratschlägen, die ihr vielleicht anderen Reisenden geben könnt und, ähm, auch zu deiner Nähleidenschaft. Die habe ich nämlich jetzt vor Kurzem für mich auch entdeckt. Ähm, aber ich, ich möcht jetzt einfach gerne eure, eure tolle Tour mal starten. Wir springen direkt nach Griechenland. Da, das war euer Ausgangspunkt dann am Ende, um eben in die arabischen Länder einzureisen. Nehmt uns da mal mit. Also Griechenland, ähm, kennen ja viele unserer Hörerinnen und Hörer. Das ist ja noch eher so 'n klassisches auch Campingland. Und wo ging's von Griechenland aus hin?

Genau, wie Jessica grad erwähnt hatte, hatten wir eigentlich geplant, über den Iran einzureisen, waren also schon in der Türkei, hatten 'n Visum beantragt und es wurde abgelehnt. Und grad zu diesem Zeitpunkt haben dort diese Unruhen begonnen wegen diesem Kopftuch und gab Ausschreitungen. Und irgendwie, wir haben auch einfach mal gelernt, auf 'n Bauchgefühl zu hören. Wenn wir irgendwas denken, Stellplatz ist nicht sicher oder irgendwas, dass wir wirklich drauf hören. Und das kam uns dann einfach, haben wir gedacht, okay, das Visum bekommen wir nicht, die Unruhen sind, irgendwie müssen wir anders hinkommen. Und dann wussten wir, es gibt die andere Möglichkeit eben mit dem Schiff nach Israel. Israel wollten wir sowieso sehen, also von der Türkei wieder zurück-

Passt ja auch gut zu eurem Nachnamen.

Gen-genau, also war, war Pflicht zu dem Zeitpunkt. Und dann hatten wir die Verschiffung organisiert. Im Voraus hatten wir ein Carnet de Passage heißt das, 'n Reisedokument, auch organisiert in Deutschland schon, dass wir das dabeihaben. Das brauchen wir dann für die Grenzen. Und ja, das war die erste Verschiffung per Roll-on-Roll-off. Das heißt, das Wohnmobil wird dann dort drauf gebracht auf 'm Hafen und man selber fliegt dann voraus und nach einigen Tagen konnten wir das, das Wohnmobil dort dann entgegennehmen. Und so war dann dieser Ablauf. Und genau, das war dann gar nicht so einfach, weil wir sind angekommen direkt am Schabbat Freitag abends. Da hat dann erst mal alles zu. Wir dachten schon, wir seien gut vorbereitet, aber da war's dann schon schwierig, überhaupt 'n Transportmittel zu bekommen.

Also Schabbat in Israel, da kommt wirklich alles dann zum Erliegen. Und das war dann schon mal die erste Herausforderung. Und gleichzeitig waren dann auch noch die höchsten jüdischen Feiertage dort, als wir ankamen. Und dann hat sich das alles noch mal verzögert im Hafen, bis das Wohnmobil, ähm, entgegengenommen werden konnte. Es war 'ne längere Prozedur, also sechs Stunden hat es gedauert, bis man dann alles Sicherheit und Versicherung abschließt. Und ja, da waren wir dann richtig froh, nach 'n paar Tagen in der Ferienwohnung endlich wieder in der Wanda unterwegs zu sein.

Da habt ihr ja geschrieben, dass euch tatsächlich, also dass es euch in Israel sehr gut gefallen hat, auch so landschaftlich und mit den historischen Städten und so weiter, aber dass es 'n bisschen schwer war, an die Menschen ranzukommen. Ähm, war, hat, war das was, was sich durch eure Reise durchgezogen hat oder gab's da dann tatsächlich Unterschiede zwischen Israel und den Anrainerstaaten?

Ja. Also ich würd sagen, die Israelis, die sind halt so 'n bisschen reserviert, wie wir Europäer auch, würd ich einfach sagen. Ich mein, wir waren ziemlich lang in der Türkei und wenn man die Türkei dann natürlich als Maßstab nimmt, dann sind wir alle anderen natürlich reserviert, weil in der Türkei, da herrscht auch schon eine Gastfreundschaft und die Kinder werden, ähm, ständig mit Süßigkeiten, ähm, beschenkt und so weiter. Und, ähm, ja, das kann ich vorwegnehmen, so ist es, ähm, oder so, ja, so war's zumindest in allen arabischen Staaten, wo wir jetzt waren, auch. Wie gesagt, also die, die Israelis, die sind nett und alles, aber ich würd sagen, halt einfach so wie wir, wir im Westen einfach auch. Erst mal gucken, wer da so kommt.

Mhm, also freundlich, aber 'n bisschen distanziert so.

Ja, genau. Genau.

Die waren dann auf jeden Fall alle erst mal total überrascht m-mit unserem Fahrzeug oder also erst mal mit dem Kennzeichen. Ich mein, Israel ist ja 'n Stück weit dort auch 'n bisschen wie so 'ne, 'ne Insel. Also die waren total überrascht, wo wollen wir denn da jetzt hin? Wo kommen wir her? Dann haben wir gesagt, na ja, wir haben verschifft, die mit dem Kennzeichen gar nix anfangen können. Also 'n Polizist meinte schon mal, das sei 'n Diplomatenfahrzeug und so was. Also einfach völlige Besonderheit, dass da jemand mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist.

Gewandt, ja.

Und dann wird man überall, also die, die Israelis sind a-auch 'n absolutes Campingvolk, aber halt eben mit 'nem, eher mit Wohnwagen und Zelt. Und Wohnmobile sieht man quasi gar keine. Also selbst unser altes Wohnmobil wollten sie uns direkt abkaufen.

Hättet ihr noch, hätt-hättet ihr euch die weitere Reise finanzieren können, dann aber halt ohne Fahrzeug.

Genau, die, die, die stand zu dem Zeitpunkt nicht zum Verkauf, auf gar keinen Fall. Ja, und ansonsten ist das Campen dort, ähm, ganz besonders, weil dieses Land ist ja nur so groß wie Hessen, hat aber vier Klimazonen und, ähm, unglaublich viel zu sehen. Also man fährt immer nur ganz kleine Etappen und ist schon wieder an 'ner weiteren Besonderheit angekommen. Aber die Größe von dem Land macht's dann halt eben auch schwierig, irgendwie Stellplätze zu finden. Das war am Anfang dort schon eher 'ne Herausforderung, denn es gibt vielleicht so 'n paar kleine Campgrounds dort, wie gesagt, eher so für Zelten oder mal 'n Wohnwagen, aber noch keine richtige Infrastruktur und dann ist halt auch recht dicht besiedelt und das hat's dann 'n bisschen anstrengend gemacht.

Und dann seid ihr auf den Golanhöhen gelandet, ne?

Dann sind wir auf den Golanhöhen gelandet, ja.

Toll.

Mit dem Blick nach Syrien runter. Das war dann irgendwie schon, äh, auch, also eine von den ganz speziellsten Stellplätzen und Nächten, die wir verbracht haben. So man schaut dann direkt dort runter an den Golanhöhen oben. Ähm, da haben wir dort geschlafen. Nachts haben die Schakale geheult. Also das war auch irgendwie sehr speziell.

Wie war das denn überhaupt auf, auf diesen ganzen Etappen mit euren Kindern? Denen hat man ja doch sehr viel Geduld und Strapazierfähigkeit abverlangt, weil's ja oft auch Momente gab, Stellplatzsuche, lange Grenzkontrollen. Ähm, dann seid ihr ja auch in 'n paar Situationen geraten, die vielleicht für Kinder auch, ähm, schwer zu verstehen sind. Vielleicht sprechen wir da später noch drüber. Ähm, wie sind die damit umgegangen? Haben die das alles gut weggesteckt? Haben, haben die viel dann auch gequengelt? Oder wie, wie war das für euch so als Familie?

Also ich würd sagen, die Reise, die, die Kinder sind an der Reise gewachsen und die fragen jetzt auch, wir sind jetzt aktuell noch zu Hause, und, ähm, sie fragen täglich, wann wir denn endlich wieder auf Reise gehen. Also von dem her, geschadet hat's denen glaub net, im Gegenteil. Also ja, es gab tatsächlich 'n spa, 'n paar spa, äh, spezielle, ähm, Situationen, aber da haben wir dann auch schon gut vorgesorgt. Und K-Kinder in dem Alter verstehen auch noch net alles so gut. Wir konnten dann manche Sachen auch einfach so 'n bissle, ähm, ja, mit Witz und Charme so 'n bisschen überdecken. Also das-- Ich glaub, das war kein Problem. Und mit, mit den ganzen Strapazen von wegen lange Fahrten oder so, da haben wir für uns eigentlich 'ne ganz gute Routine entwickelt. Also so zwei, drei Stunden war immer kein Problem, auch mit Hörspiele und so weiter. Und ich mein, es gab dann schon auch grad auf der arabischen Halbinsel mal wirklich Tage, wo wir durchgefahren sind, weil einfach die Distanzen so groß sind.

Und da haben wir uns dann abgewechselt, dann durften die Kinder mal vorne sitzen, dann ist einer mit hinten gesessen, hat gespielt und-- Also das haben wir eigentlich ganz gut hingekriegt.

Also sind eure Kinder auch so 'n bisschen gewohnt, sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Dadurch, dass die ja bloß anderthalb Jahre Unterschied, also Altersunterschied haben, ähm, können die eigentlich ziemlich viel miteinander anfangen. Also das ist quasi, jeder hat immer seinen Freund direkt dabei. Die, also von, von, von dem Können her, ähm, schenkt sich das einfach net viel. Die, die können miteinander malen, die können aber auch in, miteinander Gesellschaftsspiele machen und so weiter. Also das klappt schon ganz gut. Oder dann zusammen kneten. Auch die Hörspiele sind dann ja ähnlich von den Interessen her. Also das, das ist auf der Reise gar nicht schlecht, wenn die Kinder, ähm, vom Alter so eng aneinander sind.

Weil sie ja auch keinen festen Freundeskreis haben, so wie wenn man jetzt irgendwo stationär sitzt und die halt Kindergarten, Schulfreunde mit nach Hause bringen können, ne.

Da hab ich aber tatsächlich auch schon beobachtet, dass Kinder eigentlich auch sprachunabhängig immer Anschluss finden.

Immer.

Also die finden sich irgendwie immer zusammen, oder? Das ist wahrscheinlich bei euch auch nicht viel anders, wenn irgendwo 'n Kind in 'nem anderen Land ist und dann versteht man sich auch ohne viele Worte, oder?

Genau. Also in Europa war's gar kein Problem, weil einfach so viele Familien reisend unterwegs sind. Also grad auch, ich mein, Deutsch ist halt dann doch auch in Europa 'ne viel gesprochene Sprache, ob das jetzt Schweizer sind, Österreicher oder eben doch andere Deutsche. Das war gar kein Problem. Auch in der Türkei war's kein Problem. Und, ähm, auf der arabischen Halbinsel war's dann einfach so, sobald die Kinder gesehen haben, die haben dann angefangen, so 'n paar, ähm, Wörtchen Englisch so miteinander zu reden. Und es ist wirklich klasse, dass Kinder auch ohne Sprache 'n Spiel miteinander finden. Also so Rollenspiele, das hat irgendwie funktioniert. Irgendwie haben sie sich untereinander klargemacht, wer was ist, und dann hat es funktioniert. Also Wahnsinn, ja.

Also genau, teilweise waren wir, wir waren ja da immer wieder bei arabischen Familien auch eingeladen und nur mit Yes und No konnten sie 'n ganzen Tag lang miteinander verbringen, die Kinder und Fußball gespielt. Und die haben sich danach herzlich umarmt und, und die wissen auch heute noch ganz genau, wer das war, wo das war, wenn sie die Bilder sehen oder so. Und grad mit anderen Reisenden, wenn man gemerkt hat, es passt zwischen den Kindern, zwischen uns, dann waren wir einfach flexibel, ähm, und haben gesagt: „Ja komm, dann planen wir jetzt 'n bisschen um und wir planen die Etappen die nächsten Wochen vielleicht 'n bisschen zusammen oder gucken, dass sich die Wege kreuzen, dass man da einfach 'n bisschen Gespür bekommt, auch für die Kinder natürlich. Was brauchen sie vielleicht und auch flexibel ist, auch von den Fahretappen. Da sind wir reingewachsen. Also wirklich dann auch zu sagen, zwei Stunden am besten vielleicht morgens, so war's für uns.

Andere fahren vielleicht besser abends. Einfach für sich selber muss man da oder für die Familie, denk ich, dann den Weg finden, wie's am besten passt. Auch immer wieder mal länger wo bleiben, wenn man's braucht, um anzukommen. Genau. Und wie war denn eure Tour dann von Israel weiter? Ja genau, so von den Golanhöhen ging's dann zum See Genezareth runter und Richtung Totes Meer, Jerusalem. Da hätten wir eigentlich noch viel mehr Zeit verbringen können. Da gibt's ja-- Also da haben wir eigentlich noch, noch Ziele, äh, ausgelassen. Da können wir noch 'n paar Mal hinreisen. Von Jerusalem Richtung Totes Meer, dann in die Wüste und dann auch, ja, bis runter ans Rote Meer. Da hat ja Israel so 'n ganz kleines Stück am Roten Meer und von dort ging's dann über die Grenze nach Jordanien.

Ist es im Toten Meer wirklich so, dass man da sich so treiben lassen kann oder ist es, wird das immer nur behauptet?

Nee, also 'n absolut seltsames Gefühl. Man läuft erst rein, denkt: „Ja, das ist ja alles ganz normal", und auf einmal, wenn man 'ne gewisse Tiefe hat, zieht's einem einfach die Füße nach oben und zack, man schwimmt dann oben. Also total skurril. Ist auch der tiefste Punkt, also an Land auf der Erde. War auch unglaublich heiß. Also dort war so 'n ganz komisches Klima und überall diese Salzkristalle, die dann da an, an, am Ufer so ganz seltsame Skulpturen bilden. Und, ja, bei den Kindern haben wir so 'n bisschen drauf geachtet, weil das ist halt so eine so stark gesättigte Salzlösung, dass man das nicht in die Augen bekommen darf oder auch nicht verschlucken darf. Das ist also, kann wirklich, äh, sehr gesundheitsschädlich sein. So haben wir halt geguckt mit, mit, ähm, Schwimmbrillen, dass sie dann so langsam und vorsichtig ins Wasser gehen und auch 'n bisschen treiben können. Also sehr, sehr tolles Gefühl.

Können wir absolut empfehlen.

Und wie muss ich mir das landschaftlich vorstellen? Also jetzt, wenn, wenn ihr uns mal szenisch 'n bisschen mitnehmt von den Golanhöhen aus, dann bis zum nächsten Grenzübertritt. Ihr habt ja gesagt, ihr seid da auch in verschiedenen Klimazonen gereist. Wie würdet ihr das beschreiben?

Ja, also zum Beispiel der See Genezareth, das ist wie so 'ne Oase. Da hat's dann Palmen, dann hat's diesen riesen See und, äh, da fliegen dann Papageien. Also so ist es da. Und wenn man dann eben weiterfährt, grad zum Beispiel ins Rote, äh, ins Tote Meer, da ist es dann halt ganz anders. Da ist Wüste. Also da ist alles ganz karg und, äh, geröllig. Und dann halt, ja, dann halt dieser Salzsee und sonst eigentlich nichts. Genau, und dann, dann wenn man dann wieder 'n bissl weiterfährt, dann kommen halt wahnsinnige Höhen auch. Wo waren das? Das war bei El, El, Eliat, ja? Genau, so weiter. Dann- Wo dann diese, diese großen- -hat man dann auch die Berge. Und, ähm, was eben an dieser Wüsten, generell auf der arabischen Halbinsel dann speziell ist am Anfang, bedrückt einen dieses Karge und Wüstenartige noch 'n bisschen und dann lernt man aber, damit umzugehen und auch so kleinste Grüntöne oder auch wenn ein, am, am, am Fluss Jordan dann mal irgendwie dann wieder Bäume wachsen, dann weiß man das zu schätzen und ganz anders noch mal aufzunehmen.

Und so gibt's dann da unten auch dann Vadis. Also das sind dann wie Oasen oder eben wo Flüsse durchgehen, wo es dann auf einmal grün wird und da kann man dann halt ganz toll langwandern und da kommt man grad aus der Wüste und auf einmal ist dann alles voller herrlichen Wasserquellen, wo man reinspringen kann, baden kann. Da hat der Jonas seine ersten Schwimmzüge gemacht. So, so Sachen, die bleiben einem dann halt absolut hängen. Und während am Mittelmeer hat man dann eher so 'n ganz normales mediterranes Klima, wie man's ja auch von, von Europa her kennt. Bloß dass das halt im, im Oktober immer noch bestes Badewetter dann ist. Und am Roten Meer unten, ja, perfekte Bedingungen zum Tauchen und zum Schnorcheln. Da haben wir dann Jonas so 'ne, 'ne Taucherbrille, so 'ne Ge-Gesichtsmaske besorgt und dann konnte er da unten also auch die, die tollsten Korallen und Fische entdecken.

Den haben wir natürlich aus'm Wasser gar nicht mehr rausbekommen.

Und dann ging's zur Grenze.

Genau, dann soll's endgültig ins Arabische gehen, über die Grenze nach Jordanien. Da war dann auch unser Carnet de Passages notwendig. Also das ist, wer's nicht kennt, wie so 'ne Art Reisepass fürs Fahrzeug. Äh, im Fall, äh, für, für uns deutsche Staatsbürger wär das dann der ADAC, der das ausstellt. Da muss man dann auch, ja, 'n gewissen Wert vom Fahrzeug angeben und dann 'ne Art Pfand hinterlassen. Hintergrund ist der: Ansonsten müsste man das Fahrzeug importieren und müsste dafür auch Zoll zahlen in vielen Ländern. Und um das zu umgehen, hat man halt eben diese, dieses Papier dabei, wo man woanders dann ja schon quasi, ja, treuhänderisch was, ähm, hinterlegt hat und kann dann so relativ problemlos einreisen. Wir mussten dann immer noch 'ne, 'ne Versicherung, also 'ne Kfz-Versicherung abschließen, weil die aus Deutschland natürlich dort nicht mehr gilt.

Und das haben wir dann, uns dann wieder halt im Voraus erkundigen müssen, wie das in den jeweiligen Ländern abläuft. Aber meistens macht man das dann halt direkt an der Grenze und stellt dann kein Problem dar. Ja, und wir waren dann schon 'n bisschen nervös. Die Jordanien, hm, wie wird's jetzt an der Grenze? Also Grenzen dort generell, wir waren immer nervös, weil man nie weiß, was fehlt jetzt oder, äh, gibt's Probleme, weil man reist ja relativ problemlos aus dem anderen Land aus, ist aber noch nicht eingereist. Und so in diesem Niemandsland dann zu hängen, ist immer 'n bisschen ungeschickt. Ist uns schon mal wo so gegangen in der Türkei. Also man ist immer froh, wenn man dann rüber ist. Und wir wurden aber super herzlich empfangen. War gleich super.

Und gab's irgendwo Grenzkonflikte oder jetzt auch zum Beispiel bei der Ausreise aus Israel in arabische Länder, ähm, gibt's da irgendwelche Restriktionen, dass man in gewisse Länder nicht einreisen darf, wenn man aus Israel kommt? Oder war das komplett frei?

Also Israel stempelt nicht in den Pass. Da kriegt man so 'n Kärtchen und, ähm, das braucht man dann ja nirgends zeigen. Also das heißt, wenn man dann, ich mein klar, Jordanien, da wei-- die wissen natürlich, dass man von Israel kommt, aber das ist kein Problem, weil viele Busreisende, ähm, die besichtigen ja auch immer noch Petra in Jordanien, wenn sie schon mal in Israel sind. Das ist also gar kein Problem. Aber spätestens Saudi weiß eigentlich nimmer, also zumindest theoretisch nimmer, woher man eigentlich kommt. Und wir sind auch, ähm, sehr vorsichtig damit umgegangen und haben das auch nicht groß an die Glocke gehängt, woher wir, äh, also wie wir eingereist sind.

Jetzt habt ihr es zwar nicht an die große Glocke gehängt, aber euer Name lautete nun mal Israel. War das unterwegs 'n Problem?

Ja. Also ich weiß noch, als ich den Fabian geheiratet habe und meine Kolleginnen gesagt haben: „Bist du sicher, dass du diesen Namen annehmen willst? Da kannst du ja nie wieder ins Arabische reisen." Und genau das haben wir jetzt zur Gänze getan. Und es ging gut. Also es war tatsächlich, ich mein, im Normalfall weiß ja keiner, dass wir Israel heißen. An der Grenze, klar, da sehen sie's, da war's aber eigentlich, würd ich sagen, nirgends, außer nachher im Irak, 'n Problem, also an der Grenze. Und ansonsten gab's einmal so 'n bisschen witzigen Zwischenfall, das war in Kuwait und ansonsten hat ja keiner gewusst, wie wir heißen. Und das haben wir jetzt auch nicht, ich mein, normalerweise spielt's gar keine Rolle, wenn wir Leute kennengelernt haben, da haben wir auch immer nur deren Vornamen erfahren. Also ja.

Darf ich gern erzählen, wie das in Kuwait war. Also das war so, dass wir eigentlich Geld wechseln wollten.

Ja soll ich schon vorwegnehmen.

Ich glaub, Dol-- in Dollar wollten wir wechseln, genau, weil für den Irak braucht man, äh, US-Dollar und dann wollten wir in so 'ner Wechselstube eben das Geld wechseln, äh, also ganz normaler Vorgang. Ja, und dann hat es gedauert. Der, der, der Mann da am Schalter ist dann weggelaufen und ja, dauert ja alles 'n bisschen länger oft in so Ländern, also haben wir uns noch nichts bei gedacht, hat er telefoniert. Irgendwann kam er zurück und hat gesagt: „Äh, I'm so sorry." Und er kann uns leider nicht helfen. Ihm ist verboten, mit israelischen, ähm, Staatsbürgern Geschäfte zu machen oder Finanzgeschäfte, so was zu machen. Und haben ihn erst mal aufgeklärt, dass es eigentlich 'n deutscher Pass ist und das nur unser Name ist. Na, dann war das auf einmal alles gar kein Problem mehr und wir haben unser Geld bekommen. Ähm, auf der einen Seite für uns vielleicht lustig, wir haben unser Geld natürlich bekommen, aber es hat uns ja auch gezeigt, wie wertvoll eigentlich so unser Pass ist oder, oder was es auch bedeutet, Israeli zu sein.

Ich mein, jetzt gibt's natürlich generell den Konflikt, aber wir sehen immer erst mal auch nur den einzelnen Menschen. Und ja, wie gesagt, also die haben natürlich mit ganz vielen Ländern 'n Problem, dass sie da nicht hinreisen können oder keine Geschäfte machen. Wiederum die mit dem arabischen Pass genauso. Also wir sind da schon sehr privilegiert, dass wir eigentlich überall, ähm, also uns gegenüber hat man auch immer 'n gewissen Respekt gehabt und war also kein Problem. Wir haben ja auch viele Abkommen, also aus Deutschland und hat also wirklich immer gut funktioniert, ja.

Ja, das merkt man dann erst, wenn man wirklich reist, wie, wie wertvoll das ist. Und man merkt auch erst, wenn man reist, wie wertvoll diese fehlenden Grenzkontrollen in Europa sind, ne. Und was einem das für 'n Stress und, und Sorgen spart, weil sonst hätte man ja das Thema mit dem, mit dem Fahrzeugimport, äh, selbst in Europa, wenn man nur nach Portugal fahren würde.

Ja.

Ähm, ich bin da immer auch sehr, sehr dankbar auf, über unseren Pass, weil der wirklich es entspannt macht.

Ja, und selbst im, im Vergleich zu 'nem mexikanischen Pass, der ja auch eigentlich gern gesehen ist. Mexiko ist ja eines der wenigen Länder, was noch nie mit irgendwelchen anderen Ländern Konflikte oder kriegerische Auseinandersetzungen hatte. Aber selbst die Mexikaner brauchen halt trotzdem in vielen Ländern Visa, in denen wir keine brauchen als Deutsche oder als Europäer auch. Und das ist schon sehr angenehm, muss man sagen. Apropos, wie war das eigentlich bei, bei euch mit den Visa? Also für Israel, w-wie lange darf man sich in den einzelnen Ländern aufhalten ohne 'n eigenes Visum, also nur mit so 'nem Touristenvisum?

Also ganz genau müssten wir jetzt mal nachschauen. Äh, auf jeden Fall immer ausreichend lange. Ich glaub, in Israel wären's sogar zwei oder drei Monate gewesen. Hätte auf jeden Fall, hat uns auf jeden Fall völlig ausgereicht. Ist 'n Visa on Arrival, das man am Flughafen bekommt, sogar komplett so elektronisch. Man hebt nur den Pass unter so 'nen Scanner und bekommt dann dieses erwähnte Zettelchen dort reingelegt. Und Jordanien und die anderen Länder waren auch alle Visa on Arrival. Teilweise ist es so, dass man quasi am Tag oder zwei Tage vor dem Grenzübertritt es vielleicht noch mal auf so 'ner Webseite dann ausfüllt. Manchmal muss man dann auch direkt elektronisch das Geld bezahlen für das Visum oder dann direkt an der Grenze. Und die große Besonderheit beim Thema Visa ist eben Saudi-Arabien jetzt ja gewesen, weshalb wir uns auch entschieden haben, dorthin zu reisen, weil da kann man erst seit 2019 überhaupt mit dem Touristenvisum einreisen und hat auch völlig problemlos geklappt.

Bekommt man dann 90 Tage mehrfache Wiedereinreise, also Multiple Entry. Und das hat dann eben das ganz Besondere an diesem Land, weil man das, wie gesagt, erst seit wenigen Jahren individuell und als Tourist so überhaupt bereisen kann. Und die anderen Länder, Oman, Emirate, hat auch problemlos geklappt. Und ja, Irak ist dann wieder 'ne, 'ne gewisse Besonderheit. Das lernt man dann halt eben Schritt für Schritt, was dann dort ganz genau gebraucht wird.

Ihr konntet euch ja, glaub ich, wahrscheinlich auch zufällig so 'n bisschen rantasten, ne. Also ihr seid dann von Israel aus nach Jordanien, ähm, wo ihr ja auch schon gesagt habt, dass es da sehr problemlos war mit dem Grenzübertritt und auch 'n sehr herzlicher Empfang. Wie habt ihr Jordanien insgesamt erlebt? So, habt ihr da Geschichten, Anekdoten, Begegnungen, Landschaften?

Also wir waren in Jordanien jetzt gar nicht so lang. Wir haben halt dort auch, klar, Petra angeguckt und, ähm, ja, also, also Jordanien war schön und tatsächlich, wir haben auch einiges angeguckt. Wir waren auch, ähm, immer einige Tage dann, ähm, an 'nem, an 'nem Ort und haben da auch Leute kennengelernt, aber da war jetzt keine Begegnung, die uns da so, so, so besonders in Erinnerung geblieben, ähm, ist. Das kam dann erst weiter unten noch, grad in den Emiraten und auch in, ja, im Irak und, ja, Oman. Also jetzt in Jordanien, ich glaub, da waren wir noch gar nicht so, so offen für, für so Kontakte. Wir hatten da schon auch dann Einladungen bekommen, aber, ähm, ja, wie gesagt, da, da-- W-wir waren noch so ein bisschen in der, in der Ein-, Eingewöhnungsphase, glaube ich.

Also Jordanien, muss man dazu sagen, hat teilweise schon einen sehr, ähm, erschlossenen Tourismus. Also durch dieses Petra, Wadi Rum und auch die dann eben das, das Rote Meer gibt's dann da schon recht klassischen Pauschaltourismus, sage ich mal, mit Busreisenden, die dann eben diese ganzen tollen Highlights sich anschauen. Und somit ist man da erst mal noch gar nicht so rausgestochen, außer natürlich die Leute gesehen haben, man kommt mit dem eigenen Fahrzeug. Das war dann auch für die deutschen Touristen total interessant, die da hingeflogen sind. „Und, hey, wo kommt denn ihr jetzt her und wie funktioniert das?" Ähm, und dann weiter Richtung Norden. Ja, da sind wir einfach dann so ein Stückchen weitergereist und hat sich aber schon noch nichts ergeben. Trotzdem ist dieses, äh, Petra dann natürlich zu besichtigen, schon auch ein absolutes Highlight gewesen. Ist ja diese Nabatäer-Stadt und die Nabatäer haben dort in den Fels, in die Fassaden dann so Grabmäler reingeschlagen.

Ähm, kennt man vielleicht aus dem Indiana-Jones-Film. Ich weiß noch, als ich den als Kind gesehen habe, dachte ich immer, diesen Ort kann's gar nicht geben. Also ich fand es total surreal. Und dann stand ich da selber davor und das ist sowieso dramatischer kann man's gar nicht machen, denn man läuft dann, ich weiß gar nicht, eine halbe Stunde oder so was, eine ganz, ganz schmale Schlucht durch und man muss aber schon morgens um sechs Uhr am besten da sein, also vor den Bustouristen, dass man's noch ein bisschen für sich dann hat. Also waren wir ganz früh dran, läuft durch diese Schlucht und auf einmal tut sich so ganz langsam dieser Blick auf dieses Schatzhaus, diese berühmte Fassade dann auf und ist schon, also wie gesagt, an, an Dramatik kann man's nicht überbieten. Und es ist aber viel mehr als nur diese eine Fassade, sondern da kann man also den ganzen Tag durch diese Stadt laufen. Also wir sind an dem Tag dreizehn Kilometer gelaufen, gewandert mit den Kindern.

Also es war unglaublich. Da waren wir wirklich erledigt danach. Und also da, das ist schon, das ist auf jeden Fall ein Highlight gewesen. Wadi Rum, schon sehr, äh, tiefer Sand. Da konnten wir jetzt mit unserem Wohnmobil auch nicht so weit rein und da waren wir dann halt wandern. Genau.

Gut, aber da hätt, da hätten wir ja so 'ne, ähm, Touristensafari schon mitnehmen können. Das, das wäre möglich gewesen, aber das, das wollten wir dann nicht. Also wir haben immer gesagt, da wo wir halt mit unserem Wohnmobil oder zu Fuß nicht hinkommen, das, das wollen wir dann auch nicht. Also, also nicht diese typischen, ähm, Touristensachen, die wollen wir nicht mitnehmen. Also entweder es ergibt sich was durch irgendwelche Menschen, die uns da dann mitnehmen oder ja, durch Freundschaften, die da entstehen, oder wir schaffen's selber. Aber jetzt so diese, dieses typische Programm, das wollten wir halt nicht.

Mhm. Verstehe ich. Und wie lang wart ihr dann in Jordanien ungefähr? Also nicht auf den Tag, aber so.

Drei Wochen, Fabi, oder?

So was in der Zeit. Drei Wochen, ja.

Das, das ist ja immer, wenn, wenn man sich unter Langzeitreisenden unterhält, dann hat man natürlich andere-- spricht man über andere Zeiträume. Das, äh, klingt für normale Menschen, die halt so ihren Jahresurlaub haben, immer komisch, wenn man sagt: „Ja, da waren wir nur ganz kurz, da waren wir nur einen Monat, hatten wir irgendwie gar keine Zeit", so. Aber man muss natürlich bedenken, dass es eine ganz andere Art des Reisens ist und dass man auch von unterwegs aus dann, also wir zumindest und ihr habt es ja auch angedeutet, auch arbeitet, dass man sich auch zurechtfinden muss und diese, diese Alltagssachen, die man jetzt vielleicht auf dem Camping- oder Stellplatz eben nicht hat, sich immer wieder zu versorgen, zu, äh, sich wieder Entsorgungsstellen zu suchen, Wäsche irgendwie gewaschen zu kriegen, wie auch immer. Also diese, diese ganzen Alltagsdinge, die man halt sehr viel einfacher hat, wenn man, wenn man eine Infrastruktur vor Ort hat.

Das haben wir ja teilweise einfach nicht und da dauert natürlich auch alles immer viel länger.

Genau.

Deswegen, liebe Hörerinnen und Hörer, wenn ihr, wenn euch das sauer aufstößt, wenn wir immer so darüber sprechen: „Ja, ja, das war nur 'ne Kurzreise, die hat nur zwei, drei Monate gedauert", ähm, seht's uns bitte nach. Uns ist es durchaus bewusst, ähm, dass sich das merkwürdig anhört, weil das ist vielleicht das Dreifache von 'nem normalen Jahresurlaub. Aber ja, es ist-- Ich merk das halt bei euch auch, dass ihr ja auch dann viel zu organisieren hattet unterwegs.

Wir haben ja jetzt mit euch auch das Beispiel, dass ihr nicht wie, wie einige andere, die wir hier zu Gast haben, parallel arbeitet, sondern dass ihr quasi vorgearbeitet habt, sozusagen, ganz massiv gespart habt – das, das habt ihr auch erzählt – um das quasi auch zu ermöglichen, ne. Ihr musstet dann eben nicht euren Jahresurlaub nehmen, sondern ihr habt dann eben 'ne Auszeit genommen, habt euch darauf vorbereitet. Also das ist ja auch ein, ein wichtiger Punkt. Also im Endeffekt können das wahrscheinlich viele Menschen schon machen, aber erst mal muss man halt auf 'ne ganze Menge verzichten, um, um das dann auch realisieren zu können. Was übrigens auch beim Leben im Wohnmobil, wenn man arbeitet, so ist. Man verzichtet auch ganz bewusst auf, auf manche Dinge, die man eben nicht hat, um andere wieder zu haben. Und ich glaub, Jessica, du hast vorhin so schön gesagt, ne: Man kann halt nicht alles haben. Man muss irgendwo immer Kompromisse eingehen.

Genau, und also natürlich, ähm, ich sehe auch so, dass drei Wochen... Also wir sind jetzt zu Hause und wir haben jetzt auch drei Wochen, äh, Sommerurlaub. Also mir ist das natürlich auch klar, aber bei achtundzwanzig Monaten, da waren halt diese drei Wochen einfach relativ kurz. Und mir ist auch klar, dass wenn man drei Wochen nach Jordanien fliegt, dass man dann wahrscheinlich alles gesehen hat, dass man dann einfach ganz tolle Ausflüge und alles gemacht hat, während wir ja jetzt gar nicht so richtig wissen, was haben wir denn außer Wadi Rum und außer Petra denn wirklich so gemacht? Weil es ist wirklich so: Wir haben die zwei Kinder und, ähm, wir, wir haben uns auch einfach viel Zeit genommen, um mit den Kindern, ähm, zu basteln, um mit denen, ähm, Aktivitäten zu machen, um einfach Zeit zum Spielen zu haben. Ich hab mit denen genäht, ich hab denen Sticken beigebracht und so weiter. Das sind ja alles so Sachen, das läuft so nebenher, indem man halt mal einfach irgendwo in 'nem Wald oder in der Wüste 'n Tag rumsteht und quasi nichts tut, außer so was.

Wenn irgendwel-welche Arbeiten am Wohnmobil anstanden, dann haben die Kinder da mithelfen dürfen. Dadurch dauert's natürlich dreimal so lange. Oder Wäsche waschen. Ich hatte keine Waschmaschine dabei, ich musste mit Hand waschen und das sind dann immer so Sachen, man muss Wasser suchen gehen. Also wo kriegt man in Jordanien jetzt Wasser her? Kann man das Wasser schon mal trinken? Nee, man muss es dann ja auch filtern und so weiter. Okay, jetzt haben wir schon Wasser, dann gehen wir auch gleich duschen mit diesem Wasser vor Ort. Also wenn wir dann schon da parken, dann duschen wir da auch gleich, dann können wir gleich noch mal nachladen und dann müssen wir ja noch Wäsche waschen und so weiter. So sind einfach gleich mal zwei, drei Tage schon wieder rum, in denen man dann dreimal Wasser getankt hat. Also, äh, die Tage, die verrieseln dann einfach auch so in diesem Alltag, den man unterwegs hat.

Ganz abgesehen davon, dass ja auch mal zwischendurch durchaus mit dem Fahrzeug was ist. Ich glaub, das war bei euch auch so, dass ihr mal die eine oder andere Sache hattet, äh, die ihr regeln musstet. Genauso wie wir, wenn wir in Mexiko unterwegs sind, wo man dann einfach ab und zu mal festhängt, weil's irgendwas am, am Fahrzeug zu tun gibt. Das hat man ja als normaler Campingtourist in der Regel auch nicht.

Genau, also können wir quasi schon mal vielleicht auch vorwegnehmen, unsere Wanda hat's mehr oder weniger pannenfrei geschafft, die zweiundsechzigtausend Kilometer. Das, äh, haben viele haben gar nicht gedacht, dass wir überhaupt bis nach Griechenland oder so kommen. Also bin ich, bin ich selber erstaunt. Ohne Panne heißt natürlich, dass wir nicht irgendwo liegen geblieben sind oder irgendwie. Solche Sachen waren natürlich muss man einiges machen. Ich sage immer, auch jetzt, wo wir wieder im Haus wohnen, da gibt's immer was zu tun. Also wir hatten sechs Quadratmeter, die permanent bewohnt werden. Da gibt's immer irgendeinen Wasserhahn, der repariert werden muss, irgendeinen Wasserschlauch oder irgendwas gibt's zu tun. Oder bei uns war's immer wieder diese Achsmanschette, die ich immer wieder aufs Neue festziehen musste. Dann zum Beispiel auch grad eben in Jordanien, da hatten wir dann 'n, 'n Spielplatz gefunden, da waren die Kinder dann den ganzen Tag aufgehoben und ich hab dann da halt eben repariert. Ähm, das mit dem Arbeiten unterwegs stimmt quasi nicht ganz, weil ab dem Reiseabschnitt, der eigentlich sogar der herausforderndste war, habe ich dann auch noch angefangen unterwegs zu arbeiten, zehn Stunden die Woche, also remote.

War dann, also es hat eigentlich auch gut geklappt und wir sind dazu gekommen, weil wir einfach so nach der ersten Hälfte der Reise so festgestellt haben, jetzt sind wir so gut eingegroovt, wir haben das alles so gut im Griff, wär eigentlich jetzt möglich. Und dann hab ich das abgeklärt und, und es ging und hat eigentlich überraschend gut funktioniert. Ähm, auch war 'ne tolle Erfahrung zu machen, wo sind eigentlich so die Grenzen vom unterwegs arbeiten? Was sind die Herausforderungen? Also grad Internet haben wir so oder so immer bei jedem Grenzübertritten, jedem Land neu besorgt. Aber wenn ich jetzt halt weiß, um vierzehn Uhr ist 'n Meeting mit 'nem Kunden, dann muss das halt funktionieren. Und dementsprechend halt mit besseren Antennen und so. Aber selbst in der Rub al-Chali-Wüste hat man 5G. Waren wir auch überrascht. Also ich sag immer, das einzige Problem hatte ich an der deutschen Nordseeküste.

Ja, und in Bayern.

Ja, ja, also genau, Bayerische Wald, Bayern ganz schlecht ausgebaut. Also in Deutschland war wirklich immer schwierig zu arbeiten. Ansonsten war das, ähm, überall eigentlich ganz gut möglich. Und Wasser mit dem Thema Infrastruktur, das hat dann eben auch in Jordanien angefangen, dass das Versorgen grad mit Wasser. Wir sind ansonsten autark. Können wir vielleicht nachher noch was zu sagen. Strom und so ist erst mal kein Problem, vor allem wenn so viel Sonne scheint. Aber Wasser ist natürlich das kostbare Gut und in der Wüste generell. In Israel waren wir noch recht gut versorgt. Die haben auch, ähm, das funktioniert alles über Entsalzungsanlagen. Das heißt, die aus, aus dem Mittelmeer oder aus dem Roten Meer, das, das Meerwasser entsalzen. Und das war eigentlich immer recht gut zugänglich für uns und war kein Problem. In Jordanien, da war's dann schon schwieriger. Da haben wir irgendwann rausbekommen, dass die so immer solche Wassershops haben, wo die das Wasser aufbereiten und man das dann sich direkt die Kanister füllen lassen kann und dann eben ins Wohnmobil reinpackt.

Und von Beginn an der Reise hatten wir uns schon drauf vorbereitet und das haben wir dort dann eben auch wirklich gebraucht, dass wir uns mit so Wasserfilterung, Filtrierung beschäftigt haben, über Keramik und Aktivkohlefilter und so weiter, um dann immer wieder das Wasser halt auch trinkbar zu machen. Es war eigentlich immer unser Ziel, dass wir das Wasser so filtern und aufbereiten, dass wir's auch so immer trinken können aus unserem Tank raus.

Das heißt auch, ähm, Zähneputzen und Körperhygiene war dann nicht so das Thema, weil es gibt ja Länder, in denen kann man mit, mit Leitungswasser die Zähne putzen und bei anderen würde man's eher nicht empfehlen und das habt ihr dann wahrscheinlich durch die Filterung alles mit erledigt, oder?

Genau, also unbehandelt hätten wir schon 'n Problem auf jeden Fall, aber durch die Filterung hat man nie 'n Problem. Das haben wir ganz normal als Trinkwasser auch genutzt.

Wir sind zwar jetzt mit der Reise noch nicht durch, aber du hast jetzt ja oder ihr habt jetzt mehrfach das, das Autarkiethema angesprochen. W-w-wie viel Wassertank und Abwassertank und Solar und Batterie, äh, hat denn euer Fahr-- eure Wanda?

Ja, also die Wanda, das hatte ich dann irgendwann mal festgestellt, als ich mit jemandem mit so 'nem Expeditionsmobil gesprochen hab. Der natürlich dachte, wir seien ein ganz normales Wohnmobil. Dann hab ich ihm gesagt, was wir alles so an Features haben und dann sagt er: "Ah, also ihr seid schon das Expeditionsmobil unter den Wohnmobilen." Und also kommt ganz versteckt daher. Also Wasser nicht außergewöhnlich viel. Wir müssen uns ja auch an die Gewicht, äh, Gesamtgewichte vom Fahrzeug und so halten. Normal haben wir hundertzwanzig Liter, ähm, im normalen Wassertank und dann haben wir halt noch zusätzliche Kanister dabei, sodass wir vielleicht so, ja, manchmal bis zu zweihundert Liter dabei hatten mit so zusätzlichen Kanistern und manchmal auch vielleicht nur so hundertfünfzig. Und haben das auch recht sparsam dann immer eingesetzt. Abwasser, glaub um die hundert Liter. Solar haben wir vierhundert Watt aufm Dach.

Da sind wir recht gut mit zurechtgekommen und ich hatte mir halt vor der Reise 'ne, ja, bin ja Elektroingenieur, 'ne, 'ne Lithiumbatterie selber gebaut mit zweihundert Amperestunden. Könnten wir jetzt heutzutage noch mal ein bisschen größer bauen, aber die zweihundert Amperestunden haben eigentlich recht gut gereicht. Jetzt an Tagen, wo ich dann viel gearbeitet hab und dann vielleicht auch wenig Sonne gescheint hat, da konnt's dann vielleicht auch mal eng werden. Aber im Grunde sind wir voll autark mit dem Wohnmobil. Den Gaskühlschrank, den haben wir relativ schnell rausgeschmissen, weil ich festgestellt hab, Gas ist immer so 'ne, 'ne, 'n kostbares Gut und hat auch nicht so richtig gut runtergekühlt, wenn's besonders heiß war. Und da haben wir halt 'n normalen Kompressorkühlschrank eingebaut auf zweihundertdreißig Volt. Und genau, Autarkie. Wir haben dann natürlich mit der Wanda am Anfang schon viele so, sagen wir mal, Probeurlaube gemacht, so mal nach Frankreich, bevor's richtig losging oder einfach bei uns hier in der Gegend.

Und da haben wir auch festgestellt, das Thema Chemietoilette, das ist auf jeden Fall sofort 'n ganz großer beschränkender Faktor. Und da haben wir dann halt selber 'ne Trockentrenntoilette gebaut mit 'nem richtigen Tank, der drunter sitzt. Und da kommen wir viele Tage mit zurecht.

Ja, also das ist tatsächlich die Standardausstattung für so Langzeitreisende.

Genau, Wasserfilterung ist eben so, dass ich beim Befüllen filter und dann auch beim Entnehmen noch mal direkt an der Zapfstelle. Und So kriegt man dann auch schlechte Geschmäcker in der Regel raus und bekommt's halt eben auch keimfrei.

Dann machen wir noch mal weiter mit der Reise. Jordanien, Jordanien haben wir jetzt durchquert. Wie ging's dann weiter?

Ja, dann ging's weiter nach Saudi-Arabien. Und also da haben wir uns sehr drauf gefreut. Einerseits, weil wie der Fabian schon gesagt hat, erst seit 2019 kann man da reisen und dann kam ja auch Corona. Das heißt, dann war's dann doch wieder für 'ne Zeit lang zu. Also wir wussten, dass wir so eine oder ja, dass wir so die unter den Ersten sind, die dieses Land halt bereisen. Das ist natürlich schon ein ganz besonderes Gefühl heutzutage, wo ja jeder einfach immer überall auf der Welt reisen kann. Wir haben uns dann auch, ähm, sehr auf den Grenzübertritt vorbereitet, weil's einfach ein sehr konservatives Land ist. Kein Alkohol, ähm, kein Schweinefleisch sind erlaubt. Ah, was noch mit Fabian, ich glaub, keine Bibel. Und also viele Sachen einfach, auf die man achten musste. Und, ähm, ich hab mich dann am Abend vorher wirklich noch mal ganz schalu gemacht und hab alles durchgeguckt, ob wir wirklich auch bei den Arzneimitteln und so weiter ja nix dabei haben, was man nicht mitnehmen darf und so weiter.

Genau. Und im Grunde lief der Grenzübertritt auch ganz gut, bis dann Fabian, ähm, ja, das Fahrzeug angemeldet hat und ich mit den Kindern halt alleine geblieben bin.

Und dann kamen die Hunde oder der Hund.

Ja, also ich hab mit den Kindern dann im Wohnmobil, äh, Karten gespielt, weil ich hab gedacht, ich muss da jetzt nicht dabei sein. Und dann hab ich schon gesehen, wie der Drogenspürhund, das war das erste Mal, dass uns überhaupt an, an irgendeiner Grenze, ähm, ein Drogenspürhund quasi, ähm, begegnet ist. Der Führer ist mit ihm rumgelaufen und der hat immer wieder angeschlagen. Also ich hab keine Ahnung, was ein Hund machen muss, wenn er tatsächlich irgendwo Drogen schnüffelt. Keine Ahnung. Jedenfalls ist dieser Hund ständig verdächtig auf unsere Motorhaube, äh, gesprungen. Und mir war schon beim ersten Mal klar, das ist nicht optimal, das könnte blöd sein. Und nachdem das dann aber beim zweiten und dritten Mal so war, dass der Hund immer wieder angeschlagen hat, dachte ich, das ist doof. Und, ähm, ja, er hat uns dann, ähm, rausgeholt. Die Kinder haben-- D-das ist zum Beispiel so 'ne Situation, wo ja eigentlich, wo, wo man denkt, das ist blöd für die Kinder, aber ich glaub, das haben die Kinder gar nicht richtig kapiert.

Ich hab gesagt, wir müssen raus. Der Mann hat gesagt, wir müssen schön raus und das war ja nix Neues. Das war ja in den anderen Grenzen auch schon so, dass wir raus mussten und so weiter. Also von dem her waren wir dann draußen und haben gewartet. Und ach, dann haben die Männer, da sind immer mehr noch Grenzer dazu gekommen. Die Männer haben dann miteinander gesprochen und ich wollte dann irgendwann mal fragen, was denn Sache ist, ob sie mir erklären können, um was es denn geht. Und dann haben sie mich aber ganz ab, ja, ganz wusch wieder ab, ja, mir halt zu verstehen geben, ich soll mich mit den Kindern, ähm, wieder auf eine Bank setzen, bis dann der Fabian kam und, ähm, er hat-

Man muss mal dazu sagen, weil ab, ab Jordanien eigentlich oder zumindest spätestens Saudi-Arabien war halt so Grenzübertritt dann Männersache.

Mhm. Genau.

Das ist dann eben einfach so. Und ich war eigentlich noch total entspannt. Ich hab von dem allem ja gar nix mitbekommen. Ich muss Fahrzeug anmelden und ich hatte mit den, den Grenzern da eigentlich 'ne super Zeit. Ich hab Kekse bekommen und Wasser und also haben wir gute Gespräche geführt und deswegen war ich ganz entspannt. Was sollte da noch schiefgehen? Die haben mich ja herzlich willkommen geheißen. Und Jessica war dann noch nervös, hat wieder mit dem Hund gesehen. Und dann hab ich gemerkt, na ja, dass dieser Hundeführer dann eigentlich da schon so, ja, seine Chance gewittert hat, jetzt hier mal einen rauszuziehen, seine Quote zu erfüllen. Und ich, mein, meine Angst war dann irgendwann, ich wusste, wir haben nix. Ich dachte aber, wenn die mir jetzt das Wohnmobil zerlegen und lassen dann irgendwie, bauen die Türen auseinander und ich weiß nicht was, haben ja schon den Kühlschrank auseinander gerissen und oh je, ne. Die anderen haben versucht, ihn zu beruhigen und Jessica war dann wesentlich nervös und irgendwann kam mir dann noch so 'ne, so 'ne Story dann im Kopf von anderen Fernreisenden, die sagen: „Ja, es gibt ja immer wieder auch so Geschichten, dass einem jemand was unters Auto packt."

Mhm.

Und dann ging auf einmal so ein Film im Kopf los: Okay, wenn der Hund, der ist ja ausgebildet, jetzt vielleicht was riecht, wo unterm Auto ist und wir haben natürlich nix damit zu tun und die Strafen in Saudi-Arabien auf so was sind halt-

Draconisch.

Ja, fürchterlich.

Mhm.

Genau. Und so was sind wir halt auf gar keinen Fall.

Und irgend, irgendwann hat er dann, aber irgendwann hat er dann ja auch abgelassen, gell. Also irgendwann haben dann die anderen Grenzer auf ihn eingesprochen, haben gesagt, ähm, das sind wohl die Touristen. Wir haben halt immer nur Alemania verstanden, die wohl aus Deutschland oder aus der Welt kommen, um dieses Land zu besuchen. Und irgendwann haben sie ihn dann so weit gehabt, dass er uns dann halt tatsächlich durchgewunken hat. Ja, aber was Sache war, wir wissen's nicht. Wir wissen's bis heute nicht. Ich würd sagen, das war dann einfach Glück, dass die anderen Mitleid mit uns hatten und uns das Auto nicht auseinandergebaut haben.

Ja, aber da wird einem schon heiß und kalt. Also ich hab das selber mal erlebt. Das war nicht so dramatisch. Das war nur bei der Einreise, ich meine nach Albanien oder nach Mazedonien. Ich erinner mich gar nicht mehr genau. Ähm, und da war auch eine Kontrolle. Nur bei uns war's so, dass ich tatsächlich was liegen hab lassen aus Versehen. Und da hab ich auch gedacht so: Oh Gott, jetzt nix wie weg hier. Und hab dann an, alles an meinen Mann übergeben, bin selber mit dem Hund weggegangen, weil ich kann ja auch überhaupt nicht lügen. Das ist ja so schlimm. Mir sieht man ja immer alles sofort an und da, also ich hab auch ein bisschen geschwitzt. Das ist schon, da ist man irgendwie ausgeliefert einfach, ne.

Ja, absolut.

Und wenn ihr jetzt, ähm, wenn wir jetzt über Saudi-Arabien sprechen, wie ist es da so als Familie, also Mann, Frau, Kinder, einzureisen und überhaupt zu reisen? Habt ihr irgendwelche, äh, Kleidervorschriften gehabt? Musstet ihr irgendwie sonstige Dinge beachten, die halt kulturell religiös bedingt sind?

Also ich hab dann schon ab Jordanien drauf geachtet, dass ich einfach keine kurzen Hosen anziehe. Ich mein, in Jordanien war's so, wir waren da auch im Roten Meer und, ähm, sind da noch geschnorchelt und haben geschwommen. Und da hab ich dann

Schon 'ne Badehose angehabt und, ähm, ein, ein T-Shirt drüber. Also das okay, aber sonst, ähm, sobald wir vom Strand weg waren, hab ich immer geguckt, dass ich 'ne lange Hose anhab und zumindest dann ein T-Shirt mit Ärmeln anhab. Und in Saudi-Arabien hab ich auch, ähm, lang, also Langarmshirts angehabt, sodass man auch also die Ellenbogen oder so nicht sieht. 'N Kopftuch oder so hab ich nicht aufgehabt. Das muss man auch nicht, aber man sollte halt einfach so 'n bissl gesittet rumlaufen und das, das hab ich auch gemacht. Und, ähm, im Grunde ist es so, dass die, ähm, die Einheimischen, die Saudi-Arabier da schon auch 'n Unterschied machen, ob man jetzt, ähm, Ausländer ist oder ob man halt Einheimischer ist. Ich hab dann auch mal 'n paar Frauen gefragt, ob das in Ordnung ist, wie ich rumlaufe. Die haben dann auch gesagt, das ist gar kein Problem. Und also ich find einfach, das, das gehört sich, dass man da einfach so 'n bissl drauf achtet.

Ja, man ist halt zu Gast, ne. Ob man das jetzt für, aus der eigenen kulturellen Perspektive, die ja sehr europafixiert ist, ähm, nachvollziehen kann und gut findet oder nicht, aber das, man hat sich ja ausgesucht, in das Land zu reisen und dann, ähm, benimmt man sich auch als Gast, finde ich. Also ich kann das gut nachvollziehen.

Und die andere Frage war ja, wie's denn mit Kindern ist einzureisen. Also das ist rückblickend eigentlich super gewesen mit Kindern, weil die der absolute Türöffner waren. Also wir wären auch sonst mit den Leuten in Kontakt gekommen, aber mit Kindern ist's dort also ja perfekt, sag ich mal. Also wir waren es von der Türkei schon gewohnt und dachten, da gibt's keine Steigerung, aber die kamen dann sozusagen in den arabischen Ländern, dass einfach Leute kommen, äh, ja, da Geschenke bringen oder irgendwelche Süßigkeiten und einfach, ja, Kinder ganz viel wert sind. Und, ähm, das haben wir eigentlich immer gespürt und für Familie war's eigentlich perfekt.

Das ist auch meine Erfahrung aus den, aus den arabischen Staaten. Ich hab auch 'n Freund, der in Dubai lebt, äh, das halbe Jahr und der sagt halt auch, mit, mit Kindern, das öffnet dir wirklich jede Türe und, und es wird an jeder Stelle wird alles getan, auch, ähm, für, für Eltern mit Kind oder Mütter, die mit Kind reisen. Du hast halt immer quasi den, den absoluten Luxus und, und alles wird quasi dich herum, äh, organisiert. Also das, das ist auf jeden Fall 'n sehr, sehr deutlicher Unterschied zu dem, was wir hier in Europa so leben. Vor allem in Deutschland auch.

Und in Saudi-Arabien ist halt so, ähm, da einfach noch keine große Touristenmassen da sind, bemühen die sich halt einfach. Also alle wollen wissen, woher man kommt und wer man ist und was man so tut. Und also die sind alle noch so ganz, ähm, gierig auf Kontakte. Das merkt man halt total. Das, das ist ja auch das Schöne. Mhm. Genau, wer das jetzt vielleicht schon mal auch so mitbekommen hat, wenn das so 'n Doku kommt, also jetzt möchte der Kronprinz oder so, dass sie jetzt den Tourismus entwickeln wollen und was da alles gebaut wird. Das heißt, da tut sich schon ganz viel. Da werden schon Museen gebaut und, und, ähm, Besucherzentren. Und die Touristenmanager, äh, an, an sowohl an der Grenze als auch an den Sehenswürdigkeiten stehen alle schon parat und warten, wann denn jetzt eigentlich die Touristen kommen. Und dann kommt man da mal aus der, aus der nichts angefahren und dementsprechend wird man da begrüßt.

Und normalerweise, so wenn man vor 'nem UNESCO-Weltkulturerbe steht oder eben dort ist, wie jetzt eben in Petra, dann muss man halt um sechs morgens dort sein oder ich weiß, das ist immer natürlich voll, meistens halt auch zu Recht. Und dort gibt's UNESCO-Weltkulturerben, da ist halt noch niemand. Und das, das ist halt also wirklich Luxus.

Traum.

Und dann seid ihr in das deutlich touristische, in die, in die Vereinigten Arabischen Emirate weitergereist. Wo, wo wart ihr da überall? Genau, also dann haben wir erst mal durch die endlosen Distanzen uns gekämpmt. Ich weiß noch, als wir über die Grenze gekommen sind, da standen, also wir wussten so die Hälfte durch Saudi-Arabien Richtung Emirat, also die Hälfte so des Ziels wär so Riad gewesen. Und dann stand da dran tausendsiebenhundert Kilometer und es ist nicht weniger geworden. Die Straßen gehen einfach schnurstracks geradeaus an den Dünen vorbei. Also war überraschend viel Spaß auch für die Kinder. Also in den Dünen einfach anhalten, rausspringen, da sind die total beschäftigt. Also haben wir gedacht, vielleicht wird es denen langweilig, aber war überhaupt nicht so. Na ja, und wie gesagt, dann erst mal Riad so die erste Etappe, da gab's noch einiges dann davor zu sehen.

Und ja, auch so Thema Tanken ist dann schon manchmal 'ne Herausforderung. Also wir haben genügend Kanister dabei, aber das ist jetzt zum Thema Autarkie an unserer Wand da. Der hat ja nur 'n sechzig Liter Diesel-Tank und dementsprechend kommt man nicht so weit. Also haben wir 'n Zusatzkanister dabei. Und Diesel ist da jetzt aber auch nicht so verbreitet. Das heißt, kann schon auch passieren, man kommt an eine Tankstelle, die dann halt keinen hat. Und kann auch sein, die nächste ist halt dreihundert Kilometer entfernt. Also da muss man schon richtig vorausplanen und gucken, lieber jetzt noch mal zehn Liter oder wenn's nur zehn Liter sind, noch mal reintanken, dass man dann versorgt ist für den, für die nächste Etappe. Dafür ist quasi fast umsonst.

Und lebensmitteltechnisch, wie habt ihr euch da jetzt auf diesen ganzen Etappen versorgt?

Also das war kein Problem. Es gibt ja überall Supermärkte und, ähm, da konnten wir uns immer eindecken mit, ähm, Obst und Gemüse. Also das war gar kein Problem. Wir haben immer selber gekocht normalerweise im Wohnmobil. Ähm, manchmal sind wir eingeladen worden. Das war dann immer total schön. Wir waren dann auch zwei-, dreimal, glaube ich, essen. Und also wir hatten vor, essen zu gehen, aber uns wurde dann tatsächlich das Essen im Restaurant bezahlt. Wahnsinn, also das war ja gar nicht die Absicht irgendwie, aber so, so ging das einfach die ganze Zeit auf der arabischen Halbinsel. Im Grunde, ähm, ja, wir mussten gar nicht viel kochen, weil halt, ähm, wir immer irgendwas geschenkt gekriegt haben. Aber die Supermärkte haben 'n supergroßes Angebot, da kriegt man alles, was man so, so braucht. Ich mein, es gibt jetzt, ich glaube, Müsli oder so was gab's nicht, dafür haben wir halt dann Haferflocken gegessen oder so was.

Ja, also am Anfang muss man sich orientieren, bis man dann halt weiß, okay, was, was ist jetzt natürlich was. Das kennt man ja aus den anderen Ländern.

Wollte ich grad fragen, ob ihr immer wusstet, was ihr da im Einkaufswagen liegen habt. Bei mir ging das in manchen Ländern, wo man die, auch die Schriftzeichen gar nicht identifizieren kann, ging mir das manchmal so, dass ich Sachen gekauft hab, da wusste ich gar nicht, was am Ende rauskommt.

Ja, ja.

Aber da war vieles auf Englisch auch, ähm, ausgeschrieben dann.

Genau, das weil in den meisten arabischen Ländern ist ja ein ganz großer Bevölkerungsanteil dann aus zum Beispiel Indien oder Pakistan und dadurch ist das dann quasi oft auch ja mit, mit Englisch funktioniert das dann ganz gut oder dass halt Produkte auf Englisch auch beschrieben sind, ja.

Und auch da haben eure Kinder klaglos alles mitgemacht oder gab's beim Essen manchmal ein paar Diskussionen?

Nee, das Essen, wenn wir eingeladen wurden, war ja super, weil wir konnten mit Händen essen.

Natürlich.

Also das war natürlich 'n Argument für die Kinder, dass sie alles probieren.

Und seid ihr Allesesser oder habt ihr irgendwie 'ne vegane, vegetarische Diät?

Also auf der Reise haben wir alles gegessen.

Okay. Weil da ist ja dann auch immer schwierig, wenn man eingeladen wird. Ich kenn das aus afrikanischen Ländern, dass man sich da wirklich schwer tut, auch Dinge abzulehnen, ohne dass es, ähm, 'n Affront gegenüber den Gastgebern halt dann ist, ne. Weil die wollen einem ja das Beste bieten, was sie haben und das ist halt oft auch Fleisch, weil für die Menschen das ist, das ist dann was, was halt nur vielleicht einmal in der Woche oder alle zwei Wochen mal gibt.

Genau, also ich ess eigentlich kein Fleisch, aber auf der Reise war das einfach anderscht. Weil ich wollt mir da einfach dann das auch nicht entgehen lassen, wenn man da eingeladen wird und das alles probieren und so weiter. Das war so witzig. Einmal sind wir wandern gewesen und dann hat 'ne Familie Picknick macht und hat uns dann direkt, ähm, hergerufen, dass wir mitessen. Und da gab's dann verschiedene Soßen. Ich weiß nicht, was es war. Irgendwas mit Milchsoße, irgendwas mit Honigsoße und noch mal irgendwas ähnlich wie bei uns halt 'ne braune Soße, keine Ahnung. Und dann gab's Fisch und Fleisch und ich hab dann diesen, diesen Fisch in dieses Honig reingetunkt, weil das so, so lecker war einfach. Und alle haben dann, ähm, ja, haben halt die Nase gerümpft und gesagt: „Das macht man nicht. Das ist, das ist komisch" und so weiter. Und ich fand das halt dann total witzig, weil im Grunde stand ja alles aufm Tisch und so weiter.

Und das, das war dann eine ganz witzige Situation letztendlich und die haben auch gelacht, aber haben halt jedes Mal dann, ähm, die Nase gerümpft, als ich das wieder gemacht hab.

Ja, Sebastian, das kommt dir bekannt vor, ne? Wenn du immer deine, wenn du immer die, die Tacos irgendwie so, äh, sehr speziell zubereitest.

Ja, das ist-

Unser mexikanisches Nationalgericht wird, ähm, von Sebastian, sagen wir mal vorsichtig, gerne mal neu interpretiert.

Ja, das macht's ja auch Köche aus, dass man quasi Dinge zusammenbringt, die vielleicht nicht zusammengehören, aber zusammenpassen. Und das, das hast du ja dann auch quasi grade geschildert mit, äh, mit deiner Geschichte. Aber das, das ist ja das Spannende, dass es in, in anderen Kulturen ja auch einfach Dinge gibt, wo teilweise auch unser Kopf sagt: „Das kannst du nicht essen." Also, de, ne, wir hatten das jetzt grade, ich war in Hongkong kurz und wollte ja schon immer mal Durian probieren, diese Stinkefrucht und, und war fest entschlossen, das zu tun, aber ich, ich, ich konnt es nicht. Es ist tatsächlich, es, es, der Geruch, den konnt ich grade noch quasi übertünchen und dann, dann war's auf meiner Zunge und dann war das Thema vorbei. So ich hab einen Bissen runtergeschluckt und dann musst ich quasi abbrechen, weil es ist, ging einfach nicht.

Ähm, und es gibt andere Menschen, den, denen ist das völlig egal. Die können halt irgendwie alles essen, aber bei mir spielt dann der Kopf 'ne große Rolle. Und, und wenn man das so'n bisschen unter Kontrolle kriegt, dann steht einem, glaub ich, auch viel neues Erleben und, und viele neue Geschmäcker und so weiter offen. Genau, ansonsten kulinarisch ist das dann dort alles, sag mal, äh, von den Gewürzen her halt dann einfach für uns bisschen exotischer. Das geht dann m-manchmal auch schon 'n bisschen so vielleicht Richtung indische Küche von den Einflüssen. Wir haben halt auch sehr viel von Datteln gelebt. Also das gehört da einfach dazu. Den ganzen Tag gibt's immer irgendwo Datteln und einmal haben wir sie sogar direkt selber geerntet von der Palme runter. Gab's dann morgens schon ins Müsli. Ähm, natürlich Tee und Kaffee, der im Arabischen ganz anders interpretiert wird, so mit Kardamom der Kaffee und so ganz kleinen Becherchen.

Ist ja eigentlich dann einfach nur so 'ne, 'ne Zeremonie, wenn man auch zusammenkommt. Und ja, ansonsten gibt's eben so eher Reisgerichte mit, mit Fleisch oder Fisch.

Lecker, lecker. Krieg grad schon wieder Appetit, muss ich sagen.

Ja, und wenn Nele Appetit kriegt, dann macht's natürlich Sinn, dass wir die Folge dann auch für heute abschließen. Wir sind ja auch schon wieder 'n bisschen über unserer geplanten Zeit von 45 Minuten und es gibt noch ganz viel zu erzählen und wir finden das auch super spannend. Deswegen, ähm, lieber Fabian, liebe, äh, Jessica, wir hören uns vermutlich nächste Woche zur nächsten Episode wieder. Es war super spannend, ähm, und ja, bis zum nächsten Mal. Tschüss.

Tschüss.

Bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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