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Hallo und herzlich willkommen zu Camper Style, deinem Camping-Podcast. Ich bin Nele und heute wieder mal ohne Sebastian im Studio, dafür aber mit Christiane. Und Christiane kennt vielleicht der eine oder andere von euch schon, ähm, und zwar weil sie uns vor gar nicht allzu langer Zeit ein sehr, sehr ausführliches Feedback geschickt hatte. Das haben wir auch in einer Hörerfeedback-Folge vorgetragen. Und, ähm, ich glaube, ich sage nicht zu viel, wenn ich sage, dass Sebastian, der es vorgelesen hat, da wirklich sehr zu kämpfen hatte. Ich hab im Hintergrund sowieso geheult. Ich konnte gar nix vorlesen. Also hört da gerne noch mal rein, wenn ihr Christiane aus der Ecke noch ein bisschen kennenlernen wollt. Und ja, ansonsten würde ich sagen, Christiane, herzlich willkommen. Stell du dich doch bitte einmal vor. Wer bist du? Ähm, ja, wie bist du unterwegs und so weiter.
Was die Leute eben interessieren könnte rund um das Thema von heute Camping mit Behinderung.
Hallo. Also ich bin Christiane. Äh, ich verreise wahnsinnig gern mit meinem Mann André, mit meiner Tochter Anna-Lena und unserem Hund Pepper Cthulhus. Wir sind seit zehn Jahren ungefähr unterwegs mit unserem Wohnmobil, aber vorwiegend im skandinavischen Raum. Ich bin zu hundert Prozent schwerbehindert, habe die Pflegestufe drei und mein Mann macht trotzdem alles, um mir noch die Welt zu zeigen. Und auch wenn dann einer ziehen muss und der andere muss schieben, damit ich ein- und aussteigen kann. Aber ich bekomme mit meinen vier Kisten Medizin, meinem Rollator, mein Sauerstoffgerät alles ins Wohnmobil. Und deswegen denke ich, dass Campen mit einem Wohnmobil für Behinderte das Beste ist, was mich betrifft.
Wir können essen, wann wir wollen, und wir können tun und machen, was wir wollen. Wir müssen nicht sieben Uhr dreißig beim Essen sein, geschniegelt und gestriegelt. Es geht ganz nach unserem Wunsch und nicht nach dem, wo wir reisen. Um meine Erkrankung zu beschreiben, das ist eine Autoimmunerkrankung, so ähnlich wie MS. Dann wissen die meisten Bescheid. Äußerlich kaum was zu sehen, aber innen defekt. Der Körper, die Sprache, die Bewegung, die machen halt nicht mehr das, was man will. Also hab-- bin ich Diabetes, Diabetikerin und auch Cluster-Patientin, wer sich damit auskennt. Unterwegs sind wir mit einem Malibu. Das ist ideal für uns. Davor hatten wir einen Hobby Siesta. Der war erst gut, wo wir dachten, das ist es, hat sich dann aber nicht bewährt.
Und 2014 hatten wir das erste Wohnmobil gekauft, einen LMC. Das war ein totaler Fehlkauf. Das ist eigentlich Kurzes zu mir.
Hast du eigentlich schon praktisch alles thematisiert, was ich jetzt sonst noch abgefragt hätte. Vielen Dank dafür. Ähm, ich glaube, zu den Fahrzeugen kommen wir dann an einem späteren Punkt noch mal, wenn wir über die, ähm, über die Themen Barrierefreiheit, behindertengerechte Ausbauten und so weiter sprechen. Ich, ähm, möchte nur noch mal kurz nachfragen, weil's vielleicht nicht nur mir, sondern auch anderen nicht ganz klar ist: Was bedeutet denn Pflegestufe drei?
Ähm, es gibt fünf Pflegestufen. Die erste Pflegestufe ist halt nur für Demenz und die anderen Pflegestufen heißen immer mehr Beeinträchtigung. Wie Pflegestufe fünf ist dann nur im Bett liegen und nichts können. Die drei heißt, dass ich selbst, ähm, alleine gar nicht mehr zurechtkommen würde.
Mhm.
Wenn ich hinfalle, ich kann nicht alleine aufstehen. Ich brauche Hilfe dazu. Ähm, wenn ich gerade einen akuten Schub hab, kann ich gar nichts. Also ich sag mal so Essen machen, aufstehen auf Toilette, gar nichts. Oder wenn ich Cluster habe, brauche ich jemand, der mir mein Sauerstoffgerät anschließt, wenn ich zu spät dran bin. Also die drei ist sozusagen die Mitte. Man kann nicht mehr arbeiten, man darf nicht mehr arbeiten, man kann es auch gar nicht mehr. Man kann einiges sehr wohl nur alleine, ne. Also ich, ich sag mal so am PC, das habe ich gelernt. Das ist immer noch das, was ich hinkriege. Aber so einkaufen gehen oder in Gesellschaft gehen kann ich nicht. Mm-mm.
Und wir hatten ja im Vorgespräch uns darauf verständigt, dass ich dich auch zu deiner Behinderung, Beeinträchtigung ausquetschen darf, weil uns das Thema eben sehr am Herzen liegt und damit wir alle das auch besser verstehen, was das für dich auch konkret auf den Reisen dann bedeutet. Was, ähm, sind denn die Cluster, von denen du sprichst? Ich kenne Cluster-Kopfschmerzen.
Genau, das ist Cluster-Kopfschmerz. Das meine ich. Das heißt nicht umsonst Selbstmord-Kopfschmerz. Das sind Schmerzen, da würdest du alles tun, nur um in diesem Moment keine Schmerzen zu haben. Es ist ein wahnsinniger Druck im Kopf. Du denkst bei einem Cluster-Kopfschmerz, es platzt alles, es springt alles raus, das Gehirn kommt aus den Ohren gequetscht. Und für diese Momente habe ich dann Notfallspritzen. Und, äh, wenn die Spritzen nicht reichen, gibt es noch extra so Nasenspray. Das ist nicht gegen Schnupfen, sondern das sind Triptane, die man spritzt. Und dann habe ich eben meinen Sauerstoff. Und, äh, es hat lange gedauert, bevor man das gefunden hat. Bei Cluster geht auch die ganze Seite. Es wurde beim Augenarzt alles untersucht, die Zähne wurden alle gemacht, das Ohr wurde untersucht und immer solche Schmerzen, bis man dann in der Charité in Berlin gefunden hat, dass es Cluster ist.
Da hat keiner dran gedacht, ne.
Und da weiß man, da weiß man nicht genau, wie das entsteht, ne, bis heute.
Na ja, das sind diese Entzündungen im Gehirn, die das auslösen und ein bisschen Stress und ein bisschen dies und ein bisschen das. Und manchmal kommt es auch aus heitem Himmel und manchmal gibt's auch richtige Schübe. Und ich hatte auch schon mal ein Jahr, wo nichts war, aber verlassen kann man sich darauf nicht.
Das heißt, und darauf kommen wir ja auch gleich noch zu sprechen, du musst, auch wenn du auf Reisen gehst, immer auf alle Eventualitäten wahrscheinlich vorbereitet sein, richtig?
Genau. Ich hab, ähm, vier Kisten mit Medizin. Das darf man gar nicht erzählen, aber- Es ist wirklich alles damit abgesichert, ne. Ich möchte mich auch frei im Urlaub bewegen können oder gehen können, ohne Angst zu haben. Ich habe für zu Hause eine zehn Liter Flasche Sauerstoff, für unterwegs habe ich, äh, zwei Zwei-Liter-Flaschen und die Apparatur dann noch mal extra dazu. Ich habe meine Tritane mit, ich habe mein BTM mit Tilidin. Anders wäre das gar nicht möglich.
BTM, für die, die sich damit nicht so auskennen, ist Betäubungsmittel.
Ja, genau.
Also die hoch, das Hochprozentige-
Ja
... unter den Medikamenten sozusagen.
Ja, es ist ein sehr schönes Zeug, muss ich ehrlich sagen. Aber ich habe meine Ärztin auch hoch und heilig geschworen, dass ich damit sinnvoll umgehe, weil sonst würde ich's nicht so frei kriegen.
Mhm.
Ne, aber damit weiß ich, ich bin abgesichert gegen jeb, jede Eventualität und wir können beruhigt losfahren. Und das gibt mir viel. Und das könnte ich nicht, wenn ich mit dem Flugzeug fliege. Da kriege ich den Sauerstoff nicht rein.
Mhm.
Weil das ja eine Druckgasflasche ist.
Ja, klar.
Alles so Sachen, Betäubungsmittel an der Grenze. Na ja, wenn du jetzt in der Türkei fliegen würdest, dann weißt du, dass du nicht wieder nach Hause kommst, ne.
Mhm.
Und Türkei lassen wir ja eh aus, aber ich sag mal, so habe ich das alles mit und bin beruhigter.
Mhm.
Das ist schon schön.
Bevor wir gleich in, in diese ganze Thematik der Vorbereitungen einsteigen, vielleicht noch mal so'n, ein bisschen Hintergründe auch, ähm, für die Leute, die uns zuhören, warum wir uns heute getroffen haben. Also wir waren ja jetzt immer mal wieder in Kontakt dann, ähm, nach deiner Auftakt-E-Mail, die uns ja wie gesagt sehr berührt hat und haben dann gesagt: „Mensch, das wäre doch eigentlich ganz schön. Wir haben dieses Thema Camping mit Handicap oder überhaupt Handicaps auch in der Gesellschaft. Das schwirrt uns immer wieder im Kopf herum. Wir haben aber zu wenig persönliche Anknüpfungspunkte damit, weil wir selber, wir haben keine Beeinträchtigungen. In der Familie ist auch niemand, den man da mal fragen könnte. Und gerade beim Thema Camping haben wir halt immer so das Gefühl, ähm, dass, dass die Branche noch weiter hinterher ist, als die Gesellschaft sowieso schon hinterher ist, was das Thema, ähm, Barrierefreiheit und Inklusion und so weiter angeht.
Und deswegen haben wir gesagt, ähm, in einer unserer zahlreichen Mails, die da hin und her gingen: „Können wir ja vielleicht mal was zusammen im Podcast machen zu diesem Thema. Ähm, und du hattest dich eben bereit erklärt und das freut mich sehr, da ganz offen drüber zu sprechen. Nicht nur, um so zu erzählen, was du selber machst, was vielleicht auch andere Menschen dann, ähm, ja unterstützen kann in eigenen Vorbereitungen, sondern überhaupt mal Mut zu machen, Menschen, die, ähm, auch unter einer Beeinträchtigung leiden, zu sagen: „Mensch, ich, ich packs jetzt einfach, weil die Christiane, die hat das ja auch geschafft. Die macht das ja auch. Also dass man, dass man einfach auch so ein bisschen über deine Geschichte die Leute motiviert, es einfach mal auszuprobieren und zu zeigen, dass man eben so mit der richtigen Herangehensweise und mit der richtigen Vorbereitung das durchaus auch, ähm, umsetzen kann.
Nele, weißt du, ähm, behindert sein und eine Behinderung haben, es sind ganz große Unterschiede. Jemand ist behindert, der allein schon eine Brille trägt oder ein Hörgerät.
Mhm.
Der ist auch behindert. Es gibt solche Leute wie mich, die noch was können, aber trotzdem nicht mehr alleine. Und es gibt solche, die gar nichts mehr können, die wirklich den ganzen Tag im Bett liegen. Oder wenn jemand zum Beispiel campt, der Dialysepatient ist, gibt's ja jetzt schon Campingplätze mit Dialyseeinrichtungen.
Ach, das wusste ich nicht.
Find ich echt super. Also für den ist es schietegal, ob da ein Berg ist oder ein Hang runtergehen muss zum Wasser.
Mhm.
Weil den das nicht beeinträchtigt. Aber der braucht zum Beispiel die Dialysestation. Ich kann nicht irgendwo sein, zum Beispiel am Gardasee, das hat mir wahnsinnig wehgetan. Ich konnte nicht runter zum Wasser, weil das so steil runterging. Das ist dem schietegal. Also Behinderung ist nicht gleich Behinderung. Der eine kann schlecht sehen. Der braucht jemand, der ihn begleitet, aber der kann hundert Stufen hochgehen vielleicht. Also man kann Behinderungen nicht alle so über einen Kopf scheren. Und ich sage, so wie ich vorhin gesagt habe, egal ob du eine Brille trägst oder ein Hörgerät, dann bist du schon behindert.
Mhm.
Ne.
Jetzt haben wir ja schon mehrfach mit verschiedenen Begriffen um uns geworfen. Also behindert, Handicap, mit Behinderung. Was, was sind denn die Begrifflichkeiten? Ich denk, da tickt auch jeder ein bisschen anders. Aber welche würdest du denn verwenden und von welchen würdest du dich irgendwie verletzt oder ausgegrenzt fühlen?
Also ich habe da kein-- Ich selbst persönlich, habe da keinerlei Probleme, egal wie man das ausdrückt. Ist aber auch, weil man mir das nicht sofort ansieht, wie zum Beispiel einem Spastiker, dem siehst du sofort das an. Bei mir siehst du's natürlich, wenn du eine Weile mit mir unterwegs bist oder zusammen bist, dass das alles nicht mehr so klappt, wie man will, aber nicht auf den ersten Blick. Aber ich kenne das sehr wohl, dass wenn ich mit meinem Rollator gehe, ich bin ja nur etwas unschlank. Das ist dann der erste Gedanke. Ich sehe das oder ich fühle es zu sehen in den Augen der anderen: „Oh, die ist so dick, deswegen muss sie bestimmt am Rollator gehen."
Mhm.
Nee, ich bin erst dick geworden, als ich krank wurde, weil ich wahnsinnig viel Cortison nehme. Aber das denke ich manchmal zu sehen, dass die anderen das denken. Ähm, in der Familie allweil wiederum, in der Öffentlichkeit. Ich mein, ich bin ja nicht mehr so in der Öffentlichkeit. Dass ich das hier heute mache, ist auch eine Ausnahme, allein weil ich euch so mag. Sonst hätte ich, glaube ich, auch Nein gesagt. Aber ich selbst bin ja nicht mehr draußen. Ich bin nur noch zu Hause. Ich geh entweder zum Arzt oder zur Physiotherapie oder eben mit meiner Familie unterwegs. Ne, ansonsten ist da nichts mehr. Ne, also das ist alles weg. Und was mit diesen Begriffen gemeint ist, barrierefrei, behindertengerecht, rollstuhlgerecht. Im Prinzip ist alles dasselbe.
Aber wichtig ist, das nicht nur zu sagen, sondern wenn eine Rollstuhlauffahrt vorhanden ist, dass dann nicht im Haus Treppen sind. Das bringt dann nichts. Dann kann der, äh, Campingplatz, der Stellplatz sagen: „Oh, wir sind behindertengerecht." Ja, und dann hast du eine Auffahrt ins Toilettenhaus rein und dann ist die Damentoilette zweiter Stock.
Ja.
Als Beispiel. Also man muss schon ein bisschen genauer gucken. Viele prahlen damit, wir sind, und die merken das aber als Nichtbehinderte gar nicht, also als welche, die darauf angewiesen sind, nicht gehen zu können. Ne. Ein Blinder kommt trotzdem da hoch.
Mhm.
Ein Gehbehinderter nicht, ne. Und, äh, das mag vielleicht nicht böse sein, böse gemeint sein, aber m-m-man muss da ein bisschen hinten drum die Ecke gucken, ob das wirklich so ist oder nicht.
Ja, das fällt uns halt auch immer wieder auf und deswegen versuchen wir auch, dem Thema immer mal wieder, wenn's halt irgendwie geht, Raum zu geben. Bei uns ist so ein bisschen die Problematik, dass wir auch so schlecht an Informationen und an gute Beispiele kommen. Wahrscheinlich, weil's da auch so wenige von gibt, ähm, gerade jetzt auch im, im Campingsektor und wir achten da ja selber auch drauf, wenn wir auf Campingplätzen unterwegs sind und schauen uns die, ähm, die sogenannten barrierearmen Installationen auch gerne mal ein bisschen näher an. Und dann findest du halt Sachen, die wirklich gut gemeint, aber nicht zu Ende gedacht sind. Also wie du beschreibst, dann gibt's eine Rampe und dann gibt's eine ebenerdige Dusche, aber der, die Armatur, also die, der, der Regler und, und der Duschkopf ist so weit oben, dass da ein Mensch, der im Rollstuhl ist oder der sich zum Duschen hinsetzen muss, kommt ja gar nicht dran.
Mhm.
Ne, und solche Geschichten, dass, dass du dann denkst: „Ja, okay, aber jetzt habt ihr schon den Anfang gemacht, aber warum wird's dann halt nicht wirklich konsequent durchgedacht?" Und ich glaube, dass das daran liegt, dass es auch irgendwie, dass da zu wenig Beratung in Anspruch genommen wird, auch bei, bei den Campingplätzen, ne. Die, die machen dann was, weil sie denken: „Ja, okay, damit kann ich dann einen Zugang gewähren", aber es ist dann keiner, der sich entweder mal selber irgendwie an den Rollator klemmt oder in den Rollstuhl setzt oder dass halt Beratung angefordert wird. Es gibt ja mittlerweile auch Menschen, die, ähm, die in der Beratung für so ba-barrierefreie Ausbauten tätig sind. Für die ist das der Beruf, ne. Die machen, die können das, aber es kostet wahrscheinlich Geld und vielleicht wissen das viele auch gar nicht, dass es so was gibt.
Aber schau mal, jemand, der eben Dialysepatient ist, der kann da duschen gehen ohne Probleme. Der hat Platz um sich herum, alles drum dran. Der nicht gehen kann, der kommt wieder nicht zurecht. Beide sind behindert.
Ja.
Man kann es nie allen Menschen recht machen. Das muss ich auch sagen, ne. Und wir sind ja nun auch als Behinderte keine spezielle Spezies, die auf den Thron gehört. Nein, wir sind ganz normal, nur anders, ne.
Ja, ich, ich sehe das genauso. Ähm, ich denke aber trotzdem, dass man Menschen mit Behinderung zu wenig mitdenkt. Und zwar gar nicht, gar nicht böse gemeint. Wir selber sicherlich auch, ne. Wir haben uns auch darüber Gedanken gemacht: Wie machen, wie gehen wir mit unserer Webseite zum Beispiel um, dass, äh, Menschen, die nicht gut sehen, auch trotzdem noch Dinge sich einstellen können, lesen können, dass die Kontraste einigermaßen passen und das ist dann auch immer so: Ja, aber schwarz-weiß ist ja auch doof, ne. Also, ähm, da, da gibt's immer wieder Diskussionen. Die Frage ist halt: Was würdest du so aus deiner Erfahrung sagen? Was könnte man tun als Campingplatzbetreiber zum Beispiel, um's Menschen mit verschiedenen Behinderungen ein bisschen einfacher zu machen?
Also dass man nicht für jede Art der Behinderung alles vorhalten kann, ist mir klar. Das wär ein zeitlicher und auch ein finanzieller Aufwand. Das kann nicht jeder stemmen. Aber wo wären denn so Stellschrauben deiner Ansicht nach, die das Leben für euch einfacher machen würden?
Na, wir haben ja nun schon einen Ganzen Teil Campingplätze ge-, äh, befahren. Wir stehen aber meistens, sofern es sich ergibt, frei. Äh, dieses Freistehen, das mögen wir sehr gerne. Nicht auf dem nächsten Meter gleich den Nachbarn, den du dann nachts husten hörst. Keiner guckt dich an, keiner schielt dich an, sondern du kannst eben auch morgens, ähm, nachts eben rausgehen und frühstücken. Also wir stehen sehr viel alleine, aber barrierefreie Campingplatze ist definitiv wesentlich mehr geworden und ein Vorreiter, würde ich sagen, ist die Niederlande.
Mhm.
Also was die Niederlande an Vorrichtungen hat, wo ich auch mit Rollator ins Schwimmbad gehen kann ohne Hilfe, das hast du sonst nicht so. Also da ist die Niederlande wirklich-- Ich meine, das ist ein flaches Land, ne. Ja gut, da geht's sich schon von vornherein besser, aber die Niederlande ist wirklich, also als unsere Tochter kleiner war, waren wir viel in den Niederlanden, weil ich da immer mit konnte. Jetzt, wo sie viel alleine geht oder eben auch Skandinavien für uns einfach schöner ist, ne, von der Landschaft her, von der Natur, von der Freiheit da oben, von dem Freistehen, äh, sind wir mehr in Skandinavien unterwegs. Aber barrierefreie Campingplatze sind definitiv mehr geworden. Wirklich. Und selbst ein kleiner Campingplatz, Stellplatz oben in Norwegen hat eine Behindertentoilette.
Oder ist vielleicht nicht ausgeschrieben als Behindertentoilette, aber hat eine einzelne Toilette, die richtig groß ist und ebenerdig zu begehen. Das steht dann gleich nicht dran, aber die haben schon ein bisschen weiter gedacht, ne.
Mhm.
Das muss nicht dran stehen, das muss einfach nur so sein.
Ja, und zumal ja auch diese ganzen barrierefreien oder barrierearmen Installationen Nicht nur für Menschen mit einem Rollstuhl oder mit einem Rollator gut sind, sondern die sind ja auch für ältere Menschen gut, die sind für adipöse Menschen gut, die sind für Menschen gut, die es mit der Bandscheibe haben. Also, ähm, du hattest ja vorhin gesagt, ja, ihr seid nichts Besonderes und müsst jetzt auch nicht irgendwie, ähm, besonders behandelt werden. Aber Inklusion, bei der Inklusion geht es ja nicht darum, jemanden besonders zu behandeln, sondern einfach die, die Ausgangsbedingungen so herzustellen, dass man eben nicht ausgeschlossen wird aus bestimmten Dingen, die man vielleicht tun könnte. Und das ist ja das, was wir immer wieder sagen: Selbst für Kinder sind barrierearme Einrichtungen besser, als, äh, wenn du überall Schwellen und Kanten und Ecken hast und so weiter.
W-wie sieht's denn in-- Also Campingplätze haben wir jetzt gehört. Siehst du eine, eine Steigerung? Das finde ich sehr schön. Wie-- Uns ist das noch nicht so aufgefallen, aber du achtest natürlich auch auf andere Sachen, als wir das tun. Was siehst du denn im Fahrzeugmarkt? Wie ist da das Angebot aufgestellt?
Also beschäftigt haben wir uns schon damit. Ähm, ich muss aber auch sagen, das, wo ich ein Fahrzeug sehe, wo ich sofort sage: „Ja, genau", das habe ich noch nicht gefunden.
Mhm.
Und wenn ich diese barrierefreien Fahrzeuge sehe, die, ähm, eine Rampe haben, wo du mit dem Rollstuhl und Rollator gleich über die Rampe ins Wohnmobil kommst, sind natürlich nicht schlecht, aber das Wort barrierefrei ergibt dann immer gleich einen Preisaufschlag, den ich nicht vertreten mag. Also da stehe ich nicht hinter und das werde ich auch nicht mitfinanzieren. Ne, nur das ist so wie bei Bio heißt lateinisch fünf Euro mehr. Und so heißt es beim Wohnmobil barrierefrei und kostet schon wahnsinnig viel mehr, was ich nicht finde, dass das rechtfertigt ist, ne.
Mhm.
Also beschäftigt haben wir uns. Aber, äh, es gibt natürlich einige Dinge, die wir jetzt auch beim Kauf des dritten Wohnmobils beachtet haben. Eine breite Tür ist jetzt schon wichtig. Also das hätten wir nicht gedacht, wie wichtig so was ist. Eine breite Tür, weil sonst zack, zack, aber zack, zack geht nicht mehr und dann einer schiebt, einer zieht und dann ist es wirklich von Vorteil, wenn du nirgendswo anschlägst, ne.
Also du kommst noch über die normale Trittstufe rein oder hast du schon eine Rampe am Fahrzeug?
Nein, Rampe haben wir nicht, aber wir haben immer einen extra Hocker mit, dass die Stufen klein sind, dass ich eben bis zur zweiten komme, was die normale Stufe ist. Ja, und dann, es ist wirklich so, es zieht einer, es schiebt einer. Mögen die Leute lachen, aber ich komme mit. Ich bin drinnen und ich komme auch wieder raus. Natürlich nicht alleine. Aber ich kann's noch, ne. Das muss, muss man sehen. Das macht mich auch stolz. Ich kann immer noch mit.
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Ja, und das war ja auch das, was uns so beeindruckt hat an, an, ähm, deinen Mails, dass, dass wir halt gesagt haben, Mensch, da spürt man eine Lebensfreude und auch noch so einen Lebenshunger und einen Hunger nach, nach Entdeckungen und nach Erlebnissen. Und ich finde es auch schön, dass du das heute mit uns teilst, weil das ist ja wirklich, ähm, für mich ist das was Besonderes, auch gerade in, in so einem Ambiente, wo ja auch momentan sehr viel gejammert wird an sehr vielen Ecken und Enden. Und dann jemanden, mit jemandem im Austausch zu stehen, der jetzt wirklich, ähm, harte Monate und Jahre hinter sich hat und wo du aber trotzdem merkst, okay, de, ja, ich, ich will's anpacken einfach und ich lasse mich nicht behindern und ich lasse mich nicht, ähm, zurückhalten.
Das finde ich schon echt toll. Das, ähm, deswegen war ja ein Grund, warum wir dich auch eingeladen hatten, weil uns das wirklich beeindruckt hat.
Ich fühle mich aber auch, äh, in der Hinsicht, ähm, bisschen besser aufgestellt, weil ich das noch kann.
Mhm.
Und ich weiß, dass es Leute gibt, die auch nicht mehr reinkommen mit Schieben und Ziehen. Aber nur weil ich das nicht mehr kann, alleine diese Treppen rein und Treppen raus, will ich noch nicht, dass jemand mir vorsagt, was ich noch darf und was ich nicht darf.
Mhm.
Und ich möchte das. Ich bin, ich bin das ganze Jahr zu Hause wirklich nur zum Arzt oder zur Physiotherapie draußen. Kaum mal mit meinem Mann einkaufen. Ganz selten. Und dann, wenn, wenn ich mit meiner Familie unterwegs bin, ey, das ist Leben pur. Und davon zehre ich das ganze Jahr. Von den Erlebnissen, von dem, was ich sehe, von dem, was wir fotografieren. Das, davon lebe ich, davon zehre ich. Ich, äh, fotografiere immer noch sehr gerne und meine Tochter auch. Und die Fotos, ich kann stundenlang am PC sitzen und einfach nur Fotos angucken oder Videos. Ne.
Du hattest ja vorhin schon angedeutet, ich weiß jetzt nur nicht mehr, ob es im Vorgespräch war oder schon, als wir schon den Aufnahmeknopf gedrückt hatten. Ihr wart ja jetzt auch in Norwegen unterwegs. Wie lange wart ihr da?
Wir waren vier Wochen unterwegs.
Mhm.
Ähm, das können wir aber auch nur, weil mein Mann sich einen Monat frei im Jahr immer nimmt, was er nicht bezahlt bekommt, und wir diese Zeit fürs Familienleben nehmen. Weil das etwas ist, gemeinsam zu unternehmen, das kannst du nicht mit Geld bezahlen. Und dann verzichten wir lieber auf einen Lohn und leben dafür einen ganzen Monat. Und wir haben ja noch unser Puckertier zu Hause. Das heißt, wir müssen immer in die Schulferien noch, weil sie ja auch wahnsinnig gerne mitkommt. Und dann können wir auch solche Reisen planen. Und wenn wir dann unterwegs sind, dann auch viel-- man redet ja mit den anderen auch: „Wie lange seid ihr unterwegs? Wie lange habt ihr noch? Und so." Und dann sagst du: „Vier Wochen." Und dann: „Oh." Und dann reden wir mit anderen und die sagen: „Na ja, wir sind jetzt sechs Monate unterwegs, so wir wollen jetzt noch zwei Monate nach da."
Und dann denkst du: „Nein." Und dann denkst du: „Och", dann wünscht man sich das auch. Muss ich ganz ehrlich sagen. Da bin ich neidisch auf die, die wirklich dann nichts an der Hacken haben und einfach nur können, weil sie's können, ne. Aber ich bin trotzdem mit den vier Wochen unterwegs, äh, sehr zufrieden. Es gibt ja auch noch Frühjahrsferien, Herbstferien und so was, ne.
Vier Wochen am Stück ist schon, ich sag mal, für normale Menschen ziemlich luxuriös. Bei uns ist es dann eher so, dass wir sagen: „Ja, dieses Mal sind wir nur kurz unterwegs", aber weil wir ja natürlich auch von unterwegs aus arbeiten. Das darf man echt nicht verwechseln, ne. Wir machen da keinen Urlaub. Für, also vier Wochen Urlaub fände ich schon auch sehr luxuriös für uns.
Ist es auch.
War ich auch ein bisschen neidisch und du hattest ja auch noch gesagt, du wolltest auch noch Fotos schicken. Das hat dann leider nicht geklappt. Ähm, vielleicht kannst du die im Nachgang, also jetzt nur, nur für uns, die werden nicht veröffentlicht, ne. Aber, ähm, da waren ja wohl auch sehr, sehr schöne Erlebnisse unterwegs. Und Norwegen ist ja so eines der Länder, ähm, wo's euch immer wieder hinzieht. Dann hattest du auch gesagt, Niederlande, ähm, auch gerne genommen, auch weil die, die Infrastruktur so gut ist da. Gibt's denn sonst noch Länder, wo du sagst, da, da hast du dich jetzt bisher immer sehr gut aufgehoben gefühlt, auch was, was die Punkte Barrierefreiheit und so weiter angeht?
Also ich sag mal, Norwegen, Schweden, Finnland, das sind eigentlich unsere Kandidaten, wo wir am liebsten sind. Aber wir waren in Österreich, Schweiz, Lettland, Litauen, Island, Frankreich, Dänemark, Niederlande, Belgien. Europa sind wir fast durch.
Ja, ich wollt grad sagen.
Ja, wir waren auch schon in Italien oder Kroatien, wobei ich aber sagen muss, dass es uns da einfach zu heiß war und wir sind nicht zurechtgekommen. Man liegt nur den ganzen Tag, man geht duschen, man kommt wieder zurück, bist schon wieder durchgeschwitzt. Nachts ist es so schwül und das war nichts für uns. Also das, das war wirklich nichts. Wer das abkann mit der Wärme, ja, aber da ziehe ich wirklich Norwegen vor. Und wir hatten auch schon mal einen Regentag. Ansonsten hatten wir Norwegen, Schweden, Finnland immer schönes Wetter.
Echt?
Richtig. Weißt du, Nele, da oben, da sind weiße Strände. Du denkst, du bist da am Beach sowieso. Und das ist aber Norwegen. Richtig weiße Sandstrände. Das passt nicht in Norwegens Welt, aber das ist da.
Mhm.
Ne? Oder durch Finnland. Finnland ist ja fast nur Wald. Du fährst da, also ich nicht, ich fahr mit und dann sitze ich auf meinem Thron auf der Beifahrerseite und wir fahren endlos lange Straßen durch Finnland. Dann kommt rechts, links mal so ein Elch rausgeschlendert und wackelt da mit seinen Füßen. Weißt du, das mag sich jetzt ein bisschen gehoben anhören, aber dann bin ich die Königin der Straße.
Ja, das kann ich mir vorstellen. Lässt du dich schön chauffieren von deinem Mann?
Ja. Ich hab so viel Natur um mich rum. Ich sehe so viel. Äh, wir waren da auf 'ner Elchfarm dieses Jahr in Bjurholm, das ist Schweden noch. Ähm, Elche sind wahnsinnige Tiere. Wahnsinnig. Und wir durften die anfassen. Da hatten sie das Tor ganz drauf aufgemacht und dann konnt ich da auch rein. Und dann hatt, äh, hatte ich mich eben hingestellt, aber die waren ja noch größer wie ich, ne. Und ganz fettiges Haar, ne, wegen dem Regen, dass der Regen ja dann so abfällt, ne. Ich hab noch nie 'n Elch angefasst. Und, oh, das war so schön. Und da waren kleine Elche da.
Oh.
Richtig so zwei Monate, drei Monate. Die werden ja alle mit der Hand aufgezogen, ne.
Ach Gott.
Und sind bei ihren Elterntieren, aber die Eltern wurden auch schon per Hand aufgezogen, deswegen sind die alle zahm und dann hast du da so ein kleines Elchkälbchen vor dir, ne. Herrlich, herrlich, herrlich, herrlich. Und das bleibt, hoffe ich, dass es wegen fast noch eine Weile bei mir bleibt, aber das sind Erlebnisse.
Ja.
Und da ist schietegal, ob du behindert bist oder nicht. Das sind einfach nur Dinge, die sind wunderschön zu erleben, ne.
Also das, das sind wirklich so Erlebnisse, glaube ich, und, und das war ja auch bei uns so ein Punkt, warum wir uns sehr früh gegen so normale Karrieren und so weiter entschieden haben und gesagt haben, wir wollen unabhängig bleiben, ähm, weil wir halt gemerkt haben, so, dass diese Erlebnisse und auch die Zeit, die man zusammen verbringt, die kannst du, die kannst du nicht bezahlen, wie du vorhin auch gesagt hattest. Das ist, da ist wirklich auf gewisse Sachen einfach geschissen, auf gut Deutsch gesagt. Und, und bei euch ist es ja noch mal eine andere Situation, weil ja, so wie ich das verstanden habe, das auch, ähm, 'ne fortschreitende Geschichte ist bei dir, ne. Also dass, dass es jetzt auch was ist, was hoffentlich noch lange möglich ist, aber eben nicht auf ewig wahrscheinlich, dass du noch solche Reisen machen kannst.
Und, ähm, das wird ja wahrscheinlich bei dir auch so ein Punkt sein, wo du sagst: „Ich, ich will jetzt", weil weiß Gott, was kommt.
Ja, also ich muss sagen, als, äh, da fällt mir ein, mein Rollstuhl, mein Rollator, als der damals kam, hab ich zu diesem Pflegemitteldienst gesagt: „Schieben Sie den mal schnell auf den Hof."
Mhm.
War mir das peinlich, war mir das unangenehm. Aber das ist mir ein ganz lieber Freund geworden, weil ich gemerkt hab, wie sehr mir das Teil hilft. Und heute gehe ich damit sogar draußen rum, ne. Aber damals hatte ich Schiss. Ich wollte das nicht. Ich wollte es auch nicht akzeptieren, dass ich das nicht mehr alleine kann. Heute sehe ich das anders. Heute ziehe ich damit los. Lass die Leute gucken, die wissen gar nicht, was ich durchhab und hm, nee. Na ja.
Ja, also Die Leute, ne?
Ja, die Leute. Die Leute, die Leute können sich drüber aufregen.
Die Leute sind ja immer ganz schnell mit Bewertungen.
Ja.
Und man muss da selber manchmal auch aufpassen, dass man nicht andere Menschen zu schnell in 'ne Schublade steckt oder überhaupt in 'ne Schublade steckt, weil eigentlich, ähm, geht's einen ja auch nix an und eigentlich die Leute, die du vorhin genannt hattest, so nach dem Motto: „Ja, oh die, die Dicke muss am Rollator gehen." Das sind ja Menschen, die können einem eigentlich scheißegal sein, weil du wirst sie wahrscheinlich nie wiedersehen oder sie bedeuten dir nichts, aber trotzdem tut's halt weh dann in dem Moment, ne.
Ja, natürlich. Und das tut mir auch weh, wenn Leute, mit, die man öfter sieht, sich dann zum Beispiel Gedanken machen: „Oh Gott, die ist in Rente, die ist schwer behindert und fährt ans Nordkap." Die wissen gar nicht, was sie sagen. Erstens fährt sie nicht, sie wird gefahren. Zweitens habe ich alles mit, was ich brauche. Ne? Es ist ja wie ein zweites Zuhause, so 'n Wohnmobil. Du hast ja alles mit. Und dann ist das 'n für mich ein Erlebnis, auf das ich nicht verzichten muss, möchte, bloß weil andere sich das Maul zerreißen. Das war aber schwer, muss ich auch ehrlich sagen.
Aber sind das dann wirklich-- Also denkst du, dass die Leute das denken oder äußern die auch so 'n Quatsch?
Nicht mir persönlich.
Mhm.
Mir persönlich nicht gegenüber, aber die Welt ist auch nur 'n Dorf.
Mhm. Also wurde dir zugetragen dann, dass da so geredet wird.
Und dann denke ich immer: „Wie können die so denken? Wissen die eigentlich, wie viel mir das bedeutet, diese Wochen, die wir draußen sind und die ich mit der Familie unterwegs bin?" Das können die gar nicht einschätzen. Die können rausgehen, wann sie wollen, die können hingehen, wo sie wollen, die können sich ins Auto setzen, hinfahren, wo sie wollen. Die können ins Kino gehen, die können noch zur Arbeit gehen, die können alles. Und wenn sie jetzt neidisch darauf sind, dass ich dann vier Wochen in Urlaub fahre mit meinem Mann, der sich die Woche frei nimmt, die Wochen frei nimmt und kein Geld bekommt, dann mögen sie auch bitte meine Krankheiten nehmen. Dann können sie's auch machen. Dann tausche ich wahnsinnig gerne und gehe wieder zur Arbeit und habe wieder mein altes Leben.
Also das heißt-
Auch nicht übel.
Das heißt, sie sind dann quasi neidisch. Also Entschuldigung, wenn ich lache, aber ich find das so was von absurd, wenn man ja deine Geschichte auch kennt. Also ich kenn dich jetzt nicht gut, ich kenn dich über die E-Mails, aber es ist ja definitiv so, dass man darauf nicht neidisch sein kann, ne, was, was du alles jetzt auch hinter dir hast. Und, und dass man dann wirklich 'nem anderen nicht mal gönnt, dass er mal irgendwie vier Wochen rauskommt, das find ich schon, es, also das ist ja geradezu grotesk einfach.
Menschen können ganz schön böse sein. Und auch wenn man denkt, die sieht man jeden Tag, die grüßt man immer wieder, da erwartest du das nicht. Und dann von der Seite das zu erwarten, das find ich nicht schön. Das find ich sogar richtig traurig. Und dann sagt man sich: „Denen wirst du nichts mehr erzählen, da wirst du nichts mehr sagen." Dann bist du auf einmal weg. Ist ja zu sehen, ob's Wohnmobil da ist oder nicht, aber da wirst du nicht deine Freude mit denen teilen. Aber Nele, es gibt auch die Leute, die, ich glaub, der Punkt kommt nachher auch noch, wo wir drüber sprechen wollten mit der Familie, wie bleibt man in Kontakt, ne?
Mhm.
Wir haben eine Familien-Chatgruppe, da sind Freunde drinne, da ist Familie drinne. Und in diesem Familienchat, da kommen die Leute mit, die das genießen können. Die, die Freude, die wir empfinden, mit denen wir das teilen können und die sich auch freuen können, ohne neidisch zu sein. Und weißt du, wie schön das ist?
Mhm.
Wenn du denn, also ich sag mal, eigentlich ist ja 'n Flachland immer besser für mich. Aber am Geirangerfjord zu stehen und runterzugucken auf den Fjord und dann ein Foto zu machen und das in diesem Familienchat zu teilen und es kommt dann 'ne Antwort: „Ey, Hammer" oder „Geil. Super Aussicht." Wenn das Wetter dann auch noch mitspielt und so, ne. Da kann man eine Freude teilen und dann ist die doppelt so viel wert für uns, ne.
Ja.
Und die Leute, die in diesem Chat sind, die mögen mitkommen. Und ob das Freunde sind oder Familie oder Nachbarn, sind verschiedene Leute da drinne und ab und zu machen wir da halt ein Foto rein oder den Standort, wo wir sind, ne. Und das ist schön. Diese Freude zu teilen, die wir erleben da unterwegs, ne. Das ist, was Herrliches.
Machen die sich auch manchmal Sorgen um dich?
Ja. Es ist ja schon passiert, dass ich dann auch während der Fahrt irgendwas hatte und, äh, ins Krankenhaus musste. Äh, ich muss aber sagen, jetzt ist ja nur noch mein Vater, äh, meine Mutter hat es geliebt, jeden Tag angerufen zu werden und dasselbe machen wir jetzt mit meinem Vater.
Mhm.
Ne? Also wenn wir unterwegs sind, äh, wir tragen ihm das in den Kalender ein, von dann bis dann und wo. Und dann jeden Tag einmal anrufen. Er ist aber auch im Chat drinne und wenn er's dann schafft mit seinem Handy, sieht er auch die Bilder, ne. Äh, aber so was beruhigt natürlich alle. Meine Mutter konnte es damals sogar immer schon ahnen, wenn irgendwas passiert war. Also das sind halt Mütter, ne.
Mhm.
Die wusste dann oder hat angerufen und gesagt: „Was ist passiert?" Und dann: „Na ja, der Blinddarm wollte raus."
Oh Gott.
Das ist irgendwie-
Die hatten da 'n sechsten, sechsten oder siebten Sinn? Nee, 'n sechsten Sinn.
Ja. Ja, aber so 'n Familienchat ist was Schönes, vor allen Dingen, weil man die Freude teilen kann.
Mhm.
Ne?
Und du hast ja noch Geschwister.
Genau.
Zwei Brüder, ne?
Mhm.
Ähm, wie gehen die damit um, wenn du dann auch so länger weg bist? Also habt ihr normalerweise, äh, so 'n, so 'n sehr engen Kontakt, dass man sich sehr oft sieht? Oder, oder ist es für die dann okay, wenn du dann auch länger unterwegs bist und sie dann vielleicht auch nicht jeden Tag was hören, nicht immer wissen, wie's dir geht?
Mhm, nein, also sie sind auch im Chat mit drinne. Sie sehen das, wo wir sind. Wir haben eigentlich regelmäßig Kontakt, aber nicht so, dass wir jeden Tag erzählen, was es zum Frühstück gab, Mittag und Abend.
Mhm.
Das, ähm, das wäre mir, glaube ich, zu viel. Aber, äh, wenn was ist, weiß ich, ich könnte- Meine Brüder abends um dreiundzwanzig Uhr neunundsiebzig anrufen und fragen: "Kommst du mal her?" Und die sind sofort da.
Mhm.
Ne, aber was der eine kann, kann der andere nicht oder so und wir können uns da sehr gut untereinander helfen eben, ne. Ähm, wenn irgendwas rauszusuchen ist aus dem Internet, suchen wir mal dies oder das, das. Ich hab die Zeit, ich kann das gucken, ich kann das googeln und dann schicke ich bloß den Link rüber und dann können sie da weitermachen. Die sind da viel handwerklich und können dies und das in denen das, ne.
Mhm. Aber die reisen dann auch immer so 'n bisschen mit euch mit.
Äh, online, ja.
Genau.
Nee, mein älterer Bruder ist nicht so reisefreundlich. Äh, der mag das nicht so. Der braucht dann immer einen Stein vom Schornstein, dass es nicht so weit weggeht. Und mein kleiner Bruder doch, der ist auch schon unterwegs gewesen. Wir waren auch schon mal zusammen in Italien. Wir waren mit dem Wohnmobil und die haben schräg gegenüber gestanden auf dem Campingplatz Turistico Internationale bei Venedig. Von der Größe her würde ich's nie wieder machen. Das ist einfach zu groß, einfach zu viel. Aber weil wir nur gemeinsam reisen wollten und die aber im Bungalow gewohnt hatten, hatten wir uns den ausgesucht und wir waren wirklich so nebeneinander. Äh, da war mein kleiner Bruder schon mal mit.
Du hattest ja vorhin schon mal gesagt, dass ihr sehr viel frei steht und das eigentlich auch lieber mögt. Ähm, da habe ich ganz viele Fragen zu. Ähm, eine Frage ist zum Beispiel, wie, wie ihr euch im Fahrzeug eingerichtet habt, dass du da die ganze Infrastruktur hast, die du brauchst und dass auch Bad und so weiter, Toilette et cetera für dich auch zugänglich und nutzbar ist. Musstet ihr da irgendwas umbauen oder geht das alles im Moment noch?
Mhm. Wir haben beim Kauf gleich drauf geachtet, dass die Toilette höher ist.
Mhm.
Für jemand, der nicht Gehprobleme hat, ist das vielleicht Wurst, aber es ist schon wichtig, sich alleine hinsetzen zu können und aufstehen zu können.
Dass du nicht so tief absackst.
Genau. Äh, in vielen Foren haben wir dann schon gelesen, dass andere Leute, ich sag mal, eine Poolnudel – das kannte ich auch nicht – auf den Toilettenring gelegt haben, Strapse festgemacht und somit die Toilette um acht bis zehn Zentimeter erhöht haben.
Mhm.
Äh, um sich zu helfen, um da alleine sich hinsetzen und aufstehen zu können. Und da hatten wir bei diesem Wohnmobil drauf geachtet, dass die Toilette höher ist. So, und bei diesem Wohnmobil haben wir auch drauf geachtet, dass innerhalb des Wohnmobils, also innen drinne, keine Stufen mehr sind. Davor im Hobby war von der Fahrerkabine, das war ein Teilintegrierter, von der Fahrerkabine zu dem Raum immer eine Stufe.
Mhm.
Und irgendwann hat das so gestört und dann hatten wir das jetzige Wohnmobil gesehen und wir waren beide gleich verliebt und Donnerstag gesehen und Sonntag hat, am Sonnabend haben wir's gekauft, ne. Das war Liebe auf den ersten Blick.
Ach, guck mal an.
Ja, wir wollten nur gucken.
Ja, das hört man öfter mal, ja.
Nur gucken. Aber da wussten wir ja nun schon, weil wir ja mit dem ersten Wohnmobil, wo wir dachten, das ist das, was wir brauchen, totaler Fehlkauf war. Beim zweiten haben wir gedacht: „Oh ja, alles, das ist so wie wir." Und aber nein, das war dann doch immer noch nicht. Und erst beim dritten denken wir, wir haben das Beste für uns.
Ist da dann auch die Dusche ebenerdig, also die Nasszelle?
Nein, da musst du drei oder vier Zentimeter, ähm, einsteigen. Aber ich lasse zum Beispiel, oder wir können bei uns im Malibu die Tür aufmachen vom Bad. Also wir ziehen die Schublade raus mit dem Besteck. Dagegen geht dann die Tür. Gegenüber das Rollo, was hinterm Herd ist, das machst du zu. Dann hast du eine Großraumdusche, ne. Die Dusche kann dann so sein, wie sie ist und du hast aber den ganzen Platz davor oder dahinter, um dich zu bewegen. Ähm, das haben wir uns, ähm, auch von einem Podcast mal irgendwie, die haben das auch gemacht und dann denkt man: „Mensch, warum kommst du da nicht alleine drauf, ne?" Die Tür hält allein nicht, also Schublade ausziehen, da bleibt die stehen. Du kannst von vorne nicht reingucken, von der Seite nicht, von hinten sowieso nicht. Und dann hast du richtig viel Platz, um dich fertig machen.
Dann gehst du in die Dusche und hast wieder davor genauso viel Platz, um dich zu bewegen. Anziehen, ausziehen, alles, ne. Es ist, ähm, eigentlich simpel, aber manchmal muss man da erst drauf gestoßen werden, ne.
Ja, das ist genial, aber das, deswegen ist es ja auch immer so hilfreich, sich da auszutauschen. Ähm, da würde ich dich dann am Ende auch noch mal fragen, sozusagen zum Finale der Folge, was du so an, an Informationsplattformen, Ressourcen, Gruppen und so weiter nutzt für, für Menschen, ähm, die uns zuhören, die vielleicht auch auf der Suche sind nach neuen Ideen oder Lösungen. Ähm, also das heißt, du bist nicht auf, auf, ähm, Campingplatz-Sanitäranlagen angewiesen. Ihr habt alles an Bord, ohne dass ihr bisher Umbauten hättet vornehmen müssen. Habe ich das richtig verstanden?
Genau. Wir haben diesmal genau drauf geachtet, was wir brauchen, weil wir ja nun schon vorher viel gekämmt sind. Und das würde ich aber auch wirklich jedem, der sich ein Wohnmobil kauft, raten: Mietet das erst oder fahrt damit erst mal eine Woche in Urlaub und dann stellt ihr fest, ist das oder ist nicht. Verliebt euch nicht sofort, wenn das euer erstes Wohnmobil ist.
Ja. Gilt, gilt für Menschen mit und Menschen ohne Behinderung fast gleichermaßen. Aber für Menschen mit Behinderung ist es ja natürlich noch wichtiger, dass alles passt.
Genau, das ist so verdammt wichtig. Man fühlt sich nachher nicht wohl, wenn man dann zweimal hingefallen ist, weil die Stufe da ist und man hat das nicht gepackt oder weil der Teppich lose ist. Wir haben zum Beispiel alle Teppiche festgeklebt, ne, dass da ja nichts rutscht.
Ja.
Und, und so 'ne Sachen, ne. Und einen kleinen Hund haben wir, nicht mal den großen. Ist trotzdem eine Stolperfalle, auch so ein kleiner Hund.
Oh ja.
Wir haben Netze für den Hund. Die sind auslaufsicher. Wenn ich da- Gegenkomme, läuft das nicht aus. Das ist eine wunderbare Erfindung, ne. Muss man aber erst mal wissen, dass es so was gibt, ne.
Ja.
Und, äh, man braucht keine Angst haben. Kommt der Fuß dagegen oder kommt man irgendwo dagegen, dann kippt das Wasser nicht mehr aus. Das bleibt da drinne. Geniale Erfindung.
Und habt ihr die aber ganz normal auf'm Boden stehen oder habt ihr so 'n Gestell, ähm, was man an irgend'ne Wand oder Bank montiert, dass die erhöht sind, die Näpfe?
Um Gottes willen, 'ne Schraube im Wohnmobil. Ich musste derher laufen bei meinem Mann: „Nein, so was gibt's nicht."
Okay, verstehe.
Wir haben das auf'm Fußboden zu stehen, aber 'ne Unterlage noch unter, äh, weil der Hund ja manchmal das Fressen rausnimmt und daneben frisst, ne. Aber ich sag mal, für mich persönlich brauche ich keine Angst haben. Wenn ich dagegen komme, passiert nichts.
Und du hattest ja auch schon vorher eingangs gesagt, dass ihr mit vier Kisten reist, die nur mit deinen Gesundheitssachen zu tun haben. Ähm, dann habt ihr ja sicher auch das Thema Zuladung immer so'n bisschen im Blick. Wie löst ihr das?
Äh, dieses Wohnmobil ist vier Komma zwei fünf Tonnen.
Oha, okay.
Das, äh, hat den Vorteil-
Da ist ein bisschen Reserve.
Ja, im Hobby haben wir's-- Also wir schaffen es jetzt auch, überladen zu sein. Das weiß ich gar nicht, wie das geht. Ich hab doch gar nicht so viel eingepackt.
Mhm.
Wir schaffen's auch, aber im Hobby war ja immer. Und wir haben gar nicht so viel mit, aber auf einmal bist du erwacht und dann denkst: „Oh Gott, was steht da noch mit 'm Fuß drauf, ne?" Nee, das ist jetzt-
Na ja gut, drei Personen auch, ne?
Mhm. Ja, und dann ist ja bei uns auch so, dadurch, dass ich Diabetikerin bin, nehme ich ja sehr viel eigenes Essen mit. Mein Mann kann dann auch lästern und sagt mir: „Vielleicht gibt's da auch 'n Laden", oder so. Und dann: „Nee, wat der Buh nicht kennt, dat fett er nicht." Und, äh, ich weiß bei meinen Zutaten, was da drinne ist, wie viel ich davon essen kann, auch Getränke, ne. Und das ist für mich wesentlich leichter, mein eigenes Zeug zu nehmen und zu wissen, das ist alles okay, da kommst du mit hin, als wenn ich dann so fremde Sachen kaufe, ne.
Ja, und manchmal kommt man ja auch in Länder, in denen man die Sprache nicht versteht und dann oft auch gar nicht weiß, was genau in den Lebensmitteln alles drin ist-
Ne
... auch an, an Zuckerzusätzen und das ist ja wahrscheinlich auch für dich dann 'n kritischer Punkt als Diabetikerin.
Mhm.
Wie ist es denn mit Medikamenten? Kannst du für auch so 'ne lange Reise tatsächlich alles bevorraten und dann auch, ähm, einführen in, in den Reiseländern oder musst du vor Ort dann dir mit Rezepten vom heimischen Arzt Dinge besorgen?
Ähm, ich hab 'ne sehr gute Hausärztin, mit der ich sehr gut kann und die das auch befürwortet. Sie hat damals gesagt, als ich verrentet wurde und ich damals immer so traurig war, da hat sie gesagt, ich soll die Zeit noch nutzen. Das habe ich mir hier zu Herzen genommen. Und ich bekomme immer Antibiotikum im Voraus für das, für das, für das. Das wird dann beschriftet, das kommt mit. Ist es zu warm, liegt's im Kühlschrank. Ist es okay, das Wetter, dann liegt's im Fach. Und auch Tilidin bekomme ich auf Vorrat mit, ähm, aber auch weil das Vertrauensverhältnis bei uns so gut ist-
Mhm
... und ich mich mit den ganzen Krankheiten eingespielt habe. Aber es ist zum Beispiel auch wichtig, mm, ein Urlaub ist anders wie zu Hause. Allein schon die Aufregung und das Erleben verändert den Zucker ganz doll und es ist dann wichtig, immer Zucker bei sich zu haben, ne. Also immer 'n kleines Päckchen doch in, äh, Reichweite zu haben. Und so haben wir auch, äh, das Wohnmobil eingerichtet. Äh, ich sag mal, hinten im Bett ist immer Zucker, in der Mitte und auch vorne. Und manchmal ist es auch so, dass mein Mann oder meine Tochter eher erkennt, wenn Zucker kommt, wie ich. Weil ich dann aufgeregt bin und das ist schön und die merken das, aber die spüren das nicht schon. Und dann: „Na, lass uns mal Zucker messen", und dann: „Oh ja." Ähm, weil für mich das ja dann doch 'ne andere Welt ist, ne.
'Ne schöne Welt, wo alles andere wurscht ist, aber das Erleben ist mir dann wichtig.
Und bei den Medikamenten ist es ja auch so, dass teilweise Dinge im Ausland gar nicht erhältlich wären, teilweise aber auch die, ähm, die Inhaltsstoffe variieren. Da nimmst du dann wahrscheinlich auch die gewohnten Sachen mit. Aber wie ist es denn jetzt auch mit den, ähm, mit den Medikamenten, die als Betäubungsmittel laufen an den Grenzen? Hast du, kommst du da ohne Probleme rein oder brauchst du da irgend'ne Bestätigung von, äh, von deiner Hausärztin oder wie, wie organisiert man so was?
Mmm, da gibt es im Internet, äh, ein Schreiben, das ist international. Das, äh, hat mir meine Ärztin gegeben und die hat aufgeführt, welche Medikamente ich nehmen muss. Das ist ja in mehreren Sprachen und das haben wir immer mit. Wir wurden aber auch noch nie kontrolliert.
Okay.
Es ist ja nicht so wie beim Flughafen, dass wenn der Koffer durchleuchtet wird und wenn dann was zu finden ist, dann ist's schlimm. Ähm, wir hätten aber immer 'ne Bestätigung mit, dass das wirklich Medikamente sind. Und auch bei dem Sauerstoff steht ja richtig drauf, medizinischer Sauerstoff.
Mhm.
Und dazu noch das Schreiben der Ärzte, der Ärztin. Und deswegen gehen wir davon aus, wenn wir auch mal kontrolliert würden, werden, ähm, dass wir da keine Probleme kriegen dürften. Aber zur Vorsicht haben wir immer alles mit. Dann möchte ich nicht, dass man mir das wegnimmt, ja.
Ja, zum einen wegnimmt oder zum anderen, dass eben legale Probleme gibt, weil du bist ja da auch schon mit Mengen unterwegs, die jetzt, ähm, das ist ja jetzt dann auch keine Einmaldosis, ne, von den, von den Betäubungsmitteln. Da ist es, glaube ich, ganz schlau, wenn man sich das Schreiben einmal ausstellen lässt. Und das muss dann wahrscheinlich auch abgestempelt, unterschrieben sein auf dem Briefkopf, ähm, der Ärztin oder des Arztes.
Mhm. Genau, aber das findet man im Internet. Ähm, ich glaub, ich hab's damals auf der ADAC-Seite gefunden, ähm, und das hat sie mir ausgefüllt, weil sie einfach auch dafür ist, dass ich Rauskomme und dass ich das mache, weil mir das für die Monate, wo ich dann wieder zu Hause sitze, doch Power gibt, ne.
Mhm.
Ja, mit den Tabletten, das hast du schon gesagt. Es gibt sicherlich auch Aspirin im Ausland oder Paracetamol, Ibuprofen, was auch immer, aber da sind dann andere Beimischungen und dann geht das schon wieder los: Verträgst du die? Vertragen die sich mit den anderen Medikamenten? Es ist ja dann immer so ein ganzer Giftcocktail, den man, den ich einnehmen muss und ich möchte auch kein Risiko eingehen. Und dann schleppe ich das halt mit.
Dass es dann irgendwelche komischen Wechselwirkungen gibt oder Ähnliches, ne?
Mhm. Was mir in dieser Hinsicht noch mal auch, äh, einfällt: Es gibt ja Leute, die gehen nicht auf die eigene Toilette im Wohnmobil.
Mhm.
Das-
Das höre ich auch immer wieder. Vielleicht nicht, aber ich lese und höre das sehr oft.
Das ist ja das, was ich liebe. Ich kann dort kochen, schlafen, auf Toilette gehen, nichts machen, viel machen. Deswegen habe ich das ja, weil ich da richtig leben kann, ne. Aber gut, jedem Tierchen sein Pl-Pläsierchen. Aber, äh, ich weiß nicht, ob das alle Behinderten wissen: Man kann sich beim CBF Darmstadt, das ist so ein Selbsthilfeverein, den Euroschlüssel bestellen. Der kostet dreiundzwanzig Euro und mit dem kommst du auf jede Sch-- Behindertentoilette in Deutschland. Die sind ja immer zugeschlossen. Ja, ich sage mal, an Autobahnen oder auch Campingplätzen und so. Und, ähm, das ist dieser Euroschlüssel für behindertengerechte Toiletten. Also wer jetzt sagt, ich möchte nicht bei mir auf Toilette gehen, kann ich machen. Ähm, ich weiß ja nicht, ob die das wissen, dass es so was gibt.
Ja, ist ja vielleicht auch ganz schlau für Leute, die, ähm, so auf Reisen sind oder die dann ihr Wohnmobil halt auch mal stehen lassen und irgendwie anderweitig sich bewegen, dass man dann auch in der Stadt in eine öffentliche Toilette rein kann. Jetzt gar nicht unbedingt auf dem Campingplatz, sondern generell, ne. Oder wenn man mit Wohnwagen unterwegs ist und fährt dann mit dem Zugfahrzeug irgendwie auf einen Ausflug.
Ich weiß jetzt nicht, ob die Schlüssel auch in normale Toiletten passen, denn eigentlich sind die normalen Toiletten ja offen auf, äh, Rastplätzen und so. Aber die Behindertentoiletten sind eigentlich immer zu und dazu brauchst du diesen Euroschlüssel.
Und die, den Euroschlüssel kauft man den dann oder bestellt man den, zahlt da so eine Art Kaution und schickt den dann nach dem Anlass wieder zurück?
Nee, du kaufst den. Manchmal kriegst du den auch in Kommunen oder also in Städten.
Mhm.
Aber ich kenne das jetzt nur beim CBF Darmstadt und da muss man den Schwerbehindertenausweis hinschicken, Vor- und Rückseite. Und wenn du jetzt, ähm, ne, zum Beispiel keinen Schwerbehindertenausweis hast, aber du hast eine Reizdarm oder so was, brauchst du ein Schreiben von der Ärztin. Dann kannst du diesen Schlüssel kaufen für dreiundzwanzig Euro. Das ist dann deiner. Und, äh, damit kommst du eben auf jede Behindertentoilette, die zugeschlossen ist. Also ich selbst habe den nicht, weil ich habe ja alles im Wohnmobil, aber ich wollte das gerne für die Leute, die das noch nicht kennen. Es gibt so was.
Ja, das ist, ähm, total wichtig, das zu wissen. Gibt's denn sonst noch irgendwelche Dinge, wo du sagst, die kann man schon quasi in Vorbereitung organisieren, die sind hilfreich für Menschen mit Behinderung oder auch Menschen, die vielleicht sonst irgendwie eine, eine Beeinträchtigung haben?
Ähm, viele lachen drüber, aber wir haben zum Beispiel getrennte Betten und das sind hohe Betten. Hinten drinne, links, rechts. Wenn's mir nicht so gut geht und die Beine sind doof, kann mein Mann trotzdem ruhig in seinem Bett schlafen, weil das ja getrennte Matratzen sind. Ich weiß viele, die sagen auch: „Ach, Urlaub und getrennte Betten." Für uns ist es ein Vorteil, weil mein Mann dann weiterschlafen kann, während ich dann unruhig liege und das Beinchen haut und das zu viel dran ist, das nächste fehlt und dann kann man nicht ruhig schlafen und der Partner kann trotzdem ruhig schlafen. Ich gönne das meinem Mann, der macht so viel.
Mhm.
Und dann hat er auch nachts den Schlaf verdient. Und wenn ich dann aufstehen möchte, sind die Betten so hoch, dass ich mit den Ellenbogen gekrümmt ein bisschen fast alleine aufstehen kann, ne, weil die ja so hoch sind und dann stehe ich ja schon fast. Und das ist nicht zu unterschätzen. Also das, äh, ist uns echt, äh, wertvoll geworden. Da haben wir früher auch nicht so drauf gedacht. Wir hatten vorher im Hobby auch ein Bett zusammen und das war niedriger. Aber jetzt die Einzelbetten und so schön hoch, dass das Aufstehen so erleichtert ist. Das ist schön. Das ist für andere Wurst, aber für uns ist das wichtig, ne.
Und wie muss ich mir das vorstellen bei euch im Wohnmobil mit, ähm, Gehhilfe, Rollator? Wo-- Oder wie bewegst du dich im Wohnmobil, wenn du jetzt zum Beispiel aus dem Bett aufstehst, so wie du es gerade beschrieben hast?
Mhm. Ich habe den Gehstock im Wohnmobil. Der Rollator ist bis vor die Tür, dann werde ich reingehievt und drinne durch Festhalten oder mit Gehstock.
Also Rollator bleibt draußen.
Ja, der bleibt draußen.
Mhm. Weil der würde ja viel Platz wegnehmen im Innenbereich.
Der steht immer hinten in der Heckgarage und, äh, so in die Fläche, wo wir wohnen, kommt er dann nicht rein. Und was du jetzt, wo mir jetzt das einfällt, im Wohnmobil: Man muss im Campingurlaub nicht mit Abendkleid und Hackenschuhe rumlaufen. Wir sind da so ganz locker. Ich sage mal, Sportsachen. Es klemmt nichts, es zieht nichts, es drückt nichts. Shirt, Schuhe, Socken, äh, äh, Schuhe und Socken werden wir angezogen. Ähm, bloß keine Kleidung, die klemmt oder drückt oder nicht passt. Das kann so nervig werden. Das ist ja unser Urlaub. Und wenn wir mit Jogginghosen fahren, das ist unser und wir fahren nicht für die da draußen und für jemanden da draußen, sondern für uns.
Da können wir alle ganz locker umgehen, wie gerne wir mit Joggingsachen fahren. Natürlich, wenn du dann, kannst dich ja auch mal umziehen, ne. Aber wir leben das doch gerne, dieses Leichte. Alles leicht machen, alles, was du machen kannst, so, so, so einfach wie möglich.
Das, ähm, würde ich auch für Nichtbehinderte unterschreiben, aber es ist natürlich- Ja, dass, dass du dann auch nicht, äh, ständig mit deinen Klamotten beschäftigt bist, ne, wenn die, wenn die irgendwas einschnüren oder Ähnliches. Und das ist ja auch das Schöne am Campingplatz im Verhältnis jetzt zu einem Hotel oder so, da musst du dich ja schon so ein bisschen herrichten. Das wird ja irgendwie erwartet auch so, ne. Ähm, kannst ja dann auch nicht mit der Joggingbuchse da vielleicht mit der Ausgebeulten am Frühstücksbuffet den Lachs holen. Aber, aber das ist ja auch das Schöne am Campingplatz, dass es alles so ungezwungen ist und was ich halt auch für mich immer als sehr angenehm empfinde und ich weiß nicht, wie das, wie das für dich ist, dass man ja doch relativ viel Privatsphäre hat dadurch, dass man ja einen geschützten Raum hat, in den man sich auch zurückziehen kann.
Wie empfindest du das? Ist das für dich ein Thema?
Ja, wie sagt man? Jedem Tierchen das Pläsierchen. Äh, das ist einfach unser Haus aufs Reisen. Das haben wir uns passend eingerichtet. Wenn ich vorne sitze, ist von Ventilator bis Zucker bis Naschzeug bis Navi und Handy alles bei mir. Ich brauche bloß immer so lang, es ist alles so kreuz bei mir. Wenn ich mal was koche, meine Tochter kocht ja auch sehr viel oder wenn ich dann was koche, habe ich auch wirklich alles bei mir. Ich brauche da nicht durchs Haus laufen. Hinter mir ist der Kühlschrank, gegenüber ist der Herd, da unter sind die Zutaten. Das ist alles schon immer passig zusammen. Da haben wir drauf geachtet, dass, ähm, man da nicht durchs ganze Haus laufen muss, um irgendwas zu suchen oder so, ne.
Mhm.
Was man immer braucht, die Lebensmittel sind alle drinne und Vorräte, die sind draußen von draußen eingepackt, die holt mir dann immer einer rein. Das haben wir in den ganzen Jahren schon gelernt, wie man das am besten packen kann, ne. Das ist auch wichtig. Also nichts ist blöder, als wenn du irgendwas brauchst und du musst aufstehen und das holen. Das reicht von mal Hände abwischen, weil du mit Saft gekleckert hast oder, ne. Erfahrungswerte.
Und wenn ihr dann doch mal auf dem Campingplatz steht, sucht ihr euch die Campingplätze gezielt aus nach, weiß ich nicht, ähm, ob da was drinsteht von Barrierefreiheit? Guckt ihr euch die vorher irgendwie übers Internet näher an? Sucht ihr euch dort die Parzellen gezielt aus oder fahrt ihr einfach hin und guckt, ob's passt?
Äh, wenn wir jetzt ein Endziel haben, so wie damals in Italien, danach haben wir schon geguckt. Da war damals auch barrierefreie Toilette und alles, wo wir mit, mit meinem Bruder und Familie unterwegs waren.
Mhm.
Aber so, das Einzige, was wir immer festmachen, sind große Fähren. Also von Deutschland nach Schweden oder nach Norwegen. Die musst du ja rechtzeitig vorher buchen. Und da würde ich noch mal kurz einwerfen: Wenn man bei der Buch-Buchung angibt, dass man Rollstuhlfahrer ist, ähm, machen das viele Fähren, dass du so einsortiert wirst im, im Rumpf des Schiffes, dass du mit deinem Wohnmobil oder Wohnwagenauto dann direkt am Fahrstuhl stehst.
Ah, okay.
Dann kriegst du einen extra Zettel vorne rein und dann werden vor dir welche reingelotst. Dann, wenn dieser Platz kommt, neben dem Fahrstuhl, um dann hochzufahren, dann wirst du reingeholt und dann stehst du genau da. Und das ist ja wirklich sehr eng auf Schiffen und du brauchst dann nicht zusehen, wie du da durchkommst, damit du zum Fahrstuhl kommst, um hochzufahren.
Mhm.
Äh, das wissen auch, glaube ich, nicht viele, dass man das sagen kann. Und da wird man so reinrangiert in den Bauch des Schiffes, dass du neben dem Fahrstuhl stehst. Eine super Idee und finde ich auch echt toll von den Fähren, ne. Deswegen sollte man das ruhig erwähnen, wenn man nicht so gehen kann oder hinten einen Rollstuhl braucht. Ähm, man kommt da nicht durch. Die Autos stehen zu eng. Finde ich eine super Idee. Finde ich auch echt super, dass die Fähren das so machen, ne.
Das ist ja auch krass, wie die das dann organisieren, ne. Weil da ist ja immer so ein Betrieb.
Nee, die gucken wirklich, die holen ein, ein Fahrzeug nach dem nächsten. Wir haben's ja nun mehrmals auch erlebt. Und dann auf einmal wirst du reingewunken und dann stehst du genau neben dem und hinter dir kommen dann die anderen alle.
Und läuft das dann übers Kennzeichen? Oder wie, wo wisst, woher wissen die das, dass du das bist?
Äh, wir, äh, haben dann immer ein Schild gekriegt, was vorne im Auto lag.
Ah, verstehe.
Und dann standen wir sozusagen extra. Und wenn dann die anderen Fahrzeuge reingelotst wurden mit dem Funkgerät, dann auf einmal kam dann wohl der Spruch: „Jetzt das Fahrzeug" und dann wurden wir reingeholt.
Spannend. Wusste ich überhaupt nicht, dass es so was gibt, aber vielen Dank für den Tipp. Das ist bestimmt für viele Menschen interessant.
Ja, man muss, sollte sich auch nicht zu schade sein und so einfach sagen: „Du, ich kann nicht so wie die anderen."
Mhm.
Und das hat bis jetzt immer geklappt, ne.
Man muss nur wissen, dass es überhaupt geht, ne. Deswegen ist es, deswegen finde ich das immer so spannend, sich da auszutauschen, weil das sind so Sachen, auf die Idee würde ich gar nicht kommen, dass auf einer Fähre so was möglich ist bei dem Chaos, was da immer von außen getrachtet herrscht.
Die kleinen Fähren haben das nicht. Aber ich sag mal, die großen über die Ostsee rüber, die haben das, ne. Und als wir jetzt, äh, zurückgefahren sind, ähm, von Finnland nach Tallinn rüber, die kleine Fähre hatte das auch nicht, ne. Aber die richtig großen und das war ja auch bloß eine Dreiviertelstunde, was du da gefahren bist, glaube ich. Aber die großen Fähren, die haben das und das, das ist dazu da, um das auch zu nutzen. Das ist kein Vorteil. Das ist ein Nachteilsausgleich, was du damit machst.
Das ist ja das, was ich vorhin meinte. Inklusion ist keine Sonderbehandlung, sondern einfach nur der Versuch, ähm, und der teilweise auch sehr, ähm, wie soll man sagen, sehr mäßige Versuch einer halbwegs Gleichbehandlung.
Mhm. Ähm, was mir auch noch, ähm, einfällt: Für die Sitze, die Fahrersitze, gibt's wunderschöne Bezüge. Die kannst du fertig kaufen. Die besten sind die aus Baumwollstoff oder Handtuchstoff, sage ich mal. Und wenn du kleckerst oder die Hände zittern und dir fällt was runter oder so, die nimmst du ab, wäschst du, machst wieder auf, alles super. Ähm, hatten wir früher auch nicht so drinne. Da hatten wir einfache Handtücher übern Sitz, aber man schwitzt dann doch manchmal oder-
Mhm
... ich klecker denn. Das erspart wahnsinnig viel Arbeit wie das Reinigen der Sitze.
Du darfst ruhig Marken und Firmen nennen, ne, wenn, wenn es-
Haben wir 'n No-Name mal über Amazon gekauft und-
Okay
... die ersten waren nicht so, das war wieder falsch gekauft. Wie das erste Haus, das soll man auch nicht für sich bauen. Und dann wussten wir, was wir suchen müssen und das haben wir dann auch gesucht. Und dann haben wir das auch, äh, so gefunden, dass man die oben rüber macht. Dadurch sind sie fest. Dann haben sie hinten noch ein Klettverschluss. Du musst ja bedenken, dass der Gurt auf meiner Seite, also die müssen ja zwischengehen, da ist ja noch der Gurt. Und jetzt haben wir die richtigen.
Und sind die dann wasserabweisend oder wie? Also nach was müssen, müsste ich suchen, wenn ich so was mir zulegen möchte? Weil ich, ähm, könnte so was auch gut gebrauchen.
Wir haben nach Handtuchstoff geguckt, also nach Baumwolle, weil das saugfähig ist. Es ist aber, wenn das wasserdicht wäre, würde man schon wieder schwitzen, wenn man da drauf sitzt, ne. Aber das ist richtig schön, wie so 'n dickes Handtuch, äh, was dann gut aufsaugt und wenn man dann krümelt oder bisschen kleckert oder so, ist das alles nicht so schlimm. Die kriegt man auch unterwegs gewaschen, die trocknen, sie trocknen ganz schnell und dann machst die wieder rauf. Das ist auch, ähm, einfach 'ne Erleichterung.
Cool. Und ja, wir haben ja schon über, über Medikamente und, und, ähm, die verschiedenen Geräte gesprochen. Über blöde Kommentare haben wir gesprochen, über Neiddebatten haben wir gesprochen. Da komm ich immer noch nicht drüber weg. Ähm, ich möcht gar nicht so sehr auf den negativen Themen herumreiten, aber es gehört ja trotzdem irgendwie auch so 'n bisschen dazu, obwohl du so positiv denkst und, und den Blick nach vorne richtest. Aber gibt's denn so Sachen, die dich auch richtig ärgern? Also wo du, wo du sagst, das find ich richtig scheiße von meinen nicht behinderten Mitmenschen, außer dass sie neidisch sind, dass du mal 'n bisschen Urlaub machen darfst?
Also ehrlich gesagt hab ich schon mal an eine Behindertentoilette geklopft, weil die zu war und ich hörte aber, dass jemand drinne ist und ich denk: „Nein, die könnte meinen bitte", und da kam dann junges Mädchen raus, total verlegen. Äh, ich hab mich bisschen zusammengerissen, bevor ich der Donnerwetter mach, weil ich, ähm, das schlimm finde. Und ich finde es auch schlimm, wenn man auf Campingplätzen steht und da ist eine Behindertendusche und fünf, sechs freie Duschen daneben und die Behindertendusche ist von einem Nichtbehinderten besetzt. Also da kann ich auch fuchsig werden. Ich brauch den Platz für meinen Rollstuhl, für mich zum Bewegen. Ich mach das nicht aus Spaß und die sind auch nicht da, damit man... Ja, aber die Leute kommen dann und denken auch, ist kein Behinderter hier, ich nehm die große Dusche.
Mhm.
Ja, kann ich auch irgendwie verstehen, aber dass wenn dann fünf, sechs frei sind und ich komm und dann, man muss warten und warten und so, äh, da hab ich auch manchmal nicht wirklich Verständnis für. Vielleicht böse von mir, ich will auch nicht arrogant wirken, aber die wissen gar nicht, wie sehr ich das brauche. Die können in der dun, in der, in der schmalen Duschraumen sich bewegen und aus- und anziehen und so, ne. Meistens kommt mein Mann ja mit, um mir zu helfen. Ähm, da brauchst du den Platz. Die sind nicht umsonst so groß, ne.
Ehrlich gesagt, ich versteh's nicht. Also selbst wenn die nicht frei sind, ähm, dann wartet man halt mal fünf Minuten im Urlaub, bis jemand fertig ist. Also wenn die, wenn die schmalen Duschen nicht frei sind. Ich könnt mir jetzt keinen Grund vorstellen, warum man dann die Behindertendusche nutzen müsste als nicht behinderter Mensch.
Sie ist größer, man hat mehr Platz, man hat seine eigene Sphäre, die ein bisschen größer ist. Ich genieß das ja auch, dass ich den Platz hab, ne. Aber wenn du dann als Behinderte kommst und dann kommen da lustig locker paar Leute raus. Ich mein, die können auch vielleicht behindert sein, vielleicht haben die 'n Stomaausgang oder so. Kannst du ja auch nicht auf den ersten Blick sehen. Und, aber nee, bei dem jungen Mädchen, also muss ich aufpassen, dass ich da nicht, äh, irgendwie laut werde und fand ich nicht so schön, aber das war ihr auch peinlich genug.
Da kann ich das aber eher verzeihen irgendwie, weil ich immer denke: Mensch, die, also das sind dann, ich kling schon wie 'ne Omi, ne, aber das sind junge Leute, die, die denken vielleicht manchmal auch nicht so weit oder haben vielleicht auch die Lebenserfahrung einfach noch nicht. Da glaube ich, kann man noch viel mit Erklären machen, aber was mich halt immer so aufregt, ist, wenn dann hier am, weiß ich nicht, die Behindertenparkplätze zugeparkt werden von Leuten, die sehr offensichtlich sich federnder und lustiger bewegen als ich selber, ähm, wo du echt denkst so: Na ja, hm. Ich hab einmal jemanden angesprochen, da hab ich mir dann direkt eine kassiert, weil die Frau tatsächlich schwerbehindert war. Man hat's ihr nicht angesehen. Tat mir dann auch sehr leid, ähm, aber bei anderen, ich, ich sag normalerweise nichts mehr nach dieser Erfahrung, weil wie du sagst, manchen sieht man's halt nicht an, aber es ist schon sehr oft so, dass es sehr offensichtlich ist, dass sie jetzt grade nicht gebraucht werden und das find ich halt, also warum macht man so was?
Ich, es ist doch wirklich für jemanden, der nicht behindert ist, scheißegal, 20 Meter mehr zu laufen.
Ja, wohl nicht, sonst würden die da nicht parken. Ich kenn das auch aus eigenem Erleben. Und dann, wenn mein Mann mich jetzt zum Arzt fährt und dann sind ja eigentlich schon recht viele Behindertenparkplätze, die für Behinderte sind, die nicht so weit laufen können. Ähm, und dann kommst du dahin und dann steht da 'n Auto, tiefer, flacher, Alu, schwarz. Dann weißt du schon, der hat keinen Ausweis, ne.
Mhm.
Aber wir kennen's auch selbst. Äh, wir war, als wir in Schweden waren auf einem Campingplatz, auf so 'ner Insellandschaft, haben wir das Wohnmobil auf den Behindertenparkplatz gestellt und mussten noch 'n Augenblick warten. Weil die Rezeption noch nicht geöffnet hatte. Und dann kam ein deutscher Urlauber an in seinem Auto, hat die Tür aufgemacht und hat uns so zusammengeniest, was wir uns erlauben würden, da zu stehen. Das ist nur für Behinderte. Ich war drinne im Auto und Wohnmobil, mein Mann draußen. Äh, der hat uns so niedergemacht, uns gedroht, abschleppen zu lassen und so Sachen. Oh, wär ich draußen gewesen. Also der kann froh sein, dass ich nicht draußen war und mein Mann ist ja nun ein ganz ruhiger Pol und der hat ihm dann erklärt, dass wir da stehen dürfen. Das wollte der gar nicht hören, aber er konnte von seinem Auto unten nicht oben bei unserem Wohnmobil den Parkausweis für Schwerbehinderte sehen.
Und da habe ich bloß gedacht, da fährst du so weit hoch nach Schweden, um solche arroganten, nervtötigen Deutschen nicht zu sehen. Und dann bist du da mutterseelenallein auf irgendeinem Campingplatz und dann kommt der an, reißt die Tür auf, seine Frau an der Neben und hat uns so zusammengeniest und da denkst du, das kann nicht wahr sein.
Ich, ich verstehe deine Reaktion. Auf der anderen Seite ist es aber eigentlich gut, das hätte man vielleicht in einem anderen Ton machen können, ne. Aber auf der anderen Seite ist es eigentlich gut, wenn Leute, die dann vielleicht da nicht stehen dürfen, angesprochen werden. Weißt du, der hat, der ist ja eigentlich euer Verbündeter in dem Moment.
Nee, war er nicht.
Vielleicht, vielleicht nicht im, vielleicht nicht mit dem richtigen Ton, aber...
Er kann froh gewesen sein, dass ich nicht draußen war, weil ich bin doch ein bisschen anders werden kann.
Sonst hätte es ihm den Stock die Ohren gehauen.
Ja, äh nee, das fand ich nicht so schön, ne. Fährst du extra weg, um Ruhe zu haben und dann kommt da so ein nervtötiger Deutscher und macht dich da an. Ah, na ja, aber ja, heute lacht, lach ich auch drüber, aber er konnte das nicht sehen. Aber da muss man nicht da so ankommen, ne. Und-
Nee, man kann ja auch normal sprechen, ne.
Manchmal sage ich mir, wenn jemand sich doof verhält oder in meinen Augen doof verhält, ne, dann sage ich mir: „Mensch, morgen kannst du auch behindert sein. Dann siehst du das mit ganz anderen Augen." Oder wenn uns jemand überholt, Kurve, bergauf, bergrunter, nicht einsehbar. Und dann sage ich immer: „Dich kratze ich nicht vom Baum ab."
Du hast ja vorhin im Vorgespräch mir auch erzählt, dass es dir ja quasi so ergangen ist mit deiner eigenen Behinderung. Also dass du, äh, dass du vorher ja ganz konventionell in einem Job gearbeitet hast, sogar auch in der Thematik und dass es dich dann halt in Anführungszeichen auch selber erwischt hat. Und das sollte man sich immer wieder mal vor Augen führen, dass, ähm, das nicht immer angeboren sein muss.
Nein.
Sondern dass es jeden von uns ereilen kann. Und umso wichtiger ist es ja auch und, und deswegen machen wir das ja auch immer wieder, dieses Thema aufzugreifen, das mehr ins Bewusstsein zu holen und sichtbarer zu machen und hörbarer zu machen.
Ein Behinderter ist nichts Besonderes, aber er kann nicht so wie andere.
Ja.
Und manchem sieht das nicht an. Und ich mache mir auch kein großes Schild um. Ich möchte mich ja auch nicht dahinstellen und sagen: „Ey, ich bin behindert und macht mal alle Platz für mich." Nein, ich bin ganz normal, aber ich kann halt nicht so wie die anderen.
Ja.
Aber entweder akzeptiere ich das und lebe das Leben, wie weit ich noch kann oder ich gebe auf. Und dann sitze ich den ganzen Tag zu Hause, friste meines Daseins und habe nichts mehr.
Mhm.
Aber noch kann ich und dann möchte ich auch noch. Ich reise wahnsinnig gerne. Und warum sollte ich das nicht machen?
Dass du das auch noch, auch noch lange so tun kannst. Und du hattest ja aus seinem oder aus eurem Urlaub auch ein bisschen geschrieben. Da hat man schon gemerkt, äh, wie schön das auch wieder für dich war, unterwegs zu sein und, und dir auch diese Freiheit in Anführungszeichen zu nehmen, auch nach, nach den Wochen, die du jetzt hinter dir hattest und die ihr als Familie hinter euch hattet, ähm, dann auch so sich, ähm, zu sagen: „Ich darf das auch. Ich darf mich auch gut fühlen. Ich darf auch Spaß haben, trotz allem."
Mhm, na, da hatte ich erst ganz dolle Probleme mit. Fährst du in Urlaub, obwohl deine Mutti gestorben ist. Sind ja nur ein paar Wochen vergangen gewesen, aber der Palliativdienst hatte schon gesagt, nach den ganzen Wochen, was wir da durchhaben: „Fahr." Freunde haben gesagt: „Fahr." Mein Vater hat gesagt: „Fahr."
Ich habe gesagt: „Fahr."
Und Nele hat geschrieben: „Fahr." Und dann habe ich gedacht: „Nein, dann kannst du nichts verkehrt machen."
Mhm.
Und dann bin ich gefahren und es war natürlich sehr schwer. Die ersten Stunden, weil wir nur auch noch bei meinem Vater waren und Muttis Foto denn da stand. Das war ganz schlimm. Aber dann hat mich eine Freundin getroffen und die hat gesagt: „Jetzt reiß dich zusammen und fahr, genieß das jetzt." Und dann und okay, und dann ging das auch irgendwie. Aber weißt du, Nele, manchmal gab es Dinge, dann gab's ein Auto, da standen in Schweden, die haben immer Buchstaben und da stand M-U-N, äh, M-U-M, Mum drauf. Oh, hast gedacht, ein kleiner Gruß von Mutti.
Mhm.
Oder wir standen auf einem Parkplatz, riesengroß, ganz viele LKWs. Ich mache die Tür auf und da steht neben uns ein LKW und auf dem Reifen steht Gitte. So hieß meine Mutter.
Ach, verrückt.
Und dann hatten wir noch mal ein Auto mit dem Kennzeichen Oma.
Guck mal, und du hattest ja noch gesagt, dass deine Mutti das immer so gerne mochte, ähm, wenn, wenn sie so ein bisschen über die Gruppe oder über, über Chat mitreisen konnte, war die doch wieder dabei.
Ja, mögen andere mich für verrückt halten. Vielleicht hätten wir sonst da gar nicht drauf gedacht oder vielleicht hätten wir sonst gar nicht drauf geachtet. Aber dann ist man so s-sensibilisiert, dass man denkt: „Ey, ein kleiner Gruß von Mutti. Sie ist mit." Das war für uns wichtig, war für uns auch schön.
Und deine jüngste Tochter war ja auch dabei. Ähm, die ist vierzehn, ne, hattest du gesagt.
Sie ist jetzt vierzehn geworden im August, ja.
Für sie ist ja deine Behinderung jetzt seit Jahren Alltag, aber wie geht sie denn generell damit um? Die hatte ja jetzt auch eine ganz schwere Zeit. Es war ja auch ihre Oma, die verstorben ist, ähm, mit der ganzen anderen Familiendramatik noch dabei, die wir auch teilweise vorgelesen haben in der Mail im, im Hörerfeedback. Müssen wir jetzt nicht alles wiederholen, sonst kommen wir wieder so in, in diese, ähm, Trauerstimmung rein. Aber wie geht sie denn generell mit diesen Rahmenbedingungen um, wo sie ja selber auch in einer Phase ihres Lebens steckt, in der sich viel verändert? Ich seh schon.
Ja, äh, ein Furpartier durch und durch. Na, wie kommt unsere Tochter damit klar? Sie ist ja damit aufgewachsen. Äh, sie ist mit diesem Verreisen aufgewachsen und als wir das erste Wohnmobil verkauft haben, ist sie barfuß auf der Straße hinterhergelaufen. Ihr Wohnmobil ist weg.
Oh nein.
Ja, hat sie geweint. Da hat-- Sie muss vier gewesen sein oder drei oder vier. Und dann auch das Erklären, dass man ein neues Wohnmobil holt, das hat sie gar nicht verstanden. Also das war für uns auch ganz schön schwer, so zu erleben, ne. Und sie fährt heute noch wahnsinnig mit. Sie ist ja damit aufgewachsen. Sie weiß, dass ich dies oder das nicht kann. Äh, das ist für sie jetzt nichts Fremdes. Wir merken aber, wenn wir eine Freundin mitnehmen und das machen wir eigentlich sehr oft, damit sie auch richtig leben kann, die dann genauso agil ist wie sie, weil Mutti kommt ja nicht überall mit, äh, dass sie das auch richtig ausleben kann. Sie ist ja nicht dafür da, sich um mich zu kümmern.
Mhm.
Aber sie ist natürlich so, wenn ich rein oder raus möchte, ist sie immer da und hilft. Wenn was gebraucht wird, geht sie rein oder raus, was holen. Ähm, ich sag mal, wenn ich mich so zurückerinnere, in der Türkei hat sie damals, da waren wir aber noch im Hotel, die ersten Schritte gemacht. Da hat sie laufen gelernt. Und wir waren mal auf einer Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer und dann saß sie in ihrem Stühlchen und hat so hochgeguckt und „Mama" gesagt. Sie konnte schon schnattern wie ein Murmeltier, aber „Mama" hat sie nie gesagt. Und dann sitzt sie auf dem Kreuzfahrtschiff, guckt mich so an und sagt: „Mama", das vergisst man nicht. Also sie ist ein Kind, was wahnsinnig gerne reist. Sie holt Frühstücksbrötchen, wenn wir irgendwo sind oder geht mit dem Hund. Und, ähm, wie gesagt, wo wir jetzt im Sommer an der Bahnsee waren mit dem Dirk Heidschwager, was wirklich der Angelguru da oben ist.
Ich kann ihn wirklich nur jedem empfehlen, mit diesem Mann mal zum Angeln rausfahren. Das ist wirklich so, wie es im Internet steht. Das ist wirklich so, wie es im Internet steht. Äh, der Mann hat Ahnung, der ist lieb, der ist nett und sie wurde ja jetzt vierzehn an der Bahnsee und sie hatte sich zum Geburtstag ja gewünscht, dass sie mit dem Dirk Heidschwager angeln gehen kann. Und das haben wir alles so hingekriegt, ne.
Cool.
Ja, so, solche Wünsche hat sie dann halt, ne. Und einen Tag vorher war sie Krabben fischen, aber mit einem anderen Guide. Und an ihrem Geburtstag hatten wir das dann so organisiert gekriegt, dass der Dirk Heidschwager mit ihr rausgefahren ist auf die Bahnsee zum Angeln. Das ist meine Tochter.
Ja, ist dann ja auch schon, ich sag mal, ein Persönchen, was durchaus weiß, was sie möchte, ne.
Ja, und sie kann auch wirklich schon dastehen. Das habe ich in ihrem Alter noch nicht gekonnt. Und Landschaft sehen und sagen: „Oh Mama, guck mal, wie schick das ist." Wenn ich mich so zurückerinnere, mit meinen Eltern unterwegs und die standen auch da und: „Oh, guck mal, sieht das nicht schick aus? Der Wald, das Feld, die Wiesen." Ja, mhm, das habe ich noch nicht gesehen. Das sehe ich aber heute auch. Das, das war damals noch nicht zu sehen für mich und, und meine Tochter kann das schon. Die steht auch da und sagt: „Oh, guck mal, wie schön das ist", und dann startet sie die Drohne und filmt mir von oben alles. Und wenn ich das dann nachher sehe auf den Bildern oder auf den Videos, Hammer.
Ja, vielleicht hat sie ja auch einen etwas anderen Bezug zur Schönheit des Lebens dadurch, ähm, dass sie ja mit, mit deiner Krankheit oder deinen Krankheiten, deiner Behinderung auch mit aufgewachsen ist und ja auch sieht von dir, dass du versuchst, auch so die Momente so auszukosten, ne. Das färbt ja wahrscheinlich auch ein Stück weit auf, auf sie ab dann.
Ja, ist schon so. So, sie ist ja auch so ein Sammler wie ich. Wenn man irgendwo geht, man findet ja schöne Steinchen oder einen Kienapfel. Oder ich weiß, in Italien haben wir die riesengroßen Tannzapfen dann immer gefunden und da haben wir die schönsten dann auch gesammelt. Das machen wir heute noch. Muscheln, Steine. Wir haben rings ums Haus, äh, sowieso Steine zu liegen und da liegen unsere Urlaubssteine drauf aus aller Herren Länder. Ich meine, man sollte dann manchmal vorsichtig sein. Von der Akropolis würde ich keine Steine mitnehmen.
Nein, auch aus der Türkei sollte man sehr vorsichtig sein mit allem, was man so einsammelt.
Das darf man nicht unterschätzen. Ich habe da Berichte von gelesen, ne. Kinderrucksack, ein Stein drinne vom Kind gesammelt und mächtig Ärger, ne.
Ja, ja, Vater wurde ja verhaftet dann.
Ja, das, das war richtig schlimm. Aber ich sag mal so Norwegen oder so Muschelsteine, äh, manchmal hat man auch ganz viele tote Seeigel zu liegen, die dann schon ausgetrocknet sind und ausgehöhlt. Äh, das, das sammeln wir gerne. Also wir müssen nicht irgendwo hin und ein Dalapferd kaufen. Das reicht uns, wenn wir das, äh, selbst suchen und sammeln, ne.
Hach, das ist schön, dir zuzuhören. Ich gucke gerade nur so ein bisschen, ähm, auf die fortgeschrittene Zeit. Ich würde gerne noch mir ein paar Tipps, Empfehlungen, Hinweise von dir abholen für andere Menschen mit egal welchen Behinderungen, die gerne campen gehen möchten und sich vielleicht bisher noch nicht trauen, weil sie Angst vor Reaktionen haben, weil sie Angst vor dem Organisationsaufwand haben oder davor, dass unterwegs irgendwie was schiefläuft. Was würdest du den Menschen sagen?
Hmm, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass wir mal, äh, in Österreich in einer Grotte waren Da hatten wir in den Berichten gelesen: behindertengerecht. Auch haben wir gedacht, da komm ich mit und bin dann auch mit. Aber leider war die nicht behindertengerecht, also jedenfalls nicht für Gehbehinderte gerecht. Und dann hatte der, der Grottenführer dort mich genommen. Die anderen mussten immer den ganzen Weg gehen. Treppe runter, Treppe hoch, Treppe runter, Treppe hoch. Und der ist mit mir immer so Quergang gegangen. Und ich konnte trotzdem bei jedem Punkt, wo wir uns dann wieder getroffen haben mit diesem Grottenführer, wo er dann Erklärung gegeben hat, ähm, war ich dann auch wieder da vor den anderen. Also wir sind da irgendwo quer durch den Berg gegangen. Das kann man sich nicht vorstellen. Und ich war dem Mann so dankbar, dass ich jetzt nicht zurück musste, äh, zum Auto, sondern dass der gesagt hat, das kriegen wir hin.
Und er hat mich da quer durch den Berg geführt. Und dann haben wir da gestanden und irgendwann kamen dann die anderen alle abgehechtet und ich bin mit ihm waagerecht gegangen durch den, durch den Berg, ne. Und, äh, so was ist natürlich, das behält man im Kopf, da hat sich jemand Gedanken gemacht. Und seitdem sind wir auch genauer mit dem Lesen, ob das wirklich geeignet ist oder nicht. Und, äh, auch wo jetzt, äh, das Silberbergwerk in Schweden war, wo mein Mann und meine Tochter da reingefahren sind in die tiefe Berghöhle und sich das da angeguckt haben, war mein Papa traurig, weil er sagte: „Mensch, du konntest nicht rein." Und, aber ich war da. Ich habe gesehen, wie der Zug reingefahren ist, wie rausgefahren ist. Ich habe die Bilder nachher gesehen. Ich habe die Atmosphäre wahrgenommen, die Umgebung. Ich konnte halt nur nicht rein. Aber ich erwarte nicht, dass jedes Bergwerk oder jedes Schiff für mich hergerichtet wird.
Nein, ich kann sehr gut mit dem leben, was ich erlebe, weil das viel mehr ist, was andere können. Ich gebe mich damit auch zufrieden.
Also wenn wir es als, als Tipp oder als Empfehlung formulieren, einfach machen, weil irgendeine Lösung ergibt sich dann.
Ja, und das Glas ist halb voll. Es ist nicht halb leer. Ey, du kannst bis dahin mit, du kannst das. Das muss man erst mal schätzen lernen. Das, das, äh, wie ich es an meiner Freundin sehe, die nichts kann. Ey, wir können so viel als Behinderte. Wir brauchen natürlich Hilfe und manchmal auch ein bisschen Verständnis, ne.
Und viel Mut wahrscheinlich auch, das einfach zu machen, oder?
Mhm. Ich kann mich erinnern vor Jahren, äh, wir hatten eigentlich das Ziel Polarkreis Center. Und dann war ich aber so gut drauf und dann hat mein Mann gesagt: „Ach komm, wir fahren bis zum Nordkap hoch." Und dann war ich trotz meiner ganzen Behinderung und Beschwerden, ich war am Nordkap. Ich habe da meinen Fuß hingesetzt. Ich habe das alles gesehen.
Mhm.
Das hätte ich nie gedacht, dass ich das noch packe.
Da war sie auch schon weiter oben als wir, muss ich sagen.
Ja, na ja, jetzt Barentssee ist ja auch so auf Höhe Nordkap, halt ein bisschen weiter rechts zur russischen Grenze ran. Aber ey, ich war am Nordkap.
Mhm. Das ist schon krass. Das ist wirklich krass.
Ja, das macht mich stolz. Ich fühle mich damit echt gut. Aber ich weiß auch, dass andere das nicht mehr können, ne. Oder Nele zum Beispiel kann ich mit meiner Tochter wunderbar ins Museum gehen. Die sind eigentlich alle rollstuhlgerecht.
Mhm.
Ich kann mich durch meinen Rollstuhl dann hinsetzen, wo ich nicht mehr stehen kann, ne. Ich kann mit ihr da rumgehen. Sie ist wahnsinnig interessiert mit Museen. Es gibt in, äh, Schweden zum Beispiel viele, äh, Mitmachmuseen. Äh, Tom Tits in Göteborg zum Beispiel ist ein ganz tolles Museum. Da sind die Kinder den ganzen Tag beschäftigt und ich war eigentlich nur sitzend daneben. Ein ganz tolles Museum, Mitmachmuseum. Besser geht's nicht.
Mhm.
Und was wir auch machen: Wir teilen uns manchmal. Wenn ich mit meiner Tochter ins Museum gehe, kann mein Mann sich einfach mal zwei, drei Stunden hinlegen und schlafen. Ist er mit meiner Tochter, unserer Tochter unterwegs, kann ich liegen. Und ich brauche nun mal verdammt viel Ruhe und viel Schlaf. Und die Zeit brauche ich eigentlich auch für mich. Und ich gönne den beiden das, dass die ins Silberbergwerk können oder dass die auf die Barentssee raus können. Ich sehe ja nachher die Fotos und ich höre die Erzählungen. Und, äh, wir waren ja einen Tag später dann noch mal direkt nach Kirkenes reingefahren und dann haben sie mir den Hafen gezeigt und wo sie abgefahren sind und so was, ne. Ich war trotzdem mit dabei, auch wenn ich nicht mit raus war, ne.
Mhm.
Ich kann das aber auch so akzeptieren. Ich habe das Glas halb voll, nicht halb leer.
Vorletzte Frage: Wo und wie tauschst du dich aus, um an Informationen zu kommen, die für behinderte Menschen verlässlich sind? Also ich sage nur, die Selbstbeschreibungen von gewissen Einrichtungen sind ja nicht immer so verlässlich. Also wie kommst du da an die, an die Daten, an die guten?
Ähm, wir haben jetzt gelernt, nicht nur den Beschreibungen von den Campingplätzen zu trauen, sondern auch die Bewertungen zu lesen.
Mhm.
Und, ähm, wir gehen auch auf andere Seiten, wo der Campingplatz auch beschrieben ist und lesen das auch. Also einfach nur einen Satz zu lesen, ähm, das reicht uns nicht mehr. Ähm, wir forschen da schon ein bisschen mehr nach, ob der Campingplatz für uns geeignet wäre oder nicht.
Und gibt's auch bestimmte Social-Media-Gruppen, Foren oder Ähnliches, wo du dich mit anderen austauschen kannst?
Mhm, ich lese sehr viel im Internet. So richtig in Gruppen bin ich nicht drinne.
Mhm.
Das ist nicht so meine Stärke. Ähm, aber was zum Beispiel technische Dinge gibt, da gucken wir sehr viel CamperTobi auf YouTube.
Mhm.
Ähm, der beschreibt Dinge, ich sag mal vom Teller bis zum Wohnmobil und der wertet, aber bewertet nie. Der erklärt die Dinge, aber sagt nie, das ist gut oder das ist nicht gut. Das muss man sich alleine dann bilden, die Meinung. Und den hören wir eigentlich sehr gerne und da gucken, der macht auch viel mit Wohnmobile vorstellen. Und wir haben ihn mal zufällig getroffen bei Carthago in Aulendorf und da haben wir den zufällig getroffen. Meine Tochter hatte ihn erkannt und, äh, konnten wahnsinnig gut mit dem Mann reden. Der fährt da mit seinem Mini-Fahrrad da immer so rum und zufällig, äh, ist er dann auch in der, ähm, Führung mit bei gewesen für das Werksgelände mit meinem Mann und meiner Tochter. Und dann haben die drei dann noch eine Führung gemacht und den hatten wir aber vorher schon oft verfolgt auf YouTube, weil der Mann wunderschön erklären kann.
Ohne zu bewerten. Also da muss man sich die eigene Meinung bilden. Äh, das kriegt, also den gucken wir ganz gerne. Ansonsten sind wir viel auf Park4night. Wir sind viel auf Park4night unterwegs. Aber ich muss auch sagen, die Erfahrungen haben uns dazu gebracht, vieles, was da drinsteht, stimmt nicht mehr.
Ja.
Weil nicht nur die Camper da reingucken, sondern auch die Besitzer der Grundstücke und der Firmen und die dann ganz schnell ein Schild hinstellen: „Parken verboten", und dann stellen wir uns auch nicht hin. Also das stimmt nicht mehr so. Ähm, in den skandinavischen Ländern macht es sich am leichtesten. Jede Stadt hat ein Industriegebiet und das suchen wir dann auf und irgendwo ist das Industriegebiet immer zu Ende. Die Hauptstraße durch bis ganz hinten durch und da finden wir oft supertolle Stellplätze, ähm, wo's dann noch nicht so laut ist, weil das nicht direkt an der Straße ist und wenn jetzt Wochenende ist, ist sowieso Ruhe da. Aber wir entscheiden oft vor Ort und googeln am Handy, wo ist jetzt ein Platz zum Stehen und gucken uns auch viele Flächen an oder so, bevor wir da hinfahren.
Und hast du irgendwelche speziellen Ressourcen, also Seiten, Bücher oder Ähnliches, Führer zum Thema Camping oder Reisen mit Behinderung? Oder findest du da die Informationen zufällig eher?
Äh, direkte Seiten habe ich so nicht. Ich les quer und wenn mir was, äh, interessant erscheint, dann lese ich auch genauer.
Mhm.
Äh, was mir aber noch wichtig ist zu sagen: Äh, als Schwerbehinderte kannst du bei der Steuererklärung für deine Begleitperson Mehraufwendung ansetzen. Das sind siebenhundertsechsundsiebzig Euro, die du mit angibst als, äh, Begleitperson bei Behinderung. Dann kommt das Finanzamt oft an und sagt: „Nee, ist nicht." Aber es gibt kein Gesetz, was verbietet, dass der Ehemann das sein darf. Da muss man hartnäckig bleiben und warum soll man das nicht ansetzen? Denn wenn ich jetzt an uns denke, allein wenn du fragst: „Kann ich neben der Toilette stehen?" Diese Frage begründet schon, dass es ein Wunsch ist, ein Platzwunsch, gleich zehn Euro mehr. Finde ich nicht angemessen. Ich brauche den Platz, weil ich nicht so viel gehen möchte.
Ist sicherlich ja leichter, ne? Aber das, was man mit diesen Mehraufwendungen ansetzen kann, das ist nur ein Ausgleich. Und da muss man auch hartnäckig beim Finanzamt bleiben und sagen: „Auch der Ehemann gilt als Begleitperson." Das, das wissen viele vielleicht nicht, aber...
Das ist ja interessant, ja. Sehr, sehr guter Tipp. Sonst noch irgendwelche Tipps und Hacks für speziell für Menschen in deiner Situation?
Für uns ist das der beste Urlaub, den's mit Behinderung gibt, den wir alle genießen können. Wichtig ist natürlich auch, es geht immer nach dem Schwächsten. Ne? Also ist der Fahrer müde, wird angehalten. Habe ich Schmerzen und kann nicht sitzen, wird angehalten. Wenn der Hund raus will, das Kind, es geht immer nach dem Schwächsten, nicht dem Stärksten. Das ist auch was, was man da beachten muss, damit alle dann Spaß haben. Es geht ja nicht nur um mich. Wir haben meinen Mann mit und den Hund mit und das Kind mit und wir wollen ja alle Urlaub machen, ne.
Letzte Frage: Wo und wann geht's wieder los? Oder wohin und wann geht's wieder los, besser gesagt? Gibt's schon Pläne?
Donnerstag.
Nein. Ernsthaft?
Ja, äh, wir machen diesmal eine kleine einzelne Tour, äh, nur mein Mann und ich und der Hund. Äh, wir wollen bei uns in Mecklenburg-Vorpommern eine Schlössertour machen, so verschiedene Schlösser angucken und sind aber Sonntag wieder zurück. Äh, nur wir zwei. Äh, es ist auch der erste längere Urlaub, wo wir ohne Kind jetzt fahren, aber sie ist vierzehn und sie wollte ihr Huhn haben. Nu kann sie auch mal drauf aufpassen und, äh, wird vielleicht anders sein, wenn sie nicht mit ist. Mal gucken. Und ansonsten Ende Oktober noch mal eine Woche. Ich war noch nie auf Sylt und ich möchte so gern über den Hindenburgdamm mal fahren. Das, ich kenne das immer nur von Reportagen und wir gucken ja sehr viele Reportagen, ne.
Und ich habe diese ganze Reportage gesehen, wie das gebaut wurde und das alles und ich möchte einfach mal da drüberfahren.
Ist ja von euch gar nicht so weit.
Nein, das ist nicht so weit, ne. Wir wohnen ja so fast an der Ostsee, aber, ähm, wir hoffen, dass jetzt im Oktober nicht mehr so voll ist auf Sylt, dass man sich doch bewegen kann, dass nicht mal so viele Leute sind. Und dann wollen wir einfach mal über den Hindenburgdamm, weil ich mir das so sehr wünsche.
Dann wünsche ich dir, dass dieser Wunsch sehr, sehr bald in Erfüllung geht und noch viele weitere Reisewünsche. Ich weiß, du hast noch ganz viele. Ich bedanke mich ganz, ganz herzlich für deine Offenheit, dass wir über alles sprechen konnten heute, auch bei so einem etwas sensiblen Thema, für deine Zeit und ich denke, ich spreche nicht nur für Sebastian, sondern auch für die Hörerschaft: Ähm, wir wünschen dir alle natürlich noch lange möglichst viel Gesundheit und, ähm, dass du noch vieles von dem umsetzen kannst, wovon du träumst.
Oh ja, Nele. Und da fällt mir auch ein, äh, dein Podcast vom, äh, von Düsseldorf, von Paul. Paul, vierundneunzig Jahre. Das habe ich mir mehrmals angehört, weil ich da diesen Menschen so bewundere. Äh, du hast gesagt, dass er nur das Positive gesehen hat und sich die Gabe beibehalten, sich zu begeistern-
Ja
... äh, wo es was Neues zu entdecken gibt und dass der Paul total vorwärtsgewandt ist und lebensbejahend. Und weißt du, du hast dann gesagt, Paul hätte dir gesagt: „Nicht jammern, sondern machen, was er kann." Dieser Satz: „Nicht ma, nicht jammern, sondern machen, was man kann", weißt du, was der aussagt? Nele, das ist der Satz von dir gewesen, den ich mehrmals mir angehört habe im Podcast und da habe ich gedacht: „Ja, Paul. Paul ist mein Vorbild."
Seid alle wie Paul.
Ja.
In diesem Sinne, vielen lieben Dank, Christiane.
Gerne.
Und vielleicht bis bald mal wieder.
Alles klar, Nele.
Tschüss.
Tschüss.