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Hallo und herzlich willkommen zu Camper Style, deinem Camping-Podcast. Ich bin Nele und heute ohne Sebastian im Studio, dafür aber mit einer wieder mal charmanten Interviewgästin, und zwar unserer Katja. Katja ist schon seit Längerem Autorin bei uns und führt, kann man, glaube ich, sagen, auch ein Nomadenleben inzwischen. Sie zieht jetzt nämlich nach der Winterpause wieder mit ihrer Frau ins Wohnmobil. Wir sprechen aber heute über eine Reise durch Skandinavien, die die beiden zusammen unternommen haben im letzten Jahr, weil ja Reiseberichte sich auch von den Hörerinnen und Hörern gewünscht wurden und explizit Skandinavien und da konnten wir jetzt die Katja ganz spontan gewinnen. Katja, magst du einmal kurz ein paar Worte zu dir sagen? Wer bist du? Was machst du beruflich und, äh, wie hat's dich ins Wohnmobil verschlagen?
Ja, sehr gerne. Hallo, ähm, ich bin beruflich freie Journalistin und freie Lektorin, schreibe sehr viel auch für Camper Style und dadurch sind wir auch in Kontakt gekommen wegen der Skandinavien-Reise. Ich bin jetzt seit knapp einem Jahr im Wohnmobil unterwegs mit einer kurzen Winterpause und letztes Jahr haben wir fünf Monate in Skandinavien verbracht.
Und bevor wir uns gleich deinen Reisebericht anhören, wollte ich noch ganz kurz auf ein Hörerfeedback eingehen, was uns, ich glaube, letzte Woche erreicht hat. Da hat uns der Florian geschrieben, ähm, eine kritische Rückmeldung, die ich gerne beantworten möchte: „Hi, ich habe mir gerade die Folge über die Trockentrenntoiletten angehört, um mich, äh, um mich ernsthaft zu informieren. Leider ging genau das nicht, denn die Aussage der Gästin ‚Über das Negative rede ich hier mal nicht', hat klargemacht, dass hier viel Allgemeinheiten und wenig Substanzielles erwarten durfte. Und so war es dann auch. Ich hätte mir eine echte objektive, sponsorfreie Folge gewünscht, aber wenn die Dame sich alle sechseinhalb WCs hat sponsern lassen, dann ist es damit nicht weit her. Ich wünsche mir eine zweite objektive Folge zu dem Thema, in der ein unabhängiger Vergleich und ein objektives, ausgewogenes Berichten im Vordergrund steht.
So empfinde ich das als täuschend und ärgerlich. Geht es in erster Linie ums Geldverdienen oder um journalistische Inhalte? Darauf würde ich mir auch eine ehrliche Antwort wünschen und dann vielleicht eine andere Podcast-- und dann vielleicht andere Podcasts hören. Freundliche Grüße, Florian." Ja, also, ähm, dazu vielleicht ganz kurz: Das Ganze war keine bezahlte oder gesponserte Folge, also weder bei uns noch bei der Gästin. Ähm, wir schreiben unseren Gästen generell nicht vor, was sie sagen dürfen oder müssen, sondern die bekommen von uns 'nen Leitfaden mit, äh, potenziellen Fragen und daraus entwickeln sich halt die Gespräche. Ich war selbst ein bisschen erstaunt, dass die negativen Punkte da nicht besprochen werden sollten. Ähm, das hatten wir auch im Vorfeld nicht explizit geklärt.
Ja, ich persönlich fand das Gespräch trotzdem inhaltlich spannend und die Kollegin, die wir da eingeladen hatten, hat meines Wissens auch kein Geld dafür bekommen, sondern halt die Testprodukte erhalten. Und, ähm, ja, dazu vielleicht noch mal zu, zu dem Thema Objektivität bei gesponserten Produkten. Also aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Aufwand für solche Tests in der Regel so hoch ist, dass der in keinem Verhältnis zum Produktpreis steht. Also wenn man den Test nicht gemacht hätte, ähm, dann hätte man quasi mehr Geld verdient, als, äh, wenn man jetzt stunden- und tage- und wochenlang da Produkte testet, die vielleicht dann irgendwas zwischen hundertfünfzig und, weiß ich nicht, achthundert, tausend Euro kosten. Von daher, ähm, vielleicht ein bisschen Nachsehen.
Ähm, ja, also es ist keine Geldscheißmaschine, auf gut Deutsch gesagt, wenn man solche Produkttests macht und sich die Produkte sponsern lässt. Wir nehmen das Feedback aber auf und ich würde auch noch mal gucken, ob wir 'ne, ähm, andere Vergleichsfolge hinbekommen. Wir selbst haben noch keine Trockentrenntoiletten außer einer getestet, von daher können wir selber im Moment keinen Vergleich ziehen, aber vielleicht ändert sich das ja auch noch mal in der Zukunft. Das soll's jetzt auch gewesen sein. Zum Hörerfeedback auf andere Zuschriften gehen wir dann noch mal in 'ner anderen Folge ein, damit wir die Katja jetzt hier nicht so lange, ähm, sitzen lassen und, äh, sie uns beim Reden oder mir beim Reden zuhören muss, sondern ich würde dann auch direkt einsteigen in die Skandinavien-Tour. Katja, als erstes mal: Jeder hat ja so'n bisschen seine Vorlieben, was die Reiseziele angeht und euch fasziniert besonders Skandinavien beziehungsweise der Norden.
Warum ist das so? Was, was findet ihr da oder was findest du da besonders toll?
Also Skandinavien ist für mich der Inbegriff von wirklich lebenswerten Ländern und liebenswerten Menschen. Es sind komplett andere Gesellschaftsstrukturen als bei uns in Zentraleuropa. Das heißt, dieses Nordeuropa da oben, ein Stück weg und so sind die Menschen eben auch und die Länder. Du hast Ruhe, du hast Freiheit. Es ist ganz, ganz wenig dicht, also ganz gering besiedelt. Du hast überall Wasser, du hast tolle Landschaften. Ähm, ja, es ist natürlich auch kein Wunderland oder es sind keine Wunderländer, aber die Welt da oben scheint irgendwie doch noch 'n kleines bisschen mehr in Ordnung zu sein als vielleicht in anderen Ecken. Und einfach dieses zur Ruhe kommen in der Natur. Du kannst gucken, ohne dass du Häuser siehst oder Menschen.
Du kannst einfach nur mal ins Weite gucken, kilometerweit und das ist einfach ein ganz anderes Lebensgefühl als hier.
In welchen Ländern wart ihr denn in den fünf Monaten, hast du gesagt, ne?
Mhm.
In den fünf Monaten unterwegs? Habt ihr komplett Skandinavien abgedeckt?
Ja, also wir sind gestartet in Deutschland und haben dann, sind über Dänemark nach Schweden Ungefähr bis Mittelschweden, sind dann rüber nach Norwegen bis ganz hoch zum Nordkap, sind von dort komplett durch Finnland durchgereist, haben 'nen kurzen Abstecher ins Baltikum nach Estland und Lettland gemacht und sind dann wieder zurück im Prinzip noch mal durch Finnland, Schweden, Norwegen so ein bisschen rumgetingelt, aber bereist haben wir im Prinzip alle vier Länder plus die zwei im Baltikum.
Das klingt nach, ähm, sehr viel Abwechslung auch.
Ja.
Wo-- Ha-hast du irgendwie 'ne Gegend, wo du sagst, das war so wirklich dein Traumziel, da könntest du auch mal länger bleiben? Und, oder was, was hat dir da besonders gefallen?
Mhm, ganz klar Norwegen. Das war schon vor dem letzten Jahr so. Das erste Mal war ich dort 2017 und da hab ich schon gedacht: „Oh, irgendwas ist anders." Es ist, äh, vom Gefühl und, und von allem war's total anders und das hat sich jetzt in dem Vergleich des letzten Sommers sozusagen mit den anderen Ländern auch nur bestätigt. Es ist und bleibt mein Herzensland. Es ist... Ja, krieg schon Gänsehaut, wenn ich drüber red. Also wirklich, äh, wenn ich dort bin, fühl ich mich frei. Ich fühl mich, äh, ruhig, was ich hier nicht immer habe und das ist einfach 'n total lebenswertes Land mit liebenswerten Menschen. Ähm, es ist aber nicht so, dass ich deswegen sag: „Oh, Schweden, Finnland, Dänemark ist so lala." Das, das stimmt nicht.
Ich hab echt die Seiten von den anderen Ländern total zu schätzen gelernt, jedes auf seine Art. Aber die Frage ganz klar: Norwegen von Süd bis Nord ist einzigartig für mich.
Wir selber waren ja zumindest in Dänemark, Schweden und Norwegen auch schon. Finnland fehlt leider noch auf unserer Liste. Das müssen wir irgendwann auch noch mal abarbeiten in Anführungszeichen. Ähm, aber für Leute, die vielleicht selber jetzt noch nicht in den Ländern unterwegs waren: Kannst du da so 'n bisschen beschreiben, die, die Landschaften in den einzelnen Ländern? Also was ist so charakteristisch für Norwegen landschaftlich, was für Schweden, was für Finnland und was für Dänemark?
Also Dänemark ist, ohne es böse zu meinen, einfach flach. Es gibt so gut wie keine Erhebung. Es ist einfach flach mit tollen Stränden, äh, glaub ich, sehr, einem sehr angenehmen Gesellschaftssystem, soweit ich das beurteilen kann. Aber es ist jetzt naturmäßig nichts für Wow-Effekte, würde ich jetzt mal sagen.
Nicht so spektakulär.
Nicht-- Ja, genau, nicht so spektakulär. Es ist jetzt einfach mein persönlicher Eindruck. Schweden ist viel Wald, viel Wasser und viele Seen, also vor allem Seen, aber auch eben Küstenlinie. Und Finnland ist auch viel Wald und viel Seen, aber noch ausgeprägter als in Schweden. Also Finnland ist wirklich, da fährst du zwei Stunden durch Wald, ohne irgendwas anderes zu sehen als Wald und Seen. Und Norwegen hat alles. Norwegen hat Seen, Meer, 'ne spektakuläre Westküste, zerklüftet mit den Fjorden, hat Berge und das alles an einem Fleck. Also mein Vergleich ist immer so in Deutschland, im Norden hast du die Küste, dann hast du Seen und im Süden unten hast du die Berge. Und in Norwegen brauchst du keine zwei Meter laufen, dass du im Prinzip alles auf einmal hast.
Das fand ich tatsächlich auch sehr faszinierend an Norwegen, dass man quasi, dass die, dass die Berge quasi ins Meer fallen sozusagen. Und dass man, äh, man sitzt da und man kann das nicht glauben, dass solche Landschaften wirklich existieren, weil die so, ähm, eindrucksvoll sind. Und, und auch ich empfinde grade auch die, die Fjordlandschaften als, als echte Superlative, weil du diese, diese Farben, die sich ineinander mischen und, und die Berge, die ins Meer reinragen und, und dann auch natürlich, äh, die Küstenlinie als solche ist auch ziemlich spektakulär. Und das hab ich auch tatsächlich so, glaub ich, in keinem anderen Land erlebt.
Ich hab mal gehört, Norwegen ist das kleine Kanada.
Mhm.
Aber das kann ich persönlich nicht beurteilen, hab das aber von einigen gehört. Aber um bei Skandinavien zu bleiben, ist es definitiv von der Natur und von der Abwechslung das Beeindruckendste und Spektakulärste. In Finnland find ich sehr beeindruckend, ganz kurz noch dazu, ähm, du fährst zwei Stunden wirklich. Du hast rechts und links Wald, du hast Rentiere, vor allem in Lappland oben im oberen Drittel von Finnland, ohne Ende keine Menschen. Dann kommst du in einen Ort und in dem hast du alles, von der Apotheke bis zum Zahnarzt, Supermarkt, Tankstelle, alles. Alles, was du brauchst. Dann fährst du wieder weiter, zwei Stunden ohne irgendwas. Also es ist 'ne Einsamkeit, aber es ist 'ne planbare Einsamkeit. Und in Schweden hab ich das anders empfunden. Da hast du mehr kleine Orte, aber ohne dass du da weißt, du findest dort alles.
Also hast du vielleicht auch mal keinen Supermarkt oder so was. Und das fand ich in Finnland total faszinierend und ich bin völlig vorurteilsfrei nach Finnland gefahren, weil ich da vorher auch noch nie mich groß drüber informiert hab. Und ich war wirklich sehr, sehr, sehr angetan von dem Land.
Also ich will auf jeden Fall da auch mal hin, weil ich kenn das tatsächlich nur von Bildern, aber das spiegelt genau das wider, was du auch beschreibst. Und wir sind ja genauso wie ihr auch große Freunde von Stille und Einsamkeit und ich glaube, die findet man im Norden wie kaum irgendwo anders.
Ja.
Du hast jetzt schon 'n paar Mal auch die Menschen angesprochen. W-welche Unterschiede in der Mentalität konntet ihr da feststellen? Also vielleicht auch zwischen den Ländern, äh, die ihr bereist habt. Da gibt's ja sicher auch so charakteristische Eigenschaften der Menschen. Empfindet ihr die als eher eigenbrötlerisch oder als sehr offen? Wie, wie war da so, wie waren da so eure Kontakte?
Dazu fällt mir spontan eine Geschichte ein in Lappland. Unser erster Kontakt, da waren wir essen, ähm, Rentierburger. Und dann haben wir da bestellt und dann hat die uns irgendwas gefragt, die Bedienung und meinte: „Ja, keine Ahnung." Und wir haben so gesagt: „Ja, bloß keine Eile." Und sie guckt so auf die Uhr und sagt: „Wir in Lappland hier kennen keine Eile. Wir sind immer zehn Jahre hinterher." Das war so der Einstieg in Finnland und Finnland ist wirklich, also Lappland ist anders als der Rest von Finnland, aber grundsätzlich no stress ist so das Motto. Auf jeden Fall. Vielleicht in Helsinki anders, aber ansonsten schon. Und in Norwegen ist es so, dass die Leute generell sehr, sehr aufgeschlossen und freundlich sind, sehr sportlich.
Es ist, glaube ich, das sportlichste Volk, was ich kennengelernt habe bisher. Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Süd und Nord. Also so ein bisschen wie in Deutschland auch. Im Süden sind sie schon noch mal ein bisschen offener und zugänglicher und je weiter du in den einsameren, noch einsameren Norden kommst, ist es einfach, ja, sie sind, eigenbrötlerisch weiß ich nicht, ob's richtige Begriff ist, aber zumindest man kommt nicht ganz so schnell ins Gespräch. Sagen wir's mal so. Sie sind vielleicht auch mal ein bisschen mürrischer, aber ja, wenn-- Wir haben den Vorteil, wir sprechen ein kleines bisschen Norwegisch. Und wenn du dann so mit ein paar Brocken ankommst und dann die ansprichst, dann sind sie total begeistert und fragen, warum man das kann und dann hat man eigentlich schon die Brücke geschlagen.
Ähm, und in Schweden ist es so, das war, hat mich sehr erstaunt, weil ich von vielen Deutschen auch immer kenne die Aussage: „A Schweden ist so das Sehnsuchtsland und alles super und so nette Leute." Ja, stimmt, sind nette Leute, aber ich finde, sie waren zumindest die, die wir getroffen haben, teilweise noch schwerer zugänglich als zum Beispiel die Finnen, was man vielleicht im Allgemeinen als anders, ähm, erwarten würde.
Also ich war tatsächlich bei unserer Reise total überrascht. Wir sind ja nur bis Bergen hochgekommen. Also wir waren nicht ganz im Norden leider. Hat die Zeit einfach nicht mehr gereicht, weil wir uns unterwegs immer so viel aufgehalten hatten in den Monaten unserer Reise. Und wir hatten das Glück, dass wir 'nen Jahrhundertsommer erwischt haben. Das heißt, es war richtig warm. Du konntest im T-Shirt draußen rumlaufen und dementsprechend waren natürlich auch die Leute viel draußen und hatten extremst gute Laune. Also wirklich, ich weiß nicht, ob die immer so gut gelaunt sind in Norwegen oder ob das jetzt eben auch so ein bisschen wetterbedingt war, aber es war so, dass sehr viel auch auf den Campingplätzen gesellschaftliches Leben stattgefunden hat und dass man sofort auch mit dabei war, auch wenn man sich sprachlich nicht gut verständigen konnte, dass man da eingeladen wurde zum Fisch essen und wir haben dann auch Fisch gefangen und haben die ganzen Nachbarn mit eingeladen.
Und das war wirklich für mich total überraschend, weil meine, mein Vorurteil war so ein bisschen, dass je weiter man in den Norden rauffährt, desto, ähm, ja, unzugänglicher vielleicht oder desto, desto zurückgezogener leben die Leute aufgrund eben auch der, der, ja, ich sag mal, Bevölkerungsstruktur. Und das haben wir tatsächlich zumindest in dem Sommer komplett anders empfunden und es war richtig, richtig schön und ich weiß nicht, ob ihr das auch erlebt habt, äh, diesen Tauschhandel. Also wir hatten zufällig, wir wussten das gar nicht, äh, dass, dass zum Beispiel Alkohol und Zigaretten und so weiter in, in Skandinavien und vor allem in Norwegen extrem teuer sind. Und wir waren also da wirklich die Stars, weil wir deutsches Bier und deutschen Wein, äh, dabei hatten und haben dann da echt eine, einen florierenden Tauschhandel aufgebaut sozusagen, weil die Leute total happy waren.
War das bei euch auch so?
Ja, also wir wussten das ja schon von den Reisen davor, dass in Norwegen, also Alkohol ist wirklich unbezahlbar und selbst alkoholfreies Bier ist unbezahlbar. Ähm, aber wir haben trotzdem aufgrund, wenn man, also wie soll ich sagen, wenn das Wohnmobil der Hauptwohnsitz ist, weißt du ja selber, dass man an seine Gewichtsgrenzen kommt. Und deswegen konnten wir jetzt nicht ohne Ende einpacken, aber wir haben natürlich vor der Abreise auch noch ein paar Sachen geschenkt bekommen, wie zum Beispiel Wein, den wir persönlich kaum trinken. Und bei der einen, äh, bei dem einen Stellplatz in Schweden, in Trollhären, das war bei so einer Fischräucherei, total nett. Und dann frage ich ihn, was der Stellplatz kostet. Sagt er: „Ja, so fünfzehn Euro oder so. Oder eine Flasche Wein", hat er so aus Spaß gesagt. Und ich so: „Echt? Ich habe noch eine dabei." Und dann habe ich dem die gegeben und er war der glücklichste Mann der Welt an diesem Tag, weil der hat entweder ihn selber getrunken oder er hat ihn mindestens fürs Doppelte wahrscheinlich weiterverkauft, als der Stellplatz gekostet hätte.
Also das ist, ja, kann ich bestätigen.
Ja, wir haben auch gegen Stellplatzgebühren getauscht, gegen Waschmaschinen und-
Auch wichtig, ja.
Auch wichtig unterwegs, wenn man länger auf Reisen ist. Und einmal hat uns ein Fischer mitgenommen aufs offene Meer zum Makrelenfischen, und weil wir wollten bei dem Fisch kaufen, aber der hat gesagt, nee, also er verkauft schon, aber wir sollen uns doch lieber unser Essen selber fangen. Und das war wirklich ein unvergessliches Erlebnis. War richtig, richtig toll und wir wollten dann halt am Ende ihm was dafür geben und das wollte er gar nicht, weil ich, also zumindest die Leute, mit denen wir Kontakt hatten, die sind, die waren auch extrem großzügig. Und dann haben wir ihn halt gefragt, ob er vielleicht, äh, irgendwie ein Bier oder was möchte und dann ging auf einmal das Strahlen bis zu den Augen. Haben wir ihm ein paar Flaschen Bier dagelassen und genau das Gleiche, der war auch mega happy darüber. Also das ist auf jeden Fall ein Tipp, wenn, äh, ihr, liebe Hörerinnen und Hörer, eine Skandinavientour plant, packt ein paar Fläschchen ein.
Das ist auch eine nette Geste gegenüber den Einheimischen, einfach auch mal so was zu verschenken. Wir können's uns ja leisten, bei uns kostet es ja nicht viel. Aber man darf auch nicht unbegrenzt einführen. Hast du die, die Grenzen irgendwie im Kopf?
Nee, habe ich nicht, aber da muss man tatsächlich aufpassen, ne.
Also da vielleicht vor der Einreise sich noch mal schlaumachen, dass es dann nicht Probleme mit dem Zoll gibt. Ich würd gerne noch mal 'n bisschen, ähm, zu den einzelnen Ländern kommen. Du hattest ja jetzt schon angesprochen Finnland, ähm, dass ihr da auch in Lappland unterwegs wart. Was charakterisiert denn Lappland? Also sowohl landschaftlich als auch von den Menschen her. Da gibt's ja, glaub ich, auch 'ne ethnische Minderheit in Lappland, ne?
Ja, die Sami. Ähm, die gibt es in allen Ländern, also in Norwegen oben im Norden, in Finnland oben im Norden, in Russland übrigens auch und in Schweden auch. Also sie gibt's in, bis auf Dänemark in den drei skandinavischen Ländern. Allerdings ist es so, dass sie in Finnland, wenn ich jetzt hoffentlich nicht falsch liege, sogar anerkannt sind und eine eigene, äh, Parlaments..., wie soll ich sagen, Sitze im Parlament haben sozusagen oder sogar ein eigenes Parlament.
Ich glaub auch 'ne Selbstverwaltung, ne?
Ja, also das ist in Finnland sind sie auf jeden Fall am präsentesten, sag ich mal. Und in Lappland oben leben ganz viele Sami, aber eben auch im Norden von Norwegen. Und wir waren auch in einem Sami-Dorf in Karasjok. Das ist neben Kautokeino. Das, ja, die sind so die zwei bekanntesten. Und dort haben wir auch in so 'nem Sami-Dorf im Prinzip 'ne Führung mitgemacht und haben uns dort mal so 'n bisschen über das, diesen Volksstamm oder diese Ureinwohner, ich weiß gar nicht, wie's, wie die korrekte Bezeichnung ist, ähm, informiert und haben eben, wie leben die heute? Wie haben sie früher gelebt? Wie hat sich das verändert? Wie wirkt sich die Technik auf die aus und die Digitalisierung und alles. Und, ähm, die sind auch die Haupteigentümer der Rentiere in den Ländern.
Also das heißt, fast alle Rentiere gehören den Sami. Es gibt kaum wildlebende Rentiere, aber sie leben alle draußen und frei. Aber jeder weiß genau, wem gehört welches Rentier und so weiter.
Verrückt. Und, und wie, w-- Also vielleicht kannst du noch mal in 'nen paar Sätzen erklären, wie sich, also wie die Lebensweise der Sami aussieht und was sich da vielleicht verändert hat auch. Find ich ganz spannend.
Also früher haben die hauptsächlich in ihren, ja ich sag mal, wie, wie heißen die denn, diese Hütten, also diese Zelte im Prinzip, diese wirklich selbstgebauten Zelte, ich weiß grad den Namen nicht, gelebt und waden, waren auch als Nomaden unterwegs hauptsächlich. Die sind da durch die Länder gezogen und haben ihre Rentiere eben mitgenommen, dass die immer versorgt sind mit Futter und so weiter. Mhm. Und heute ist es so, dass der Großteil von dem, was wir erfahren haben, sesshaft ist. Die leben auch in wirklichen Häusern und sind nur ab und an noch unterwegs. Und die haben aber wirklich diese eigenen Dörfer, also wie eben die genannten Karasjok oder Kautokeino. Dort leben fast nur Sami da für sich, nehmen aber schon am gesellschaftlichen Leben rundherum auch teil.
Aber haben weiterhin die eigene Sprache, die eigene Kleidung, die eigenen Traditionen. Das ist, ja, schon sehr wichtig dort auch, dass das gepflegt wird.
Und du hattest ja gesagt, die sind so weit anerkannt, also werden nicht wie zum Beispiel in den USA in irgendwelche Reservate gepfercht, sondern können da relativ, äh, autonom leben.
Sie sind in Schweden und Norwegen und Finnland anerkannt und wie gesagt, auch nicht nur anerkannt, das hört sich teilweise so 'n bisschen negativ an, sondern ein wichtiger Bestandteil der, der Kultur. In Russland, soweit ich weiß, ist das nicht der Fall, aber da möcht ich jetzt nicht mich zu weit aus dem Fenster lehnen.
Okay. Hast du noch was zu Finnland? Vielleicht auch irgendwelche Empfehlungen, was man unbedingt in Finnland gemacht haben sollte, gesehen haben sollte?
In Finnland muss man unbedingt in einen Nationalpark oder auch in mehrere. Das ist so: Man fährt diese Hauptstraße, die zwei Stunden durch Wald, dann durch Ort, dann wieder durch Wald führt. Und dann findest du irgendwann 'n Schild, da steht Nationalpark und der hat dann 'n lustigen Namen meistens. Und dann steht da zum Beispiel zwanzig Kilometer nach links, damit du weißt, wie weit du noch fahren musst. Dann fährst du nach links. Erst wenn du Glück hast, noch auf geteerte Straße. Nach kurzer Zeit geht die in die Huckelpiste über und du hast trotzdem noch fünfzehn Kilometer vor dir und bist dann irgendwann in diesem Nationalpark. Und dort kannst du in der Regel prima wandern oder Rad fahren. Es haben ganz tolle, äh, ausgeschilderte Wanderwege, im Winter eben Sch-, zum Skilaufen auch. Und das Highlight: Es gibt überall diese Grillstellen. Also nicht so wie in Deutschland, dass du halt vielleicht da irgendwie 'ne, so 'n Grill hast und da kann jeder alles mitbringen, sondern du hast dort echte Grillhütten, riesig groß mit vollgestapeltem Holz.
Du hast dort alles, was du brauchst: Handschuh, Schürhaken, Streichhölzer, Anzünder, meistens Grillrost oder Grillspieße. Es steht alles da zur vereinen Verfügung. Du musst quasi nur dein Essen mitbringen und ganz wichtig deinen Müll wieder mitnehmen. Das nehmen dort die Finnen absolut in Anspruch. Also Wochenendausflug mit der Familie ist wirklich zum Grill laufen, grillen und wieder, wieder zurück. Grandios. Also muss man echt mal gemacht haben.
Das wäre toll, also-
Und es macht auch Spaß. Du hast, hast gleich deine Verpflegung auf der Wanderung dabei. Ja.
Also da klappt es mit dem, äh, Gemeinschaftsgut ganz okay.
Das klappt hervorragend interessanterweise und ich habe auch nicht rausgefunden, warum es so ist. Aber ich hab mich immer gefreut, dass es so ist. Und na ja, in Finnland, entschuldige, noch ganz, ganz, ganz wichtig: Äh, Kaffee muss man trinken, wenn man das mag, weil Finnland ist Weltmeister im Kaffeetrinken und vor allem Filterkaffee. Es gibt dort fast nur Filterkaffee.
Okay, das überrascht mich jetzt, weil Finnland ist ja jetzt nicht 'n klassisches Kaffeeanbauland. Also die werden dann ihren Kaffee importieren und trotzdem ist es so dann wie so 'n Nationalgetränk, oder wie?
Ja, richtig. Und es gibt in Finnland eine gesetzlich verankerte Kaffeepause.
Okay, das klingt gut Da, äh, könnten wir uns mal ein Scheibchen abschneiden. Und um wie viel Uhr ist die Kaffeepause? Ist die-
Das weiß ich nicht.
Vormittags, nachmittags?
Keine Ahnung, aber auf jeden Fall ist sie festgeschrieben und dazu gibt's meistens noch so 'ne Zimtschnecke oder so. Die sind ja da oben auch ganz groß in Schweden, Finnland verbreitet und die Finnen trinken, hm, ich weiß es nicht genau die Literzahl, aber auf jeden Fall sind sie führend im Verbrauch von Kaffee pro Kopf.
Da muss ich jetzt noch mal ganz kurz einhaken, zu wel-- oder in welchen Monaten wart ihr denn in Skandinavien?
Von Mai bis September.
Habt ihr da auch die Jahreszeit erlebt, wo's fast nur dunkel ist?
Nein, wir haben die Jahreszeit erlebt, wo's immer hell ist.
Okay.
Wo quasi die Mitternachtssonne ist.
Okay. Und wie habt ihr das empfunden? Also weil ich weiß noch, bei uns damals war das wirklich sehr irritierend für jemanden, der das nicht gewöhnt ist, dass quasi, äh, es auch nachts nicht dunkel wurde und wir hatten eben auch im Wohnwagen nicht so 'ne Verdunkelung, die, die, äh, sehr effektiv gewesen wäre damals in unserem alten Wohnwagen. Wie war das für euch, diese Umstellung?
Ähm, es war grandios. Also ich liebe ja, wenn die Sonne scheint und dass sie wirklich vierundzwanzig Stunden durchscheint, das hört man so und denkt sich: „Ja, okay, toll." Aber wenn du's erlebst, ist es wirklich grandios, weil du siehst sie auch. Also an 'nem klaren Tag, sie geht bis zum Horizont und dann ist sie direkt wieder nach oben. Und den Biorhythmus bringt's komplett durcheinander, zumindest die ersten Tage. Ich war nachts um zwei halb wach, irgendwie sitz draußen, liest was, je nach Temperatur oder auch drinnen, aber du kommst nicht richtig runter, weil's immer wirklich hell ist. Aber ich fand's toll.
Zu welcher Jahreszeit kann man Polarlichter sehen?
Zwischen Oktober und März, also im Winterhalbjahr.
Okay, also das habt, habt ihr dann nicht erwischt sozusagen. Das wär nämlich auch noch so, so 'n Traum von mir. Also mir ist es da definitiv zu kalt, aber das würd ich wirklich mal in Kauf nehmen, nur um Polarlichter zu sehen und dann ganz schnell wieder in Süden ins Warme.
Ja, steht aufm Plan auf jeden Fall, die Polarlichter.
Okay, dann können wir ja noch mal eine Anschlussfolge machen, wenn ihr das erledigt habt. Dann reisen wir vielleicht mal von Finnland weiter nach, wo möchtest du hin? Schweden?
Ja.
Was sind da so die, die Ecken, wo du sagen würdest, da sollte man unbedingt vorbeischauen, wenn man auf so Natur unterwegs ist?
Also in Schweden berühmt für Seen und Wälder, aber auch einige tolle Städte kann man wirklich eigentlich viel sehen. Ähm, die meisten denken sofort erst mal an die berühmte Schärenlandschaft auch vor der, ähm, Ostküste Schwedens, vor allem vor der Ostküste bei Stockholm. Grandios, wenn man durchfährt. Also mit 'm, du siehst von Land schon auch, aber am besten ist es natürlich, wenn du mit 'm, mit der Fähre oder mit 'm Boot, mit was auch immer unterwegs bist und du fährst durch diese Schärenlandschaften. Das ist schon echt toll. Das sind ja Zigtausende von kleinen Inseln, teilweise bewohnt, teilweise unbewohnt. Ja, kann man sich nicht ausmalen. Es ist wirklich traumhaft. Dann-
Sieht aus wie in so 'ner, wie in so 'ner Märchenlandschaft, ne, auch mit diesen bunten Häuschen.
Ja.
Also so, so wie man sich das Klischee vorstellt, so sieht's da auch tatsächlich aus, find ich.
Wie Bullerbü in, bei Astrid Lindgren, genauso. Ähm, Stockholm selber empfand ich als wirklich sehr sehenswert. Das Lustige war, wir waren am Nationalfeiertag von Schweden dort, aber unbewusst. Der ist am 6. Juni und dadurch war in der Stadt noch mal eine ganz andere Stimmung, weil natürlich einiges los war. Und wir haben als Pluspunkt die Königsfamilie komplett gesehen, also mit Silvia Carl Gustav plus Kronprinzessin Victoria mit Mann und Kids und also quasi die komplette Family. Und das war irgendwie schon auch nett. Man sieht ja nicht jeden Tag so eine royale Familie.
Die sind da, glaube ich, auch sehr beliebt, ne, im Volk.
Beliebt und auch total volksnah. Also da war nicht groß was abgesperrt oder so. Also das war wirklich total entspannt, so wie die Schweden da eben sind. Und Stockholm, ja, also kann man sich auf jeden Fall angucken. Sollte man tun, wenn man in der Nähe ist. Ja, die zwei großen Seen, der Vättern- und der Vänernsee, sind relativ bekannt. Von der Größe zur Einordnung, der Vätternsee ist der zweitgrößte See Schwedens, der ist ungefähr viermal so groß wie unser Bodensee.
Wow.
Der ja schon relativ groß ist. Und der Vänernsee, der direkt daneben liegt witzigerweise, ist ungefähr zehnmal so groß wie der Bodensee. Das ist schon auch nett, wenn man da langfährt und du denkst wirklich, du bist quasi am Meer. Es gibt tolle Stellplätze rundrum, Campingplätze, du kannst Kajak fahren, du kannst Kanu fahren, Wassersport jeglicher Art betreiben. Kannst aber auch so'n bisschen, ja, langradeln, aber es ist nicht so, dass man zum Beispiel sagt, um die Seen oder entlang der Seen gibt's immer ausgebaute Radwege. Das ist dort nicht so. Das waren, waren wir 'n bisschen enttäuscht am Anfang, weil wir dachten: „Ach komm, jetzt machen wir mal ein paar Kilometer", aber das brauchen die dort gar nicht. Das ist dort von der Infrastruktur nicht sinnvoll, das zu bauen, weil's dort viel zu wenig Leute gibt, die das auch nutzen würden. Und deswegen muss man sich da so'n bisschen durchwurschteln, aber das kann man auf jeden Fall machen.
Und für Astrid Lindgren Fans oder auch welche, die's als Kind wahrscheinlich fast jeder gelesen hat, ist es, äh, auf jeden Fall ratsam, in Vimmerby vorbeizufahren. Dort ist Astrid Lindgren aufgewachsen und ist dort geboren. Da gibt es ein Museum, nenn ich's mal, aber das ist quasi ein ganzes Museumsdorf. Da steht ihr Geburtshaus, das kann man angucken und Ausstellungen und diese Scheune von, von Emil ist quasi nachgebaut. Also das ist so 'ne ganze Erlebniswelt. Dann gibt's aber extra noch mal 'n Freizeitpark auch von Astrid Lindgren für Kinder direkt. Das ist wirklich wie so'n Funpark, nenn ich's mal. Und ungefähr eine halbe Stunde von Vimmerby entfernt, das ist halt mitten in Smaland, in diesem Bullerby-Distrikt, ähm, gibt es den Ort Sevetstorp heißt der, glaube ich, Sevetstorp.
Und da wurde, äh, „Die Kinder von Bullerby" gedreht. Das ist der echte Drehort.
Okay.
Und das kann man sich, also wenn man dort ist, denke ich, lohnt sich's auf jeden Fall.
Ich denke mal, viele unserer Hörerinnen und Hörer, wahrscheinlich vor allem Hörerinnen, äh, sind oder waren Astrid Lindgren Fans. Ich zähle mich da auch zu. Ich hab alles verschlungen von ihr damals. Ähm, das muss ich mir auch noch mal auf die Liste setzen, wenn wir, wenn's uns nach Skandinavien verschlägt, weil das haben wir tatsächlich nicht gemacht. Also wir waren zeitlich leider auch ein bisschen knapper unterwegs, deswegen konnten wir nicht alles mitnehmen.
Dann ein Stückchen weiter oben noch in Schweden, ähm, Östersund. Das ist lustigerweise ungefähr die Mitte von Schweden, wenn man die Nord-Süd-Achse nimmt und ist aber schon tierisch weit oben für jemand, der hochfährt. Und das merkt man dann auch an der Temperatur. Wir hatten in Östersund sieben Grad und Regen im Juli. Da war meine Laune kurzzeitig, äh, nicht so gut, aber ich hab mich dann wieder gefangen. Ähm, und das ist für Biathlon-Fans vielleicht interessant, weil das ist ein Weltcup-Austragungsort vom Biathlon und auch, glaube ich, zwei oder dreimal waren dort schon die Weltmeisterschaften. Lustigerweise sind die Biathlon-Stadien auch in Deutschland und überall im Sommer nicht so schön anzusehen.
Da ist meistens Baustelle, es ist irgendwie trist und grau, aber es ist für einen echten Biathlon-Fan doch ein sehr schönes Gefühl, wenn man dann dort mal vor Ort steht. Und meistens sieht man auch Sportler trainieren, die einfach dann auf ihren Rollskiern die ihre Trainings im Sommer abhalten.
Und wie weit seid ihr in den Norden gekommen in Schweden?
In Schweden sind wir dann von Östersund aus nach links gefahren. Da sind wir dann noch an dem Tännforsen vorbeigekommen. Das ist der größte Wasserfall Schwedens. Der aber, der ist, äh, schön und, und sehr beeindruckend, aber nicht in der Größe zum Beispiel zu vergleichen mit norwegischen Wasserfällen. Also er ist einfach schön, aber es ist jetzt nicht, das es einen umhaut, glaube ich. Und dort sind wir dann relativ, das ist in Norwegen Höhe Trondheim, ums zu vergleichen, sind wir dann links rübergefahren.
Und dann direkt nach Norwegen rüber?
Richtig.
Dann kommen wir jetzt zu deinem Herzensland. Kannst du so ein bisschen die Route nachzeichnen und, und auch da vielleicht Abstecher machen an, äh, schöne Ecken, die euch besonders am Herzen liegen?
Mhm. Also in diesem Jahr sind wir, wie gesagt, auf Höhe Trondheim auf dem Weg nach oben, später waren wir noch im Süden, sind wir dann gekreuzt und sind von Trondheim aus immer nach oben gefahren, also komplett nach Norden, an der Westküste entlang im Wesentlichen. Weil das ist ja wirklich der Teil von Norwegen, der, ja, am interessantesten oder wie soll ich sagen, am abwechslungsreichsten auch ist.
Seid ihr bis zum Nordkap gekommen?
Ja.
Ach, cool. Dann, dann gleich eine Zwischenfrage, weil ich hab so unfassbar schöne Bilder gesehen von diesen Straßen, die an der Küste entlangführen. Da seid ihr wahrscheinlich auch dann über diese Straßen gefahren, wo's dann auch, äh, also das, das sieht total spektakulär aus auf den Fotos. Kannst du da ein bisschen beschreiben, wie die Reise war? Auch vielleicht, ähm, kommt man da auch mit so einem Wohnmobil mal an irgendwelche Grenzen, wo man sagt: „Oh, es wird jetzt vielleicht ein bisschen schwierig zu fahren"?
Also genau, auf die wäre ich auf jeden Fall gekommen, weil von Trondheim aus, kurz über Trondheim geht es los bei, ähm, Steinkjer heißt das. Das ist die FV17, auch genannt der Kystriksveien. Das ist der Küstenweg entlang der Westküste zwischen Steinkjer und Bodø. Bodø ist dann unterhalb noch von den Lofoten. Er ist in Summe ungefähr sechshundertfünfzig Kilometer lang und ist wirklich eine der spektakulärsten Straßen, die ich jemals gefahren bin. Du kommst dort an allem vorbei. Du hast Blicke auf die Fjorde, aufs Meer, du hast Riesengebirgsketten. Du-- An jeder Ecke, hinter jeder Kurve sieht's komplett anders aus. Es ist, also die FV17, wir haben sie immer nur noch die siebzehn genannt, ist der Hammer.
Und wenn du dich mit Leuten unterhältst dort oben, die Urlauber, die dort langgefahren sind und du sagst nur: „Ah, seid ihr auch die siebzehn gefahren?, dann geht's schon los mit Schwärmereien und mit, mit allem drum und dran. Also das ist die FV17 ist, sss-- muss man fahren, wenn man da oben ist. Muss man klingt jetzt so blöd, weil das kann ich sagen, weil wir Zeit hatten, mhm, die E4. Ist es die E4 oder ist es die E6? Ich weiß grad nicht. Also die Europastraße, die üblicherweise die Leute fahren, die etwas schneller nach oben kommen müssen, ist auch traumhaft, ist auch ganz toll, aber die FV17 läuft im Prinzip links davon noch weiter an der Küste. Der Nachteil ist, wenn man's so bezeichnen will, du brauchst Zeit. Das sind sechs Fährverbindungen alleine, die nicht alle eine Stunde fahren, sondern du brauchst halt Zeit, du musst auf die Fähren warten und du reist langsam.
Und wer langsam reisen kann und will, sollte die siebzehn fahren.
Das heißt also, die, die Straße ist dann teilweise unterbrochen, weil man mit der Fähre übersetzen muss.
Das ist aber ganz normal. Das ist überall so. Das ist auch im Süden von Norwegen so. Also an der kompletten Westküste sind Unterbrechungen durch Fähren üblich.
Und sind da auf der Straße, also auf der siebzehn, sehr viele, äh, Steigungen oder wie muss ich mir die vorstellen? Oder ist es einfach gerade quasi an der Küste entlang, aber halt mit spektakulären Blicken?
Steigungen sind auch drinne. Auch eigentlich an der kompletten Küstenlinie lang. Mal mehr, mal weniger. Aber du hast, also ja, im ersten Gang irgendwo hochzufahren mit 'm Wohnmobil ist auch normal. Kann man, muss man einkalkulieren.
Würdest du sagen, dass man diese Tour auch mit 'm Wohnwagen machen kann oder wär das eher so für eher kompaktere Wohnmobile geeignet?
Hm, nee, das geht. Also die Norweger im Allgemeinen sind ja dafür bekannt, die Einheimischen selber, dass unter acht Meter Wohnmobile geht ja eh nicht so viel. Also die fangen ja dort erst in der Größenordnung an, die meisten. Und die fahren dann eben auch mit ihren acht bis zehn Meter langen Wohnmobilen dort lang und mit 'm Wohnwagen geht das genauso gut. Also es gibt an, es ist anspruchsvoll zu fahren, ja. Es ist nicht wie in Finnland, wo du einfach nur grade ohne hoch und runter, sondern nur geradeaus, ist es nicht, aber möglich ist es auf jeden Fall. Und weil du nach den Grenzen gefragt hattest dann, die wir gekommen sind, also witzigerweise dort oben im Norden nicht, da fuhr sich's sehr gut. Das hatten wir dann eher im Süden mal, wo's so schmal war teilweise, dass wir uns echt gefragt haben, ob wir irgendein Verbotsschild für Wohnmobile übersehen haben, aber irgendwie geht's immer.
Da kann ich mich auch noch dran erinnern. Und bei uns, ich hab mich dann immer mit dem Gedanken beruhigt, überall wo du reinkommst, kommst du auch irgendwie wieder raus.
Und wenn's rückwärts ist.
Und wenn's rückwärts ist, ganz genau. Das mussten wir nämlich auch machen. Damals noch mit 'nem sehr kompakten Wohnwagen, aber auch das ist uns passiert, auch auf einem Campingplatz, wo wir dann in Millimeterarbeit rückwärts vom Berg wieder runter mussten, weil's keine Wendemöglichkeit oben gab und, ähm, links Felsen, rechts Klippen ans Meer runter und, ähm, ja, wir dann mit Einweisen und wirklich im Schneckentempo dann langsam zurückgesetzt. Das war echt 'n Abenteuer.
Mhm.
Aber wie gesagt, es geht alles. Man muss sich dann auch einfach mal trauen.
Ja, die Route weiter zu zeichnen. Also wirst im Prinzip die siebzehn lang immer Richtung Norden bis kurz vor Bodø. Dort endet die siebzehn, dann musst du dich wieder auf quasi andere Straßen begeben. Und da ist noch was ganz Interessantes, das ist der Ort Saltstraumen heißt der. Das ist kurz vor Ende der siebzehn. Hm, dort hast du die Möglichkeit, den stärksten Gezeitenstrom der Welt zu beobachten. Das ist im Prinzip so 'ne Engstelle, wo die Gezeiten so extrem stark wirken, dass du da richtige Strudel siehst und die Wassergeschwindigkeit quasi von Minute zu Minute ansteigt, also die Fließgeschwindigkeit. Und das ist ziemlich cool zu beobachten an 'nem sonnigen, schönen Tag, weil du's dann richtig gut siehst.
Und das ist, glaub ich, relativ einmalig auch, ja.
Und wie lang, äh, wart ihr dann ganz im Norden, wie lang seid ihr da geblieben?
Wir sind also die siebzehn sind wir ungefähr zwei Wochen lang gefahren und dann von dort ging's weiter nördlich, dann kommen bald die Lofoten und die Vesterålen, das ist die Insu-Inselgruppe nördlich der Lofoten. Da waren wir in Summe vielleicht auch noch mal, hm, anderthalb Wochen. Und von dort aus sind wir dann relativ zügig zum Nordkap gefahren, weil es mit jedem Tag kälter wurde und ungemütlicher. Und dann sind wir bis hoch, ich glaub, vier Wochen haben wir ziemlich genau von Trondheim bis zum Nordkap uns Zeit gelassen.
Vom Nordkap schwärmen ja auch viele Norwegenbesucher sehr. Ähm, was kannst du so'n bisschen beschreiben für die Hörerinnen und Hörer, aber auch für mich, ich kenn's ja auch nicht. Was erwartet einen da?
Also technisch gesehen ist es der nördlichste Festlandspunkt Europas, womit er auch dadurch der, die Anziehungspunkt oder der Anziehungspunkt ist für viele. Emotional gesehen ist es eine Landschaftsweite, wie ich sie echt nicht erwartet hab. Sie ist ja so schon relativ weit in Norwegen und du hast immer Ausblick und, und guckst in die unendliche Ferne teilweise gefühlt. Aber dort beginnt's schon so 150 Kilometer ungefähr vor dem eigentlichen Nordkap. Du guckst und siehst nur Landschaft. Da gibt's also vielleicht mal 'ne Hütte rechts oder links, aber ansonsten guckst du nur, da gibt's keine Orte großartig mehr, nur die paar Bekannten, durch die man halt kommt.
Ähm, es ist weit, es ist leer, es ist ruhig, es ist eine unfassbare Stimmung, die du gar nicht beschreiben kannst, weil du's einfach fühlen musst, um's zu verstehen. Und das Lustige ist, wenn du dann die Ecke kommst zum Nordkap, dann fährst du so die Straße geradeaus hoch und siehst dann diese Kugel, diese berühmte, also diese Nordkaphallen, das ist dieses Gebäude, wo du dich aufhalten kannst, davor der große Parkplatz mit 300 Wohnmobilen, die dort übernachten und dahinter ist diese Kugel. Und wenn du dort bist, dann ist das einfach ein wirklich erhabenes Gefühl, weil A: ist es was Besonderes und B: wenn du's dir als Ziel gesetzt hast, so wie wir unser Ziel war, der nördlichste Festlandspunkt Europas, Nordkap und ab da geht's dann wieder runter.
Und das war einfach schon Wahnsinn. Und dazu muss man noch sagen, wir hatten ja Zeit, konnten den Wetterbruch beobachten und wir waren quasi eine der fünf Prozent glücklichen Nordkapbesucherinnen, die mit die Mitternachtssonne dort erlebt haben.
Oh.
Das heißt, wir haben dieses berühmte Bild, was man überall sieht, wenn die Sonne durch die Kugel scheint, haben wir erlebt und das war toll.
Und ist es dann, äh, das sind ja wahrscheinlich dann auch nur wenige Tage im Jahr, wo man das so sehen kann. Oder wie, wie kann ich das timen, wenn ich mir das angucken möchte?
Also am Nordkap selber da oben hast du eine relativ lange Spanne für Mitternachtssonne. Die geht irgendwann von, hm, Juni, Mitte, glaube ich, oder Ende Juni bis Mitte August. Also die Zeitspanne ist relativ lang. Das Interessantere dabei ist, dass das Wetter passt.
Mhm. Also nicht bewölkt oder wa, worauf muss ich da achten?
Kein Nebel, kein Regen, keine Wolken, sondern Sonne. Und das ist, äh, durchaus-
Lotterie.
Ja.
Okay.
Wir hatten zehn Grad. Das war für Nordkap relativ warm, aber durch die Sonne, das war, ja, also unbeschreiblich wirklich. Einmal dort zu stehen und das zu erleben. Und wir haben uns auch die Zeit genommen. Wir haben dort übernachtet und wir haben dann den nächsten Tag noch dort mit, äh, verbracht, um wirklich das in Ruhe zu genießen. Und dann hatten wir durchaus, äh, Stellen, also Zeitspannen am Tag, wo niemand dort war. Wir waren quasi fast alleine und das war auch richtig klasse.
Du hattest ja jetzt angesprochen, dass da irgendwie unzählige Wohnmobile stehen. Das bringt mich jetzt auch so ein bisschen, äh, zu dem weiteren Punkt: Wie sieht's denn generell aus in Skandinavien mit der, ähm, Campinginfrastruktur und mit Freistehen?
Also allgemein verbreitet ist ja, dass man in Skandinavien frei stehen darf.
Das sogenannte Jedermannsrecht, was hier immer etwas strapaziert wird für, ähm-
Ja
... für Wohnmobile auch, ne?
Genau, und das ist auch in Skandinavien aber nicht richtig, weil das Jedermannsrecht, ähm, beinhaltet tatsächlich vom Übernachten her nur die Zelter. Die dürfen im Wald oder am Waldesrand, je nachdem, mit allen Regeln, die gelten, sein. Die Wohnmobile dürfen sich nicht im Wald stellen. Das ist auch in Skandinavien nicht erlaubt. Aber auf Parkplätzen zu übernachten oder in Buchten, sage ich jetzt mal, oder auf großen Plätzen, das ist geduldet. Es ist teilweise ausdrücklich erlaubt. Hm, die Campingplatz- und Stellplatzinfrastruktur ist aber so gut, dass man's nicht muss. Also du kommst auch wunderbar durch, ohne das in Anspruch zu nehmen.
Allerdings ist es auch so, ist uns in Norwegen aufgefallen, im Süden unten, wo auch die Hardangervidda und so dieses bekannte Gebirge und eben Preikestolen, da die Ecke, da ist es mittlerweile ziemlich verbreitet, dass Campingverbotsschilder stehen. Und das war vor fünf Jahren noch nicht der Fall. Das heißt, auch die merken diesen zunehmenden Tourismus und schützen sich dagegen, was ich absolut verstehen und unterstützen kann. Aber es ist ganz, also es ist wirklich im Süden extrem uns aufgefallen, no Camping und so weiter und so fort. Also da, es wird sich, glaube ich, in den nächsten Jahren da auch einiges ändern. Und das Problem ist halt immer, wenn die Leute sich nicht dran halten, sondern meinen, ah, ich lasse hier meinen Müll liegen oder stelle doch meine Stühle raus, dann braucht man sich halt auch nicht wundern.
Leider ja eine Tendenz, die in allen europäischen Ländern oder in fast allen zu beobachten ist, ne, wo man früher noch vor ein paar Jahren ganz unbehelligt irgendwo stehen konnte, wenn man sich anständig und unauffällig verhalten hat, stehen mittlerweile Verbotsschilder. Das haben wir in den letzten zwei Jahren ganz extrem gemerkt, auch im Süden.
Ja. Und in Dänemark und Schweden ist auch die Campingplatzinfrastruktur wirklich wunderbar. Also da braucht man sich gar keine Sorgen machen. In Finnland, wenn du gut planst, ist es auch kein Thema, aber sie ist jetzt nicht so dicht an Camping- und Stellplätzen wie in den anderen Ländern, weil's einfach nicht das Urlaubsland ist.
Also da muss man dann, da muss man dann vorher die Route so ein bisschen sich überlegen, um dann rechtzeitig auch an einen Platz zu kommen.
Wobei man in Finnland, also da haben wir zum Beispiel fast keine Verbotsschilder gesehen. In diesen Nationalparks, die ich vorhin angesprochen hatte, ähm, die sind sehr oft so, dass die relativ großzügige Parkplätze haben. Und wenn du nicht gerade, was weiß ich, an einem überfüllten Wochenendtag oder so dahinfährst, kannst du dort auch super übernachten.
Dann reisen wir vielleicht in Norwegen vom Nordkap wieder zurück Richtung Süden. Was waren da so eure Etappenziele?
Also von Nordkap aus sind wir südlich runtergefahren in das Sami-Dorf, äh, Karasjok und von dort aus sind wir direkt rechts rüber nach Finnland und haben dort im Prinzip dann alles von Nord nach Süd, also einmal durchgemacht. Und ziemlich in der Mitte eher und rechts an der russischen Grenze lang, weil die Küstenlinie an der Westküste von Finnland, das haben wir, haben wir ausgelassen, weil wir dachten, Zickzack wollen wir nicht fahren. Meer und so hatten wir jetzt schon relativ viel. Jetzt machen wir noch ein bisschen Landesinnere.
Und du hattest ja vorhin auch Dänemark angesprochen. Ähm, da würde ich gerne noch mal so ein bisschen drauf eingehen, weil wir das Gefühl hatten bei unserer Reise, dass Dänemark eigentlich, äh, landschaftlich auch teilweise ein bisschen unterschätzt wird. Also du hast ja selber auch gesagt, es ist flach, aber wir haben zum Beispiel die, die Nordküste von Dänemark als unglaublich zauberhaft empfunden. Ähm, auch diese, diese wahnsinnig tollen Dünen, die man teilweise überqueren muss, um an die Strände zu kommen. Bei uns waren die Strände auch sehr einsam. Wir waren teilweise den ganzen Tag alleine dort. Wie habt ihr das da empfunden?
Also wir sind in Dänemark nicht Jütland hochgefahren, also das Festland mit dieser berühmten Nordseeküste. Das haben wir nicht gemacht, sondern wir sind im Prinzip rechts rüber über die Inseln gefahren, also über, ähm, Falster und, ach, wie sie alle heißen, ich komme gerade nicht drauf. Also bis Kopenhagen und dort dann im Prinzip nach Schweden rüber. Das heißt, zu denen oben links, zu dieser Nordseeküste kann ich jetzt gar nicht so viel sagen. Und die Inseln sind- Wie, wie vorhin gesagt, j-- schön und, und wirklich, äh, liebenswert und ganz tolle Strände und, ähm, Landschaft im Sinne von, dass es sehr, sehr ruhig und sehr angenehm ist, aber nichts Spektakuläres.
Das Einzige, wo ich jetzt sage, das kann man empfehlen, ähm, im Sinne von, dass man's auch wandern kann und mal 'ne kleine Erhebung ist, ist rechts, also ganz rechts außen, wenn man auf die Karte guckt, ist Møns Klint heißt das. Das sind, das ist 'ne Steilküste, das sind Steilklippen, die so'n bisschen vergleichbar sind mit den Kreidefelsen auf der Insel Rügen. Allerdings empfinde ich sie als noch viel weißer und viel prägnanter. Also es ist 'ne ganz, ganz, ganz große Küst, äh, Steilküstenlinie und da kannst du auch ganz toll wandern in dem Wald dahinter und an der Küste unten lang. Und das sieht schon, also bei tollem Wetter sieht's richtig klasse aus.
Was ich auch ziemlich faszinierend fand, war die, ähm, Nordspitze von Dänemark. Ich sprech's bestimmt falsch aus, also schreiben tut man Skagen.
Mhm.
Korrigier mich.
Mhm.
Ähm, da fand ich's wahnsinnig schön und dort treffen ja die Nord- und die Ostsee aufeinander. Auch wenn man das nicht visuell richtig wahrnimmt, weil es ist ja nicht so, dass da jetzt zwei Meere aufeinanderklatschen irgendwie, aber dieses Gefühl, ähm, das fand ich schon echt interessant. Und da sieht's auch ziemlich cool aus, wenn man, da ga..., da gibt's 'n Leuchtturm, auf den man steigen kann, damit man das Ganze von oben betrachtet. Und da ist die Küste sehr markant.
Mhm.
Ähm, muss mal gucken, ob ich 'n Foto finde. Wir waren da ja vor zig Jahren im, im Jahr 2014. Ähm, muss ich mal im Archiv kramen, ob ich da noch mal was finde, weil wir, also wir hatten auch beim schönen Wetter eben dann wirklich Blick auf, äh, ja fast türkisblaues Meer, was ich also im Norden gar nicht erwartet hätte. Ich weiß nicht, habt ihr das auch gesehen?
Mhm. Bei Møns Klint war das. Da hatten wir ein Mordsgewitter und Sturm und Grau und alles war ganz furchtbar. Und dann haben wir gesagt, wir fahren trotzdem hin und just als wir aus dem Wohnmobil ausstiegen, kam die Sonne raus und das war ja noch im Mai. Das heißt, es war alles noch so'n bisschen frühlingshaft und das hatte dann auch den Reiz, dass es eben nicht nur 'n sonniger Tag war, sondern du hattest dieses Gewitter davor und dieses Nasse und dann riss dieser Himmel auf und du guckst auf dieses türkisfarbene Meer mit den weißen Klippen. Das war schon, schon klasse, ja.
Da fühlt man sich dann, wenn man 'n dicken Mantel anhat, fast wie im Süden, ne?
Ja, man muss sich's nur einbilden.
Ja. Dann würd ich gerne noch mal so'n paar, ja, ich nenn's jetzt mal technische Empfehlungen oder Tipps von dir einholen. Wir haben ja in der Folge Gasversorgung im Ausland schon 'n bisschen profitiert von deinen Erfahrungen mit der Gasversorgung in Sk-, in Skandinavien. Wenn man jetzt so lange unterwegs ist wie ihr, was ja durchaus auch empfehlenswert ist, dass man sich 'n bisschen Zeit nimmt, dann braucht man früher oder später mal Gas, weil wir haben jetzt gehört, auch im Sommer können die Temperaturen 'n bisschen kühler sein und man muss vielleicht heizen. Wie komme ich denn an Gas in den verschiedenen Ländern? Ja, dein Lieblingsthema hast du ja schön für uns aufbereitet.
Also grundsätzlich ist das Thema Gasversorgung ja nicht ganz so trivial für Camper, die länger als zwei Wochen unterwegs sind, meistens aber irgendwie lösbar. Für Skandinavien kann ich folgende Info aus dem letzten Jahr mitgeben: In Norwegen ist es tatsächlich kein Problem für deutsche Wohnmobilisten und Wohnmobilistinnen, das Gas aufzufüllen. Das ist 'n relativ breites Netz, nennt sich LPG Norge. Und dort kannst du deine deutschen Flaschen hinbringen, brauchst nicht mal selber den Fülladapter, weil die alles vor Ort haben und die füllen dir dort die Flasche auf. Du kannst natürlich auch einheimische Flaschen kaufen, aber warum, wenn meine deutsche gefüllt wird? Ist ja dann doch 'n bisschen einfacher. Die Preise variieren extrem stark zwischen den Füllstationen.
Da kann man auch nicht sagen zwischen Nord und Süd, sondern das ist so, weiß ich nicht, nach was sie das machen, so nach Lust und Laune vielleicht auch. Hm, einige sind fair und füllen, rechnen nach Kilo ab, was du nachfüllen lässt und einige sagen, die, es zählt quasi pro Füllung, egal wie viel Kilo du reinhaust. Aber du kriegst Gas, das ist die gute Nachricht. In Schweden ist es ähnlich, nur nicht, dass du so'n breites Netz hast, sondern du musst punktuell wirklich gucken, wo find ich eine Füllstation, die auch meine deutschen Flaschen füllt. Geht aber. Also hat geklappt. In Finnland geht's gar nicht mit deutschen Flaschen. Entweder du nimmst Einheimische oder musst sparen. Und in Dänemark ist es genauso. Also gibt-- wir haben nichts gefunden, wo es irgendwas mit deutschen Flaschen tauschen oder füllen gab, obwohl es dem Deutschen nächstes Land sozusagen ist.
Das ist die Situation. Das Gute ist, wenn du dich entscheidest, eine norwegische Flasche zu kaufen, ist die kompatibel mit den schwedischen. Das heißt, du kannst die dort füllen, tauschen, wie auch immer. Aber so nach meiner Recherche, ich weiß nicht, ob das stimmt, aber das hab ich von vielen gehört, du kannst die nicht zurückgeben. Das heißt, du kaufst die Flasche und die gehört dir dann dein Leben lang.
Okay, also hat man dann direkt 'n Souvenir auch an Bord quasi. Da würd ich noch mal, damit ihr das jetzt euch nicht alles merken müsst, liebe Hörerinnen und Hörer, einen entsprechenden Artikel in der Folgenbeschreibung verlinken, wo wir das noch mal etwas ausführlicher erläutern. Was hast du sonst noch an Tipps für Camper, die Skandinavien bereisen müssen? Worauf sollte man sich einstellen? Was braucht man unbedingt? Was sollte man auf jeden Fall mitnehmen? Ähm, was empfiehlst du für die Planung? Da hab ich ganz viele Fragen zu.
Mitnehmen sollte man warme Sachen.
Auch im Sommer?
Ja, das hab ich nämlich wirklich unterschätzt. Ähm, vor allem, wenn man ein bisschen nördlicher als die Mitte sozusagen fährt, nehmt warme Sachen mit. Es gibt dort auch welche zu kaufen, aber es ist ja auch schön, wenn man sie schon dabei hat. Ähm, dementsprechend auch wirklich genügend Gas oder was auch immer, womit ihr heizt. Äh, ja, es, es lohnt sich nicht nur, nicht nur in der Nacht, vielleicht auch am Abendmahl oder so. Mmm, dann, worauf man achten sollte, das kann ich wirklich nur noch mal sagen: Achtet die Regeln, schützt die Natur, nehmt euren Müll mit, dann funktioniert's auch weiterhin. Aber dieses Ausnutzen sozusagen, was es leider durchaus gibt von dem Freiheitlichen, was die einem dort auch für die Touristen sozusagen noch bieten, wird sicher nicht mehr so lange gut gehen.
Und ansonsten in Skandinavien kommst du super mit Englisch überall durch, wirklich überall. Sehr oft auch mit Deutsch, vor allem in Norwegen. Also in Norwegen sprechen so die Ü-, hm, fünfzig Generation spricht fast alle Deutsch, weil die das noch damals in der Schule hatten als Pflichtfach. Das heißt, sprachlich braucht ihr euch eigentlich auch keine Sorgen machen. Medizinisch sind sie top aufgestellt. Also da hätte ich jetzt weder, weder Bedenken noch, dass ich da sage, darauf müsst ihr achten. Also das ist wirklich ein total unkompliziertes Reisen.
Und findet man dort auch Spontan-Campingplätze oder würdest du sagen, also Finnland hattest du ja schon gesagt, da muss man ein bisschen planen, aber ich meine jetzt auch vom Überfüllungsgrad her. In, in Europa ist es ja zumindest in, in Mittel- und Südeuropa teilweise gar nicht mehr so einfach, mal 'n Campingplatz zur Sommerzeit spontan anzufahren. Wie schätzt du das für Skandinavien aktuell ein?
Also wir waren ja auch in der Hochsaison da. Da waren wir allerdings schon relativ weit nördlich und dort war's kein Problem. Da haben wir wirklich spontan gefunden. Da war nix mit Vorbuchen oder so. In Finnland nicht, in Schweden nicht, in Norwegen nicht. Auf den Lofoten war's etwas tricky, weil da wirklich die Hauptreisezeit die Hochsaison ist. Und da lohnt es sich entweder früh anzukommen oder tatsächlich mal den Hörer in die Hand zu nehmen und vorzubuchen oder per App oder was auch immer. Hm, im Süden hab ich dies Jahr von einigen gehört, weil wir waren erst quasi in der Nachsaison wieder unten im Süden. Da wird es teilweise eng. Also es ist weiterhin ein beliebtes Reiseland, vor allem Norwegen und Schweden. Ich denke schon, dass man immer was findet, wenn man ein bisschen flexibel ist, aber es ist nicht mehr so wie vor zehn Jahren, wo du sagst: „Ach, völlig egal, die warten nur auf mich."
Also so ist es nicht.
Und wie habt ihr eure Camping und, ähm, Stellplätze oder Freistehplätze auch gefunden? Habt ihr da Apps genutzt oder wie seid ihr da durchgekommen?
Ein wilder Mix aus Reiseführer, Empfehlungen, Apps, den einschlägigen, die man so kennt.
Kannst du ruhig ein paar nennen, wenn dir welche einfallen.
Also zum Beispiel Park4night oder eben PinCamp. Und dann gibt es auch für die skandinavischen Länder Schweden und Norwegen und Dänemark, gibt es, was wir in Deutschland als Landvergnügen kennen, diese Bauernhof und, und privaten Stellplätze. Die Führer gibt's dort auch und da haben wir auch teilweise das, äh, genutzt, das Netz. Ja, und dann teilweise sind wir einfach gefahren und haben gewartet, bis ein Schild kommt und geguckt, ob uns das dort gefällt oder nicht. Also das, das geht auch, weil das viel verbreiteter auch ist, auch mit Thema Ver- und Entsorgungsstation, ist viel, viel dichter und leichter zu finden als zum Beispiel hierzulande.
Also wir hatten in Norwegen das Gefühl, dass gefühlt an jeder Ecke irgendwie ein Campingplatzschild irgendwo hin zeigte. Ich weiß nicht, ob das heute auch noch so ist, aber das war wirklich Wahnsinn, dieses Netz da. Wir haben überhaupt nicht uns vorher informiert. Wir haben grob geguckt, wo wir hinwollen, sind losgefahren und haben dann irgendwann 'ne Abbiegung gemacht sozusagen.
Das funktioniert rel-relativ gut in allen vier Ländern auf jeden Fall. Außer wie gesagt, Finnland nicht so dicht, aber man findet was.
Sehr schön. Also auch für Leute, die vielleicht jetzt nicht so lange vorplanen wollen, ähm, ist es möglich, indem man dann halt vielleicht auch mal mehrere Campingplätze ansteuert, wenn einer voll ist.
Ja.
Ja, sehr schön. Also ich muss ja noch, äh, sagen, das hatte ich am Anfang vergessen, dass du uns ja auch eine Reiseberichtsserie fertig gemacht hast von eurer Tour. Die liegt aktuell noch bei mir aufm Schreibtisch, weil ich leider grade mit aktuellen Geschichten, die auch 'ne zeitliche Frist haben, so ausgelastet bin, dass ich noch gar nicht dazu gekommen bin, mich da näher ranzusetzen. Aber da wird's auch bald von der Katja noch mal, ich glaub, eine dreiteilige Serie ist es, ne? Fünf. Oh mein Gott, dann hab ich ja noch mehr zu tun. Also 'ne fünfteilige Serie mit den ganzen Touren, Eindrücken, ähm, sicher auch Campingplatzempfehlungen dabei und natürlich Fotos, weil heute konnten wir ja nur quasi szenische Beschreibungen liefern, aber da gibt's dann auch Fotos zu sehen, dass ihr ein bisschen noch 'nen besseren Eindruck bekommt, was euch bei so einer Tour alles erwartet.
Gibt's noch irgendwas, Katja, was dir noch besonders am Herzen liegt oder was du vielleicht noch mal besonders empfehlen möchtest, bevor ich gleich zum Nachwort komme?
Ja, für alle Wanderfans da draußen, ähm, geht Bergwandern in Norwegen. Es sind Wahnsinnstouren dabei für Geübte, weniger Geübte und auch richtig Profi-Wanderer, nenn ich's mal. Also man muss sich schon informieren, bevor man losgeht, weil die norwegischen, mm, Ratings der Wanderungen von blau bis schwarz sind nicht mit den deutschen vergleichbar, aber es sind wirklich Super Wanderungen dabei mit, mit anspruchsvollen Wegen, aber auch spektakulären Ausblicken. Also da kann man auf jeden Fall einiges erleben von Süd bis Nord. Das lohnt sich, um nur zwei zu nennen. In der Hardanger Vida, das ist im Süden das, äh, Gebirge oder die, ja, die Gebirgsplattform.
Da gibt's die Dronningstien. Das ist eine Bergkammwanderung, benannt nach der Königin Sonja und die ist, das ist 'ne absolute Tagestour, die ist wirklich, äh, sehr, sehr, sehr, sehr anstrengend, aber sehr lohnenswert. Und witzigerweise gibt's noch die Dronningruta auf den Vesteralen. Die ist auch nach der Königin benannt. Also die muss relativ viel wandern und die ist, ist auch 'n Bergkammweg. Also der, der ist genauso empfehlenswert. Und an der siebzehn, an der berühmten Straße gibt es das Gebirge der sieben Schwestern und die kann man alle sieben auch bewandern. Also das sind wirklich richtige Hiking-Touren, die aber sicher ein Erlebnis sind, ja.
Das klingt anstrengend, aber trotzdem sehr schön und, äh, nachwandernswert.
Mhm.
Das heißt, wenn wir nach Norwegen fahren, muss ich vorher noch 'n bisschen Konditionstraining machen.
Unbedingt.
Okay. Ja, dann bedanke ich mich ganz herzlich bei dir, liebe Katja. Ähm, ich hoffe, euch da draußen hat die Folge genauso Spaß gemacht wie, wie mir. Ich hab jetzt, obwohl ich ja eher so 'n Südkind bin, echt Lust bekommen, mich doch noch mal in Norden aufzumachen. Mein Mann, ähm, quengelt ja schon immer, weil's ihm in Norwegen auch so gut gefallen hat. Vielleicht werden wir das doch noch mal in der nächsten Zeit auf unsere Reiseliste setzen. Wie gesagt, ähm, schaut mal zwischendurch bei Camper Style vorbei. Da werden wir dann irgendwann in den nächsten Wochen die Reiseberichte veröffentlichen. Und wenn ihr weitere Folgen von uns, ob Reiseberichte oder technische Tipps nicht verpassen wollt, abonniert gerne unseren Kanal und wir freuen uns natürlich auch immer auf den Plattformen, wo das möglich ist, wenn ihr uns 'ne Bewertung gebt oder wenn ihr Anregungen und Themenwünsche habt an podcast@camperstyle.de.
Ja, schauen wir auch regelmäßig rein und gucken dann, was wir da auch übernehmen wollen. Dann wünsche ich euch jetzt erst mal ein schönes Wochenende. Dir natürlich auch, liebe Katja, und wir hören uns dann nächste Woche gleiche Zeit, gleicher Ort wieder. Bis dann. Tschüss.
Tschüss.