Die Kühlbox läuft, der Laptop hängt am Ladekabel, abends brennt Licht bis Mitternacht. Am dritten Tag ohne Landstrom ist die Powerstation leer. Wer einmal zu knapp gerechnet hat, kauft danach nicht mehr nach Bauchgefühl.
Vor dem Kauf lohnt sich deshalb eine ehrliche Rechnung. Nicht jeder Verbrauch rechtfertigt eine große Powerstation, dazu später mehr. Zuerst geht es um die richtige Zahl.
Inhaltsverzeichnis
- Watt, Wattstunden und was auf dem Typenschild steht
- Beispielrechnung für ein typisches Reisemobil
- Von der Tageszahl zur richtigen Kapazität
- Versteckte Verluste: Wechselrichter und Ladewege
- Nachladen: Fahrt, Solar und Landstrom
- Worauf du beim Kauf achten solltest
- Lohnt sich eine Powerstation überhaupt?
- Welche Größe für wen?
- Unsere Empfehlungen nach Preisklasse
- Alternative: die fest eingebaute Aufbaubatterie
- Fazit
Watt, Wattstunden und was auf dem Typenschild steht
Leistung und Verbrauch berechnen
Jedes Gerät hat eine Leistungsangabe in Watt (W). Du findest sie meist auf einem Aufkleber oder im Datenblatt.
- Steht auf dem Datenblatt nur die Stromstärke, rechnest du um: Watt = Volt × Ampere
Ein 12-Volt-Gerät mit 4 Ampere hat also 48 Watt. - Für die Kapazität zählt der Energieverbrauch in Wattstunden (Wh). Den bekommst du mit einer einfachen Formel: Leistung × Laufzeit
Eine 10-Watt-Lampe, die 5 Stunden brennt, braucht 50 Wh.
Die Angabe auf dem Typenschild ist meist die Nenn- oder Maximalleistung. Geräte wie Kühlboxen takten, sie laufen also nicht die ganze Zeit mit voller Leistung. Der echte Verbrauch liegt deshalb oft niedriger.
Beim Einschalten ziehen manche Geräte kurz deutlich mehr. Am genauesten wird es, wenn du nachmisst: mit einem Messstecker zu Hause oder mit der Anzeige bzw. App deiner Powerstation.
Beispielrechnung für ein typisches Reisemobil
So setzt sich ein realistischer Tagesverbrauch zusammen:
Gerät | Leistung | Nutzung | Verbrauch pro Tag |
|---|---|---|---|
LED-Beleuchtung | 10 W | 5 Stunden | 50 Wh |
Kompressor-Kühlbox | 45 W | 24 Stunden, Kompressor läuft ca. 30 % der Zeit | ca. 325 Wh |
Smartphone laden | 10 W | 2 Stunden | 20 Wh |
Laptop (über USB-C) | 65 W | 2 Stunden | 130 Wh |
Wasserpumpe | 30 W | 30 Minuten | 15 Wh |
Summe | ca. 540 Wh |
Die Kühlbox ist der größte Posten. Wie viel sie braucht, hängt stark von Außentemperatur, Isolierung und eingestellter Temperatur ab. An heißen Tagen läuft der Kompressor häufiger. Dann sind auch 400 Wh und mehr drin. Bei vielen Kompressor-Kühlboxen stehen Verbrauchswerte pro 24 Stunden im Datenblatt. Die helfen bei der Planung mehr als die reine Wattzahl.
Eine Absorberkühlbox gehört nicht an die Powerstation. Sie braucht mit 2.400 bis 3.600 Wh pro Tag ein Vielfaches und leert selbst große Geräte in weniger als einem Tag.
Und die 540 Wh sind eher die sparsame Variante. Mit Fernseher am Abend, zweitem Laptop oder Heizungsgebläse kommst du schnell auf 900 bis 1.000 Wh pro Tag.
Von der Tageszahl zur richtigen Kapazität
Die Wattstunden auf dem Karton kommen nicht vollständig bei deinen Geräten an. Beim Umwandeln der Spannung geht Energie verloren. Rechne mit etwa 85 bis 90 Prozent nutzbarer Kapazität auf der 230 Volt Seite. Plane dann noch etwas Reserve für heiße Tage, Alterung und Unvorhergesehenes ein, so 20%. Dazu 10% Verluste, macht 30% mehr Kapazität als du verbrauchst:
Benötigte Kapazität = Tagesverbrauch × 1,3 × Autarkietage
Für unser Beispiel mit 540 Wh und zwei Tagen ohne Nachladen heißt das:
540 Wh x 1,3 × 2 ≈ 1.404 Wh
Eine Powerstation mit 1.000 Wh bringt dich also gut über einen Tag. Wer zwei Tage autark stehen will, sollte eher Richtung 1.500 bis 2.000 Wh schauen.
Die Entladetiefe musst du bei einer Powerstation nicht extra einrechnen. Das eingebaute Batteriemanagement schützt den Akku bereits vor Tiefentladung.
Versteckte Verluste: Wechselrichter und Ladewege
Sobald du die 230-Volt-Steckdose der Powerstation nutzt, arbeitet der Wechselrichter. Er wandelt die Akkuspannung in Netzspannung um und kostet dabei Energie. Lädst du dein Handy über ein normales 230-Volt-Netzteil, brauchst du 20 bis 30 Prozent mehr Energie als direkt über USB. Dazu kommt der Leerlaufverbrauch: Ein eingeschalteter Wechselrichter zieht auch Strom, wenn gerade nichts angeschlossen ist. Je nach Gerät sind das einige Watt, über 24 Stunden kommt da einiges zusammen.
Deshalb gilt:
Handy, Tablet und Laptop über USB-C laden, nicht über das 230-Volt-Netzteil. Bei Laptops brauchst du dafür im Normalfall einen USB-C Anschluss mit PD, also Power Delivery. Das steht immer dabei.
12-Volt-Geräte wie die Kühlbox direkt am 12-Volt-Ausgang betreiben.
Die AC-Seite (230 Volt) nur einschalten, wenn du sie brauchst.
Nachladen: Fahrt, Solar und Landstrom
Nachladen während der Fahrt klingt praktisch, bringt aber wenig. An der 12-Volt-Steckdose laden die meisten Powerstations mit etwa 100 bis 120 Watt. Eine halbe Stunde Fahrt bringt also rund 50 bis 60 Wh. Das reicht nicht mal für die Kühlbox über einen halben Tag.
Solar hilft mehr, aber nur bei gutem Wetter. Ein 100-Wp-Modul liefert an einem idealen Sommertag in Deutschland bis zu etwa 500 Wh. Das setzt rund fünf Stunden volle Sonne und eine gute Ausrichtung voraus. Bei Wolken, Schatten oder flachem Sonnenstand ist es deutlich weniger. Im Winter kannst du mit Solar kaum planen. Für eine spürbare tägliche Nachladung einer 2.000-Wh-Powerstation brauchst du eher 200 Wp oder mehr.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Die Kapazität ist nur eine Zahl. Diese Punkte sind genauso wichtig:
Dauerleistung des Wechselrichters: Sie muss für dein stärkstes Gerät reichen, plus 20 bis 25 Prozent Puffer. Für Wasserkocher und Kaffeemaschine brauchst du 1.500 Watt und mehr, für Föhn oder Induktionsplatte bis zu 2.000 Watt.
Reiner Sinus: Empfindliche Geräte wie Espressomaschinen brauchen eine saubere Sinusspannung. Bei den etablierten Herstellern ist das inzwischen Standard, bei Billiggeräten nicht immer.
Akkutyp LiFePO4: Lithium-Eisenphosphat ist sicherer und hält länger als klassisches Lithium-Ionen. Gute Geräte haben nach 3.000 bis 4.000 Ladezyklen noch 70 bis 80 Prozent ihrer Kapazität.
Anschlüsse: Mindestens ein USB-C-Anschluss mit Power Delivery für den Laptop und ein 12-Volt-Ausgang für die Kühlbox.
Gewicht: Jedes Kilo geht von der Zuladung ab. Ab etwa 2.000 Wh wird es schwer, eine Powerstation noch bequem zu tragen.
Lohnt sich eine Powerstation überhaupt?
In unserer Podcastfolge „Powerstations & Solar fürs Camping – was lohnt sich wirklich?" haben wir das nachgerechnet. Das Ergebnis ist ernüchternd: Über gesparte Stromkosten rechnet sich eine Powerstation fast nie.
Ein Beispiel: Eine kleine Jackery 500 mit Solarpanel kostet rund 530 Euro. Wer damit nur Handy, Tablet und Laptop lädt, spart auf einer zweiwöchigen Reise 1,50 bis 3 Euro Campingplatzstrom. Selbst bei 80 Cent pro Kilowattstunde bräuchte es 88 bis 176 Jahre, bis sich das Gerät bezahlt macht. Bei einer ganzen Familie sind es immer noch über 20 Jahre.
Rechnen kann sich eine Powerstation auf einem anderen Weg: Du kannst Plätze ohne Stromanschluss nutzen. Der private Stellplatz für 15 Euro statt des Campingplatzes für 35 bis 40 Euro pro Nacht spart schnell mehr als jede Kilowattstunde. Für die meisten ist eine Powerstation trotzdem vor allem ein Komfortkauf. Das ist völlig in Ordnung, solange man es weiß.
Welche Größe für wen?
Wochenend-Camper mit Handy, Licht und Tablet (rund 130 Wh pro Tag): 300 bis 500 Wh reichen für drei bis vier Tage. Solar brauchst du dafür nicht.
Komfort-Camper mit Kompressor-Kühlbox, Laptop und etwas TV (rund 500 bis 1.000 Wh pro Tag): 1.000 bis 1.500 Wh für ein bis zwei Tage Autarkie. Ein kleines Solarmodul mit 100 Wp verlängert das bei gutem Wetter.
Camper mit Kaffeemaschine, Föhn oder Induktion (1.500 Wh pro Tag und mehr): ab 2.000 Wh, dazu mindestens 200 Wp Solar. Wer so viel verbraucht, sollte sich auch eine fest eingebaute Aufbaubatterie anschauen.
Unsere Empfehlungen nach Preisklasse
Alle vier Geräte stammen von etablierten Herstellern und haben LiFePO4-Akkus. Die Preise schwanken stark, Aktionen sind häufig.
EcoFlow River 3 Plus
286 Wh, 600 W Dauerleistung, 4,7 kg, ca. 250 bis 350 Euro. Passt für Wochenenden mit Handy, Licht und Laptop. Klein genug, um es auch mit ins Zelt oder an den Strand zu nehmen.
Mittelklasse:
Anker SOLIX C1000 Gen 2
Reicht für Kühlbox und Elektronik über einen Tag. Die hohe Dauerleistung schafft auch mal den Wasserkocher.
1.024 Wh
2.000 W Dauerleistung
11,3 kg
ca. 550 bis 900 Euro.
Oberklasse:
Jackery Explorer 2000 v2
Für Komfort-Camper, die zwei Tage autark stehen wollen. Kleiner Nachteil: Solar lädt nur mit maximal 400 Watt.
2.042 Wh, 2.200 W Dauerleistung
17,5 kg
ca. 1.100 bis 1.600 Euro (aktuell bei Jackery für 899,00 Euro - Stand September 2026).
High-End:
EcoFlow Delta Pro 3
Betreibt auch Induktionsplatte und Föhn und lässt sich erweitern. Mit über 50 Kilo ist das aber keine tragbare Powerstation mehr. Prüfe vorher deine Zuladung.
4.096 Wh
4.000 W Dauerleistung
51,5 kg
ca. 3.600 bis 4.000 Euro
Alternative: die fest eingebaute Aufbaubatterie
Bei hohem Verbrauch ist oft eine Aufbaubatterie die bessere Lösung. Sie lädt während der Fahrt über die Lichtmaschine deutlich schneller, braucht keinen Platz im Stauraum und lässt sich mit Solar auf dem Dach kombinieren.
Hier musst du die Entladetiefe einrechnen. Blei-, AGM- und Gelbatterien solltest du nur bis etwa 50 Prozent entladen, LiFePO4-Batterien bis 80 bis 90 Prozent. Für die 1.500 Wh aus unserem Beispiel heißt das bei 12 Volt:
LiFePO4: rund 140 Ah, etwa 15 kg
AGM: rund 250 Ah, über 70 kg
Der Gewichtsunterschied ist enorm. Für die meisten Reisemobile ist LiFePO4 deshalb die bessere Wahl, auch wenn sie mehr kostet.
Fazit
Ob die Powerstation passt, entscheidet nicht die größte Zahl auf dem Karton, sondern dein Reisemuster. Wer meist auf Plätzen mit Landstrom steht, kommt mit einem kleinen Gerät aus oder braucht gar keins. Wer regelmäßig frei steht, rechnet seinen Tagesverbrauch ehrlich aus, plant Reserve ein und kauft dann passend. Eine Powerstation, die die meiste Zeit im Schrank liegt, ist zu teuer, egal wie günstig sie war.



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