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Seit über 50 Jahren gebaut, jetzt mit Klo: Kann das Kult-Ei aus Polen gegen die türkischen Mini-Caravans bestehen?

Der Mini-Wohnwagen Niewiadow N126 ET von außen

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Weiß-blaue Wellen, runde Ecken, ein Gehäuse aus einem Guss. Wer in den 80ern in Polen oder der DDR Camping gemacht hat, erkennt diesen Kult-Caravan sofort wieder: den Niewiadow N126 ET.

Der N126 wird bereits seit 1973 gebaut. Damals stand er noch auf dem Rahmen des Fiat 126p, daher der Name. Heute ist er einer der Mikro- bzw. Mini-Wohnwagen, die am längsten fast unverändert in Serie gebaut werden.

Das „ET“ im Namen steht für die Version mit Toilettenraum. In einen Aufbau von 270 Zentimetern Innenlänge packt Niewiadow eine Küche, eine Sitzgruppe mit Doppelbett und einen geschlossenen Waschraum mit Kassettentoilette. Das zulässige Gesamtgewicht: 750 Kilo.

Damit tritt der Klassiker gegen zwei etwa gleich kompakte Neulinge aus der Türkei an: den Tosbiq TK 240 und den Ankaravan Micro 240. Wer macht das Rennen?

Das Ei aus Polen: Aufbau und Maße

Der Aufbau des N126 ET besteht komplett aus GFK, also glasfaserverstärktem Kunststoff. Darunter sitzt ein geschweißter, feuerverzinkter Stahlrahmen mit AL-KO- oder Knott-Achse. Holz, das faulen könnte, gibt es in der Außenhaut nicht.

Unter dem Dach steckt ein Hubdach mit Moskitonetz. Ausgeklappt erweitert sich die Stehhöhe innen auf knapp 185 Zentimeter.

Die Maße laut Datenblatt am Messestand:

  • Gesamtlänge (mit Deichsel): 388 cm

  • Breite: 194 cm

  • Höhe: 218 cm

  • Innenraum: 270 × 184 cm

  • Liegefläche: 184 × 122 cm

Die deutsche Niewiadow-Seite nennt leicht abweichende Werte (395 × 195 × 223 cm). Je nach Ausstattung und Messmethode schwanken die Angaben also um ein paar Zentimeter.

Beim Gewicht wird es spannend. Das Leergewicht liegt laut Niewiadow Deutschland bei 570 Kilo. Händler miniCaravan gibt jedoch nur 111 Kilo Zuladung an – was eher auf rund 640 Kilo hindeutet. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 750 Kilo, auf Wunsch lässt sich der Mini-Wohnwagen auf 900 Kilo auflasten. Zugelassen ist er für Tempo 100.

Niewiadow N126 ET von außen

Grundriss und Ausstattung: umbaubare Sitzgruppe, Küche, Klo, Batterie

Vorne quer sitzt die Küche, hinten die Sitzgruppe, der kleine Waschraum ist fest im Aufbau integriert. Abends wird aus dem Sitzbereich eine Schlafgelegenheit mit 184 × 122 Zentimetern. Als Paar wird es etwas eng, für eine Person alleine reicht es, sofern man nicht allzu groß ist. Eine dritte Schlafgelegenheit gibt es in diesem Modell nicht.

In der Serienausstattung stecken:

  • 2-Flammen-Gaskocher und Spüle mit versenkbarem Wasserhahn

  • Dometic-Kompressorkühlschrank (je nach Quelle 50 bzw. 57 Liter)

  • 10-Liter-Wasserkanister mit Tauchpumpe

  • geschlossener Waschraum mit Klappwaschbecken und Thetford-Kassettentoilette

  • 80-Ah-Batterie, Ladegerät 12 V/230 V, USB-Steckdose, LED-Licht innen und am Vorzelt

  • Rollos mit Moskitonetzen, Stoßdämpferfahrwerk, Reserverad, Einstiegstritt

Was hier fehlt: eine Dusche. Der ET ist ein Toiletten-Modell, kein Bad-Modell. Auch Heizung, Solar und Markise sind nicht serienmäßig an Bord.

Was kostet der N126 ET?

Der Basispreis auf der Messe: 15.060 Euro. Die Niewiadow-Webseite nennt „ab 14.620 Euro“.

Das Messefahrzeug war mit folgenden Extras ausgestattet:

Extra

Preis

Truma-Gasheizung S 2200

1.395 €

Alufelgen (Satz)

289 €

Auflastung von 750 auf 900 kg

235 €

Antischlingerkupplung AL-KO AKS 3004

230 €

Moskitonetz für die Tür

222 €

Vorbereitung Fahrradträger

60 €

Endpreis inkl. Extras

17.491 €

Dazu kommen 795 Euro Bereitstellung und 99 Euro für COC-Papiere, Zulassungsbescheinigung und Gasprüfung. Auf der Messe gab es 5 Prozent Rabatt auf die gesamte Bestellung, damit lag der Wagen bei 16.615 Euro plus Nebenkosten.

Unser Tipp: Die Heizung solltest du mitbestellen, wenn du nicht nur im Hochsommer unterwegs bist. Sie ist mit Abstand das teuerste Extra, macht den kleinen Wagen aber erst tauglich für kühleres Wetter.

Niewiadow vs. Tosbiq vs. Ankaravan: Der Vergleich

Niewiadow N126 ET

Tosbiq TK 240

Ankaravan Micro 240

Herkunft

Polen, seit 1973

Türkei

Türkei (Vertrieb Berlin)

Gesamtlänge

388 cm

388 cm

390 cm

Aufbau-/Innenlänge

270 cm innen

240 cm innen

240 cm Aufbau

Breite

194 cm

200 cm

200 cm

Höhe

218 cm

ca. 240 cm

245 cm

Stehhöhe

185 cm (Hubdach)

183 cm

190 cm

Leergewicht

570–640 kg

640 kg

ab 440 kg

zGG

750 kg (900 kg optional)

1.000 kg (750 kg möglich)

750 kg

Bett

184 × 122 cm

191 × 130 cm

194 × 130 cm

Sanitär

Kassettentoilette, keine Dusche

Toilette, ausziehbare Dusche

Toilette (Kassette im Ultra-Paket), Außendusche

Wasser

10-l-Kanister

40 l

55 l

Kühlschrank

50–57 l

90 l

50 l ab Voll-Paket, 138 l ab Premium

Kochen

Gas

Induktion (230 V)

Elektro (230 V)

Heizung

Truma-Gas (Aufpreis)

Diesel serienmäßig

Diesel ab Voll-Paket

Solar

nein

205 W

ab Voll-Paket

Preis

ab 15.060 €

16.999 €

10.000–16.000 €

Form: Ei gegen Box

Optisch trennen die drei Welten. Der N126 ET ist ein rundes Ei aus GFK, flach und schmal. Mit 218 Zentimetern Höhe ist er gut 20 Zentimeter niedriger als die beiden Türken und etwas schmaler. Stehhöhe bekommt er erst durch das Hubdach.

Tosbiq und Ankaravan sind hohe Boxen mit festem Dach. Dafür kannst du sofort drinnen stehen, ohne erst etwas aufzuklappen.

Ausstattung: Der Polen-Klassiker ist spartanischer

Beim Komfort liegen die Neulinge vorn. Beide haben eine Duschmöglichkeit, eine Dieselheizung und Solar an Bord, der Tosbiq sogar einen 90-Liter-Kühlschrank. Der Niewiadow bleibt beim klassischen Gas-Konzept: Gaskocher, auf Wunsch Gasheizung, keine Dusche.

Das hat auch Vorteile. Gas funktioniert ohne Landstrom, während das Induktionsfeld im Tosbiq nur am 230-Volt-Anschluss läuft. Und weniger Technik bedeutet weniger, was kaputtgehen kann.

Preis: Am Ende liegen alle nah beieinander

Nackt ist der Ankaravan mit rund 10.000 Euro am günstigsten, allerdings ohne gebremste Achse, Solar und Heizung. Mit vergleichbarer Ausstattung landen alle drei zwischen 15.000 und 17.500 Euro.

Der Unterschied liegt woanders: Niewiadow hat über 50 Jahre Serienerfahrung, ein Händlernetz in Deutschland und gute Wiederverkaufswerte. Bei Tosbiq und Ankaravan solltest du COC-Papiere, Gewährleistung und Ersatzteilversorgung genauer prüfen.

Eignet sich der N126 ET für ein E-Auto?

Hier spielt der Niewiadow seine größte Stärke aus. Mit 750 Kilo zGG braucht dein Zugfahrzeug nur 750 Kilo gebremste Anhängelast. Das schaffen auch viele kleinere Stromer. Die Anhängelast findest du im Fahrzeugschein unter O.1. Gleichauf liegt hier nur der Ankaravan Micro 240, der ebenfalls 750 Kilo zGG hat und mit einem Gewicht ab 440 Kilo noch leichter ist.

Auch beim Führerschein bist du auf der sicheren Seite: Ein Anhänger bis 750 Kilo zGG ist mit Klasse B immer erlaubt, sofern dein Zugfahrzeug unter 3,5 t zGG bleibt. Beim Tosbiq mit 1.000 Kilo brauchst du dafür ein Auto mit höchstens 2.500 Kilo zGG, sonst B96 oder BE.

Lässt du auf 900 Kilo auflasten, gilt für Auto und Führerschein das Gleiche wie beim Tosbiq. Die Auflastung lohnt sich deshalb nur, wenn beides passt.

Für die Reichweite zählt vor allem die Stirnfläche. Und die ist beim flachen, runden N126 ET deutlich kleiner als bei den höheren und kantigeren Konkurrenten. Da kann auch der leichtere Micro 240 nicht mithalten. Das dürfte sich beim Verbrauch positiv bemerkbar machen.

Fazit: Für wen lohnt sich der Niewiadow N126 ET?

Der N126 ET ist der Mini-Caravan für Paare und Alleinreisende, die es simpel mögen und mit ihrer Körpergröße ins relativ kurze, schmale Bett passen. Er ist leicht, flach, mit jedem B-Führerschein zu ziehen und passt hinter fast jedes E-Auto. Die eigene Toilette erspart den nächtlichen Gang über den Platz.

Wer duschen will, viel Kühlraum braucht oder autark mit Solar stehen möchte, ist bei Tosbiq oder Ankaravan besser aufgehoben. Dafür kauft man beim Niewiadow ein Konzept, das seit über 50 Jahren funktioniert, mit deutschem Händlernetz dahinter.

2 Kommentare

  1. Brigitte
    Niewiadow ist leider sehr schlecht verarbeitet. Ich habe einen N126NT.......
  2. Reimund Geck
    Sehr gut😀

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Nele Landero Flores

Träumte seit ihrer Kindheit von einem Leben auf Rädern. Tourt jetzt mit Mann und Hund ganzjährig im Wohnwagen durch Europa und verbringt die kalten Wintermonate in Mexiko. Expertin für Caravan, Camping-Ausstattung, Reise-(Geheim)Tipps, Dauerreisen und Arbeiten unterwegs. Lieblingsspots: Andalusien, Baskenland, Albanien & Mexiko.

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