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Taugt eine Absetzkabine wirklich fürs Grobe? Mein Test mit dem Ford Ranger in Montenegro

Tischer Absetzkabine auf Ford Ranger in MontenegroSebastian Vogt

Camping-Fahrzeuge

Bei Google bevorzugen

Ich war 14 Tage mit einem Ford Ranger und einer Tischer Box 230 S in Montenegro unterwegs. Es war meine erste Reise mit einer Absetzkabine, und sie hatte alles: einsame Bergrücken, einen wilden Stein im Angriffsmodus, eine tote Drohne und einen Raki zu viel. Hier erzähle ich, was ich alles erlebt habe und wie sich die Kabine dabei geschlagen hat.

Wenn ich von den zwei Wochen nur ein einziges Bild behalten dürfte, dann dieses: Der Ranger steht auf einem Bergrücken auf 1.500 Metern über Kotor. Vor uns fällt der Hang Richtung Fjord ab, hinter uns das bergige Hinterland. Unten schiebt sich ein Kreuzfahrtschiff aus der Bucht, um uns herum nichts als Fels, Wind und ein paar Tiere. In zwei Tagen dort oben haben wir genau zwei Radfahrer gesehen. Das Fahrzeug wirkt in dieser Landschaft winzig, und genau das ist der Punkt: Wir standen mit vollem Wohnkomfort an einem Ort, an dem sonst niemand steht.

Dafür bin ich Camper geworden. Und dafür, das kann ich nach dieser Tour sagen, ist so eine Absetzkabine gebaut.

Aber der Reihe nach. Beziehungsweise gerade nicht, denn chronologisch wird das hier nichts. Ich sortiere lieber nach dem, was hängen geblieben ist.

Transparenzhinweis: Fahrzeug und Kabine wurden uns von Tischer im Rahmen einer Kooperation für diese Reise zur Verfügung gestellt. Alle im Text geschilderten Eindrücke und Meinungen, inklusive der Kritikpunkte, sind meine subjektiven Empfindungen. Eine Einflussnahme auf den Inhalt unserer Tests und Erfahrungsberichte durch die Hersteller ist grundsätzlich nicht möglich.

Das Setup: ein auffälliger Ford Ranger mit kompakter Kabine

Mein Kumpel Gregor und ich waren mit einem Ford Ranger Doppelkabine in "Space Orange" unterwegs, darauf eine Tischer Box 230 S mit 20 Zentimetern Alkovenverlängerung. Übersetzt: knapp 5,90 Meter lang, 2,10 Meter breit, mit Fahrzeug 3,15 Meter hoch. Für mich war es die erste Absetzkabine überhaupt, in der ich je gestanden habe. Für Gregor auch, wobei der sonst in einem Toyota Aygo campt und damit ungefähr so viel Wohnraum gewohnt ist wie ich in meiner Duschkabine.

Gregor und Sebastian im Ford Ranger
Gregor und Sebastian im Ford Ranger vor der Abfahrt

Warum überhaupt Montenegro, warum überhaupt Pickup? Schuld ist Gregor. Der brachte erst das Land ins Spiel (ein Arbeitskollege stammt von dort) und dann die Idee, richtig in die Berge zu fahren, weit weg von allem. Mein alter Mercedes hätte das Gelände vielleicht mitgemacht, aber zu zweit darin schlafen wollte ich uns beiden nicht antun. Die logische Antwort: geländegängiges Fahrzeug unten, richtiges Zuhause oben.

Wohnen auf drei Quadratmetern: besser als gedacht

Mein erster Gedanke beim ersten Öffnen der Kabinentür war wörtlich: "Oh, hier ist aber viel Platz." Von außen sieht so eine Kabine nach einer besseren Gepäckbox aus. Innen stehst du dann mit 1,95 Metern aufrecht, Gregor mit seinen fast zwei Metern auch, und wunderst dich, wo der Raum herkommt.

Die Grundfläche unten, ohne Alkoven und Bad, sind vielleicht drei Quadratmeter. Klingt nach recht wenig. Der erste richtige Test kam auch direkt am ersten Abend. Gregor stand an der Küchenzeile, kochte auf dem Zweiflammkocher und bediente sich am Gewürzregal, ich saß in der Dinette und war hauptsächlich im Weg. Dachte ich. War ich aber nicht, denn genau dafür ist das Ding gebaut: Der Tisch hat drei versetzte Drehgelenke und lässt sich in jede denkbare Position schieben, auch in die, in der ein Sitzender und ein Kochender sich nicht auf die Füße treten. Wir haben einige Minuten gebraucht, um das System zu kapieren. Danach wollte ich so einen Tisch auch zu Hause.

Die Tischer Box 230 S von innen
Die Tischer Box 230 S von innen

Überhaupt ist auf diesen drei Quadratmetern nichts zufällig. Der Kühlschrank ist so groß, dass Nele im Videocall erst mal gefragt hat, ob der da reingehört. Das Waschbecken im Mini-Bad klappt hoch und gibt genau den Platz frei, der so einer Nasszelle sonst fehlt. Stauraum gibt es an Stellen, wo ich keinen erwartet hätte. Und die Dinette ist offiziell für vier Menschen gedacht, was wir später noch ausprobiert haben. 

Und dann der Alkoven. Wer mich kennt, weiß: Ich war erklärter Alkoven-Skeptiker. In unserem alten Wohnmobil lag man da oben wie in einem Briefumschlag. Es war ein altes Euramobil. Alleine im Alkoven schlafen war kein Problem. Zu zweit ging nicht. Wir bekamen Platzangst.

Hier: 1,50 mal 2 Meter Bett, Fenster auf beiden Seiten, so viel Kopffreiheit, dass ich mit leicht eingezogenem Kopf sitzen konnte. Ich habe da oben zwei Wochen hervorragend geschlafen und nehme hiermit öffentlich alles zurück, was ich je über Alkoven gesagt habe. Fast alles.

Alkoven in der Tischer Box 230 S
Alkoven in der Tischer Box 230 S

Der Alltag spielte sich schnell ein, ganz ohne große Absprachen. Einer kümmert sich beim Ankommen um die Stützen und den Strom, ich übernehme Ver- und Entsorgung (nach Jahren im Wohnmobil habe ich da keinerlei Berührungsängste mehr), Gregor kocht. Vor der Abfahrt einmal durchgehen: Schränke zu, Pushlocks rein, Kühlschrank verriegelt. Letzteres habe ich genau einmal vergessen. Seitdem weiß ich, wie eine Kabine riecht, in der sich Chili-Crisp-Öl und Miso gemeinsam über den Kühlschrankboden verteilt haben. Zwei Wochen lang.

Kochen in der KabineSebastian Vogt
Kaffee kochen in der Kabine

Nur beim Thema Temperatur herrschte Kalter Krieg, im Wortsinn. Gregor schlief unten auf der umgebauten Sitzbank und fror gern, ich lag oben unter der Decke im Warmluftstau und bin nachts zwischendurch mit dem Kopf nahe ans Fenster gegangen, um nicht gedünstet zu werden. Die Heizung selbst war über jeden Zweifel erhaben: schnell warm, hält die Temperatur, läuft auf Gas oder Strom und lässt sich per App vom Bett aus bedienen. Warmwasser sofort. Das ist der Komfort, von dem ich rede, wenn ich sage: Das Ding ist ein vollwertiges kleines Wohnmobil, kein Kompromiss.

Autark waren wir übrigens auch besser als erwartet. Lithiumbatterie, 120 Watt Solar auf dem Dach, Kompressorkühlschrank, 100 Liter Wasser plus 40-Liter-Kanister: Die Batterie war trotz Dauerbetrieb praktisch immer voll, bevor wir überhaupt nachdenken mussten. Der limitierende Faktor beim Freistehen war am Ende nicht der Strom, sondern die Kassettentoilette. Dazu später noch ein ehrliches Wort.

Der Tag, an dem uns ein Stein angegriffen hat

Meine Frau hatte einen Tag vorher noch im Scherz geschrieben, wir könnten ja eine Folge machen: "Alle Fehler, die du bei einem Roadtrip durch Montenegro nicht machen solltest – von uns für euch getestet." Acht Stunden später hatten wir mehr Abenteuer als wir eigentlich wollten.

Enger Bergweg, links zwei große Steine, rechts der Abhang. Ich habe brav nach rechts geschaut, weil Abhang, und mich dabei offenbar einen Hauch zu weit nach links orientiert. Es machte laut "Pssssch", und hinten links waren plötzlich zwei fünf, sechs Zentimeter lange Schlitze im Reifen. Nichts, was man flickt. Dazu: Hanglage, kaum Platz, Hunger, und Empfang hatten wir ein bisschen Edge. Mit Edge ziehst du bekanntlich keine Butter vom Brot. Und Webseiten aufrufen klappt auch kaum.

Was dann kam, war Improvisationstheater in drei Akten. Erster Akt: Router-Antenne von Hand Richtung der einzigen Zivilisation ausrichten, die in der Ferne zu sehen war. Ergebnis: zwei Balken 4G, genug für die Recherche, wo Ford beim Ranger den Wagenheber versteckt (unter der vollgepackten Rücksitzbank) und wie das Ersatzrad herunterkommt (mit einem Verlängerungsstab, den man über dem Nummernschild einführt, nachdem man dessen Halterung abgeschraubt hat; muss man erst mal drauf kommen). Zweiter Akt: Reifenwechsel am Hang, viel unter dem Fahrzeug liegen, und hier zahlte sich die Kabine zum ersten Mal richtig aus, denn mit den Kurbelstützen konnten wir das Fahrzeug zusätzlich sichern und stabilisieren. Dritter Akt: die komplette Strecke rückwärts wieder raus, weil vorne der Weg steil wurde und wir ohne Ersatzrad kein Risiko mehr eingehen wollten.

Reifenwechel mit Gefälle in MontenegroSebastian Vogt
Reifenwechel mit Gefälle in Montenegro

Natürlich passierte das alles am Freitagabend vor einem Feiertag. Und natürlich hat Montenegro nach dem 1. Mai noch einen 2. Mai, ebenfalls Feiertag, was uns ein hilfsbereiter Einheimischer mit Händen und Füßen erklärte, während wir vor der verschlossenen Werkstatt standen. Der Werkstattbesitzer, dessen Geschäftsmodell erkennbar darin besteht, Touristen mit Reifenpannen aus dem Durmitor zu retten, kam trotzdem, sprach kein Wort Englisch, hatte aber Google Translate und beste Laune. Von ihm lernten wir außerdem die Montenegro-Regel, die so nirgendwo im Internet steht und die wir einfach glauben mussten: Reifen gibt es nur im Zweierpack. Also kauften wir zwei, verbrachten zwei unfreiwillige Ruhetage mit Bergblick am Canyon-Eingang (Zwangsentschleunigung, inklusive spontaner Quad-Tour gegen die Langeweile) und fuhren ab Montag mit einem Ersatz-Ersatzreifen auf der Rückbank weiter. Sicher ist sicher.

Mein Learning daraus, ganz unironisch: Genau für solche Tage will man ein robustes Setup und ein Fahrzeug, das einen da oben nicht im Stich lässt. Der platte Reifen war Pech. Und das kann immer passieren.

Wo die Grenzen liegen (Spoiler: nicht da, wo ich dachte)

Siehst du den Ranger mit der Kabine?Sebastian Vogt
Siehst du den Ranger mit der Kabine?

Vorab zur Ehrenrettung von Land und Kabine: Beide können nichts dafür. Wir haben uns für die erste Tour mit einem drei Meter fünfzehn hohen Gespann die Strecken ausgesucht, die man sich sinnvollerweise fürs dritte Mal aufhebt. Oder besser nur mit einem Geländewagen ohne hohe Kabine erkundet.

An der Technik ist es nie gescheitert. Der Ranger ist jeden Anstieg hochmarschiert, als wäre nichts, Schotter, Steilstücke, alles kein Thema. Gescheitert sind wir an Dingen, die in keinem Datenblatt stehen: an einer halben Meter hohen Schneewehe 500 Meter vor dem Pass. An Bäumen, deren Äste genau auf Kabinenhöhe hingen, weil da oben eben keine Lkw mehr fahren, die sie zurechtstutzen. Einmal mussten wir tatsächlich die Säge auspacken. 

Auf dem Weg zu einem Park4Night-Spot mit stolzer "4x4"-Kennzeichnung, der sich als immer engerer Hohlweg mit Felskanten, tiefer Fahrrinne und finaler Steilkurve entpuppte. Mit dem nackten Pickup wären wir durchgekommen. Mit Kabine hieß es: in etwa 50 Zügen wenden, rückwärts raus, und den umgestürzten Baum, an dem wir uns auf dem Hinweg vorbeigemogelt hatten, hat Gregor mit Gartensäge und Axt in mühevoller Arbeit von dem Weg entfernt. Ein frisch gefallener Baum ist übrigens deutlich schwerer, als er aussieht. Ich wollte ihn "eben rüberziehen". Gregor sagte nur: "Mach mal." 

Manchmal muss die Säge ran, wenn man nicht wieter kommtSebastian Vogt
Manchmal muss die Säge ran, wenn man nicht wieter kommt

Dazu kamen die 48 Kilometer einspurige Serpentinen durch einen Canyon, links 600 Meter Luft, rechts der Fels, aus dem die Fahrspur geschlagen ist. Als Fahrer fand ich das großartig, ich gerate da in einen Flow und will gar nicht mehr aufhören. Gregor auf dem Beifahrersitz fand es, sagen wir, mittelgroßartig. Beifahrer sein heißt ausgeliefert sein.

Und dann war da noch die Drohne. Steppenartiges Hochplateau, keine Stromleitungen, niemand da, perfekte Bedingungen für Fahraufnahmen. Ich steuere vom Beifahrersitz aus, Gregor sagt: "Guck mal kurz nach dem Stein." Nach unseren Erfahrungen mit Steinen habe ich selbstverständlich sofort nach dem Stein geguckt. Als ich zurück aufs Display schaute, zeigte es nur noch Rauschen. Wir fanden die Drohne auf dem Rücken liegend, alle viere von sich gestreckt, Bein gebrochen, Gimbal gebrochen, Gehäuse geplatzt. Totalschaden nach sieben Jahren treuer Dienste. Das hat mir für einen Tag ernsthaft die Laune verhagelt, und die Milchstraßenfotos, die ich als Trost geplant hatte, hat uns dann konsequent der Vollmond versaut. Jede. Einzelne. Nacht.

Die Drohne hat es nicht überlebtSebastian Vogt
Die Drohne hat es nicht überlebt

Falls es jemand mitzählt: Der Reifen war der Stein, die Drohne war der Stein, die Milchstraße war der Mond. Die Natur hatte in diesen zwei Wochen eindeutig einen Lauf gegen uns. Also ein bisschen.

Almira

Am Ende des längsten und nervigsten Tages der Reise (Umleitung über zwei Pässe, aus drei Kilometern Landstraße wurden 30 Kilometer frisch aufgeschüttete Piste, danach die Sackgassen-Nummer mit dem Baum) rollten wir müde und hungrig auf einen kleinen privaten Stellplatz in Bosnien. Heraus kam eine ältere Dame, Almira, die exakt zwei Worte Englisch sprach und uns mit einer Geste empfing, die keine Übersetzung brauchte: No stress, Jungs.

Es folgte ein Abend, den keine Reiseplanung der Welt hätte buchen können. Erst ein Bier auf komplett leeren Magen. Dann stellte sie unaufgefordert Raki auf den Tisch, und stieß mit uns an. 

Gegor und Sebastian treffen Almira in Bosnien
Gegor und Sebastian treffen Almira in Bosnien

Dann noch ein Bier. Irgendwann lag das Handy zwischen uns auf dem Tisch und Google Translate wurde zum Dolmetscher für ein Gespräch, das immer weniger nach Smalltalk klang. 

Sie erzählte vom Krieg. Sie erzählte von ihrem Mann, den sie in der Corona-Zeit verloren hat. Irgendwann erzählte sie von Sniper Safari in Sarajevo während des Krieges. Da steckte mir und Gregor ein dicker Kloß im Hals. 

Wir sind als Müde Camper auf ihren Stellplatz gerollt und als Freunde gefahren. Die besten Momente stehen in keinem Offroad-Guide.

Almiras Platz in BosnienSebastian Vogt
Almiras Platz in Bosnien

Almiras Platz auf Google Maps.

Beichten und Erkenntnisse

Jetzt wird es Zeit für ein paar ehrliche Geständnisse.

Wir haben die Absetzkabine kein einziges Mal abgesetzt. 

Zwei Wochen, null Absetzvorgänge. Es gab schlicht keinen Anlass, und wenn ich ehrlich bin: Ich bin ein Mensch, der solche Handgriffe scheut, wo es nur geht. Verspannung lösen, Kurbeln, Kabel ab, das dauert kein Wochenende, aber es ist eben auch nicht nichts. Ich vermute, ich würde auch mit eigener Kabine meistens einfach mitsamt Kabine zum Einkaufen fahren. Die Stützen selbst waren trotzdem täglich im Einsatz, nur anders als gedacht: als Stabilisatoren gegen das Schaukeln beim Stehen und einmal als Lebensretter beim Reifenwechsel am Hang. Wer schneller absetzt als wir (also überhaupt), macht das mit Akkuschrauber übrigens in wenigen Minuten pro Stütze.

Die Dusche haben wir nie benutzt. 

Geduscht wurde auf Campingplätzen, an warmen Tagen an der Außendusche. Innen duschen heißt hinterher trockenwischen, und dazu waren wir konsequent zu faul. Für meinen Reisestil würde die Außendusche reichen.

Die Chemietoilette und ich werden keine Freunde mehr. 

Sie hat funktioniert, die Kassette ist groß, alles gut. Aber dieses ganze System aus Chemie, Entsorgungsstellen und Reichweite fühlt sich für mich nicht mehr zeitgemäß an. Wenn ich konfigurieren dürfte: Trenntoilette, fertig.

Wir hatten zwei Drittel zu viel dabei. 

Neues Fahrzeug, neue Reiseform, fremdes Land, also haben wir gepackt wie für eine Expedition. Sandbleche: nie gebraucht. Klappspaten: nie gebraucht. Abschleppgurt: nie gebraucht. Anderthalb Paletten Pflanzenmilch: zwei Packungen verbraucht. Restlos aufgebraucht haben wir genau eine Sache, den Großvorrat an Eiweißriegeln, unsere offizielle Notfallnahrung gegen die Unterzucker-Laune (Gregor isst tagsüber so gut wie nichts, ich habe mich dummerweise mitreißen lassen, und ein hungriger Sebastian ist kein diplomatischer Sebastian). Einzige Ausnahme von der Liste der unnötigen Dinge: die kleine Klappsäge und das Beil. Siehe Baum.

Der Ranger war ziemlich durstig.

Ich hatte mit 15 Litern kalkuliert und hielt das für pessimistisch. Bei 130 bis 140 auf der Autobahn genehmigte sich das Gespann eher 20 Liter, kein Wunder, wir fahren ja auch eine Schrankwand spazieren. Auf der Rückfahrt sind wir konsequent 100 gefahren und lagen bei 12 bis 13 Litern. Unterm Strich standen rund 4.000 Kilometer und etwa 2.200 Euro Sprit auf der Rechnung, also grob 50 Cent pro Kilometer. 

Der Motor war dafür jede Sekunde eine Freude: Kraft ohne Ende, nie auch nur ansatzweise am Limit, und im Gelände hat er uns überall hochgeboxt. Man kann eben nicht beides haben. Fürs nächste Mal weiß ich: sparsameres Basisfahrzeug oder Tempomat auf 100 und inneren Frieden finden. Ach ja, und die Fernlichtautomatik des Ford verdient eine eigene Erwähnung: Die schaltete auf der nächtlichen Anfahrt so wahllos auf und ab, dass wir irgendwann überzeugt waren, da sitzt ein Betrunkener am Lichtschalter. Beste Unterhaltung auf Kilometer 1.100.

Apropos Anfahrt: Ja, wir sind die 1.500 Kilometer von Zwickau nach Kotor in knapp 16 Stunden durchgefahren, mit Fahrerwechsel und anderthalb Stunden Schlaf pro Nase. Das verstößt gegen ungefähr jeden Ratschlag, den wir bei CamperStyle je gegeben haben, und ich rate es auch niemandem. Aber als wir am frühen Morgen die Bucht von Kotor entlang rollten, ständig anhielten und die Sonne hinter den Bergen über dem südlichsten Fjord Europas aufging, haben wir uns diese Belohnung redlich verdient gefühlt. Manchmal darf man seine eigenen Regeln brechen. Einmal. Oder zweimal.

Mein Fazit: Offroad mit richtig viel Komfort

Würde ich wieder mit einer Absetzkabine losziehen? Klares Ja. Nur woanders hin.

Die Kabine hat in zwei harten Wochen nichts anbrennen lassen. Nichts hat geklappert, nichts hat sich gelöst, und obwohl das Fahrzeug schon in der zweiten Vermietsaison war, dachte ich beim Einsteigen, es sei neu. Der Möbelbau fühlt sich hochwertig an, die Aufteilung ist zweckmäßig bis ins Detail, und gewohnt haben wir darin komfortabler als in manchem größeren Wohnmobil, in dem ich schon unterwegs war. Gregor, der Minimalist mit dem Aygo, war am Ende der größere Fan von uns beiden: guter Schlaf, Ruhe bei geschlossener Tür, Stehhöhe, Platz genug, um sich auch mal aus dem Weg zu gehen. Seine Worte, und nach zehn Tagen zu zweit auf drei Quadratmetern ist das ein Kompliment an die Kabine, nicht an mich.

Was ich gelernt habe: Dieses Gespann ist kein Kraxler für den engen bewaldeten Hohlweg, dafür ist es schlicht zu hoch und zu lang. Es ist ein Reisemobil mit riesigen Geländereserven.

Auf offenen Pisten, Schotterstraßen, Bergrücken, in weiten Landschaften ohne tief hängende Äste spielt es alles aus, was es kann, und genau dahin gehört es. Skandinavien mit so einem Ding wäre ein Traum, und ich verstehe jetzt, warum das der Klassiker unter den Absetzkabinen-Zielen ist. 

Für die ganz engen, ganz wilden Trails, an denen ich in Montenegro so viel Spaß hatte, wünsche ich mir dagegen etwas Flacheres und Schmaleres, gern mit Klappdach. Das ist keine Kritik an der Kabine. Das ist die Erkenntnis, dass ich offenbar zwei verschiedene Fahrzeuge in meinem Leben brauche. Mindestens.

Für alle, die gerade selbst überlegen: Was so eine Kabine kann, für wen sie sich eignet und worauf du beim Kauf achten solltest, haben wir in unserem großen Absetzkabinen-Ratgeber für Einsteiger zusammengetragen. Dieser Bericht ist der Praxisbeweis dazu, inklusive aller Fehler, die du dank uns nicht mehr selbst machen musst.

Tischer Absetzkabine auf Ford über der Bucht von KotorSebastian Vogt
Tischer Absetzkabine auf Ford über der Bucht von Kotor

Und falls du dich fragst, ob sich das alles gelohnt hat, trotz Reifen, Drohne, Vollmond und Erkältung (danke, Gregor, fürs Trinken aus meiner Flasche): Ich sage nur ein Bild. Ein orangefarbener Pickup, allein auf einem Bergrücken über dem Fjord von Kotor. Doch, das hat sich gelohnt.

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    Sebastian Vogt

    Ich bin Sebastian Vogt, der Technik-Experte und Redakteur für smarte Lösungen und Gadgets bei CamperStyle. Meine Expertise ist fundiert durch sechs Jahre dauerhaftes Leben im Wohnmobil als Digitaler Nomade. Ich weiß aus First-Hand-Experience, welche Technologien im mobilen Alltag zuverlässig funktionieren und welche nicht. Daher schreibe ich hauptsächlich über Stromversorgung, Fahrzeugzubehör und die Digitalisierung unterwegs. Ein wichtiges Kapitel dieser Reise waren unsere drei geretteten Hunde – so teile ich zusätzlich meine fundierten Erfahrungen und Tipps rund um das Thema Camping mit Hund. Meine Lieblingsspots? Immer dort, wo ich einen Stellplatz am Wasser finde.

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