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Versicherungswissen: Unwetter- und Hagelschaden bei Wohnwagen und Wohnmobil

Versicherungswissen: Unwetter- und Hagelschaden bei Wohnwagen und Wohnmobil

Sowohl bei längeren Standzeiten als auch auf Reisen sind Fahrzeuge immer wieder teils heftigen Wettereinflüssen ausgesetzt. Während Stürme auch mal in den kälteren Monaten auftreten, haben Hitzegewitter und Hagelunwetter von April bis September Hauptsaison. Dabei können Wohnwagen und Wohnmobil ganz schön in Mitleidenschaft gezogen werden. Wir erklären dir, was du bei Hagelschaden & Co. beachten musst.

Was ist ein „Elementarschaden“?

Aus Versicherungssicht bezeichnet man Schäden durch Unwetter als „Elementarschäden“. Dazu zählen

  • Sturm
  • Hagel
  • Blitzschlag
  • Erdbeben
  • Lawinen, Muren (Schlammlawinen) oder Dachlawinen
  • Überschwemmungen
  • Vulkanausbrüche

Elementar- und speziell Hagelschäden sind die häufigsten Schäden an Wohnmobilen und Wohnwagen.

Deshalb rät Versicherungsexperte Dieter Scheffler, Geschäftsführer der RMV: „Gerade weil man diesen äußeren Einflüssen oft ausgeliefert ist, empfiehlt es sich für viele Kunden, eine Teilkaskoversicherung abzuschließen. An der Häufigkeit von Elementarschäden kann man erkennen, dass diese Absicherung sich lohnt.“

►►Achtung: „Anbauten“ wie Markise oder Vorzelt müssen dem Versicherungsanbieter vorab als Zubehör bekannt und im Neuwert des Fahrzeugs berücksichtigt sein. Zudem ist nötig, dass Markise oder Vorzelt zum Zeitpunkt des Schadens fest mit dem Wohnwagen oder dem Wohnmobil verbunden – sprich: aufgebaut – waren. Befanden sie sich lose im Fahrzeug, würde nur eine spezielle Inhaltsversicherung greifen.

Im Allgemeinen ist es hilfreich, wenn du dich bei Abschluss eines Versicherungstarifs ausführlich mit den Leistungen vertraut machst und auch einen Blick in die Bedingungen wirfst. Kläre Fragen und Unsicherheiten im Vorfeld und nicht erst nach einem entstandenen Schaden

Wie verhalte ich mich bei Unwetter richtig?

Stürme und Gewitter sind unberechenbar und Vorhersagen meist auch nicht zu 100 Prozent genau. Aus Versicherungssicht bist du deshalb nicht „verpflichtet“, dich bei einer entsprechenden offiziellen Warnung mit deinem Fahrzeug aus dem Gefahrenbereich zu begeben.

Bei Lawinen und Überschwemmungen ist der Fall leider nicht ganz so klar. Besteht eine konkrete Warnung (z.B. wenn du am Rheinufer stehst und es besteht die offizielle Warnung, dass der Fluss übertreten könnte oder es ist eine Sturmflut für die Nordsee vorhergesagt), solltest du dich auf jeden Fall von dort weg begeben.

Im Zweifelsfall ist Vorsicht besser als Nachsicht, also bringe dich selbst bitte nicht in Gefahr!

►►Achtung: Die Campinggarnitur und alles andere, was draußen steht, ist nicht über die Fahrzeugversicherung und auch nicht über eine spezielle Inhaltsversicherung abgedeckt – denn Letztere greift nur, wenn sich die Gegenstände innerhalb des Fahrzeugs befinden. Das eigene körperliche Wohl sollte jedoch keinesfalls gefährdet werden.

►►Unser Tipp: Um Sturmschäden an der Markise möglichst zu vermeiden, bitte die Markise bei Wind und bei Regen einfahren. Denn obwohl diese normalerweise mitversichert ist, weil sie fest mit dem Fahrzeug verbunden ist, ist der Versicherungsnehmer dazu angehalten, den Schaden wenn möglich zu minimieren und nicht fahrlässig in Kauf zu nehmen. Ebenso nachts und wenn du das Fahrzeug verlässt. Vorsorgliches Einfahren der Markise ist empfehlenswert. Das Vor­zelt ist bei star­ken Wind­bö­en ebenso gefährdet und kann schnell zur Gefahr werden. Wenn es nicht spe­zi­ell sturm­ge­si­chert ist, macht es Sinn, es vor einem ange­kün­dig­ten Unwet­ter abzu­bau­en, da ansonsten die Angriffs­flä­che viel zu groß ist und den Stürmen oft nicht stand­hal­ten kann.

Wenn du das jedoch versäumt hast, bringe dich bitte trotzdem nicht in Gefahr, indem du während eines Unwetters versuchst, deine Möbel oder Ähnliches „in Sicherheit zu bringen“!

Von der Versicherung ausgeschlossen sind auch Schäden, die nicht auf das Unwetter selbst, sondern auf ein durch diese Naturgewalten veranlasstes Verhalten des Fahrers zurückzuführen sind.

Schadenregulierung bei Elementarschäden

Generell gilt, dass du entstandene Schäden möglichst zeitnah der Versicherung melden musst. Außerdem ist es im Schadenfall immer empfehlenswert, alles genau zu dokumentieren. Du solltest dir also Notizen über Zeitpunkt, Ort und Art der Vorgänge anlegen und nach Möglichkeit das Ganze in Skizzen oder Fotos festhalten.

Sobald der Schaden der Versicherung gemeldet ist, informiert diese dich über das weitere Vorgehen. In der Regel wird vor allem bei größeren Unwetterschäden ein Gutachter geschickt, der beurteilt, welche Kosten für eine Reparatur angemessen sind. Innerhalb dieser Summe bekommst du als Versicherungsnehmer die Reparatur erstattet.

Bei der Teilkaskoversicherung gibt es, anders als bei Haftpflicht und Vollkaskoversicherung keine Schadenfreiheitsklassen (SF), sodass du bei der Abrechnung eines Teilkaskoschadens nicht zurückgestuft wirst und sich der Versicherungsbeitrag nicht erhöht.

►►Achtung: Starkregen wird versicherungsrechtlich anders betrachtet als z.B. eine Überschwemmung und ist daher meist keine versicherte Gefahr! Beispiel: Durch Starkregen ist es am Dach des Vorzeltes oder der Markise zu einer Wassersackbildung gekommen, was einen Schaden zur Folge hatte. Dieser Schaden kann in der Regel nicht über die Teilkaskoversicherung abgerechnet werden.

Sonderfall: Hagelschäden

Campingfahrzeuge sind aufgrund ihrer Bauweise besonders anfällig für Hagelschäden. Dies kann auch bei der Versicherung eine Rolle spielen.

Versicherungsexperte Dieter Scheffler erklärt: „Weil Hagelschäden die häufigsten Schäden an Wohnmobilen und Wohnwagen sind, geben viele Versicherungen Rabatte auf die Versicherungsprämie, wenn das Fahrzeug ein Glasfaser-Kunststoff-Dach besitzt – bei uns sind das zum Beispiel 20 Prozent Nachlass. Das Material ist nämlich widerstandsfähiger als Aluminium und somit weniger anfällig für Hagelschäden.“

Inzwischen haben auch die meisten Hersteller die Vorteile des robusteren GFK-Dachs erkannt und ihre Produktion komplett darauf umgestellt.

►►Achtung: Manche Versicherungen legen für Hagelschäden eine gesonderte Selbstbeteiligungsgrenze fest, hier solltest du also bereits bei Versicherungsabschluss auf diesen Punkt achten. Auch ein Blick auf die Höchstentschädigungsgrenzen lohnt sich!

Für die Regulierung eines Hagelschadens ist die Beurteilung durch einen Gutachter Standard. Wie bei einigen anderen Elementarschäden auch, legt dieser einen realistischen Betrag fest, der für die Reparatur angesetzt werden kann. Die Versicherung übernimmt dann die Werkstattrechnung bis zu dieser Summe.

„Fiktive Abrechnung“ von Hagelschäden: Erstattung auch ohne Reparatur

Bei Hagelschäden hast du auch die Möglichkeit einer sogenannten „fiktiven Abrechnung“. Das bedeutet: Bis zu einer festgelegten Höchstentschädigungsgrenze erhältst du in diesem speziellen Fall auch dann Geld von der Versicherung, wenn du den Schaden nicht, nicht vollständig oder nicht fachgerecht reparieren lässt. Das Gutachten ist Grundlage für die Höhe der Entschädigung.

Nachteil der fiktiven Abrechnung

Nachteil der fiktiven Abrechnung (neben den bleibenden Dellen) ist, dass diese in einer zentralen Datenbank hinterlegt wird und dazu führt, dass du für dieses Fahrzeug nie wieder einen erneuten Hagelschaden abrechnen kannst. Auch dann nicht, wenn du die Versicherung wechselst.

Grund dafür ist, dass der eigentliche Sinn und das eigentlich Interesse der Versicherung natürlich im Erhalt bzw. in der Wiederherstellung eines intakten Fahrzeugs liegt. Versicherungen möchten also nicht wiederholt Kosten erstatten, wenn das Geld potenziell nicht dem versicherten Fahrzeug zu Gute kommt.

Zum anderen ist es bei einem erneuten Hagelschaden schwer festzustellen, welche Beschädigungen neu dazugekommen und welche bereits durch den vergangenen Hagelschaden entstanden sind, oder ob bestehende Schäden evtl. sogar neue Schäden begünstigt haben. Die Versicherung kann also nicht mehr beurteilen, welche Erstattung angemessen ist und ob sie nicht  „doppelt“ für den ersten nicht reparierten Hagelschaden zahlt.

Eine fiktive Abrechnung ist zwar grundsätzlich auch bei anderen Arten von Schäden möglich, jedoch ist es eher selten, dass sie sich in diesen Fällen lohnt. Denn es muss sich dabei ja um „Schönheitsreparaturen“ handeln, die die Fahrtüchtigkeit nicht beeinträchtigen – aber trotzdem so hohe Reparaturkosten verursachen, dass sich eine Abrechnung über die Versicherung lohnt. 

Schick uns deine Fragen!

Wenn auch du Fragen oder Themenwünsche hast, schick uns eine Mail an redaktion@camperstyle.de – wir greifen die häufigsten Themen auf und beantworten sie gemeinsam mit den Experten der RMV in weiteren ausführlichen Ratgeberartikeln.

Titelbild: (c) photomarcza / Depositphotos.com

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Hallo!
    Das ist wieder ein sehr invormativer und gut verständlicher Beitrag.
    Obwohl ich mich selbst als „alten Hasen“ bezeichne ;-), waren zwei wichtige Punkte in Deinem Beitrag, die mir so noch nicht klar waren.
    Vielen Dank und beste Grüße
    Gunnar

    1. Lieber Gunnar, vielen Dank für deinen netten Kommentar – schön, dass du doch noch was für dich herausziehen konntest. Ich hoffe aber, dass ihr jetzt in Zukunft vor diesem lästigen Thema verschont und euer neuer Camper stets heil bleibt 🙂
      Liebe Grüße! Nele

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