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Der VW Bulli – eine Camping-Liebesgeschichte

Vor genau 75 Jahren begann recht unspektakulär eine Geschichte, die den Reise- und Campingmarkt ganzer Generationen wie keine andere prägen würde: Beim Besuch des VW-Werks in Wolfsburg fertigte ein niederländischer Geschäftsmann 1947 eine Zeichnung für ein „leichtes Nutzfahrzeug“ an – ein Konzept, das bereits in den frühen 30er Jahren in den Köpfen der VW-Entwickler herumgespukt, jedoch nie umgesetzt worden war. Der legendäre „Bulli“ war geboren.

Nach ersten Experimenten auf Basis des Käfer-Chassis, rollten ab 1950 die ersten Serienwagen des „Typ 2“ vom Band – zunächst als geschlossene Kastenwagen, später als Kombi mit Fenstern, bis zu guter Letzt das wunderschöne und bis heute heiß begehrte Modell „Samba“ auf den Markt kam.

Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich der VW Bulli zum absoluten Kassenschlager und wurde bereits in den 50er und 60er Jahren zum Symbol für den wirtschaftlichen Aufschwung und zum Objekt der Begierde für Hippies, Freiheitsliebende oder reisefreudige Familien. Wer mit seinem neuen Stolz nicht gleich um die Welt kurven konnte, ging auf Urlaubstouren durch Deutschland und Europa, dekorierte liebevoll das Interieur und genoss das neu entdeckte, einfache und echte Camperleben.

Foto: © leonovo / Depositphotos.com

Auch heute ist der Bulli der Inbegriff von Vanlife. Was wäre Instagram ohne idyllische und abenteuerliche Bilder von wunderschönen, gebräunten Menschen in Häkelbikinis und Yogaposen? Auch toll hergerichtete Fahrzeuge gibt es hier zu bestaunen, unter anderem auf dem tollen Account „Bulliboys“.

Die alten Modelle T1 und T2 sind in Lateinamerika noch immer überaus beliebt, unter anderem, weil (fast) alles manuell repariert werden kann. Dennoch endete diese Ära im Jahr 2013, als mit der „T2 Last Edition“ die Produktion auch am letzten Standort in Brasilien eingestellt wurde. Ein schwarzer Tag für Bulli-Anhänger auf der ganzen Welt.

Mittlerweile rollt schon die T7-Baureihe über die Straßen. Die charakteristischen, niedlichen „Glubschaugen“ sind über die Jahre verschwunden und einem modernen, eckigeren Design gewichen. Dafür gibt es auch bei den Vorgängern Varianten wie das Modell „California“ mit einer zeitgemäßen Komfort-Ausstattung, die den Campingurlaub zu einem echten Highlight macht.

Foto: © aa-w / Depositphotos.com


Preislich sind diese Fahrzeuge freilich kein Schnäppchen. Je nach Modell und Ausbau bewegt man sich für einen Neuwagen oder jungen Gebrauchten schnell im oberen 5-stelligen Bereich. Wer dieses Budget nicht zur Verfügung hat oder das Camperleben erstmal testen möchte, kann sich einen Bulli mieten und so ein wenig Freiheit auf Zeit genießen.

Ganz neu in der VW-Familie ist er elektrische ID.BUZZ. Ob dieser an die Erfolge der frühen Modelle anknüpfen und zufriedenstellende Reichweiten für die Reise bieten kann, wird sich zeigen. Doch auch wenn es aus der Community viele Unkenrufe gibt, so war die moderne Interpretation des VW-Flaggschiffs doch bereits um den Marktstart herum ausverkauft.

Die „echten“ Bullis T1 und T2 werden aktuell in Deutschland zu Höchstpreisen gehandelt – wenn sie überhaupt noch zu kriegen sind. Sie sind zu Liebhaber- und Sammlerstücken geworden, die man in Europa nur noch vereinzelt im „Einsatz“ auf Campingplätzen sieht. In Foren und Facebookgruppen tauschen sich die Bullifans aus, schwelgen gemeinsam in Erinnerungen und helfen sich bei technischen Problemen, z.B. die Community „VW Bulli Freunde (T1, T2, T3)“.

Die meisten professionellen Ausbauer widmen sich jedoch den neueren Modellen, hier finden sich Innenraumkonzepte für jeden Geschmack: vom verspielten Boho-Style mit Holz und Makramee-Deko über kreative Individualausbauten bis hin zu minimalistischen, funktionalen Modulmöbeln, die sich bei Bedarf einsetzen und wieder herausnehmen lassen.

Ein weiterer Hype, der in den letzten Jahren enorm an Fahrt aufgenommen hat, sind sogenannte „Campingboxen“. Hierbei handelt es sich um Komplettlösungen mit Bett, Küche, Sitzbereich und teilweise sogar mit Nasszelle oder Dusche, die einfach ins Heck geschoben werden und mit denen man den Transporter buchstäblich im Handumdrehen vom Alltagsfahrzeug zum Campingbus verwandeln kann.

Foto: © QUQUQ 

Wie auch immer man es dreht und wendet – der VW Bulli, ob T1 oder T7, ob selbst ausgebaut oder fertig gekauft, ob mit oder ohne Hubdach, wird trotz stetig wachsender Konkurrenz noch lange Zeit DAS Kultfahrzeug ganzer Campergenerationen bleiben. Wir sind gespannt, womit VW uns in den kommenden Jahren überrascht. Und wer weiß – vielleicht gibt es ja irgendwann eine „Retro-Edition“ als Hommage an die alten Modelle, die noch heute die Herzen höherschlagen lassen? Wir hoffen es jedenfalls und wären die ersten auf der Warteliste…

Titelbild: © phb.cz / Depositphotos.com

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