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Italienreise 2020: Ein Camping-Roadtrip mit viralen Hindernissen

Verständlich umständlich und dennoch für viele nicht gerade einverständlich: 2020 war und ist eine Geduldsprobe für alle Urlaubsreifen und Reiselustigen. So auch für mich als innige Campernatur, die neue Eindrücke braucht wie die Luft zum Atmen. Das könnte man jetzt psychologisch genauer betrachten, doch darüber ein andermal. In diesem Artikel nehme ich dich mit auf eine Reise nach Italien, wo es vor allem um eines gehen soll: Camping in Italien – und dass in Zeiten, in denen sich jede Selbstverständlichkeit in eine Heiligkeit verwandelt. Eine Geschichte vom Roadtrip mit viralen Hindernissen.

Unsere Route der Wohnmobiltour in Italien

Von Nürnberg nach Venedig über San Feliciano zum Lago Trasimeno, einen Abstecher nach Perugia, Strandprokrastination in Vieste, Zwischenhalt in Matera, weiter nach Vico Equense, Amalfi und Pompeji, nochmals Strandprokrastination in Punta Ala, Autoreparatur in Grosseto, Staunen in Siena und Florenz, bis es schließlich zu einem stillgelegten Weingut inmitten der toskanischen Provinz ging, um dort das Urlaubsende zu begießen. Ein 3.700 km Campingtrip durch Italien voller Erlebnisse, Eindrücke, Abstände und Umstände in dem europäischen Land, das von der Krise wohl mit am stärksten betroffen ist. Warum es ausgerechnet dorthin gehen sollte, was mich und meinen Partner dort erwartete und welche Tipps, Dos und Don’ts dabei herauskamen, verrate ich dir im Folgenden. Viel Spaß auf unserer Wohnmobiltour durch Italien.

Darum eine Reise nach Italien

Ein Klassiker auf der europäischen Reisekarte: Italien ist und bleibt Spitzenreiter der deutschen Sehnsuchtsziele. Viele haben dort ihre Kindheitssommer verbracht und verbinden das Land mit tollen Erinnerungen. Selbstverständlich manifestierte sich auch bei mir damals der romantisierte Wunsch, das italienische Lebensgefühl für immer behalten zu können. 2020 sollte es aufgefrischt werden. Nicht nur aus egoistischen Reisemotiven, sondern vor allem auch um das Land zu besuchen, das mir in der Vergangenheit viele wunderbare Momente bescherte – und dem ich während Corona ein bisschen was davon zurückgeben wollte. Als zahlende Touristin. Die ständigen Begleiter: Mein Partner, halb gares Schulitalienisch und Gesichtsmasken.

Venedig – jetzt oder nie

Wer bereits in Venedig war, weiß um die Massen, die sich dort normalerweise über die wunderschönen Brückenbögen schieben. Waren es 2019 noch durchschnittlich 90.000 Touristen am Tag, hatten wir 2020 das Vergnügen mit gerade mal einem Bruchteil davon. Ideal also, um sich die Lagunenstadt genauer anzusehen. Genächtigt haben wir währenddessen auf dem Caravan Stellplatz San Giuliano Venice, kurz vor den Toren der venezianischen Altstadt. Für gerade einmal 1,50 Euro brachte uns ein Linienbus von dort aus ins majestätische Zentrum. Alternativ wäre auch eine Überfahrt per Tram oder Boot möglich gewesen.

In der Stadt selbst gibt es so viel zu sehen, dass wir beschlossen, uns lieber treiben zu lassen. So kam es nicht nur, dass wir uns zwischen Renaissance und Gotik mehrmals verliefen, sondern währenddessen auch in einem asiatischen Restaurant landeten, um dort wiederum venezianische Pizza zu essen. Klingt schräg, schmeckte auch so. Wir würden es trotzdem wieder tun, war es doch die erste Pizza auf unserer Italienreise und symbolisch für die Vorzüge einer internationalen, integrativen Stadt. Sie bleibt deshalb in besonders knuspriger Erinnerung.

Die Do’s, Dont’s und Tipps zu Venedig

  • Do’s: Mutig sein und Pizza beim Asiaten bestellen
  • Don’ts: Kapitäninnen in den Booten zählen, denn das kann sich im männlich dominierten Wasserverkehr als äußerst frustrierend herausstellen

▶▶ Mein Tipp: Mit dem Bus kommst du wesentlich günstiger in die Stadt, als mit dem Boot.

Stellplätze in Venedig

Caravan Stellplatz San Giuliano Venice

  • Via San Giuliano 19, 30174 Venezia Mestre
  • ganzjährig geöffnet für Wohnmobile und Campervans
  • Toll: Zentrumsnähe, gute Anbindungen, kostengünstig, Stromanschluss, Entsorgungssäule für Abwasser, Versorgungssäule für Leitungswasser
  • Nicht so toll: Sanitäre Anlagen (Achtung: Aktuell muss ein Toilettenzugang aus Sicherheitsgründen vorher gebucht werden), nachts etwas lauter, da sich daneben Werkstätten und Firmen befinden

Camping San Nicolò

  • Via dei Sanmicheli 14, 30126 Lido di Venezia
  • von Mai bis September geöffnet für Wohnmobile, Zelte, Campervans und Wohnwagen-Gespanne
  • Toll: Lage zwischen Meer und Lagune, Strandnähe, 10 Minuten Bootsfahrt bis zum berühmten Markusplatz, grüne Wiesenstellplätze, familiäre Atmosphäre
  • Nicht so toll: relativ teuer, kein Warmwasser an den Spülbecken/Waschbecken, veraltete sanitäre Anlagen

Bauernhof/Weingut La Chioccia Venezia

  • Via Marzabotto 32, 30010 Campagna Lupia
  • Geöffnet auf Anfrage für Wohnmobile und Campervans
  • Toll: Besondere Atmosphäre mit vielen Tieren, günstige Alternative zum Campingplatz, inhabergeführtes Restaurant mit lokalen Spezialitäten, Hunde willkommen
  • Nicht so toll: Etwas weiter weg von Venedig (ca. 40 Minuten mit dem Bus), tierische Weckrufe am besonders frühen Morgen

Lago Trasimeno in San Feliciano

Zufrieden mit unseren Eindrücken über Venedig, fuhren wir weiter in die Region Umbrien, um uns nach einigen ungeplanten Strapazen am beeindruckenden See Lago Trasimeno in San Feliciano niederzulassen. Strapazen deshalb, weil ich während der Fahrt einen heimtückischen Überraschungsangriff einer Wespe abwehren musste. Für die Wespe endete der Kampf zwar weniger glimpflich, doch so „schwer verwundet“ konnte ich natürlich nicht mehr ans Steuer. Stattdessen hieß es für meinen Partner auch weiterhin, das rollende „Schiff“ durch steiles und kurvenreiches Gebirge zu manövrieren. Am See angekommen, hielten wir für zwei Nächte auf dem Campingplatz Riva Verde. Die Rezeption, ein charmanter Geräteschuppen, die Besitzerin weintrinkend auf einem Liegestuhl – man hätte uns fast nicht bemerkt. Doch pflichtbewusst und bürokratisch ehrlich, wie wir Deutschen eben sind, begaben wir uns selbstständig auf die Suche nach einem Anmeldeformular. Anschließend folgten Seele baumeln lassen und Seeblick genießen. Erfreulich waren auch der gänzlich menschenleere Pool und die sympathische alte Dame, die mein romantisiertes Bild Italiens voll und ganz bestätigte. Nur sehr wenige Reisende verirrten sich im September noch an diesen Ort, sodass wir uns fast schon exklusiv fühlen durften. Covid-19-bedingter Sicherheitsabstand war somit ein Leichtes. Ein wenig knifflig hingegen waren die Insekteninvasion sowie unsere mehrmals täglich lautstark mit ihrer Mutter telefonierende, italienische Nachbarin. Unsere Vermutung: Schwerhörigkeitstufe zehn. Nichtsdestotrotz: Ein wirklich lohnenswerter Ort, wenn du dir einmal Italiens beeindruckende Natur im Inland zu Gemüte führen und süßes anstelle von salzigem Wasser auf deiner Haut spüren möchtest. Außerdem auch ideal für Wassersportler*innen und Wanderfans.

Die Dos, Dont’s und Tipps am Lago Trasimeno

  • Do’s: Vor Ort Insektennetze verkaufen und reich werden
  • Dont’s: Fahrtwind hilft nicht als heilende Kühlung gegen Wespenstiche

▶▶ Mein Tipp: Sonnenuntergang anschauen

Stellplätze am Trasimeno See

Campingplatz Riva Verde

  • Via Gandhi 5/7, San Feliciano 06063 Magione
  • Ganzjährig geöffnet für Wohnmobile, Zelte, Campervans und Wohnwagen-Gespanne
  • Toll: Direkte Seelage, familiäre Atmosphäre, traumhafte Sonnenuntergänge, sehr günstige Preise, Pool
  • Nicht so toll: Sanitäre Anlagen, viele Insekten am Abend, kein Supermarkt in unmittelbarer Nähe

Camping Trasimeno

  • Via Tancredo Marchini, 06065 Passignano sul Trasimeno
  • Geöffnet von Mai bis Oktober für Wohnmobile, Zelte, Campervans und Wohnwagen-Gespanne
  • Toll: Es gibt fast alles vor Ort, auch einen kleinen Supermarkt, gepflegte Anlage direkt am See
  • Nicht so toll: Sehr großer Platz, dadurch weniger familiär, etwas teurer

Camping Listro

  • Via Lungolago, 06061 Castiglione del Lago
  • Geöffnet von April bis Oktober für Wohnmobile, Zelte, Campervans und Wohnwagen-Gespanne
  • Toll: Viele Sportmöglichkeiten, günstige Preise, direkte Seelage
  • Nicht so toll: Keine Reservierungsmöglichkeiten, teilweise Stellplätze direkt an der Straße

Auf jeden Fall Perugia

Während unserer Zeit am Lago Trasimeno haben wir auch einen Tagesausflug ins ca. 25 Kilometer entfernte Perugia unternommen. Vor acht Jahren war ich schon einmal dort und schwor mir: Hierher komme ich auf jeden Fall wieder. Die Stadt mit ihrer uralten Architektur hinterließ nicht nur aufgrund ihrer Historie mächtigen Eindruck bei mir, sondern vor allem auch wegen ihres jugendlichen und weltoffenen Flairs. Aus aller Welt strömen Student*innen in die Stadt, um einen der zahlreichen Sprach- und Kulturkurse der im Jahr 1308 gegründeten Universität zu belegen. Perugia ist die Hauptstadt der Provinz Umbrien und liegt auf einem 450 Meter hohen Hügel. Von dort aus genießt du eine gigantische Aussicht, hast du das Zentrum erst einmal erreicht. Und das geht am besten zu Fuß, denn Perugia schätzt seine Fußgänger*innen. Wir ließen unseren Van also vor den Toren der Stadtmauer stehen und staunten nicht schlecht über den Aufstieg. Hinterher erfuhren wir von den zahlreichen unterirdischen Rolltreppen, die vom Parkhaus am zentralen Busbahnhof nach oben führen. Zu spät. Schwitzend und um eine halbe Lunge ärmer, wurden wir mit einem Blick belohnt, der uns die zitternden Beine schnell wieder vergessen ließ.

Die Dos, Dont’s und Tipps in Perugia

  • Do’s: Sich vom antiken Flair der Stadt verzaubern lassen
  • Dont’s: Im Zentrum parken wollen

▶▶ Mein Tipp: Jedes Jahr im Juli findet in Perugia das weltweit berühmte Festival Umbria Jazz statt.

Stellplätze in Perugia

Bauernhaus Camping Rustico

  • Strada Torre Poggio 4, 06100 Perugia
  • Ganzjährig geöffnet für Wohnmobile und Campervans
  • Toll: Bietet neben Stellplätzen auch Zimmer an, Schwimmbecken vorhanden
  • Nicht so toll: Nur zwei bis drei Stellplätze vorhanden, deshalb braucht man etwas Glück, um einen zu ergattern

Camping Il Rocolo

  • Str. Fontana la Trinità 1, 06132 Perugia
  • Öffnungszeiten erfragen, für Wohnmobile, Zelte, Campervans und Wohnwagen-Gespanne
  • Toll: Schwimmbecken vorhanden, ruhig gelegen, Restaurant und Bar vor Ort
  • Nicht so toll: Etwas eng für größere Wohnmobile

Sandeln und Strandeln in Vieste

Apulien. Obwohl unser Navi nicht wollte, dass wir jemals in der karibisch anmutenden Region ankommen, gaben wir nicht auf, bis es schließlich zu müde wurde, uns ständig in die empfanglose Irre zu führen. Mit fünfeinhalb Stunden startete die Route, mit siebeneinhalb endete sie in Vieste. Vor Fahrtbeginn mussten wir uns noch mithilfe eines Online-Formulars beim Gesundheitsamt Foggia anmelden. In Apulien gilt seit diesem Jahr eine Corona-bedingte Sonderregel zur Vorbeugung und einfacheren Zurückverfolgung potentieller Infektionsketten. Hierzu informiert auch der ADAC. Vor Ort entschieden wir uns dann für einen günstigen Wohnmobilstellplatz mit direktem Meerblick. Jackpot dachten wir, als wir nachts endlich ankamen. Heiß dachten wir früh morgens, als die pralle Sonne vom Meer aus schadenfroh auf unser Autodach knallte. Kann man mögen, muss man aber nicht. Es folgten einige Tage Strandeln und Sandeln am strahlend blauen „Gargano-Meer“. Endlich Zeit, die Seele baumeln zu lassen, 30 Liter apulisches Olivenöl zu trinken und Bücher zu lesen. Traumhaft. An den beeindruckenden Kalksteinfelsen entlang der Küste konnten wir uns kaum sattsehen. Stattdessen aßen wir uns lieber satt an Fisch und Orecchiette, einer typisch apulischen Pastasorte. Schnell freundeten wir uns außerdem mit den deutschen Nachbarn Birgit und Günther an, die bereits seit 30 Jahren jedes Jahr in Vieste Urlaub machen und quasi zum Inventar des Stellplatzes gehörten. Eines Abends luden sie uns zu einer erfrischenden PET-Flasche weißen Weins ein. Sie hatten ihn zuvor darin abgefüllt, warum wussten sie wahrscheinlich selbst nicht mehr genau. Als Günther jedoch begann, die daneben bereitgestellte PET-Wasserflasche immer häufiger mit der PET-Weinflasche zu verwechseln, endete der feuchtfröhliche Abend. Besser so, denn so litt nur Günther am nächsten Tag unter Kopfschmerzen. Trotz unserer selbst auferlegten Faulheit ließen wir uns natürlich auch einen Besuch in Viestes hübscher Altstadt nicht nehmen. Mit den Rädern fuhren wir ins Zentrum und schlenderten durch Gassen, die dem Wort „Italia“ sein „Bella“ verpasst haben dürften. Und wären wir nicht so furchtbar faul gewesen, dann hätten wir sicherlich auch einen Bootsausflug zu den zahlreichen Grotten und Felsbögen unternommen oder den wassersportfreundlichen Wind für erste Surf-Versuche genutzt. Beim nächsten Mal vielleicht.

Die Dos, Dont’s und Tipps in Vieste

  • Do’s: Olivenöl kosten und Vorrat für zu Hause mitnehmen
  • Dont’s: Sonnenschirm aufspannen, er weht auf jeden Fall davon

▶▶ Mein Tipp: Einen Bootsausflug zu den Tremiti Inseln machen (Achtung Falle: „Today bad weather“ bedeutet, dass der Kapitän gerade einfach keine Lust hat, dich zu chauffieren und du auf jeden Fall umsonst so früh zum Hafen gehastet bist)

Stellplätze in Vieste

Camping Piccolo Paradiso

  • Lungomare Enrico Mattei 104, 71019 Vieste
  • Geöffnet vom 15. April bis 15. Oktober für Wohnmobile und Campervans
  • Toll: Direkte Strandlage mit eigenem Strandzugang, günstige Preise, sauber
  • Nicht so toll: Supermarkt ist nicht in unmittelbarer Nähe, nur ein kleiner Minimarkt gegenüber

Camping Baia degli Aranci

  • L.re Europa 48, 71019 Vieste
  • Geöffnet von April bis Oktober für Wohnmobile, Zelte, Campervans und Wohnwagen-Gespanne
  • Toll: Familiengeeignet durch Animationsprogramm, Minimarkt vor Ort, Schwimmbecken
  • Nicht so toll: Kann auch mal etwas lauter werden aufgrund des Animations- und Unterhaltungsprogramms

Camping Village San Michele

  • Litoranea, Peschici – Vieste, Km 9, 71019 Vieste
  • Geöffnet von Mai bis Oktober für Wohnmobile, Zelte, Campervans und Wohnwagen-Gespanne
  • Toll: Hundefreundlich, Minimarkt vor Ort, Strandnähe
  • Nicht so toll: Der nächste Supermarkt ist drei Kilometer entfernt

Überraschungsfavorit Matera

„Schau dir auf jeden Fall Matera an!“ wiederholte meine Mutti in Dauerschleife, seitdem sie wusste, dass ich durch Italien reisen würde. Mein genervtes „Ja ja“ als Antwort wird der 2019 zur Kulturhauptstadt Europas ernannten Stadt in Basilikata nicht mal annähernd gerecht. Rückblickend sind mein Partner und ich uns auf jeden Fall einig, dass Matera das Highlight unserer Italienreise gewesen ist. Und dies, obwohl es dort kein Meer weit und breit gibt. Für Materas einzigartige Kulisse sorgen die sogenannten „Sassi„. Zahlreiche Grotten und Höhlen, in denen bis in die Fünfziger hinein viele Menschen in ärmlichsten Verhältnissen zusammenlebten. Die Gegend war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt, sodass Matera als eine der ältesten Städte der Welt gilt. Ein Blick in den Reiseführer lohnt sich, denn die Geschichte dazu ist wirklich beeindruckend. Heute zählen die „Sassi“ zum UNESCO Weltkulturerbe und beherbergen neben zahlreichen touristischen Attraktionen vor allem uralte Zeugnisse aus vergangenen Zeiten. Doch nicht nur die Stadt selbst sollte der Höhepunkt auf unserer Italien Reise werden, auch unser Stellplatz blieb in besonderer Erinnerung. Gianfranco, ein humorvoller Dude mit Talent zum Alleinunterhalter, hat am Fuße Materas eine stillgelegte Kartbahn zum Wohnmobilstellplatz umfunktioniert. Neben den gängigen Service-Einheiten wie Duschen, WC und Co. bot sich unheimlich viel Platz inmitten der leer gefegten Rennstrecke. Kein Wunder, dass sämtliche Wohnmobile erst einmal eine kurvenreiche Ehrenrunde drehen wollten, bevor sie sich niederließen. Wie ein Hund, der sich vor dem Hinlegen erst einmal ein paar Runden um sich selbst gönnt. Gianfranco schien neben seinem Gespür fürs Geschäft auch viele Freunde zu haben, denen er zur Geschäftigkeit verhalf. So besuchte uns täglich sein Kumpel. Ein Käseverkäufer, der es tatsächlich schaffte, mir jedes Mal erneut seine Leckereien anzudrehen. Mit seiner ausgelassenen Art und dem Talent, gefühlt alle Sprachen dieser Welt zu beherrschen, sorgte Gianfranco außerdem dafür, dass wir die „weltbeste“ Eisdiele seiner Freunde besuchten und auf jeden Fall lokales Brot probieren wollten. Besonders gut an kam sein kostenloser Shuttle-Service, den er mehrmals täglich anbot. So stellte sich nie die Frage, wie wir am besten ins historische Zentrum gelangen würden. Deluxe! Während unserer Zeit im Matera beschlich uns immer häufiger das Gefühl, dass Tourist*innen vor allem wiederkommen würden, um Gianfranco zu besuchen. Ein klein wenig stahl er seiner Heimat die Show. Aber ich bin mir sicher, sie nahm es ihm nicht übel. Und wir taten es auch nicht.

Die Dos, Dont’s und Tipps in Matera

  • Do’s: Bei Gianfranco auf der Kartbahn unterkommen und sich Matera auf jeden Fall sowohl tagsüber, als auch nachts ansehen, eine Sassi-Höhle besichtigen
  • Dont’s: Die Stadt mit Flip Flops erkunden, es kann schnell mal rutschig werden zwischen den Sassi-Grotten

▶▶ Mein Tipp: Das Dali-Museum in Matera ist nicht nur aufgrund des Künstlers besonders interessant, sondern auch aufgrund der Räumlichkeiten. Es befindet sich in einer ehemaligen Sassi-Höhle.

Stellplätze in Matera

Camping Kartodromo Matera

  • Strada Statale Appia 7 Km 582 + 538, 75100 Matera
  • Ganzjährig geöffnet für Wohnmobile, Zelte, Campervans und Wohnwagen-Gespanne
  • Toll: Kartbahn-Kulisse, viel Platz, saubere sanitäre Anlagen, Matera-Original Gianfranco, kostenloser Shuttle-Service ins historische Zentrum
  • Nicht so toll: wenig Schatten, nichts für besonders hohe Komfortansprüche

Camping Masseria Radogna

  • Contrada Murgia Timone, 75100 Matera
  • Ganzjährig geöffnet
  • Toll: Günstig, ruhig, mitten im Naturschutzgebiet, einheimisches Essen am Wochenende im kleinen Restaurant vor Ort, Shuttle-Service
  • Nicht so toll: wenig Schatten, nichts für besonders hohe Komfortansprüche

Camping Matera

  • Contrada Pedale Della Palomba, 75100 Matera
  • Ganzjährig geöffnet
  • Toll: Shuttle-Service, Platz für große Wohnmobile
  • Nicht so toll: Duschen und Shuttle kosten extra

Viva Vico Equense, Pompeji und Amalfi, ciao Neapel

Unweit Neapels in Kampanien liegt ein kleiner Ort namens Vico Equense, der die nächste Station unserer Italienreise markierte. Von dort aus wollten wir uns Pompeji, Neapel, den Vesuv und Amalfi ansehen. Doch schon auf der Fahrt dorthin schien Murphy’s Law festzulegen: Hey, ihr hattet jetzt so viel Glück in Matera, es wird höchste Zeit für ein bisschen Ärger! Und so kam es, dass eine unerwünschte Warnleuchte im Auto für erstes Unbehagen sorgte. Die Bremsklötze meldeten sich und wollten dringend ausgetauscht werden. Ausgerechnet jetzt, wo uns Neapel und Umgebung nicht gerade als vertrauenswürdigste Region empfohlen wurden. Ein Problem für das Zukunfts-Ich, beschlossen wir wagemutig und fuhren erst einmal weiter. In der Region angekommen wurden wir sogleich vom „Verkehr des Todes“ begrüßt. Vergiss sämtliche Verkehrsegeln, die du einmal gelernt hast, denn hier gelten andere Gesetze. (Hier findest du die wichtigsten Verkehrsregeln in Italien.) Überrumpelt vom wilden Straßengetümmel und einigermaßen empört darüber, dass das Navi uns schon wieder den Zielort verweigern wollte, kamen wir bereits relativ gestresst am kleinen Campingplatz Sant’Antonio an. Dort war erst einmal Fiebermessen angesagt. Eine Corona-übliche Sicherheitsmaßnahme an der Rezeption. Nachdem wir für gesund befunden wurden, wies man uns einen besonders „netten“ Platz zwischen Mülltonnen, die täglich nachts um Drei geleert werden sollten, und der Einfahrtsschranke zu. Alternativ wäre noch ein Platz frei gewesen, bei dem wir zwar hinein, aber wahrscheinlich nie wieder hinausgekommen wären. Umso größer unser Erstaunen darüber, wie es so manche Riesenmobile vor uns bereits aufs Gelände geschafft hatten. „Schlimmer geht nimmer“, dachten wir zuversichtlich und stellten leider schnell fest: „Schlimmer geht immer“. Kaum ausgestiegen, beschloss eine Taube, sich zielgenau über meinem Freund zu erleichtern, während das ansässige Ameisenvolk schon einmal seinen Angriff auf uns Neuankömmlinge plante. Als wir tief ein- und ausatmend versuchten, unseren Stress nicht am jeweils anderen auszulassen, bemerkten wir plötzlich Basilikumtopf Igor auf dem Autodach. Was hatte er dort zu suchen? Entsetzt stellten wir fest, dass wir ihn vor Fahrtbeginn dort oben vergessen hatten. Unbeeindruckt überlebte Igor 300 Kilometer Autobahnfahrt und neapolitanischen Verkehr des Todes. Das war zu viel für uns. Erst einmal ab zum Strand. Fest entschlossen, jetzt wieder auf der Sonnenseite Italiens zu stehen, stießen wir jedoch auf verschlossene Tore. Strand? Nur für Einheimische und Anwohner. Da half nur noch Pizza und schlafen. Denn um 3 Uhr kam ja die Müllabfuhr, um uns zu wecken.

In Pompeji wird alles besser, oder?

Am nächsten Tag besuchten wir müde und gereizt Pompeji. Mit der S-Bahn gelangten wir direkt zur archäologischen Kultstätte. Für ein paar Stunden vergaßen wir dabei sämtliche Strapazen und genossen den Spaziergang durch die freigelegten Ruinen. Ein wirklich beeindruckendes römisches Erbe, dessen Besichtigung ich jedem nur empfehlen kann. Doch die Leichtigkeit hielt nicht lange an. Auf dem Weg zurück erlebten wir nämlich eine feindselige Corona-Begegnung. Ein englisches Pärchen gab uns deutlich zu verstehen, dass wir uns in der Bahn gefälligst nicht neben sie setzen sollten. Doch ein Blick in den Stehraum gab zu erkennen, dass dort noch weniger Platz herrschte, sodass wir beschlossen, wenigstens die Hälfte unserer Hintern auf den Sitzen zu platzieren. Auf mehr Solidarität pochend lieferten wir uns ein böses Blickduell mit den Engländern und schnell war die Stimmung wieder wie tags zuvor. Zurück am Campingplatz bemerkten wir schließlich den sorgsam vorbereiteten Ameisenangriff. Sie versuchten wild entschlossen, unsere Campingfestung zu erobern. Vor allem nachts wedelte ich mir einige draufgängerischen Krabbler vom Gesicht, während ich auf das Getöse der nächtlichen Müllabfuhr wartete.

Der erste Streit während der Italienreise

Am dritten Morgen begannen wir erstmals darüber zu diskutieren, geplante Stationen sausen zu lassen und früher weiterzuziehen. Während ich meinem Freund noch siegessicher erklärte, wie zwingend lebensnotwendig ein Besuch in Neapel und am Krater des Vesuvs für mich seien, verlor er seine Geduld. Man muss wissen, es braucht wirklich enorm viel Zeit, bis er sie überhaupt einmal verliert. Bisher ging ich immer davon aus, er sei ein geduldiges Perpetuum Mobile. Und weil es genau deshalb häufig nach meiner Nase geht, sorgte er in diesem Moment das erste Mal dafür, dass es überraschenderweise andersherum lief. Engelszüngig setzte er seine Geduld gegen mich ein und verklickerte mir geradezu stoisch, aber bestimmt, dass es keine weiteren zwei Nächte ohne Schlaf geben würde. Seine Augenringe unterstrichen die Argumente, sodass ich endlich einknickte. Schließlich waren wir hier, um uns zu erholen und nicht um ein Programm abzuspulen. Den Vesuv konnte ich immerhin aus der Entfernung betrachten und Neapel von der Autobahn aus. Ein Kompromiss, den ich zähneknirschend annahm, und der mich bis heute mahnt, nicht nachtragend zu sein. Immerhin blieb mir noch Amalfi. Für einen Ausflug dorthin wollten wir uns einen Roller mieten. Doch zuerst hieß es noch, eine letzte Nacht mit Ameisen und Müllabfuhr durchzustehen.

Der Lichtblick an der Amalfiküste

Da ich bereits seit dem Jugendalter einen Motorradschein besitze, war klar, wer uns mit dem Roller durch den Verkehr des Todes hupen würde. Schweißgebadet und aufgeregt schwangen wir uns also auf das Zweirad, mit dem wir die berühmte 50 Kilometer lange Steilküste entlang bis nach Amalfi sausen wollten. Nach nur wenigen Metern hielten uns neapolitanische Polizisten an. Frau am Steuer? Das kann nur Rollerdiebstahl oder leicht verdientes Bußgeld bedeuten! Nachdem sich die Beamten jedoch versichert hatten, dass ich sowohl einen gültigen Führerschein besaß, als auch den Roller nicht geklaut hatte, winkten sie uns enttäuscht zurück in den Verkehr. Das Herzklopfen, das wir danach verspürten, war nichts im Vergleich zu dem Herzrasen, das wir bekamen, als wir endlich an den steil aufragenden Küstenabschnitt gelangten. Ein unwahrscheinliches Glücksgefühl übermannte uns. Deshalb werde ich auch an dieser Stelle nicht allzu viel darüber verraten. Stattdessen möchte ich dir nahelegen: Fahr mit dem Roller die Amalfiküste entlang! Tu es einfach! Das Erlebnis entschädigt nicht nur jeden Schlafmangel, sondern auch jede Ameise in deinem Gesicht und jede Taubennotdurft auf deiner Schulter.

Die Dos, Dont’s und Tipps rund um Neapel

  • Do’s: Roller fahren und damit die Gegend erkunden, Pompeji besuchen, Pizza mit Würstel und Pommes essen, Ausflug zum Vesuv machen, mit dem Boot nach Capri fahren
  • Dont’s: Basilikumtöpfe auf dem Autodach vergessen, direkt neben Mülltonnen das Lager aufstellen, Campingplatzbewertungen vertrauen

▶▶ Mein Tipp: Auf dem Weg nach Amalfi liegt unter anderem auch das frühere Fischerdorf Positano. Heute ist es ebenso wie Amalfi, vor allem ein Ort für die Schönen und Reichen. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Spaziergang durch die wunderschönen Gassen oder eine Rast bei einem Glas Limoncello.

Stellplätze rund um Neapel

Hinweis: Aufgrund meiner eher begeisterungslosen Erfahrung auf dem Campingplatz Sant‘ Antonio, habe ich lieber zwei Alternativen herausgesucht.

Agri Camper La Giuliana

  • Via Parrelle Civita Giuliana 4, 80045 Pompeji
  • Ganzjährig geöffnet für Wohnmobile und Campervans
  • Toll: Direkt an den Ruinen von Pompeji, Blick auf Vesuv, zentral
  • Nicht so toll: Warmwasser schwankt manchmal, wenig Schatten

Camping Pianillo

  • Piazza Generale Avitabile, 80051 Pianillo
  • Für Zelte, Campervans, Wohnmobile in Standardgröße
  • Ganzjährig geöffnet für Zelte, Campervans, Wohnmobile in Standardgröße
  • Toll: Viele Locals, tolle Wandermöglichkeiten in der Umgebung, Walnussbäume spenden Schatten
  • Nicht so toll: Ausstattung etwas älter, Duschen kostet extra, nicht für sehr große Campermobile geeignet

Aufatmen in Punta Ala

Beim Knobeln um den Beifahrersitz war ich die Verliererin und setzte mich am nächsten Morgen erleichtert über die bevorstehende Abfahrt ans Steuer. Fast hätten wir die grantige Campingplatzkatze mit an Bord gehabt. Sie plante ihre Flucht als blinder Passagier. Wir konnten sie nach unseren Erfahrungen wirklich verstehen. Zu ihrem Pech jedoch bemerkten wir sie noch rechtzeitig und lockten sie mit Pommes und Wurst vom Vorabend wieder ins Freie. Zwei Abende zuvor hatten wir nämlich noch beobachtet, wie sie einem großen Hund unbeeindruckt das Futter wegfraß. Auf dem Weg nach Punta Ala verlief alles wie zu Beginn unserer Reise: harmonisch und problemlos. Ich möchte an dieser Stelle jedoch explizit betonen, dass ich trotzdem wieder nach Kampanien fahren würde. Denn auch wenn dort nicht alles reibungslos ablief, so bin ich doch großer Fan von der Hitzköpfigkeit und Schönheit der Region. Sei also versichert, wir handelten aus reiner Unzurechnungsfähigkeit, verursacht durch Schlafmangel.

Sicher fragst du dich, was inzwischen mit unseren Bremsbelägen passiert ist. Nichts. Wir beschlossen, uns nach der Ankunft in Punta Ala darum zu kümmern. 300 Kilometer mit Schaltbremsung fahren? Als Taxifahrertochter ein Leichtes. Vor Ort schlugen wir unser Lager am Campingplatz Baia Verde auf. Ein großes Areal, das zur Hauptsaison wahrscheinlich gut gefüllt ist. Da es inzwischen jedoch auf Ende September zuging und auch das Wetter sich dem Monat anpasste, genossen wir dort sehr viel Freiheit unter Jahrhunderte alten Pinien. Den Strand und das unglaublich klare Maremma-Meer direkt vor der Nase, wiederholte sich unser Programm von Vieste. Sandeln, strandeln und lesen. Zwischendurch Pizza, Gnocchi oder Pasta genießen und dazu natürlich stets ein Glas Wein an den Lippen. Vor lauter Entspanntheit hätten wir fast unser Bremsproblem vergessen. Dass wir damit jedoch nicht durch die Alpen zurückfahren sollten, wurde uns schmerzlich bewusst. Der ADAC könnte helfen, doch dies würde eine Weile dauern. Also suchten wir selbst nach einer Werkstatt und fanden sie in Grosseto.

Endlich neue Bremsklötze in Grosseto

Obgleich unserer Lehre in Neapel, künftig nicht mehr nur auf positive Bewertungen zu vertrauen, gingen wir bei unserer Suche nach einem Kfz-Meister in Grosseto genau so wieder vor. Fazit: nix gelernt. Diesmal hatten wir jedoch mehr Glück als bei unserer Campingplatzwahl in Vico Equense. Und dank meiner Lehrerin aus der zehnten Klasse konnte ich ein paar Fetzen Schulitalienisch aus dem Resthirn hervorkramen, um dem Werkstattmeister zu erklären, was wir von ihm brauchten. Englisch sprach er nicht, deshalb halfen für fehlende Silben einfach Zeigefinger und ganz viel gegenseitiges Kopfgenicke. Nur wenige Stunden später 300 Euro ärmer und höchstwahrscheinlich um ein bis vier Bremsklötze reicher, konnten wir meinen Wagen schließlich wieder abholen. Ob er uns übers Ohr haute, konnten wir nur ahnen, beschlossen aber, dass dies zum italienischen Lebensgefühl dazugehört. Hauptsache alles bremst und sitzt fest. Den ultimativen Beweis für die Funktionalität erhielten wir auf der Heimreise. Doch dazu später. Das Ende unserer Reise rückte näher, weshalb wir begannen, unseren Rückweg zu planen. Einen Tagesabstecher nach Siena und Florenz wollten wir auf jeden Fall mitnehmen.

Die Dos, Dont’s und Tipps in Punta Ala und Grosseto

  • Do’s: Tauchen oder schnorcheln am Maremma-Meer, Vögel und Falken beobachten, Mountainbiken
  • Dont’s: Darauf hoffen, dass das Baumharz einen nicht trifft

▶▶ Mein Tipp: Die Maremma bietet eine 170 km lange Küste mit einer extremen Vielfalt an Flora und Fauna, sowohl unter, als auch über Wasser. Die Vegetation zählt zur abwechslungsreichsten im Mittelmeer, deshalb lohnt sich ein genauerer Blick in die Natur

Stellplätze in Punta Ala und Grosseto

Campingplatz Baia Verde

  • Loc. Casetta Civinini Punta Ala, 58043 Castiglione della Pescaia
  • Geöffnet von April bis Oktober für Wohnmobile, Zelte, Campervans und Wohnwagen-Gespanne
  • Toll: Viel Platz, wunderschöner Strand, tolle Baumbestände, Waldatmosphäre
  • Nicht so toll: Mitarbeiter manchmal etwas unfreundlich, veraltetes Sanitär

Cieloverde Camping Village Marina di Grosseto

  • Via della Trappola 181, 58100 Marina di Grosseto
  • Öffnungszeiten von Mai bis Oktober für Wohnmobile, Zelte, Campervans und Wohnwagen-Gespanne
  • Toll: viele verschiedene Service-Leistungen, Schwimmbad
  • Nicht so toll: Sehr groß, Fahrrad deshalb empfehlenswert; spätes Animationsprogramm, das mal lauter werden kann

Camping Rosamarina

  • Via delle Colonie 37, 58100 Grosseto
  • Geöffnet von April bis Oktober für Wohnmobile, Zelte, Campervans und Wohnwagen-Gespanne
  • Toll: Strandnähe, sauberes Sanitär, Pinienbäume spenden Schatten
  • Nicht so toll: veraltete Sanitäre Anlagen, wenig Angebote für Kinder

Ein bisschen Siena, ein klitzekleinesbisschen Florenz

Fast drei Wochen waren wir nun unterwegs und erste Anzeichen von Kultur-Muffeligkeit machten sich bemerkbar. So eine Italien Reise benötigt mindestens ebenso viele Erholungsphasen wie Aktivitäten. Das Verhältnis war nicht ganz ausgeglichen, trotzdem rafften wir uns auf und besuchten die Zentren beider Städte. Vor allem in Siena vergaßen wir unsere Anstrengung schnell. Verzaubert von den mittelalterlichen Ziegelgebäuden und einem gigantischen Panoramablick gönnten wir uns einen halben Tag für die Erkundung. Seit 1995 zählt Siena zum UNESCO-Welterbe und beeindruckt mit Kunst, Kultur und Architektur verschiedenster Epochen. Eine Rast am Piazza del Campo lohnt sich, denn dort kann man dem Treiben besonders gut zusehen. Jedes Jahr finden dort außerdem die berühmten Pferderennen Palio statt, bei denen sich verschiedene Stadtteile Sienas gegenübertreten. 2020 mussten sie leider ausfallen. Doch wer für nächstes Jahr eine Italienreise plant, hat hiermit einen wertvollen Tipp erhalten.

Am späten Nachmittag fuhren wir weiter ins toskanische Hinterland. Wir hatten ein stillgelegtes Weingut ausgemacht, auf dem wir für 25 Euro die Nacht unterkommen konnten. Im Preis inbegriffen war ein Essen, das die Besitzerin höchstpersönlich für uns zubereitete. Außerdem führte sie uns in ihren Weinkeller, in dem noch einige Vorräte an Chianti lagerten. Endlich ein angemessenes Souvenir, dachten wir uns und kauften vier Flaschen. Der Weinberg, auf dem wir unseren Camper abstellten, trug noch viele Früchte und wir fragten uns, warum sie niemand mehr ernten wollte. Ihre Beweggründe wollte die Dame uns leider nicht verraten, doch wir vermuteten einen persönlichen Schicksalsschlag. Wir waren froh, ihr mit unserer Anwesenheit ein wenig Gutes zu tun und genossen die besonders erholsame Nacht zwischen Olivenbäumen und Weinreben.

Florenz. Die letzte Etappe unserer Italien Reise. Morgens brachen wir auf und stellten uns auf einen bewachten Parkplatz in der Nähe des Zentrums. Viel zu oft hatten wir von Diebstählen und Einbrüchen gelesen, sodass wir uns diesen Stress in den letzten Urlaubsstunden ersparen wollten. Leider regnete es ununterbrochen und unsere Motivation für eine Stadtbesichtigung sank kontinuierlich. Sicherlich schenkten wir der Stadt nicht die Aufmerksamkeit, die ihr gebührt. Doch das Wetter erleichterte uns wenigstens den Abschied aus Italien und ließ uns die zu erwartende deutsche Kälte gefasster aufnehmen. So kam es, dass wir nach zwei Stunden Bestaunen architektonischer Meisterwerke und nicht enden wollendem Dauerregens schließlich unsere Heimreise antraten. Auf dem Weg bekamen wir die Wichtigkeit unserer neuen Bremsklötze zu spüren. Bereits kurz vor der österreichischen Grenze nahte der Kälteschock, der uns aus dem italienischen Traum reißen sollte: Schnee! Es war noch immer September. Ein Monat, der nach gregorianischem Gesetz eigentlich den Herbst einläutet und nicht den Winter. Wir waren froh, Alljahresreifen und gut funktionierende Bremsen zu besitzen. Jede Rast entwickelte sich zur zähneklappernden Herausforderung. Unser Plan, eine letzte Nacht auf einem Parkplatz zu verbringen, legten wir wortwörtlich auf Eis und fuhren die gesamte Strecke nach Nürnberg durch.

Die Dos, Dont’s und Tipps in Siena und Florenz

  • Do’s: Dem Treiben am Piazza del Campo in Siena zusehen und dabei ein Eis essen, mehr Zeit als einen Tag für Florenz einplanen
  • Dont’s: Das Auto auf einen unbewachten Parkplatz stellen

▶▶ Mein Tipp: Anstelle eines Campingplatzes einen der zahlreichen toskanischen Bauernhöfe/Winzerhöfe aufsuchen und dort übernachten

Stellplätze in und um Siena und Florenz

Stellplatz Parcheggio Gelsomino

  • Via del Gelsomino 7, 50125 Florenz
  • Ganzjährig geöffnet für Wohnmobile und Campervans
  • Toll: Busanbindung ins Zentrum von Florenz, günstig, bewacht
  • Nicht so toll: Sehr eng, keine Dusche vorhanden, kein Strom vorhanden

Camping Siena Colleverde

  • Str. di Scacciapensieri 47, 53100 Siena
  • Öffnungszeiten erfragen, geeignet für Wohnmobile, Zelte, Campervans und Wohnwagen-Gespanne
  • Toll: Busverbindung nach Siena, Schwimmbad, Restaurant und Minimarkt auf dem Areal
  • Nicht so toll: kleine Stellplätze, Zugang zum Pool nur mit Badekappe

Stellplatz Agriturismo Il Cavallone

  • Via Malmantile 12, 50056 Montelupo Fiorentino
  • Ganzjährig geöffnet für Wohnmobile und Campervans
  • Toll: Preis beinhaltet Dinner, tolle Aussicht zwischen Olivenbäumen und Weinreben
  • Nicht so toll: Sanitäre Anlagen könnten mehr Sauberkeit vertragen

▶▶ Mein Tipp: Am Gatter befindet sich ein Knopf zum Tor öffnen – einfach selbst öffnen und auf das Gelände fahren, die Besitzerin kommt dann später auf euch zu

Musiktipps für die Wohnmobil Tour durch Italien

Hier habe ich dir meine Spotify-Playlist zusammengestellt, damit du auch zu Hause das Italien-Feeling spüren kannst.

Ein Fazit unserer Italienreise mit Ambivalenz und Arrivederci

Wahrscheinlich hast du es bereits gemerkt: Je näher das Ende der Italien Reise rückte, desto mehr freute ich mich tatsächlich auch wieder auf zu Hause. Fast ein bisschen wie in diesem Text, in dem die einzelnen Orte zum Ende hin etwas weniger Liebe abbekommen haben. Aber ist nicht genau das auch das Ziel einer solchen Reise? Erst scheint die Ferne verheißungsvoll mit einer aufregenden Geschichte zu winken, doch am Ende ist man doch irgendwie froh, wenn das letzte Kapitel erreicht und mit einem Happy End versehen ist. Natürlich immer insgeheim in dem Wissen, dass es sicherlich bald einen nächsten Band geben würde. Fortsetzung folgt.

Fotos: (c) Nadine Zwingel | www.writeforyourtype.de

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