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Wohnmobil und Wohnwagen finanzieren: Der Traum vom eigenen Camper

Nicht erst seit Corona träumen viele Menschen vom Urlaub mit Wohnmobil, Wohnwagen oder Campervan. Doch aufgrund des anhaltenden Campingbooms und der immer weiter steigenden Nachfrage haben die Preise nochmals ordentlich angezogen, auch und gerade auf dem Gebrauchtmarkt. Eine Möglichkeit, sich den Wunsch nach einem eigenen Campingmobil ohne großes Eigenkapital dennoch zu erfüllen, ist eine Finanzierung.

Wieviel kostet ein Campingfahrzeug?

Weder bei Neuen noch bei Gebrauchten lässt sich die Frage nach dem Preis pauschal be- antworten. Vielmehr hängt dieser von verschiedenen Faktoren ab:

  • Fahrzeugtyp
  • Marke
  • Modell
  • Ausstattung

Bei Gebrauchtfahrzeugen zusätzlich:

  • Baujahr
  • Erhaltungszustand
  • Schadstoffklasse (motorisierte Fahrzeuge)

Ein fahrbereiter, gebrauchter Wohnwagen älteren Baujahrs ist mit etwas Glück ab 5.000 bis 7.000 Euro zu haben. Jüngere, etwas besser ausgestattete Gebrauchtfahrzeuge kosten je nach Marke und Ausstattung im Schnitt zwischen 8.000 und 12.000 Euro. Für fabrikneue Modelle werden selbst bei günstigeren Marken in der Regel mindestens 12.000 bis 15.000 Euro Einstiegspreis fällig. Größere Gefährte schlagen schon mal mit 30.000 bis 40.000 Euro zu Buche.

Für ein Wohnmobil oder einen zum Camper ausgebauten Kastenwagen musst du noch deutlich tiefer in die Tasche greifen: Ab ca. 12.000 bis 20.000 Euro gibt es ältere Gebrauchtfahrzeuge, neue Modelle bewegen sich im Schnitt zwischen 40.000 und 80.000 Euro. Für besonders ausgestattete individuelle Anfertigungen oder die sogenannten „Luxusliner” sind nach oben hin keine Grenzen gesetzt.

Welcher Fahrzeugtyp am besten zu dir passt, kannst du in unserem Artikel „Wohnwagen, Wohnmobil, Kastenwagen oder Campingbus“ sowie im „Kaufratgeber Mini-Camper“ nachlesen.

Vorsicht, Betrüger!  Häufig finden sich vor allem auf einschlägigen Internetseiten Angebote, die schlichtweg „zu gut sind, um wahr zu sein“. Ein fünf Jahre alter Alkoven in super Zustand mit 20.000 Kilometern für 8.000 Euro? Hände weg! Informiere dich ausführlich über die aktuellen marktüblichen Preise für das von dir gesuchte Fahrzeug und Baujahr. Erkennst du hier große Ausreißer, ist meistens irgendetwas faul – entweder stimmt mit dem Fahrzeug etwas nicht oder die ganze Anzeige ist ein Fake!

Unter anderem der NDR hat über die Masche mit dem Wohnmobil-Betrug berichtet (Video aus Juni 2020). Es finden sich aber noch viele weitere Warnungen und Erfahrungsberichte im Netz.

Das Fahrzeug finanzieren

Um dein Traummobil zu finanzieren, stehen dir verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die natürlich jeweils auch Vor- und Nachteile sowie unterschiedliche Verpflichtungen mit sich bringen. Generell gibt es die folgenden Optionen:

  • Ratenkredit bei einer Bank
  • Finanzierung beim Händler
  • Leasing

Am Anfang jeder Kreditvergabe steht eine Bonitätsprüfung, in der deine zu erwartenden Einnahmen, deine Vermögenswerte, aber auch eventuelle Schulden beleuchtet werden. Diese ist für die Kreditgeber verpflichtend – denn zum einen tragen sie das Risiko von Kreditausfällen, zum anderen sollen die Kreditnehmer dadurch vor Überschuldung geschützt werden.

Ratenkredit bei einer Bank

Bei dieser Variante gibt dir eine Bank einen Kredit, mit dem du dein neues Campingfahr- zeug bar bezahlen kannst. Das kannst du entweder über deine Hausbank abwickeln, die dich als Kunden bereits kennt, oder du suchst dir ein anderes Kreditinstitut, das dir gute Konditionen bietet. Bitte aber immer genau aufs „Kleingedruckte“ achten, denn auch hier stellt sich so manches vordergründige Schnäppchen als Pferdefuß heraus.

Tipp: Mit einem Online-Rechner kannst du dir eine große Auswahl möglicher Kreditgeber ansehen, die evtl. in Frage kommen, um dein Wohnmobil günstig zu finanzieren. In der Regel lassen sich über diese Portale die verschiedenen Angebote und Konditionen vergleichen und auf Wunsch auch direkt vom heimischen Rechner aus entsprechende Kredite beantragen.

Zweckgebundener vs. zweckfreier Kredit

Bei einem Ratenkredit unterscheidet man zwischen zweckgebundenen und zweckfreien Krediten. Beim zweckgebundenen Kredit (meist in Form eines Autokredits) gehört das Fahrzeug zunächst der Bank, der Fahrzeugbrief wird dir nach Beendigung der Ratenzahlung übergeben. Falls du die Raten nicht bedienen kannst, hat die Bank die Möglichkeit, das Mobil zu verkaufen. Der Vorteil: Bei der Abgabe des Fahrzeugbriefs bekommst du meist sehr attraktive Zinsen, weil die Bank dadurch eine Sicherheit hat. Beim zweckfreien Kredit geht das Fahrzeug direkt in dein Eigentum über und du kannst auch während der Kreditlaufzeit frei darüber verfügen, indem du es zum Beispiel privat verkaufst.

Finanzierung beim Händler

Die meisten Wohnmobil- und Caravanhändler bieten Finanzierungsmöglichkeiten an. Teilweise arbeiten die Unternehmen mit Banken zusammen, die sich auf Darlehen für Freizeitfahrzeuge spezialisiert haben, teilweise nutzen sie die Finanzierungservices der großen Händler.

Ratenkredit vs. Ballonkredit vs. Drei-Wege-Finanzierung

Der klassische Ratenkredit läuft über eine Bank genauso ab wie über einen Händler – allerdings mit dem Nachteil, dass du in diesem Fall keinen Barzahlerrabatt erzielen kannst.

Beim Ballonkredit läuft die Tilgung nicht über den kompletten Betrag der Darlehenssumme, sondern nur über einen Teil davon. Zur Berechnung wird die voraussichtliche Nutzungsdauer des Fahrzeugs zugrunde gelegt. Aus dieser Dauer bestimmt sich der Restwert des Fahrzeugs nach Ablauf der Kreditdauer. Während der Laufzeit tilgst du daher nur einen geringen Teil des Fahrzeugpreises und kommst so auf sehr niedrige Raten. Teilweise wird sogar auf eine Anzahlung verzichtet. Der Restwert des Fahrzeugs wird, ähnlich wie ein großer Ballon, jedoch auf einen Schlag als hohe Schlussrate fällig. Eine Anschlussfinanzierung ist möglich, wird aber häufig nur zu schlechteren Konditionen angeboten.

Die Drei- Wege-Finanzierung ist ein „Ableger“ der Ballonfinanzierung. Auch hier wird am Ende der Kreditlaufzeit eine große Schlussrate fällig. Falls du diese nicht bedienen kannst, steht dir jedoch offen, das Fahrzeug an den Händler zurückzugeben und damit quasi die letzte Rate zu tilgen. Doch Achtung: Wenn das Fahrzeug aus irgendeinem Grund an Restwert eingebüßt hat, kann es sein, dass du eine Nachzahlung leisten musst.

Leasing

Das Leasing von Freizeitfahrzeugen ist zwar vorrangig für Selbstständige und Unternehmer interessant, grundsätzlich jedoch auch für Privatpersonen möglich. Beim Leasing nutzt du das Mobil auf Basis eines „Mietvertrags“, es verbleibt aber im Eigentum der Leasingfirma. Die Leasingrate wird am Restwert bemessen, den das Fahrzeug am Ende der Vertragslaufzeit voraussichtlich haben wird. Nach Ablauf wird das Mobil zurückgegeben und der tatsächliche Restwert ermittelt. Liegt dieser unter dem vorher errechneten Wert, musst du diesen Verlust ausgleichen. Häufig wird eine Kaufoption zum Restwert angeboten, außerdem sind meist zusätzliche Leistungen wie Wartungsverträge möglich.

Kilometer-Leasing vs. Restwert-Leasing

Beim Kilometer-Leasing darf dein Fahrzeug nach der Vertragslaufzeit nur die vereinbarte Laufleistung sowie „übliche Gebrauchsspuren“ aufweisen. Mängel oder Schäden, die darüber hinausgehen, sind von dir zu tragen.

Beim Restwert-Leasing spielt dagegen der technische und optische Gesamteindruck eine Rolle. So musst du nicht nur für überdurchschnittliche Abnutzung und selbst verursachte Schäden aufkommen, sondern auch für eventuelle Wertverluste, die du nicht zu verantworten hast, etwa eine veränderte Marktlage.

Ausführliche Informationen rund um die Anschaffung von Wohnmobil oder Wohnwagen findest du in folgenden Artikeln:

Fazit: Vor- und Nachteile der Finanzierungsvarianten im Überblick

Ratenkredit

  • häufig ansehnliche Rabatte bei Barzahlung des Fahrzeugs
  • Kreditkosten gut kalkulierbar
  • Ablösung jederzeit möglich, evtl. aber gegen Vorfälligkeitsentschädigung
  • Fahrzeug geht direkt oder nach Abzahlung der Raten ins Eigentum des Käufers über
  • Zinssätze von Bonität abhängig
  • Fahrzeugbrief verbleibt beim zweckgebundenen Kredit bis zur kompletten Tilgung bei der Bank

Ballonkredit

  • meist geringe oder keine Anzahlung
  • niedrige Raten während der Laufzeit
  • häufig günstige Zinsen
  • hohe Schlussrate
  • Anschlussfinanzierung möglich, aber häufig teuer
  • kein Barzahlerrabatt
  • Risiko durch nicht vorhersehbare Wertverluste (z.B. durch Schäden oder zu hohe Fahrleistung)

Leasing

  • Flexibilität: keine langfristige Bindung an ein bestimmtes Fahrzeug, aber deutlich günstiger als Mieten
  • bei Kilometer-Leasing kein Wertverlustrisiko durch Marktschwankungen
  • Umsatzsteuer für Selbstständige absetzbar
  • kein Verkauf möglich
  • Übernahme des Leasingvertrags durch Dritte nur bei Zustimmung der Leasinggesellschaft und ggf. der Bank
  • Fahrzeug geht nicht in Eigentum über (kein Gegenwert am Ende der Laufzeit)
  • Evtl. vorgeschriebene Vertragswerkstätten
  • Vollkaskoversicherung häufig verpflichtend
  • Umsatzsteuer für Privatleute nicht absetzbar
  • Schwer kalkulierbarer potenzieller Wertverlust beim Restwert

Titelbild: (c) Goodluz / Depositphotos.com

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