Für guten Fernsehempfang beim Campen gibt es heute diverse Möglichkeiten. Doch was brauchst du wirklich? Eine Satellitenschüssel, einen Router oder vielleicht beides? In unserem Podcast gab Harald Langer, Vertriebsleiter für Campingprodukte bei MEGASAT, Einblicke in die Welt der mobilen Unterhaltung.
Inhaltsverzeichnis
Die digitale Revolution: Warum früher nicht alles schlechter war
Viele langjährige Camper können sich noch gut an das analoge Fernsehen erinnern. Harald Langer erklärte im Podcast, dass es damals viel einfacher war, eine manuelle Satellitenantenne auszurichten. Man konnte sich langsam an das Signal herantasten – vom anfänglichen Rauschen bis zum perfekten Bild.
Mit der Umstellung auf Digitalfernsehen im Jahr 2012 änderte sich das grundlegend. Seitdem gilt das „1 oder 0“-Prinzip: Entweder man hat ein Bild oder nicht. Da das digitale Signal zudem mit einer leichten Verzögerung ankommt, sei die manuelle Ausrichtung für Laien kaum noch machbar. Die heutige Lösung dafür seien vollautomatische Antennen, die diese Aufgabe innerhalb weniger Minuten übernehmen.
Die zentrale Frage: Satellitenschüssel oder Streaming?
Beide Systeme haben ihre Daseinsberechtigung. Die Wahl hängt von den individuellen Bedürfnissen ab.
Argumente für die Satellitenschüssel
- Kostenkontrolle: Nach dem einmaligen Anschaffungspreis entstünden keine weiteren Folgekosten.
- Zuverlässigkeit: Satellitenempfang funktioniere praktisch überall, unabhängig von der lokalen Netzabdeckung.
- Einfache Bedienung: Meist genüge ein Knopfdruck, und die Antenne findet den Satelliten von selbst.
- Geringer Stromverbrauch: Die Antenne selbst verbrauche nur während der kurzen Ausrichtungsphase Strom.
Argumente für das Streaming
- Inhaltevielfalt: Es ermöglicht den Zugriff auf Mediatheken und Dienste wie Netflix, Amazon Prime und Co.
Die Tücken des Streamings: Datenhunger und lückenhaftes Netz
Streaming ist flexibel, bringt aber auch Herausforderungen mit sich, auf die Harald Langer hinwies:
- Hoher Datenverbrauch: Ein HD-Film von 90 Minuten könne etwa 5 bis 6 GB an Datenvolumen benötigen. Ohne eine echte Flatrate komme man im Urlaub daher nicht weit.
- Laufende Kosten: Neben den Abos für die Streaming-Anbieter fielen monatliche Kosten für einen leistungsstarken Datentarif an. Premium-Anbieter würden dafür zwischen 60 und 90 Euro pro Monat verlangen.
- Netzabdeckung: Besonders in Deutschland hinke der 5G-Ausbau im europäischen Vergleich noch hinterher. In abgelegenen Regionen sei stabiles Streaming daher oft nicht möglich.
- Roaming-Grenzen: Selbst deutsche Premium-Tarife böten im Ausland oft keine unbegrenzte Flatrate, sondern seien auf ein bestimmtes Gigabyte-Volumen gedeckelt. Die Nutzung einer ausländischen SIM-Karte wiederum könne wegen Ländersperren (Geoblocking) den Zugriff auf deutsche Mediatheken verhindern.
Für einen stabilen Stream seien 20 bis 30 MBit/s notwendig. Um Signalverluste durch die Fahrzeughülle zu vermeiden, sei ein System mit einer Außenantenne auf dem Dach empfehlenswert.
Die ideale Lösung: Die Kombination macht’s
Für die meisten Camper sei, so Harald Langer, eine Kombination aus beiden Systemen die ideale Lösung. Eine Satellitenantenne für den zuverlässigen Empfang von linearem Fernsehen, ergänzt durch ein Routersystem für Internet und Streaming. So ist man für alle Eventualitäten gerüstet. Die Wahl der Antenne sollte sich nach dem Fahrzeug und den typischen Reisezielen richten.
- Fest montierte Antennen: Werden auf dem Dach verklebt und fahren sich bei Motorstart automatisch ein.
- Mobile Antennen: Bieten den Vorteil, dass das Fahrzeug im Schatten unter Bäumen stehen kann, während die Antenne mit freier Sicht zum Satelliten platziert wird.
- Kuppelantennen: Sind durch ihre Bauform besonders gut gegen Wind und salzhaltige Luft geschützt, was sie ideal für Küstenregionen macht. Auch diese gibt es als mobile Variante.
Ein wichtiger Faktor sei die Größe des Spiegels. Je weiter man sich in die Randzonen Europas (z.B. Portugal, Skandinavien) bewege, desto größer müsse der Spiegel sein. Moderne Technologien ermöglichten aber auch hier bereits mit kleineren Spiegeln von 55 cm einen europaweiten Empfang.
Worauf du beim Camping-Fernseher achten solltest
Ein Fernseher für den Einsatz im Camper muss spezielle Kriterien erfüllen. Er sollte
- spannungsstabil sein, um die Schwankungen im Bordnetz zwischen 10 und 15 Volt problemlos zu verkraften.
- schockresistent sein, um die permanenten Erschütterungen während der Fahrt auszuhalten.
- über einen integrierten Triple-Tuner (Satellit, DVB-T2) sowie Smart-TV-Funktionen für Streaming-Apps verfügen.
Überraschenderweise ist die Nachfrage nach Geräten mit eingebautem DVD-Laufwerk nach wie vor sehr hoch, besonders bei Campern, die mit ihren Enkeln unterwegs sind.
Fazit
Ob Satellit oder Streaming die bessere Wahl ist, hängt ganz von deinen persönlichen Vorlieben, deinem Reiseverhalten und deinem Budget ab. Während Streaming eine riesige inhaltliche Vielfalt bietet, überzeugt die Satellitenanlage durch Einfachheit, Zuverlässigkeit und Kostenkontrolle. Die im Podcast empfohlene Kombination aus beiden Technologien stellt sicher, dass du jederzeit bestens unterhalten bist.
Podcast zum Anhören
Das vollständige Gespräch mit Harald Langer von MEGASAT kannst du dir hier anhören:
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Titelbild generiert mit Gemini.
