Neun Tage Fernweh, 268.000 Besucher und eine Botschaft, die Mut macht: Der Reise- und Campingmarkt ist quicklebendig. Während überall von Konsumzurückhaltung und Krise die Rede ist, erzählt die CMT in Stuttgart eine andere Geschichte.
Wir haben in unserem Podcast mit Messedirektor Alexander „Xandi“ Ege über die Erkenntnisse dieser besonderen Tage gesprochen. Was dabei herauskam, zeigt nicht nur, wie es um die Campingbranche steht, sondern auch, welche Trends die Community bewegen:
Inhaltsverzeichnis
- Trotz Krisenstimmung: Camper kaufen bewusst und mit Begeisterung
- Selbstausbau boomt: Die versteckte Perle der CMT
- Starker Auftritt der Partnerländer: Angola & Katalonien begeistern
- Fachbesucher entdecken die CMT neu
- Barrierefreies Camping: Ein Thema, das (noch) mehr Aufmerksamkeit verdient
- Hinter den Kulissen: Der Marathon der Messemacher
- Fazit: Die CMT bleibt eines der wichtigsten Schaufenster der Campingbranche
Trotz Krisenstimmung: Camper kaufen bewusst und mit Begeisterung
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der diesjährige Ansturm lag sogar noch über dem Vorjahresniveau. Die Stellplätze für Wohnmobile auf dem Messegelände waren durchgehend ausgebucht, vor allem an den beiden Wochenenden. Das zeigt, dass Camping-Enthusiasten weite Anreisen in Kauf nehmen, um sich persönlich zu informieren und auszutauschen.
Nach Einschätzung von Xandi Ege kaufen die Menschen weiterhin gerne, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied zu früheren Jahren: Es wird deutlich überlegter konsumiert. Viele Besucher schauen sich am ersten Wochenende mehrere Fahrzeuge an, vergleichen intensiv und treffen ihre Kaufentscheidung dann am zweiten Wochenende. Qualität und Langlebigkeit stehen im Vordergrund. Die Zeiten der spontanen Impulskäufe scheinen vorbei zu sein, dafür investieren Camper bewusster in Ausrüstung, die wirklich zu ihren Bedürfnissen passt.
Besonders interessant: Auch im Tourismusbereich wurde gut gebucht. Xandi Ege berichtete von Hammerangeboten wie sieben Tage am Meer inklusive Flug, Hotel und Verpflegung für unter 400 Euro. Die Reisebranche scheint verstanden zu haben, dass attraktive Preise in unsicheren Zeiten der Schlüssel zum Erfolg sind.

Selbstausbau boomt: Die versteckte Perle der CMT
Eine besondere Erfolgsgeschichte schrieb in diesem Jahr die Selbstausbau-Halle im Kongresszentrum. Nele und Sebastian waren selbst mit ihrem 3D-Druck-Stand vor Ort und zeigten sich überrascht von der enormen Resonanz. Obwohl die Halle etwas abseits der Hauptmessegelände liegt, strömten die Besucher bereits zur Eröffnung in Scharen dorthin.
Die beiden berichteten von intensiven Gesprächen mit Gleichgesinnten, die ebenfalls im 3D-Druck aktiv sind. Der Austausch ging weit über klassische Verkaufsgespräche hinaus. Tipps wurden geteilt, Erfahrungen ausgetauscht und Netzwerke geknüpft. Das zeigt: Die Selbstausbau-Community ist lebendig, kreativ und vor allem hilfsbereit.
Laut Xandi Ege ist die gelungene Integration dieser Themenwelt in die CMT kein Zufall. In den vergangenen zwei Jahren wurde gezielt daran gearbeitet, diesen wachsenden Markt sichtbar zu machen. Neben Ausstellern gab es auch spannende Vorträge und Workshops, die das Thema Selbstausbau von allen Seiten beleuchteten.


Starker Auftritt der Partnerländer: Angola & Katalonien begeistern
Besondere Aufmerksamkeit galt dem diesjährigen Partnerland Angola. Mit farbenfrohen Tanzshows, ausgelassener Stimmung und einem liebevoll gestalteten Messestand überzeugte das Land auf ganzer Linie. Auch Katalonien traf mit der „Gran Tour de Catalunya“ den Nerv vieler Reisefans – insbesondere bei Vanlifern und Aktiv-Urlaubende.
Die Partnerländer der CMT sind längst mehr als eine Randnotiz – sie geben Reiseimpulse und bringen neue Ideen direkt zu den Besucher:innen. Für 2027 steht mit Slowenien bereits ein weiteres Highlight in den Startlöchern.
Fachbesucher entdecken die CMT neu
Neben dem Publikumserfolg wächst auch die Bedeutung der CMT als Branchentreff. Mit über 20 neuen Fachveranstaltungen – darunter dem „Future Tourism Congress“ und dem „CycleTourismSummit“ – bot die Messe tiefe Einblicke in aktuelle Trends, etwa zu nachhaltigem Tourismus, Female Leadership oder innovativen Energielösungen fürs Reisen.
Auch im politischen Raum wurde die CMT als Plattform genutzt. Vertreter:innen aus Politik und Wirtschaft betonten die enorme wirtschaftliche Bedeutung der Tourismusbranche, vor allem im ländlichen Raum.
Barrierefreies Camping: Ein Thema, das (noch) mehr Aufmerksamkeit verdient
Ein wichtiger Bereich, das oft zu kurz kommt, ist die Barrierefreiheit im Reise- und Campingsektor. Auf der CMT wurde dazu schon mal ein wertvoller Anfang gemacht: In Halle 6 informierten Expert:innen über Angebote für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige – inklusive umgebauter Fahrzeuge, Mobilitätshilfen und Infos zu Reisen mit medizinischem Bedarf. „Das Thema liegt uns am Herzen“, betonte Ege im Podcast – und kündigte bereits an, diesen Bereich weiter auszubauen.
Das wäre aus meiner Sicht sehr wünschenswert. Wir haben wieder sehr viele Menschen im Rollstuhl oder mit Gehhilfen gesehen, die leider immer noch nicht mal ansatzweise von der Branche berücksichtigt werden. Ein paar behindertengerechte Umbauten hier, einige angeblich oder tatsächlich barrierefreie Campingplätze dort – aber keine zuverlässigen Informationen dazu und schon gar keine flächendeckenden Angebote.
Meiner Meinung nach ein ziemliches Armutszeugnis für eine Branche, die immerzu von „Freiheit“ spricht.

Hinter den Kulissen: Der Marathon der Messemacher
Was viele Gäste nicht sehen: Für die Messemacher bedeuten die neun Tage CMT einen echten Marathon. Xandi Ege berichtete von bis zu 30.000 Schritten täglich und einer Kollegin, deren Fitnessuhr irritiert nachhakte, ob denn Sport getrieben wurde. Die Herausforderung liegt nicht nur in der körperlichen Belastung, sondern auch in der Logistik. Termine über das gesamte Messegelände verteilt, spontane Standbesuche und abendliche Networking-Events gehören zum Programm.
Doch gerade diese Präsenz macht den Unterschied. Durch die ständige Bewegung in den Hallen bleibt das Team in engem Kontakt zu den Ausstellenden – und bekommt ein authentisches Gefühl dafür, was die Besucher wirklich interessiert, welche Trends sich abzeichnen und wo es im nächsten Jahr Verbesserungspotenzial gibt.
Fazit: Die CMT bleibt eines der wichtigsten Schaufenster der Campingbranche
Die CMT 2025 hat gezeigt, dass die Camping-Community lebendig und kaufkräftig ist. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten wird investiert, allerdings bewusster und überlegter als früher. Besonders erfreulich: Nischenthemen wie Selbstausbau und barrierefreies Camping finden immer mehr Raum und Aufmerksamkeit.
Für dich als Campingfan bedeutet das: Die Messe lohnt sich nach wie vor. Nirgendwo sonst kannst du so viele Fahrzeuge vergleichen, dich mit Experten austauschen und die neuesten Trends hautnah erleben. Plant am besten zwei Tage ein, um wirklich alles in Ruhe anzuschauen und eure Kaufentscheidung nicht überstürzt zu treffen.
Titelbild: © Thomas Wagner / Messe Stuttgart
Fotos im Text: © CamperStyle
