Tausende Besucher, hunderte Aussteller, unzählige Wohnmobile, Vans und Campingzubehör auf einer riesigen Fläche: Camping-Messen wie die CMT in Stuttgart, die REISEN & CARAVANING Hamburg oder die Messe in Leipzig gehören für viele von uns zu den Highlights des Jahres.
Doch hast du dich schon mal gefragt, wer eigentlich hinter diesen gigantischen Events steckt und wie viel Arbeit in der Organisation steckt? Nele hat auf der Reisen Hamburg mit Andreas Ott von der Messe Stuttgart gesprochen, der genau diese Frage beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
- Ein kleines Team stemmt drei große Messen
- Nach der Messe ist vor der Messe
- REISEN & CARAVANING Hamburg in Zahlen
- Jede Messe hat ihren eigenen Charakter
- Politische Strahlkraft und wirtschaftliches Gewicht
- Die Zukunft: Mehr Zubehör und Selbstausbau
- Fazit: Leidenschaft trifft auf Professionalität
- Podcast-Episode
Ein kleines Team stemmt drei große Messen
Was auf den ersten Blick nach einem riesigen Organisationsapparat aussieht, wird tatsächlich von einem überschaubaren Kernteam gestemmt. Wie Andreas Ott erklärt, kümmern sich etwas mehr als zehn Personen das ganze Jahr über um die drei großen Camping-Messen in Stuttgart, Hamburg und Leipzig.

Die Aufgaben sind dabei thematisch aufgeteilt: Während sich einige Kolleginnen und Kollegen um Tourismus kümmern, betreuen andere die Bereiche Fahrrad, Wandern, Outdoor oder Golf. Für das Thema Caravaning und Camping sind gerade einmal drei Personen zuständig.
Diese Zahl überrascht, wenn man bedenkt, welche logistische Meisterleistung hinter jeder Messe steckt. Von der Ausstellerakquise über die Hallenplanung bis hin zur thematischen Ausrichtung muss alles perfekt orchestriert werden.
Nach der Messe ist vor der Messe
Während wir als Besucher oder Aussteller nach dem letzten Messetag erschöpft, aber glücklich nach Hause fahren und erst mal durchatmen können, sieht die Realität für das Messeteam anders aus. Nach einem regelrechten Messemarathon mit drei großen Events innerhalb weniger Monate gönnt sich das Team zwar eine kurze Verschnaufpause, doch die Planung für das nächste Jahr beginnt zeitnah.

Dabei geht es nicht nur um organisatorische Fragen, sondern vor allem um strategische Überlegungen: Was kam bei den Besuchern gut an? Wo gibt es Verbesserungspotenzial? Welche neuen Themen sollten auf die Messe gebracht werden? Diese Reflexionsphase ist entscheidend, um jede Messe Jahr für Jahr weiterzuentwickeln und an die Bedürfnisse der Camping-Community anzupassen.
REISEN & CARAVANING Hamburg in Zahlen
Dass die akribische Planung des Teams Früchte trägt, belegt der aktuelle Abschlussbericht der Messe vom Februar 2026. Trotz eines markanten Wintereinbruchs ließen sich die Norddeutschen nicht bremsen: Rund 60.000 Besucher strömten auf das Hamburger Messegelände, um die Neuheiten der 500 Aussteller und rund 600 ausgestellten Freizeitfahrzeuge unter die Lupe zu nehmen.

Um die Qualität der Messe messbar zu machen, wurde vor Ort eine repräsentative Besucherbefragung durchgeführt. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache für die Beliebtheit des Events:
- Bestnoten für das Messeerlebnis: Die Besucher zeigten sich begeisterter denn je. Im Vergleich zum Vorjahr (Note 2,1) verbesserte sich die Gesamtzufriedenheit auf eine starke Note von 1,9. Insgesamt bewerteten 85 % der Befragten die Messe mit „sehr gut“ oder „gut“.
- Hohe Loyalität und Weiterempfehlung: Die RC Hamburg hat eine treue Fangemeinde – 72 % der Gäste waren Stammgäste. Die Bindung ist so hoch, dass 93 % der Befragten angaben, auch 2027 wieder dabei sein zu wollen. Besonders beeindruckend: Nahezu jeder Besucher (98 %) würde die Messe Freunden oder der Familie weiterempfehlen.
- Gezielte Interessen: Die Umfrage zeigt genau, was die Menschen bewegt. Das Hauptaugenmerk lag mit 64 % auf dem Bereich Caravaning und Camping. Aber auch die Vielfalt wurde genutzt: 38 % interessierten sich für die Tourismusangebote und jeder Fünfte (19 %) suchte gezielt nach Inspiration im Fahrradbereich.
- Publikumsstruktur: Mit einem Durchschnittsalter von 52 Jahren und einer durchschnittlichen Verweildauer von vier Stunden in den sieben Messehallen zeigt sich ein interessiertes und kaufkräftiges Publikum, das vor allem aus Hamburg (41 %), Schleswig-Holstein (35 %) und Niedersachsen (15 %) anreiste.
Jede Messe hat ihren eigenen Charakter
Was viele nicht wissen: Die drei Messen unterscheiden sich deutlich voneinander. Das bestätigt nicht nur Nele aus ihrer Erfahrung, sondern auch Andreas Ott aus Veranstaltersicht. Die CMT in Stuttgart nimmt dabei eine Sonderstellung ein. Als Hausmesse der Messe Stuttgart ist sie die größte, längste und besucherstärkste der drei Veranstaltungen. Doch das bedeutet nicht, dass Leipzig und Hamburg weniger wichtig wären.
Jede Region bringt ihre eigenen Schwerpunkte mit. In Leipzig beispielsweise ist das Thema Wohnwagen besonders stark vertreten, ebenso wie Zelte. In Hamburg wurde in diesem Jahr erstmals das Thema Angeln integriert, was laut Andreas Ott hervorragend ankam und im nächsten Jahr ausgebaut werden soll. Diese regionalen Unterschiede machen jede Messe zu einem einzigartigen Erlebnis und zeigen, wie vielfältig die Camping-Szene in Deutschland ist.

Politische Strahlkraft und wirtschaftliches Gewicht
Dass Camping-Messen mehr als nur eine Freizeitveranstaltung sind, unterstrich der Besuch von rund 40 Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Dr. Christoph Ploß, Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus, betonte vor Ort die enorme Bedeutung. Insbesondere profitieren Handwerksbetriebe, der Einzelhandel und die Tourismusbranche von solchen Publikumsveranstaltungen.
Die Zukunft: Mehr Zubehör und Selbstausbau
Auf die Frage nach seinen Wünschen für die Zukunft hat Andreas Ott eine klare Vision: Die Campingwelt soll noch emotionaler und erlebbarer werden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Thema Zubehör und Selbstausbau. Der Gedanke dahinter leuchtet ein: Die wenigsten von uns kaufen jedes Jahr ein neues Fahrzeug. Stattdessen wollen wir unseren treuen Begleiter verschönern, optimieren und an unsere individuellen Bedürfnisse anpassen.
Besonders in Leipzig und Hamburg soll diesem Trend in den kommenden Jahren noch mehr Raum gegeben werden. Das Erfolgsrezept der eigenen Selbstausbauhalle in Stuttgart, die praktisch zu einer Messe in der Messe geworden ist, soll auch auf die anderen Standorte übertragen werden. Für alle, die ihren Van oder Camper selbst ausbauen oder umgestalten möchten, sind das hervorragende Neuigkeiten.
Nachdem in diesem Jahr Peru mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Katalonien mit Aktivurlaub-Angeboten (wie leichten Carbonklapprädern) begeisterten, steht der nächste Partner bereits fest: Slowenien wird das Partnerland der REISEN & CARAVANING Hamburg 2027.

Fazit: Leidenschaft trifft auf Professionalität
Das Gespräch mit Andreas Ott zeigt: Hinter jeder großen Camping-Messe steckt nicht nur ein professionelles Team, sondern auch echte Leidenschaft für das Thema. Die Veranstalter hören genau hin, was die Community bewegt, und entwickeln ihre Messen kontinuierlich weiter. Die regionalen Unterschiede zwischen Stuttgart, Leipzig und Hamburg machen jede Messe zu einem eigenen Erlebnis und spiegeln die Vielfalt der deutschen Camping-Szene wider.
Wenn du also das nächste Mal über eine Camping-Messe schlenderst, weißt du jetzt, wie viel Arbeit und Herzblut in jedem Detail steckt. Die Zukunft verspricht spannend zu werden, besonders für alle Selbstausbauer und Zubehör-Fans. Es lohnt sich definitiv, die verschiedenen Messen zu besuchen und ihre jeweiligen Besonderheiten zu entdecken.
Podcast-Episode
Du möchtest das komplette Gespräch von Nele mit Andreas Ott hören? Dann hör dir hier die Podcast-Folge an:
Weitere Informationen zu der REISEN & CARAVANING Hamburg findest du in diesem Beitrag:
Beitragsbild: © Messe Stuttgart

