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Dethleffs c.fold – futuristischer Klappcaravan mit Charme und E-Auto-Potenzial

Elektroauto und Wohnwagen – das ist bislang oft eine Beziehung mit Reibungsverlusten. Zu viel Gewicht, zu viel Luftwiderstand, zu wenig Reichweite. Mit dem Dethleffs c.fold zeigt der Allgäuer Hersteller nun auf der CMT 2026 eine Studie, die genau an diesen Schmerzpunkten ansetzt. Und dabei nicht einfach optimiert, sondern das Prinzip Wohnwagen grundsätzlich hinterfragt.

Das Ergebnis ist ein faltbarer Caravan, der im Fahrbetrieb radikal kompakt ist und sich erst am Stellplatz in einen wohnlichen Rückzugsort verwandelt. Klingt nach Zukunftsmusik – wirkt hier aber erstaunlich konkret.

Von der Vision zum Messe-Highlight

Entstanden ist der c.fold im Rahmen des Dethleffs-Innovationsprojekts „Reiseziel Zukunft“. Auslöser war kein internes Pflichtenheft, sondern der Wunsch eines caravanbegeisterten Ehepaars: Monika und Peter Marchart suchten einen Wohnwagen, der wirklich zu ihrem Elektro-Zugfahrzeug passt. Leicht, aerodynamisch und ohne Reichweitenangst.

Dethleffs griff die Idee auf und entwickelte sie im Innovation Camp in Baienfurt innerhalb von rund einem Jahr zu einer fahrbereiten Studie. Das Ergebnis ist kein Showcar ohne Praxisbezug, sondern ein Konzept, das sehr konkret zeigt, wohin die Reise gehen könnte.

Die eigentliche Innovation: Aerodynamik statt immer größerer Akkus

Während sich viele Diskussionen rund ums E-Caravaning um größere Batterien oder stärkere Zugfahrzeuge drehen, geht Dethleffs beim c.fold einen anderen Weg: Weniger Luftwiderstand statt mehr Energie.

Der elektrisch absenkbare Aufbau reduziert die Höhe während der Fahrt auf nur 1,65 Meter. Das senkt die Stirnfläche massiv – ein Faktor, der bei Wohnwagen oft gravierender ist als das reine Gewicht. Die in Aussicht gestellte Reichweitensteigerung von bis zu 100 Kilometern mag ein Idealwert sein, zeigt aber klar, welches Potenzial in der Formgebung steckt.

Gerade für Mittelklasse-Elektroautos ist das entscheidend. Denn viele dürfen zwar 1.200 oder 1.500 Kilogramm ziehen, verlieren mit einem klassischen Wohnwagen aber so viel Reichweite, dass die Urlaubsplanung zur Geduldsprobe wird.

Leichtbau mit System – nicht nur fürs Datenblatt

Mit 775 Kilogramm Leergewicht spielt der Dethleffs c.fold in einer Liga, die für E-Autos realistisch bleibt. Möglich macht das ein konsequenter Materialmix:

  • Alucore-Wabenstruktur für Außenwand und Chassis
  • Recyceltes PET als Isolierung
  • Filzoberflächen im Innenraum
  • Linoleumboden aus nachwachsenden Rohstoffen

Das wirkt nicht wie Greenwashing, sondern wie ein echtes Leichtbaukonzept. Interessant ist dabei: Viele dieser Materialien sind längst bekannt, werden hier aber erstmals so konsequent kombiniert. Ob sich das später wirtschaftlich in Serie umsetzen ließe, ist offen – als Denkansatz funktioniert es.

Innenraum: weniger Fläche, aber überraschend viel Nutzen

Wer beim Stichwort „faltbarer Wohnwagen“ an Enge denkt, wird im Dethleffs c.fold positiv überrascht. Nach dem Aufklappen entsteht ein heller, luftiger Raum, der geschickt mit Multifunktion arbeitet.

Besonders gelungen:

  • Die Sitzgruppe im Eingangsbereich lässt sich einklappen und wird so zur Garage für E-Bikes oder Sportausrüstung.
  • Im Podest versteckt sich ein ausfahrbarer Toilettenraum mit Waschbecken und Clesana Trockentoilette – platzsparend und autark.
  • Oberschränke bleiben dank eines raffinierten Pilzzapfen-Mechanismus auch im eingeklappten Zustand waagerecht.
  • In die Polster integrierte Auflagen und Tellerfedern erleichtern den Zugang zu den Stauräumen.

Das alles wirkt nicht verspielt, sondern durchdacht – typisch für ein Projekt, an dem Praktiker mitgewirkt haben.

Das Konzept richtet sich klar an Paare oder Alleinreisende, die bewusst reduziert unterwegs sind. Für Familien fehlt schlicht der Platz – was aber auch gar nicht der Anspruch der Studie ist.

Technik, die im Wohnwagenbereich auffällt

Ein echtes Ausrufezeichen setzt Dethleffs beim Fahrwerk. Einzelradaufhängungen mit Luftfederung sind im Wohnwagenbereich praktisch Neuland. Sie versprechen mehr Komfort, bessere Straßenlage und erleichtern das Nivellieren auf dem Stellplatz.

Hinzu kommt eine integrierte Gewichtskontrolle über die Luftfederung, auslesbar via Dethleffs SIU. Gerade für E-Auto-Fahrer ein sinnvoller Ansatz, denn Überladung kostet nicht nur Sicherheit, sondern direkt Reichweite.

Auch die Energieversorgung passt ins Bild: Solarpaneele, 300-Ah-Lithium-Batterie und ein 2000-Watt-Wechselrichter ermöglichen weitgehend autarkes Reisen – zumindest für ein bis zwei Personen.

Nachhaltigkeit mit Langzeitgedanken

Bemerkenswert ist, dass der Dethleffs c.fold Nachhaltigkeit nicht nur über Materialien definiert. Auch die Langlebigkeit steht im Fokus. Leichtbau, modulare Lösungen und weniger mechanische Komplexität im Alltag könnten langfristig dafür sorgen, dass der Caravan länger genutzt wird – ein oft unterschätzter Nachhaltigkeitsfaktor.

Natürlich bleibt der Klappmechanismus selbst ein sensibler Punkt. Ob er dauerhaft dicht, leise und wartungsarm funktioniert, kann eine Studie naturgemäß nicht beantworten. Genau hier würde sich im Falle einer Serie zeigen, wie reif das Konzept wirklich ist.

dethleffs c.fold front oben

Ein Caravan für morgen – aber kein Produkt von heute

Der Dethleffs c.fold ist kein Serienversprechen. Er ist ein Denkanstoß – und zwar ein aus meiner Sicht sehr guter. Er zeigt, dass Caravaning mit Elektroautos nicht zwangsläufig Verzicht bedeuten muss, wenn man bereit ist, gewohnte Formen loszulassen.

Für wen wäre so ein Konzept spannend?

  • Für Paare mit Elektroauto
  • Für Campingbegeisterte mit wenig Stellplatz zu Hause
  • Für alle, die bewusst leicht, effizient und nachhaltig reisen wollen

Für klassische Dauercamper oder Familien bleibt der Dethleffs c.fold dagegen eher Inspiration als Option.

dethleffs c.fold cmt 2

Technische Eckdaten (Studie)

  • Leergewicht: ca. 775 kg
  • Länge: 5,49 m inkl. Deichsel
  • Breite: 1,90 m
  • Höhe im Fahrzustand: 1,65 m
  • Klappmechanismus: elektrisch
  • Fahrwerk: Einzelradaufhängung mit Luftfederung
  • Energie: Solarpaneele, 300 Ah Lithium-Ionen-Batterie
  • Wechselrichter: 2000 Watt
  • Sanitär: Clesana Verschweißertoilette

Fazit: Klappen statt aufblasen – warum das Konzept Potenzial hat

Der Dethleffs c.fold ist mehr als eine clevere Klappidee. Er adressiert ein zentrales Zukunftsthema des Caravanings – und tut das überraschend konsequent. Nicht alles ist serienreif, nicht jede Lösung perfekt, nicht jedes Detail zu Ende konzipiert. Aber genau darum geht es ja bei einer Studie.

Der faltbare Aufbau ist für mich kein Clickbait-Gimmick, sondern ein klares Statement: Aerodynamik verkommt hier nicht zum Randthema, sondern ist der Schlüssel. Dass Dethleffs hier von bis zu 100 Kilometern mehr Reichweite spricht, wirkt im Gesamtkontext fast zweitrangig.

Entscheidend ist die Richtung. Denn selbst wenn es am Ende „nur“ 40 oder 50 Kilometer wären – selbst die können im Reisealltag den Unterschied machen zwischen entspanntem Etappenplan und hektischer Suche nach einer Ladesäule.

Alle Informationen zum Dethleffs c.fold findest du hier: www.reiseziel-zukunft.dethleffs.de/c-fold.

Bildmaterial: © CamperStyle

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Nele Landero Flores

Träumte seit ihrer Kindheit von einem Leben auf Rädern. Tourt jetzt mit Mann und Hund ganzjährig im Wohnwagen durch Europa und verbringt die kalten Wintermonate in Mexiko. Expertin für Caravan, Camping-Ausstattung, Reise-(Geheim)Tipps, Dauerreisen und Arbeiten unterwegs. Lieblingsspots: Andalusien, Baskenland, Albanien & Mexiko.

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