Knapp 500 Kilometer Ostseeküste, zahlreiche Nationalparks, die Masuren und die Tatra, traditionelle Kulinarik – Polen hat viel zu bieten und rückt seit einigen Jahren als Campingreiseziel immer mehr in den Fokus. Wenn du mit dem Van, Wohnmobil oder Wohnwagen in den Urlaub nach Polen fährst, wird dir irgendwann das Thema Maut begegnen. Gut, wenn du dich vor Abreise damit beschäftigst, um bestens vorbereitet zu sein.
Wir haben dir einen Überblick mit allen wichtigen Informationen zur Maut in Polen zusammengestellt.
Inhaltsverzeichnis
- Kurzüberblick
- Auf welchen Straßen gibt es eine Mautpflicht in Polen?
- Sind Straßenabschnitte von der Mautpflicht ausgenommen?
- Welche Fahrzeuge sind mautpflichtig?
- Welche Mautsysteme gibt es in Polen?
- Welche Mautboxen und Bezahlsysteme können genutzt werden?
- Wie wird die Maut in Polen berechnet?
- Wie viel kostet 2026 die Maut in Polen?
- Welche Strafen und Bußgelder drohen, wenn man keine Maut bezahlt?
- Fazit: Entspannt durch Polen – Vorbereitung ist alles
Kurzüberblick
- Mautpflicht für Campingfahrzeuge:
- ≤ 3,5 t: Mautfrei auf staatlichen Autobahnen; mautpflichtig auf privaten Strecken.
- > 3,5 t: Elektronische e-TOLL-Pflicht auf fast allen Autobahnen, Schnellstraßen und ausgewählten Nationalstraßen.
- Vignette: Nein, die Abrechnung erfolgt streckenbezogen.
- Mautbox (> 3,5 t): Pflicht zur GPS-Übertragung per Bordgerät (OBU) oder ZSL-System an e-TOLL.
- Digitale Maut:
- e-TOLL PL App: Kostenlose GPS-Übermittlung für Fahrzeuge > 3,5 t auf staatlichen Straßen.
- Video-Tolling: Automatische Kennzeichenerkennung auf der A1 und A4; Schranken öffnen ohne Stopp.
- Autopay / AmberGo: Apps für die automatische Abrechnung auf privaten Autobahnabschnitten (A1, A4, teils A2).
- Besonderheiten 2026:
- Inflations-Anpassung: Zum 1. Januar 2026 wurden alle e-TOLL-Sätze für schwere Fahrzeuge landesweit um bis zu 6,6 % angehoben.
- Massive Netzerweiterung: Seit 1. Februar 2026 umfasst das e-TOLL-Netz für Fahrzeuge > 3,5 t ca. 645 km mehr (insgesamt ca. 5.869 km mautpflichtiges Netz).
- Preis-Update A2: Seit 11. März 2026 kostet die Fahrt auf der privaten A2 (Konin–Nowy Tomyśl) für PKW und Wohnmobile bis 3,5 t nun 40 PLN pro 50-km-Abschnitt.
Auf welchen Straßen gibt es eine Mautpflicht in Polen?
Das Thema Maut in Polen ist für Camper ein zweigeteiltes Feld, da die Gebührenpflicht strikt an das Gewicht deines Fahrzeugs gekoppelt ist. Grundsätzlich gilt: Wer mit einem leichten Wohnmobil oder Van bis maximal 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht (zGG) unterwegs ist, genießt auf den staatlich verwalteten Autobahnen (betrieben durch die GDDKiA) seit Juli 2023 volle Fahrtfreiheit.
Kostenlos sind für dich damit wichtige Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen wie die A2 zwischen Konin und Warschau oder die A4 zwischen Breslau und Gleiwitz. Eine Mautpflicht besteht für leichte Fahrzeuge ausschließlich auf den drei großen privat betriebenen Konzessionsstrecken: der A1 (Danzig–Toruń), der A2 (Świecko–Konin) und der A4 (Katowice–Krakau). Hier zahlst du weiterhin direkt an den Mautstellen des jeweiligen Betreibers oder via App.
Deutlich komplexer wird es, wenn dein Camper die 3,5-t-Marke überschreitet oder du mit einem schweren Gespann (Pkw + Wohnwagen > 3,5 t Gesamtzuggewicht) reist. In diesem Fall bist du auf fast allen Fernstraßen mautpflichtig. Das über das elektronische e-TOLL-System abgerechnete Netz umfasst nicht nur sämtliche staatlich verwaltete Autobahnen, sondern auch fast alle Schnellstraßen und viele wichtige Bundesstraßen.
Hier gab es erst kürzlich eine massive Änderung: Zum 1. Februar 2026 wurde das mautpflichtige Netz für schwere Fahrzeuge um rund 645 km erweitert, sodass das e-TOLL-System nun insgesamt ca. 5.869 km abdeckt. Davon betroffen sind vor allem neu fertiggestellte Abschnitte wichtiger Urlaubsrouten wie der S3, S7, S11 und S61.
achtung
Wichtig: Die privaten Konzessionsstrecken (A1, A2, A4) sind nicht Bestandteil des e-TOLL-Netzes; hier wird die Maut auch für schwere Fahrzeuge separat über die Systeme der privaten Betreiber erhoben.
Sind Straßenabschnitte von der Mautpflicht ausgenommen?
Ja, viele Strecken sind für Camper mautfrei, wobei die Gewichtsklasse entscheidend ist:
Fahrzeuge bis 3,5 t: Fast das gesamte Straßennetz ist mautfrei. Dazu gehören alle Schnellstraßen (S-Klasse), Bundesstraßen und die staatlich verwalteten Autobahnen (A2 Konin–Stryków und A4 Wrocław–Sośnica). Gebührenpflichtig bleiben für dich ausschließlich die drei privaten Abschnitte der A1, A2 und A4.
Fahrzeuge über 3,5 t & Gespanne: Mautfrei sind für dich lediglich die Regional- und Lokalstraßen (Woiwodschafts-, Kreis- und Gemeindestraßen). Da das mautpflichtige e-TOLL-Netz im Februar 2026 auf ca. 5.869 km erweitert wurde, sind fast alle wichtigen Fernverbindungen (A, S und viele DK-Straßen) für schwere Fahrzeuge kostenpflichtig.
Tipp
Faustregel: Jede Straße, die nicht explizit als e-TOLL-Strecke oder durch private Mautstationen gekennzeichnet ist, ist gebührenfrei.
Welche Fahrzeuge sind mautpflichtig?
In Polen entscheidet primär das zulässige Gesamtgewicht (zGG) deines Campers darüber, welches Mautsystem greift. Die magische Grenze liegt bei 3,5 t.
1. Die Einteilung nach Gewicht
- Fahrzeuge bis 3,5 t: Hierzu zählen die meisten PKW, Vans und leichten Wohnmobile. Du zahlst nur auf den privaten Autobahnen (A1, A2, A4). Die staatlichen Autobahnen und alle Schnellstraßen sind für dich mautfrei.
- Fahrzeuge über 3,5 t & schwere Gespanne: Überschreitet dein Wohnmobil oder dein Gespann (Zugfahrzeug + Wohnwagen) die 3,5-t-Grenze, unterliegst du auf fast allen Fernstraßen der elektronischen e-TOLL-Pflicht.
2. Die Fahrzeugkategorien (Private Autobahnen)
Während das staatliche e-TOLL-System nach Gewicht und Emissionsklasse abrechnet, nutzen die privaten Betreiber (A1, A2, A4) ein 5-Kategorien-System. Das ist besonders für Camper mit Zwillingsreifen oder Anhängern wichtig:
| Kategorie | Fahrzeugtyp |
|---|---|
| 1 | Motorräder und zweiachsige Kraftfahrzeuge ohne Zwillingsbereifung. |
| 2 | Zweiachsige Fahrzeuge mit Anhänger oder zweiachsige Fahrzeuge mit Zwillingsbereifung. |
| 3 | Dreiachsige Fahrzeuge oder zweiachsige Fahrzeuge mit Zwillingsbereifung und Anhänger. |
| 4 | Fahrzeuge mit mehr als drei Achsen (inkl. Anhänger). |
| 5 | Spezialfahrzeuge und Fahrzeuge mit Überbreite/Überlänge. |
Welche Mautsysteme gibt es in Polen?
Wer nach Polen reist, sucht vergeblich nach einer klassischen Klebe- oder Digitalvignette. Das polnische System basiert stattdessen auf einer streckenbezogenen Abrechnung. Dabei wird strikt zwischen zwei Mautarten unterschieden, die jeweils von der Art der Straße und dem Fahrzeuggewicht abhängen.
1. Die elektronische Maut (e-TOLL)
Dieses System wird von der staatlichen Finanzverwaltung (KAS) betrieben. Es ist verpflichtend für alle Fahrzeuge und Gespanne über 3,5 t auf staatlich verwalteten Straßen.
- Funktionsweise: Die Abrechnung erfolgt via GPS. Die Position des Fahrzeugs wird entweder über die offizielle e-TOLL PL App oder über ein fest installiertes Bordgerät (OBU/ZSL) übermittelt.
- Gültigkeit: Auf allen staatlichen Autobahnen (A), Schnellstraßen (S) und ausgewählten Bundesstraßen (DK).
2. Die Streckenmaut (Manuell & Automatisiert)
Auf den privat betriebenen Konzessionsautobahnen (A1, A2, A4) wird die Maut direkt an den Betreiber gezahlt. Hier gibt es keine GPS-Pflicht für leichte Fahrzeuge, stattdessen stehen folgende Optionen zur Verfügung:
- Manuelle Zahlung: An den Mautstationen (Plaza Poboru Opłat) kann in bar (Złoty oder Euro-Scheine) oder mit gängigen Kredit-/Debitkarten gezahlt werden.
- Automatisierte Zahlung (Video-Tolling): Über Kamerasysteme wird das Kennzeichen erfasst. Die Schranke öffnet automatisch, und die Gebühr wird über hinterlegte Apps wie Autopay oder AmberGo abgebucht. Dies ist besonders auf der A1 und A4 verbreitet.
Welche Mautboxen und Bezahlsysteme können genutzt werden?
In Polen gibt es keine „Eine-für-alles“-Lösung. Die Wahl des Systems hängt davon ab, ob du auf privaten oder staatlichen Straßen unterwegs bist.
Barzahlung und Karte
Auf den privaten Abschnitten (A1, A2, A4) kannst du ganz klassisch bar oder mit Karte zahlen.
- Bar: Złoty oder Euro (nur Scheine!). Achtung: Wechselgeld gibt es immer nur in Złoty.
- Karte: Alle gängigen Kredit- und Debitkarten werden akzeptiert.
Video-Tolling
Die Kennzeichenerfassung per App ist das bequemste System für Camper. Du registrierst dein Kennzeichen in einer App, hinterlegst deine Kreditkarte und die Schranke öffnet automatisch per Kamera-Scan.
- Autopay (Empfehlung): Der „Allrounder“. Funktioniert auf der A1 (Danzig–Toruń), der A4 (Katowice–Krakau) und seit Kurzem auch auf der A2 (Abschnitt Poznań–Konin).
- AmberGo: Das systemeigene Tool der A1. Es ist in Apps wie Autopay oder SkyCash integriert.
- SkyCash / IKO: Diese Apps unterstützen ebenfalls das Video-Tolling auf der A1 und A4.
Elektronische Mautboxen
Wer nicht mit dem Smartphone hantieren möchte, greift zur Hardware:
- A4Go: Spezielles Sendegerät für den Abschnitt A4 (Katowice–Krakau). Sie ist online erhältlich oder an den Servicestationen in Mysłowice und Balice.
- EETS-Boxen: Professionelle Mautboxen wie von Telepass oder DKV decken zwar das staatliche e-TOLL-Netz und den privaten Abschnitt der A4 gut ab, stoßen aber auf der privaten A2 oft an ihre Grenzen.
e-TOLL System (Staatliche Straßen & > 3,5 t)
Für alle Fahrzeuge und Gespanne über 3,5 Tonnen ist das GPS-basierte e-TOLL auf staatlichen Autobahnen und Schnellstraßen Pflicht.
- e-TOLL PL App: Die offizielle, kostenlose App für dein Smartphone. Sie muss während der gesamten Fahrt aktiv sein.
- Bordgeräte (OBU/ZSL): Fest installierte oder per Zigarettenanzünder betriebene Geräte, die GPS-Daten senden.
achtung
Das alte viaTOLL-System ist seit Jahren abgeschaltet. Nutze ausschließlich das aktuelle e-TOLL-Portal zur Registrierung: etoll.gov.pl.
Wie wird die Maut in Polen berechnet?
Die Mautberechnung in Polen folgt 2026 einem einfachen Zwei-Säulen-Prinzip, das sich nach dem Fahrzeuggewicht und dem Betreiber der Straße richtet.
Private Autobahnen (A1, A2, A4): Feste Abschnitte
Hier zahlen alle Fahrzeuge (auch PKW und leichte Camper). Die Berechnung ist unkompliziert:
- Prinzip: Du zahlst einen Festpreis pro Streckenabschnitt oder an festen Mautstationen.
- Kriterium: Einzig die Fahrzeugkategorie (Anzahl der Achsen, Zwillingsreifen, Anhänger) zählt.
2. Staatliche Straßen (e-TOLL): Preis pro Kilometer
Dieses System gilt nur für Fahrzeuge und Gespanne über 3,5 t sowie Busse.
- Prinzip: Die Abrechnung erfolgt zentimetergenau via GPS nach gefahrenen Kilometern.
- Kriterien:
- Gewichtsklasse: (3,5 t – 12 t oder > 12 t).
- Euro-Emissionsklasse: Je sauberer der Motor, desto günstiger der Kilometerpreis.
- Straßentyp: Autobahnen/Schnellstraßen sind teurer als Nationalstraßen.
Wie viel kostet 2026 die Maut in Polen?
Nachdem die Theorie geklärt ist, stellt sich die alles entscheidende Frage: Was kostet die Reise konkret? Da die staatlichen Autobahnen für leichte Fahrzeuge kostenfrei bleiben, fokussieren sich die Ausgaben auf die privaten Betreiber und – für die schwere Klasse – auf die GPS-Kilometer.
Tarife für die privaten Autobahnen (Kategorie 1)
Auf den privaten Strecken zahlst du Festpreise. Hier sind die aktuellen Sätze (Stand März 2026) für PKW und Wohnmobile bis 3,5 t ohne Anhänger:
- A1 (Danzig – Toruń): Die gesamte Strecke kostet 29,90 PLN (ca. 7 €).
- A2 (Świecko – Konin): Dies ist der teuerste Abschnitt. Seit der Preisanpassung vom 11. März 2026 zahlst du für die drei mautpflichtigen 50-km-Etappen jeweils 40 PLN, was in der Summe 120 PLN (ca. 28 €) ergibt.
- A4 (Katowice – Kraków): Hier werden an zwei Mautstellen jeweils 16 PLN fällig, insgesamt also 32 PLN (ca. 7,50 €).
Info
Achtung Gespannfahrer: Sobald du einen Anhänger ziehst (Kategorie 2), verdoppeln sich die Preise auf der A2 fast (auf 69 PLN pro Abschnitt), während sie auf der A1 und A4 moderater ansteigen.
Kilometerpreise im e-TOLL-System (> 3,5 t)
Für schwere Camper wird es kleinteiliger. Seit der Inflationsanpassung im Februar 2026 hängen deine Kosten massiv von der Schadstoffklasse ab. Auf Autobahnen und Schnellstraßen gelten für Fahrzeuge zwischen 3,5 t und 12 t folgende Richtwerte pro Kilometer:
- ab Euro 5: 0,41 PLN / km
- Euro 4: 0,58 PLN / km
- Euro 3: 0,70 PLN/km
- bis Euro 2: 0,80 PLN / km
Welche Strafen und Bußgelder drohen, wenn man keine Maut bezahlt?
Mautverstöße werden in Polen 2026 streng geahndet, wobei die Sanktionen je nach Straßentyp variieren. Im staatlichen e-TOLL-System (> 3,5 t) drohen bei fehlender Zahlung Bußgelder von bis zu 1.500 PLN (ca. 345 €) pro Kalendertag, während schwere Gespanne (Pkw + Anhänger > 3,5 t) mit bis zu 500 PLN zur Kasse gebeten werden.
Eine straffreie Nachzahlung ist hier innerhalb von drei Tagen möglich, sofern die GPS-Daten korrekt übermittelt wurden, und bei schneller Zahlung innerhalb von sieben Tagen winkt ein Rabatt von 100 PLN auf die Strafe.
Auf den privaten Autobahnen (A1, A2, A4) gibt es zwar keine staatlichen Bußgelder im eigentlichen Sinne, doch führt beispielsweise der Verlust des Einfahrttickets dazu, dass du an der Ausfahrt den Höchstsatz für die gesamte Strecke (je nach Abschnitt bis zu 120 PLN oder mehr) entrichten musst. Zudem können bei vorsätzlichem Umgehen der Mautschranken zivilrechtliche Forderungen der Betreiber oder polizeiliche Bußgelder für Verkehrsverstöße anfallen.
Fazit: Entspannt durch Polen – Vorbereitung ist alles
Polen ist 2026 ein fantastisches Ziel für Camper, doch die Maut-Bürokratie erfordert ein wenig Vorarbeit. Die gute Nachricht: Wenn dein Camper unter 3,5 t wiegt, ist das Leben einfach. Du fährst auf den meisten modernen Straßen gratis und nutzt für die privaten Abschnitte am besten die Autopay-App – so bleiben die Schranken für dich kein Hindernis. Nur die A2 zwischen der Grenze und Konin schlägt mit den neuen Preisen ein spürbares Loch in die Reisekasse.
Für die „Schwergewichte“ über 3,5 t ist die Vorbereitung hingegen Pflicht. Das e-TOLL-System verzeiht keine Nachlässigkeit, belohnt moderne Motoren (Euro 6) aber mit fairen Kilometersätzen. Wer hier auf eine verlässliche OBU (Bordgerät) statt einer fehleranfälligen App setzt, spart sich während der Fahrt den Stress mit dem Smartphone-Akku und potenziellen Bußgeldern.
Mehr Informationen zu den Verkehrsregeln in Polen findest du in diesem Beitrag:
Titelbild: © whitelook / Depositphotos.com

Danke für den Artikel, währe mit einer Landkarte, in der die Strecken eingezeichnet gewesen wären, noch viel übersichtlicher gewesen.
Lieber Udo, vielen Dank für dein Feedback. Wir gucken mal, ob wir das irgendwie bewerkstelligen können. Viele Grüße Sandra