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Push-Lock-Wohnwagen-reparieren

Schlösser, Beschläge und Scharniere im Campingfahrzeug – Formen, Reparatur, Ersatzteile

Möbel, Türen, Klappen oder Schubladen sorgen unterwegs im Wohnmobil oder Caravan dafür, dass wir uns wohlfühlen und all unser Hab und Gut an Ort und Stelle bleibt bzw. im Bedarfsfall leicht aufzufinden ist. Möbelfronten, Schränke und Türen sollten demnach nicht nur schön anzusehen sein, sondern auch gut funktionieren, denn Türen oder Regalböden, die sich während der Fahrt öffnen oder lösen, sind ein Risiko. Schon so manches Porzellan purzelte während der Fahrt heraus und so mancher Inhalt von Salz- oder Pfefferstreuern verteilte sich im Fahrzeuginneren.

Kein Wunder, denn diese kleinen, aber so wichtigen Elemente unserer Freizeitfahrzeuge unterliegen einer besonders hohen Beanspruchung. Es heißt sogar, ein Wohnwagen oder Reisemobil sei wie ein Haus, das sich in einem Erdbebengebiet befindet. Die Erschütterungen und Vibrationen, die durch das Fahren entstehen, sowie Witterungseinflüsse setzen den Beschlägen über die Jahre hinweg zu. Außerdem soll während der Fahrt und bei einem Aufenthalt alles gut verstaut sein und so werden Türen und Schränke viel öfter geöffnet oder geschlossen, als in den heimischen vier Wänden. Daher sollten wir stets darauf bedacht sein, dass sich die Schlösser, Beschläge und Scharniere in einem einwandfreien technischen Zustand befinden.

Welche Beschläge gibt es eigentlich?

In den Reisemobilen und Wohnwagen finden wir die unterschiedlichsten Arten von Möbelbeschlägen. Sobald am Mobiliar etwas absichtlich bewegt werden soll, kommen Scharniere und Schlösser zum Einsatz. Diese Funktionsteile bestehen meist aus Metall, seltener aus Kunststoff oder glasfaserverstärktem Kunststoff.

In die Möbel von Freizeitfahrzeugen werden häufig Topfscharniere eingebaut. Diese werden in einem ausgefrästen Loch, dem sogenannten Topf, in der Tür oder in der Klappe eingesetzt und verschraubt. Ebenso zahlreich kommen Klappenscharniere zum Einsatz, die direkt mittels Schrauben auf den Möbelteilen fixiert werden. Darüber hinaus finden sich Klavierband- bzw. Stangenscharniere in vielen Wohnwagen, die aufgrund ihrer Länge meist mehrfach verschraubt sind.

Zum Verriegeln werden häufig Push-Locks bzw. Drucktastenschlösser verwendet, die für eine mechanische und zuverlässige Verriegelung sorgen. Der Vorteil dieser Push-Locks ist, dass man auf einen Blick sieht, ob sie geöffnet oder verriegelt sind. Eine Anleitung, die dir zeigt, wie du defekte Push-Locks reparierst, findest du hier.

Die Drucktasten-Hakenverriegelung sorgt ebenfalls für eine mechanische und zuverlässige Verriegelung. Da magnetisch arbeitende Möbelschnäpper meist nur mittels Kraft- statt Formschluss schließen, finden diese aufgrund ihrer verminderten Zughaltekraft jedoch nur an wenig beanspruchten Stellen Anwendung.

Für die Türen, z. B. zum Sanitärraum, werden Drehstangenschlösser mit Schließbolzen eingesetzt. Diese haben zwar den Nachteil, bei Erschütterungen zu klappern, dafür schließen sie durch gleich drei Haltepunkte sicher. Im Außenbereich, wie etwa bei der Eingangstür, finden sich darüber hinaus noch Türfeststeller bzw. Türhalter. Das sind meist aus Kunststoff gefertigte Teile, die auf der einen Seite entweder eine kleine Kugel oder eine Kante mit T-Profil und auf der anderen Seite eine Ausbuchtung für die Aufnahme der Gegenstücke aufweisen. Diese Feststeller sorgen dafür, dass die offene Eingangstür nicht gleich bei der ersten Windböe wieder zufliegt.

Was tun, wenn sich Beschläge oder Scharniere verabschieden?

Wann stellt ein Beschlag in der Regel die Arbeit ein? Die ernüchternde Antwort lautet: Na klar, mitten auf der Reise. Denn, wer kennt das nicht: Zuhause hat noch alles funktioniert, doch kaum unterwegs, geht etwas kaputt. Ob es ein Scharnier ist, das aus dem Holz ausreißt, oder ein Push-Lock-Schloss ist, dessen Knopf sich im arretierten Zustand nicht mehr bewegen lässt.

Aber keine Angst. Alles lässt sich mit ein wenig Geschick und Geduld wieder in Gang setzen oder reparieren. Wir zeigen dir, woran du vor deiner Reise denken solltest, um für solche Unannehmlichkeiten gewappnet zu sein.

Zunächst solltest du dir die Beschläge und Scharniere in deinem Wohnwagen oder Reisemobil vor der Abfahrt unbedingt genauer ansehen. Welche Teile sind verbaut? Welche Maße weisen sie auf? Sind sie mit Justierschrauben ausgestattet, die sich – auch während der Reise – einstellen lassen? Wie tief sind sie im Möbel eingebaut und wie dick ist das Material, in dem sie eingelassen sind? Welche Schrauben sind in welcher Länge und Stärke vorhanden?

Im nächsten Schritt informierst du dich im Zubehörhandel und suchst nach zumindest jeweils einem passenden Ersatz für jeden im Fahrzeug verbauten Beschlag sowie nach den entsprechenden Schrauben hierfür.

Tipp: Beachte bei der Schraubenlänge unbedingt die Materialstärke deines Möbels!

Zubehör, das du parat haben solltest

Für festsitzende Teile oder Schrauben solltest du ein Kriech-Öl wie etwa jenes mit der Bezeichnung WD-40 an Bord haben. Außerdem gehört in deine Werkzeugbox Panzertape und etwas Draht (für die schnelle, provisorische Befestigung). Schraubenzieher (Schlitz und Kreuzschlitz, evtl. auch ein Torx-Schraubendreher) sind genauso nötig wie ein Cuttermesser, ein stabiles kleines Messer und ein Schmutztuch. Außerdem solltest du an einen kleinen Handbohrer denken.

Eine kleine Tube Holzleim, Sekundenkleber für die Holzbearbeitung und ein 2-Komponenten-Kleber aus Epoxidharz (2-Komponenten-Knetmasse) sowie etwas Schleifpapier runden dein Werkzeugportfolio ab.

Tipp: Mit einem einfachen Holzleim und etwas Sägemehl bzw. -staub aus der nächsten Schreinerei oder Zimmerei kannst du dir im Handumdrehen deinen eigenen Holzkitt anrühren, der – sobald er getrocknet ist – bombenfest hält und dabei trotzdem mit Schleifpapier und Bohrer leicht zu bearbeiten ist.

So gehen kleinere Reparaturen rasch von der Hand

Bei den meisten Beschädigungen an den Beschlägen deines Fahrzeugs kannst du dir auch ohne handwerkliche Kenntnisse oder fremde Hilfe selbst helfen. Defekte Beschläge und Scharniere lassen sich mit etwas Schrauberei problemlos auswechseln.  Da die Hersteller der Freizeitfahrzeuge auf das Gewicht achten müssen, werden meist Tischler- oder MDF-Platten sowie Sperrholz verarbeitet. Daher reißen ein Scharnier, und die dazugehörigen Schrauben, meist auch Teile aus dem Holz mit hinaus. In solch einem Fall helfen dir die 2-Komponenten-Knetmasse oder der selbst angerührte Holzkit aus der Patsche. Damit verschließt du das Holz wieder so fest, dass du nach kurzer Trockenzeit problemlos ein neues Loch für die Beschlagschrauben bohren kannst.

Wie du siehst, ist es halb so schlimm, wenn unterwegs etwas kaputtgeht. Sobald du vor der Reise für etwas Ersatz sorgst und du dir vor allem die nötigen Arbeits- und Hilfsmittel besorgst, kannst du dir auch unterwegs problemlos selber helfen.

Titelbild: (c) CamperStyle
Fotos: (c) Hubert Hunscheidt

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