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Wohnwagen Stabiler Stand Auf Unebenem Stellplatz

Wohnwagen abstützen und ausrichten – wie du häufige Fehler vermeidest

Wie richte ich meinen Caravan aus? Darf ich zum Nivellieren die Stützen verwenden? Und wie bocke ich ihn bei längeren Standzeiten auf? Drei der wohl am häufigsten gestellten Fragen unter Wohnwagen-Einsteigern – und ein Thema, bei dem leider viel Halbwissen kursiert. Wir erklären dir, wie es richtig geht und was du auf keinen Fall tun solltest.

Grundwissen: Übersicht über die verschiedenen Wohnwagen-Stützensysteme

Mechanische Stützen

Standardmäßig sind Wohnwagen in aller Regel mit vier mechanischen Stützen (“Steckstützen”) ausgestattet, die an den Ecken des Caravans sitzen und von Hand hoch- und heruntergekurbelt werden. Diese Stützensysteme sind in unterschiedlichen Varianten und Belastungsgraden für alle Wohnwagen-Chassis erhältlich und können meist problemlos ausgetauscht bzw. nachgerüstet werden.

Zum Aus- und Einfahren der Wohnwagenstützen benutzt du eine Kurbel, die ähnlich wie eine Markisenkurbel gebaut ist und genau so eingesetzt wird. Manchmal siehst du aber auch Camperkollegen, die mit einem Akkuschrauber an den Stützen hantieren. Diese “Alternative für Faule” (die wir übrigens auch nutzen) erscheint auf den ersten Blick sehr charmant, birgt aber ihre Tücken: Wenn du den Akkuschrauber zum Beispiel mit zu hoher Leistung fährst, kann das zu Schäden am Gewinde, an der Schraubaufnahme und sogar am Aufbau führen.

Chassis- und Stützenhersteller wie die Firma AL-KO raten daher von dieser Technik ab. Thimo Boehm, Kundenberater im Kundendienst bei AL-KO Fahrzeugtechnik warnt ausdrücklich davor: „Wir sehen häufig gravierende Schäden wie Verbiegungen an den Stützen oder sogar am Chassis, die eindeutig durch Akkuschrauber verursacht wurden. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kann auch sehr teuer werden, denn in einem solchen Fall können Gewährleistung oder Garantie verfallen. Gerade bei Chassisschäden geht eine solche Reparatur richtig ins Geld.“

Überleg dir also gut, ob du nicht doch lieber ein bisschen „Fitnesstraining“ machen und die Stützen von Hand auskurbeln willst. Falls du das Risiko bewusst in Kauf nehmen möchtest, solltest du aber unbedingt darauf achten, einen möglichst niedrigen Drehmoment bei deinem Akkuschrauber einzustellen, damit das Gerät bei Bodenkontakt der Stützen umgehend mit dem „Kurbeln“ aufhört.

Elektrische Stützen

Deutlich komfortabler läuft das Ganze bei Stützensystemen mit Elektromotor ab. Hier fahren die Stützen auf Knopfdruck aus, du musst also nicht mehr auf dem Boden herumrobben und die Armmuskeln spielen lassen.

Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder Rückenproblemen wie auch für Camper, die häufig den Standort wechseln, ein unschätzbarer Vorteil! Ein weiteres Plus dieser Variante: Wohnwagen mit elektrischen Stützen können näher an Hecken oder anderen Parzellenbegrenzungen geparkt werden, da du keinen Platz mehr fürs Kurbeln einplanen musst.

Hydraulische Stützen

Die Königsklasse unter den Stützensystemen bilden die hydraulischen Stützen. Anders als bei Wohnmobilen ist diese Technik bei Caravans noch relativ neu und wird unseres Wissens bislang nur von der Firma E&P angeboten (Stand: Juli 2021). Dieses System besteht aus zwei Hauptstützen an der Achse und vier Eckstützen, die per Bedienpanel, kabellosen Touchscreen oder Smartphone gesteuert werden.

Das Faszinierende an diesem, zugegebenermaßen nicht ganz billigen, Modell: Der Wohnwagen richtet sich vollautomatisch aus. Ein manuelles Nachjustieren ist in aller Regel nicht mehr nötig. Im Unterschied zu Kurbelstützen oder elektrischen Stützen verursacht das Nivellieren über dieses neue System keine Schäden an Boden und Aufbau.

Wohnwagen abstützen und ausrichten – Dos und Don’ts

Bist du erst einmal auf dem Campingplatz angekommen, muss der Wohnwagen abgestellt, ausgerichtet und gestützt werden. Hier passieren die häufigsten Fehler, denn noch immer denken viele Camper, dass die Stützen auch zum Nivellieren das Caravans verwendet werden dürfen. Das ist nicht der Fall! Wenn du deinen Wohnwagen mit den Stützen anhebst, ob zum Ausrichten oder z.B. einen Reifen zu wechseln, wirken ungeahnte Kräfte auf Boden und Chassis ein. Im schlimmsten Fall, vor allem bei häufigerem Einsatz, kann sich das Fahrgestell verziehen und es entstehen Schäden am Aufbau. Die bislang einzige Ausnahme bildet wie gesagt das hydraulische Stützensystem levelC, das durch seine spezielle Bauweise tatsächlich auch zum Nivellieren und Anheben verwendet werden darf. Bei “normalen” Stützen, ganz gleich, ob manuell oder elektrisch, gehst du wie folgt vor:

  1. Wohnwagen auf der Parzelle abstellen.
  2. Die Ausrichtung mit einer im Fahrzeuginneren (möglichst in Achsnähe) angebrachten Wasserwaage prüfen.
  3. Eventuelle Schräglage in der Querachse (“Hängen” auf einer Seite) über einen Auffahrkeil unter dem betroffenen Rad ausgleichen.
  4. Mit dem Stützrad den Wohnwagen in der Längsachse ausrichten.
  5. Bei stärker abfallendem Gelände kann eine Nivellierung über einen zweiten Auffahrkeil am anderen Caravan-Rad nötig werden (deshalb die Keile am besten gleich im Doppelpack kaufen).
  6. Stand erneut über die Wasserwage prüfen
  7. Bei Bedarf die Position des Wohnwagens auf dem Auffahrkeil / den Auffahrkeilen korrigieren und am Stützrad nachjustieren.
  8. Sobald alles passt, Stützen herunterkurbeln, bis sie festen Bodenkontakt haben.
  9. Stützen keinesfalls so weit ausfahren, dass sich der Wohnwagen anhebt! 

Auffahrkeile nutzen

Eine sehr gute und praktikable Lösung für das Nivellieren des Wohnwagens sind die bereits erwähnten Auffahrkeile. Damit kannst du unebenes oder abschüssiges Terrain in der Regel problemlos ausgleichen. Wir raten dir dazu, dir gleich zwei Stück zu kaufen, auch wenn du den meisten Fällen nur einen benötigen wirst – so bist du für (fast) alle Eventualitäten gerüstet.

Die richtige Anwendung von Auffahrkeilen

Bei unebenem Gelände: Ist die Parzelle uneben oder weist eine leichte Neigung auf, steht der Caravan üblicherweise auf einer Seite (also in der Querachse) etwas schief. Hier genügt es, den Auffahrkeil unter das Rad der „hängenden“ Seite zu legen und den Wohnwagen mit dem Zugfahrzeug oder dem Rangierantrieb daraufzufahren. Bei leichten Caravans kann es auch mit manuellem Schieben bzw. Ziehen klappen, das ist jedoch sehr viel mühsamer und benötigt etwas Kraft und Geschick. Eine Person sollte dabei vorne an der Deichsel stehen, um die Handbremse schnell betätigen zu können, sobald der Anhänger die richtige Position erreicht hat.

Bei abschüssigem Gelände: Ist der Stellplatz stärker geneigt, kann es sein, dass die Nivellierung in der Längsachse, also vom Heck in Richtung Deichsel, nicht alleine über das Stützrad erfolgen kann. Dann benötigst du unter beiden Rädern jeweils einen Auffahrkeil, gehst aber im Prinzip genauso vor wie oben beschrieben.

Luftkissen als Alternative zu Auffahrkeilen

Falls du keinen Mover (Rangierantrieb) besitzt und das Rangieren mit dem Zugfahrzeug oder ein händisches Schieben nicht möglich ist, kannst du es auch mit einem Luftkissen probieren. Dieses Zubehör wird im leeren Zustand unter das Rad gelegt, der Wohnwagen draufgeschoben und das Kissen dann aufgepumpt. Wir selbst haben damit bisher keine Erfahrungen sammeln können, die Rückmeldungen aus der Camper-Community sind jedoch etwas durchwachsen. Viele sind absolut begeistert von dieser Alternative, andere berichten, dass sie nicht gut damit zurechtkommen oder ihre Hebekissen nach einiger Zeit Luft verlieren. Hier ist es sicherlich ratsam, beim Kauf auf hohe Qualität zu achten und die Bewertungen anderer Nutzer intensiv zu studieren.

Wohnwagen abstützen bei Überwinterung und längeren Standzeiten

Du ahnst es sicherlich schon: Bei längerem Abstellen ist ein “Aufbocken” über die Stützen ebenfalls tabu. Grundsätzlich ist dies heute auch nicht mehr nötig – die modernen Fahrwerke sind so konstruiert, dass sie das Überwintern oder anderweitige lange Standzeiten gut überstehen. Was jedoch Schaden nehmen kann, sind die Federungen und vor allem die Reifen. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, den Caravan bzw. die Achsen über kleine “Böckchen” zu entlasten. Die beste Stelle dafür ist in Achsnähe – hier ist das Fahrgestell besonders stabil gebaut. 

Achtung: Den Wohnwagen dabei bitte nicht “aus der Achse heben”, denn auch das kann dem Fahrwerk schaden. Es reicht völlig aus, die Räder soweit zu entlasten, dass sie noch leichten Bodenkontakt haben. Die Stützen können für einen stabilen Stand zusätzlich ausgefahren werden.  Empfehlenswert ist es außerdem, den Caravan immer mal wieder zu bewegen, um Standschäden am Reifen vorzubeugen – vor allem, wenn er nicht aufgebockt wird.

Radwechsel: Wagenheber oder Wohnwagenstützen?

Auch wenn es dich jetzt wahrscheinlich langsam nervt, wiederhole ich es noch ein letztes Mal: Stützen heißen Stützen, weil man damit den Wohnwagen stützt. Dies gilt natürlich auch für diese Frage. Wenn du also nicht gerade das oben bereits genannte levelC-System besitzt, darfst du den Caravan auch bei einem Reifen- bzw. Radwechsel nicht mit den Stützen aus dem Stand heben – erst recht nicht so hoch, dass das Rad freidreht und abmontiert werden kann. Denn hier, noch mehr als beim Nivellieren, würden ungeahnte Kräfte auf den Unterbau deines Wohnwagens wirken und könnten Fahrgestell und Aufbau schwer beschädigen.

Deshalb solltest du dir auf alle Fälle einen Wagenheber besorgen. Am besten einen, der speziell für das Chassis deines Caravans konzipiert ist bzw. vom Chassishersteller selbst vertrieben wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine mechanische oder eine hydraulische Variante handelt – Hauptsache, er kann das Gewicht deines Wohnwagens stemmen und lässt sich problemlos an den vorgesehenen Aufnahmepunkten am Chassis ansetzen. Beim levelC sieht die Sache anders aus: Hier tragen nicht die vier Eckstützen, sondern die zwei Hauptstützen an der Achse den Löwenanteil des Gewichts. Deshalb kannst du diese Stützen sorglos auch zum Reifenwechsel nutzen – in diesem Fall besteht keine Gefahr, dass sich dein Fahrgestell verzieht oder die Stempel in den Aufbau drücken. Allerdings solltest du unbedingt den Wohnwagen zusätzlich noch mechanisch sichern, damit der Caravan bei einem eventuellen technischen Defekt des Systems nicht herunterplumpst.

Experten im Podcast zum Thema „Wohnwagen und Wohnmobil abstützen und ausrichten“

Auch in unserem Podcast sprechen Nele und Sebastian über das Thema „Wohnwagen und Wohnmobil abstützen und ausrichten“. Alle Informationen und Tipps im Gespräch: Hör doch mal rein:

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Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Ich habe den ganzen Abend das Internet durchforstet. Nichts ausreichend inforamtives gefunden. Liebes Camperstyle-Team, wenn ihr die Zeit habt: Bitte ausführlich die Möglichekeiten beschreiben, wie man vernünftig seinen Wohnwagen ausrichten kann.
    Fragen:
    Wie bekommt man seinen Wohnwagen auf Auffahrkeile ohne Zugfahrzeug? Schafft man das ggf. noch zu Zweit? Aber bitte nicht diese aufblasbaren Kissen zeigen!
    Ist eine Aufnahme für einen Wagenheber am WoWaChassi sinnvoll, um den WoWa in der Querachse zu nivillieren? Oder kann man diesen ggf. nutzen, um den WoWa anzuheben und dann Keile unterzulegen und anschließend den WoWa wieder ablassen?
    Welchen Nutzen – Kosten / Gewicht – haben da Leveller-Systeme? Auch im direkten Vergleich zu dem möglichen System mit einem Wagenheber?
    Wie ist es mit einem Hubsystem – quasi wie E&P Level C – nur mechanisch mit Hubstützen zur Querausrichtung an der Achse?

    Das wäre doch – wie ich finde – ein super Gebiet, was sicherlich viele interessiert. Ich würde mich tierisch freuen. Ansonsten, bitte immer weiter so!

    1. Lieber Yves, du hast Recht, dazu haben wir bislang auch noch nichts Vernünftiges gefunden. Einen Kaufratgeber-Artikel haben wir dazu bereits veröffentlicht, du findest ihn hier https://camperstyle.de/wp-admin/post.php?post=146911&action=edit&lang=de&classic-editor . Deinen Vorschlag für ein Youtube-Video nehme ich auch gerne mit in unsere Redaktionskonferenz, denn sobald es geht, werden sich Nele und Jalil auch wieder an die Produktion neuer Videos begeben. Liebe Grüße Sandra

  2. Beim Parken mit Wohnwagengespann auf einen öffentlichen Parkplatz .
    Habe ich Stützen vom Wohnwagen herunter gelassen, das ist nach der örtlichen Polizei eine Sondernutzung. Die Thematik das runterlassen der Stützen ist nicht Bestandteil
    der Stvo Obwohl das Verkehrsministerium in Berlin per Mail betätig hat, die Stvo.
    ergibt kein Verbot her,das die Stützen beim Parken nicht runter gelassen werden
    dürfen. Der Wohnwagen hat eine Tandemachse hat eine Gesamtlänge von 8,828 mm
    zulässiges Gesamtgewicht von 2200kg. Die Sitzegge für vier Personnen ist im hinteren
    Ende vom Wohnwagen. Der Wohnwagen ist schon 2200kg ausgelastet.
    Der Hersteller Hobby schreib in der Betriebsanleitung man soll das Fahrgestellt
    nicht unnötig Belasten.
    Wenn man in der Sitzecke mit vier Personen sitz, wird das Fahrgestll mit Ca.280kg,
    belastet und die Anhängekupplung entlastet.
    In keiner stov. findet man den § das beim Parken die Stützen nicht runter gedreht
    werden dürfen. Vielleicht haben Sie eine Möglichkeit etwas schriftliches raus zu finden. Mit Gruß Günter Poggensee.

  3. Wenn, wie beschrieben, die Kurbelstützen keine oder nur geringe Last aufnehmen dürfen, warum wird dann bei den (Ersatz-) Ausdrehstützen eine maximale Last angegeben, die pro Stütze 600 kg oder mehr beträgt?
    Wie soll ich denn auf dem Campingplatz den Wohnwagen bei engen Platzverhältnissen ohne Zugfahrzeug auf einen Auffahrkeil heraufgeschoben bekommen?
    Gelegentliches Reinigen und Abschmieren der Gewinde und Gleitbahnen macht Sinn.

    1. Das würde mich auch brennend interessieren. Man findet im Internet eigentlich kaum etwas zu diesem Thema. Wenn Cmaperstyle da ein paar Schwerpunkte setzen könnte, wäre das Prima! Am besten noch auf youtube!

  4. Zur Längsnivellierung verwende ich auch das Spornrad.
    Bei der seitlichen Nivellierung verwende ich einen hydraulischen Wagenheber und hebe die entsprechende Seite an. Ist das falsch ??? Ich çampe seit Anfang der 70er Jahre. Den Akkuschrauber verwende ich auch. Hatte von 1980 bis 1987 ein Wohnmobil, Pfeil eins.
    Liebe xxxxxLGrüße vom Lutz

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