Mehr als 60 Jahre lang hat Bürstner Wohnwagen gebaut. Damit ist nun Schluss. Der Hersteller aus dem badischen Kehl hat am 27. April 2026 offiziell bestätigt, was sich in der Branche schon länger angedeutet hatte: Ab der Saison 2027 werden keine neuen Bürstner-Caravans mehr vom Band laufen. Die Marke konzentriert sich künftig vollständig auf Reisemobile und Camper Vans.
Für viele Wohnwagen-Fans ist das ein Einschnitt. Bürstner stand jahrzehntelang für klassische Caravan-Konzepte zu vernünftigen Preisen, vom Premio im Einsteigersegment bis zum Averso. Jetzt verschwindet einer der bekannten Namen aus dem Neuwagen-Geschäft.
Als ich im Juli 2025 über den Bürstner-Kahlschlag berichtete und die Strategie unter Hubert Brandl unter die Lupe nahm, blieb eine wichtige Frage offen: Wie geht es mit der Wohnwagensparte weiter? Diese Frage ist jetzt beantwortet. Wir haben uns angeschaut, was hinter der Entscheidung steckt, was sie für Bürstner-Besitzer bedeutet und wie sie sich in den größeren Branchentrend einfügt.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
Die Pressemitteilung aus Kehl ist nüchtern formuliert. Im Rahmen der Strategie „Bürstner Reloaded“ stellt der Hersteller die Produktion von Wohnwagen ab der Saison 2027 ein, wie Bürstner schreibt: „bis auf Weiteres“. Die Formulierung lässt also bewusst eine kleine Hintertür offen, ohne jedoch ein Comeback konkret in Aussicht zu stellen.
Die wichtigsten Punkte aus der Mitteilung:
- Ab Saison 2027 keine neuen Bürstner-Wohnwagen mehr
- Entwicklungs- und Produktionsressourcen fließen in Reisemobile und Camper Vans
- After-Sales-Service und Ersatzteilversorgung für bestehende Wohnwagen bleiben in vollem Umfang erhalten
- Innerhalb der Erwin Hymer Group bedienen LMC, Dethleffs und Eriba das Caravan-Segment weiter
Geschäftsführer Hubert Brandl ordnet die Entscheidung in der Pressemitteilung selbst so ein: Es sei kein Abschied vom Caravan für immer, sondern eine bewusste Fokussierung auf Camper Van und Reisemobil.
Der Vorlauf: Bürstner Reloaded seit dem Caravan Salon 2025
Die aktuelle Ankündigung kommt nicht überraschend. Schon zum Caravan Salon 2025 hatte Bürstner mit „Bürstner Reloaded“ eine radikale Neuausrichtung präsentiert. 15 Baureihen flogen aus dem Programm. Übrig blieb eine extrem schlanke Modellpalette mit drei motorisierten Fahrzeugen: dem Einstiegs-Camper-Van Papillon, dem Sechs-Meter-Sprinter Habiton (mit und ohne Allrad) und dem teilintegrierten Signature.
Bereits da war absehbar, dass die Wohnwagen-Sparte das nächste Streichkonzert werden könnte. Übrig blieb 2026 nur eine einzige Sonderedition: der B66, der die Charakteristika der Caravan-Modelle Averso und Premio im Edition-Look zusammenfasste. Nun die Bestätigung: Der B66 läuft mit dem Modelljahrwechsel aus, die Produktion endet voraussichtlich schon im Sommer 2026.
Was an dieser Stelle wichtig ist: Bürstner war jahrzehntelang ein Vollsortimenter. Wohnwagen, Wohnmobile, Campingbusse, alles aus einer Hand. Die Marke hat in zwei Schritten nicht nur ihre Produktpalette gekürzt, sondern auch mutig und klar ihr Selbstverständnis verändert. Aus dem „Generalisten“ wird ein spezialisierter Hersteller motorisierter Freizeitfahrzeuge.

Was das für Bürstner-Wohnwagen-Besitzer bedeutet
Die wohl wichtigste Frage für alle, die aktuell mit einem Bürstner-Caravan unterwegs sind: Was passiert mit Service und Ersatzteilen?
Die Antwort von Bürstner ist eindeutig: Der After-Sales-Service und die Ersatzteilversorgung bleiben in vollem Umfang gesichert. Wartung, Reparaturen und Ersatzteile sollen also weiterhin über das bestehende Händlernetz möglich sein. Das ist eine klare Zusage, die im Pressestatement gleich mehrfach betont wird.
Was sich ändern dürfte: Der Wiederverkaufswert. Wie bei jedem Modell, dessen Produktion eingestellt wird, ist das eine offene Frage. Manche besonders beliebten oder „Sammler-Modelle“ gewinnen an Wert, gerade weil sie nicht mehr produziert werden. Bei Massensegment-Caravans kann jedoch auch das Gegenteil der Fall sein – schon alleine, weil Käufer oft ungern in Modelle investieren, deren Hersteller den Bereich verlassen hat. Wer einen Bürstner-Wohnwagen besitzt und ihn ohnehin lange behalten möchte, sollte sich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wenn du mit Verkaufsgedanken spielst, solltest du ab sofort den Markt beobachten.
Für Käufer, die jetzt noch einen neuen Bürstner-Wohnwagen suchen, schließt sich das Fenster bald. Der B66 läuft im Sommer 2026 aus, danach gibt es nur noch Lagerfahrzeuge bei den Händlern. Hier kann es sich also lohnen, schnell zuzuschlagen.
Warum Bürstner aussteigt: Ein Blick auf den Markt
Bürstner begründet den Schritt mit veränderten Bedürfnissen und einem anderen Nutzungsverhalten der Kunden. Das klingt erst einmal wie eine Floskel, hat aber einen handfesten Hintergrund.
Die Zulassungszahlen sprechen eine klare Sprache. In Deutschland sind die Wohnwagen-Neuzulassungen 2025 um 13,4 Prozent zurückgegangen, europaweit um 11 Prozent. Reisemobile entwickeln sich dagegen stabiler und konnten nach dem Corona-Boom wieder an das Vor-Pandemie-Wachstum anknüpfen. Insgesamt wurden 2025 in Deutschland rund 94.100 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen. Der Gebrauchtmarkt hat mit über 192.000 Besitzumschreibungen sogar einen Rekord aufgestellt.
Übersetzt heißt das: Die Branche schrumpft nicht, sie sortiert sich um. Käufer entscheiden sich häufiger für motorisierte Fahrzeuge. Die Gründe sind oft pragmatisch:
- Spontane Nutzung ist einfacher, das Wohnmobil ist sofort fahrbereit.
- Es können Wohnmobil-Stellpltäze genutzt werden, die für Wohnwagen oftmals nicht zugänglich sind.
- Gerade bei Vans ist die Stellplatz- und Parksituation im Reise-Alltag flexibler.
- In ein paar wenigen Ländern ist „Freistehen“ noch möglich (wird aber in ganz Europa immer seltener geduldet)
Warum ich Wohnwagen trotzdem feiere
Bei aller Marktnüchternheit will ich an dieser Stelle eine Lanze für den Caravan brechen. Ich bin selbst großer Wohnwagen-Fan und finde, gerade für Einsteiger, Menschen mit kleinerem Budget und Familien ist das nach wie vor eine clevere Lösung. Die Anschaffungskosten liegen oft deutlich unter denen eines vergleichbaren Reisemobils, die Unterhaltskosten sowieso. Wer schon ein Auto mit ausreichende Zuglast und Anhängekupplung besitzt oder bei seinem Fahrzeug eine nachrüsten kann, kommt mit überschaubarem Budget in den Camping-Urlaub.
Der größte Pluspunkt ist für mich aber die Flexibilität vor Ort. Einmal auf dem Stellplatz aufgebaut, koppelst du das Zugfahrzeug ab und bist mobil wie im Alltag zu Hause. Schnell zum Bäcker, ein Tagesausflug ins nächste Dorf, ein Abstecher in die Stadt mit ihren engen Gassen oder zum Supermarkt mit dem winzigen Parkplatz oder niedriger Tiefgarage? Mit dem normalen Pkw kein Problem. Im Wohnmobil musst du dafür jedes Mal alles abbauen, die Markise einziehen, den Innenraum aufräumen und sichern. Da geht gut und gerne eine halbe Stunde drauf, bis zu überhaupt losfahren kannst.
Dazu kommt: Du brauchst kein zusätzliches, teures Zweitfahrzeug. Dein Alltagsauto ist gleichzeitig dein Reisefahrzeug. Das spart Anschaffung, Versicherung, Steuer und TÜV. Für viele ist das der Unterschied zwischen „machen wir“ und „können wir uns nicht leisten“.
Der Wohnwagen ist also keineswegs ein Auslaufmodell, auch wenn die Zulassungszahlen im Moment in eine andere Richtung deuten. Er ist ein anderes Konzept, das andere, nicht zu vernachlässigende Stärken hat.
Was Bürstner als Nächstes plant
Mit der Konzentration auf Reisemobile und Camper Vans will Bürstner laut eigener Aussage Designkompetenz und Innovationskraft gezielt ausbauen. Konkrete neue Modelle hat das Unternehmen in der Pressemitteilung noch nicht angekündigt, aber von „spannenden Innovationen im neuen Modelljahr“ ist die Rede.
Realistisch dürften wir spätestens zum Caravan Salon 2026 mehr darüber erfahren, wohin die Reise geht. Die drei aktuellen Baureihen Papillon, Habiton und Signature decken bereits ein recht breites Spektrum ab. Ob Bürstner zusätzliche Segmente bedient oder die bestehenden Modelle weiterentwickelt, wird sich zeigen.
Mein Fazit
Vor knapp einem Jahr habe ich mich gefragt, ob die Bürstner-Strategie ein Befreiungsschlag oder eine Verzweiflungstat ist. Nun vermute ich, dass ersteres zutrifft: Geschäftsführer Brandl zieht sein Konzept konsequent durch und geht nun den nächsten logischen Schritt.
Aus unternehmerischer Sicht ist die Entscheidung nachvollziehbar. In einem Segment mit zweistellig sinkenden Zulassungen lohnt sich der Aufwand für eine breite Wohnwagen-Palette nicht mehr, wenn die Ressourcen im wachsenden Reisemobil-Markt fehlen. Schmerzhaft ist der Schritt trotzdem, vor allem für Fans der Marke und für Mitarbeitende, die jahrelang Caravans entwickelt und gebaut haben.
Für aktuelle Bürstner-Wohnwagen-Besitzer gibt es keinen Grund zur Panik. Der Service ist gesichert, Ersatzteile gibt es weiter. Wer noch einen neuen Bürstner-Wohnwagen will, hat bis Sommer 2026 die letzte Gelegenheit.
Quelle: Pressemitteilung der Bürstner GmbH & Co. KG vom 27. April 2026. Marktdaten zu Neuzulassungen aus aktueller Berichterstattung von promobil, Auto Zeitung, t-online, Stuttgarter Zeitung und NADR (April 2026).
Titelbild: generiert mit Gemini
