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Gas Europa Camping

Gas in Europa für Camping – alles andere als einheitlich

Wäre Gas in Europa eine Beziehung, so stünde im Beziehungsstatus vieler Camper sicherlich „es ist kompliziert“. Einheitliche Regelungen fehlen, vielerorts musst du landeseigene Flaschen erstehen oder mieten und dir einen geeigneten Adapter zulegen. Ganz schön verwirrend! Eine ausführliche Übersicht über Füll- und Entnahmeadapter findest du im Artikel „Gasadapter beim Camping in Europa“.

Eine Alternative zu den deutschen Stahlflaschen sind Alugasflaschen. Neben den Tauschflaschen gibt es das fest installierte System Travelmate, das nicht getauscht, sondern befüllt wird. Du kannst sie dann überall wo es LPG gibt, befüllen lassen (sofern dem kein länderspezifisches Verbot entgegen steht).

Gerade wenn du länger unterwegs sein solltest oder eine größere Reise unternehmen willst, ist diese Variante lohnenswert, genauso wie ein fester Gastank, den du ebenfalls mit LPG betankst. Ja und schließlich bleibt dir da noch das Campinggaz-System, das in vielen europäischen Ländern vertreten ist. Aber ganz ehrlich: die Preise treiben mir die Tränen in die Augen, sodass ich es nur als Notbehelf oder beim Wandern nutze.

Im Folgenden gebe ich dir einen Einblick in die einzelnen Länder, wie das mit dem Gas in Europa für Camping ist.

Gas in Dänemark

Auf nahezu jeder Webseite zum Thema „Gas in Dänemark“ wirst du die Information finden, dass es möglich ist, bei Kosan-Gas die deutschen, grauen Flaschen zu füllen. Hanne Lajer Christensen, Marketing Coordinator bei Kosan, teilt mir auf Anfrage mit, dass dies nicht mehr möglich ist – diese Füllstationen sind seit 20 Jahren geschlossen.

Über das Vertriebsnetz von Kosan-Gas kannst du eine dänische Flasche und einen Adapter kaufen (keine Leihflasche!). Adapter gibt es auch auf einigen Campingplätzen. Im Innenleben der Flaschen befindet sich LPG.

Die dänischen Gasflaschen kannst du zudem einfach am Automaten kaufen oder tauschen, (auf die Größe achten!) die Automaten (und Händler) sind auf dieser Karte gelistet, ein kleines Video zeigt dir, wie es geht. Zudem bieten dir viele Campingplätze in Dänemark deutsche Gasflaschen zum Kauf oder Tausch an.

Außerdem gibt es in Dänemark ein Netz an Alugas-Stationen – zwar kein flächendeckendes, aber sowohl auf der Hauptinsel als auch den kleinen Inseln sind einige Stationen vorhanden.

Wichtig bei den Alugas-Stationen ist jedoch immer: Es lohnt sich, vorher anzurufen, ob sie füllen und tauschen oder nur eine der beiden Services anbieten. Denn das ist leider oft der Fall. Zudem ist die Nachfrage hilfreich, ob sie – für den Fall, dass sie füllen – auch den Adapter für die deutschen Flaschen vor Ort haben. So sparst du dir einen möglichen Umweg.

Gas in Finnland

In Finnland ist es etwas komplizierter als in den benachbarten skandinavischen Ländern. Du kannst deine deutschen Gasflaschen weder füllen lassen noch tauschen. Auch gibt es in Finnland kein Alugas-Netz. Bist du also in Finnland unterwegs und dein Gasvorrat neigt sich dem Ende zu, musst du auf lokale Flaschen zurückgreifen und solltest hierfür zum Anschluss an das Gassystem den passenden EURO-SET-Adapter mitführen.

Gas in Frankreich

In Frankreich bekommst du deutsche Gasflaschen weder getauscht noch gefüllt. Du kannst Butan- und Propan mit Pfand für die Flasche (Beleg aufbewahren!) an jeder Tankstelle kaufen, oft auch an den kleinen Dorfläden (Epicerie/Epi). Die meisten Camper verwenden grau-blaue Flaschen von Butagaz, da sie von den Abmessungen her den 11-kg-Flaschen am nächsten kommen. Du brauchst den Anschluss D4. Weitere Infos sowie viele weitere Tipps bekommst du in unserem Artikel über Gas in Frankreich.

Foto: (c) Barbara Homolka

Gas in Griechenland

Die Versorgung mit Gasflaschen ist in Griechenland kein Problem. Sie sind nicht nur an jeder Stelle zu bekommen, sondern das Ganze ist auch denkbar einfach, denn es bedarf keinen Vertrag oder ähnliches. Gegen Vorlage des Kaufbeleges, kannst du die gekaufte Gasflasche bei dem selben Händler wieder zurückgeben und du bekommst das Pfand zurück.

Unter Umständen ist sogar das Befüllen deutscher Gasflaschen möglich. Auch in Griechenland wird hierfür ein entsprechender Entnahmeadapter aus dem EU-Set benötigt. Gut zu wissen ist, dass die Gasflaschen in Griechenland etwas kleiner sind, als die Deutschen. Weitere Infos sowie viele weitere Tipps bekommst du in unserem Artikel über Gas in Griechenland.

Gas in Italien

In der Regel ist die Versorgung mit Campinggas in Italien kein Problem, deutsche Flaschen werden getauscht oder gefüllt. Allerdings brauchst du einen Adapter zum Füllen. Die italienischen Gasflaschen Bombole kannst du mit dem Entnahmeadapter anschließen.

Wie finde ich einen Gashändler? Meist wissen die freundlichen Menschen an der Rezeption des Campingplatzes Bescheid, wo es die nächste Möglichkeit zum Füllen oder Tauschen gibt. Manch ein Campingplatz bietet auch selbst den Service für seine Kunden an. Eine Liste mit wirklich vielen Gashändlern habe ich auf poigps.com gefunden. (Registrieren, nach Bombole suchen und Liste runter laden).

Allerdings weiß ich nicht, wie aktuell oder gepflegt diese Liste ist. Offiziell ist es übrigens aus steuerlichen Gründen nicht erlaubt, in einen feststehenden Tank an der Tankstelle LPG zu füllen. Du wirst im Internet aber viele Berichte lesen, dass es doch geklappt hat.

Gas in Kroatien

Das Tauschen von Campinggasflaschen ist in Kroatien eher unüblich, aber du kannst Flaschen, deren letzte Überprüfung nicht älter als fünf Jahre ist, bei INA füllen lassen. Zum Teil bieten dir die Campingplätze auch einen Gasservice an. Zur Sicherheit solltest du einen Fülladapter dabei haben.

Gas in Niederlande

Das Anschlusssystem in den Niederlanden ist kompatibel mit dem Deutschen, sodass es keine Probleme gibt. Auf vielen Plätzen und im Campingbedarf werden dir auch graue Flaschen getauscht. Eigentumsflaschen kannst du bei speziellen Servicebetrieben und Tankstellen auch füllen lassen.

Gas in Norwegen

In ganz Norwegen existiert ein gutes Netz an Füllstationen – auch bis in den hohen Norden – von „LPG Norge„, bei denen fast überall auch deutsche und andere ausländische Gasflaschen problemlos gefüllt werden. Das eigene Befüllen von Flaschen am Gas-Automaten ist verboten, die sind nur für das Füllen von Gastanks vorgesehen.

Die notwendigen Adapter sind meist vor Ort vorhanden, hier benötigst du in den seltensten Fällen einen eigenen Füll-Adapter.

Nachteil: An den meisten Stationen in Norwegen wird pro Füllung berechnet, nicht nach Kilogramm. Das heißt, auch wenn deine Flasche erst halb leer ist und du aber sicherheitshalber nachfüllen lassen möchtest, zahlst du den vollen Preis. Auch lohnt es sich, die Preise zu vergleichen – hier existieren große Unterschiede.

Eine vollständige Liste aller Füllstationen findest du unter diesem Link, ebenfalls sind zahlreiche Stationen in einschlägigen Stellplatz-Apps ausgewiesen. Zudem gibt es in Norwegen ein gutes Netz an Alugas-Stationen.

Solltest du auf lokale Gasflaschen zurückgreifen (müssen): Der bekannteste und weit verbreitetste Anbieter norwegischer Gasflaschen ist die Firma AGA. In Norwegen sind – ebenfalls wie bei uns – Stahl- als auch Alugas-Flaschen erhältlich, zusätzlich gibt es sogenannte Composite-Flaschen mit einem Materialmix aus beiden und damit einem mittleren Gewicht. Auch die Standardgrößen von 5 kg und 11 kg sind üblich, wobei die 11-kg-Flaschen überwiegen.

Bitte beachte: Erwirbst du eine norwegische Gasflasche, kannst du diese meist nicht wieder zurückgeben – sie ist und bleibt dein Eigentum. Es gibt aber auch einen Vorteil für deine Skandinavien-Reise: Bist du länger in Norwegen sowie Schweden unterwegs, kannst du die eine Flasche für beide Länder nutzen, da die Gasflaschen kompatibel sind.

Für den Anschluss an dein deutsches System benötigst du dann den entsprechenden EURO-SET-Gasflaschenadapter (Adapter 3) und in einigen Fällen zusätzlich ein Übergangsstück zwischen Gasflasche und Druckregler. Hierfür informierst du dich am besten vor der Reise, ob du für dein Gasanschlusssystem dieses Übergangsstück benötigst.

Gas in Österreich

In Österreich sind die gleichen Flaschen gebräuchlich wie in Deutschland, sodass du keine Probleme beim Füllen/Tauschen bekommst.

Gas in Polen

In Polen erhältst du 5- und 11-Kilo-Gasflaschen, deren Anschluss zu den deutschen kompatibel ist. Getauscht oder gefüllt bekommst du diese an Tankstellen oder Werkstätten.

Gas in Portugal

Das Füllen deutscher Gasflaschen ist in Portugal nicht erlaubt, auch wenn du in einschlägigen Foren lesen kannst, dass es funktioniert.  Um die portugiesischen Flaschen, etwa von Repsol und Cepsa anschließen zu können, brauchst und einen Clip-On-Adapter und einen weiteren Adapter aus dem Euro-Entnahme-Set. Nicht alle Clip-Ons passen auf alle Gasflaschen der unterschiedlichen Hersteller, alles was du dazu wissen musst steht in unserem Beitrag Gasflaschen in Portugal.

Foto: (c) Stefanie & Sebastian Vogt

Gas in Schweden

Das Füllen deutscher Flaschen ist in Schweden an zahlreichen Stellen möglich, das Netz ist jedoch nicht so dicht wie etwa in Norwegen. Total fair: Oft wird nach befüllten Kilogramm berechnet und nicht der volle Flaschen-Füllpreis. Die Preise dafür variieren natürlich auch in Schweden.

Wo finde ich eine Füllstation? Andreas Nowak hat auf seiner privaten Seite Besucherguide Schweden eine Liste mit Füllstationen für dich zusammengestellt. Er aktualisiert sie regelmäßig. Auch hinsichtlich anderer Informationen ist die Seite für deine Schwedenreise eine einzige Fundgrube!

Zudem sind viele Füllstationen in Schweden ebenfalls in einschlägigen Stellplatz-Apps ausgewiesen. Eine ganz gute Infrastruktur an Alugas-Stationen gibt es nur im Süden des Landes.

In Schweden hast du ebenfalls die Möglichkeit, lokale Gasflaschen zu erwerben. Die Flaschen sowie die Bedingungen sind ähnlich denen in Norwegen (siehe Absatz: Gas in Norwegen).

Das schwedische System ist nicht kompatibel zum deutschen, du brauchst also einen Adapter, wenn du eine schwedische Flasche kaufst. Dies ist entweder der Adapter 3 aus dem Euro-Set oder aber, bei einer Flasche mit Pol-Anschluss, ein Euro Übergangsstück* Polanschluss Skandinavien.

Gas in der Schweiz

Vitogaz und Flaga heißen die schweizer Gasanbieter, die Stahl- sowie Kunststoffflaschen in verschiedenen Größen anbieten. Da sich die Art der Abdichtung zwischen Druckminderer und Gasflasche bei deutschen und schweizer Gasflaschen unterscheidet, kann es gefährlich sein, deutsche Flaschen ohne weiteres wieder aufzufüllen.

Gasflaschen bekommst du in der Schweiz an zahlreichen Stellen und ohne Probleme. Auch hier wird ein Gasentnahme-Adapter benötigt sowie zusätzlich ein Druckregler empfohlen. Dieser kann gekauft oder gemietet werden.

Gas in Slowenien

In Slowenien kannst du deine deutschen Flaschen befüllen lassen. Füllstationen sind Plinarna Ljubljana, Plinarna Maribor, Internia DD Ljubljana in Kozina und OMV Istrabenz DOO in Koper. Vereinzelt habe ich auch auf slowenischen Campingplätzen einen Gasflaschen-Service an der Rezeption gefunden.

Gas in Spanien

Gasflaschen in Spanien sind ein unerschöpfliches Thema, wie schon die Kommentare unter unserem Artikel Gasflaschen in Spanien dazu belegen. Auch die Internetforen sind voll von den unterschiedlichen Erfahrungen.

Grundsätzlich gilt: Gasflaschen erhältst du an Repsol- und Cepsa- Tankstellen mit 11 und 6 Kilo. Ob du sie allerdings problemlos, das heißt ohne spanische Steuernummer und ausufernden Papierkram bekommst, scheint immer noch „Glückssache“ zu sein. Im Süden Spaniens ist dies wohl einfacher als in Katalonien. Dort naht aber Rettung vom deutschen Caravan-Service in Sant Pere Pescador (Girona), der neben anderem Camping-Bedarf auch Gas verkauft.

Auch an vielen Camping- und Stellplätzen gibt es Gashändler, die dir Flaschen verkaufen. Der Anbieter Cepsa hat auf seiner Seite eine Karte mit Verkaufsstellen seiner Gasflaschen. In Andalusien bietet dir der Service von Gasbottle International die Wiederauffüllung deiner deutschen Flaschen an.

Neben dem Adapter Nummer 4 brauchst du einen spanischen Gasflaschenadapter (Clip-on-Adapter), um spanische Gasflaschen anzuschließen. Den bekommst du in den kleinen Tante-Emma-Läden (Ferretería), auf dem Campingplatz oder kannst ihn direkt hier* bestellen.

Foto: (c) Sebastian Vogt

Experten im Podcast zum Thema „Grundwissen – Gas beim Camping“

In unserem Podcast haben Nele und Sebastian das Thema „Grundwissen – Gas beim Camping“ ausführlich beleuchtet, geben Informationen und Tipps. Hör unbedingt mal rein:

Und wie waren deine Erfahrungen mit Gasflaschen in Europa? Schreib es uns in den Kommentaren!

Titelbild: (c) Baloncici / Depositphotos.com

Letzte Aktualisierung am 30.11.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Hallo,
    ich habe inzwischen von Alex (dem Ersteller der Datei auf poigps.com) eine aktualisierte/korrigierte Datei der Gas-Auffüllstationen in Italien erhalten – jetzt klappt es.

  2. Super Auflistung.
    Die Liste auf poigps.com habe ich mir runtergeladen, in eine gpx und eine gpi-Datei konvertiert, um sie in Garmin Basecamp anzeigen zu lassen. Nur leider liegen sämtliche Orte in Eritrea, Somalia und Äthiopien … hier scheint mit den Koordinaten etwas nicht zu stimmen. Ich habe den Veröffentlicher mal angeschrieben, bin auf Antwort gespannt und werde dann wieder berichten.
    lg
    Mike

    1. Vielen Dank für das Lob, wir freuen uns sehr darüber, wenn unsere Artikel gut ankommen und hilfreich sind. Liebe Grüße Sandra

  3. Gas in Belgien

    War etwas komplizierter
    Ich fahre mir 2 aluflaschen
    Gibts drüben nicht. Oder zumindest fand ich nichts

    Ich hatte das Glück einen gasgäbdöwe zu finden der abends am wohnmobil die leere Flaschen abholte und ich dürfte sie morgens gefüllt holen.

    Es gibt Stahlflaschen und Kunststoffflaschen.

    Man kann die „kaufen“ und zum Schlüssel das Pfand zurückbekommen bei Rückgabe der Flaschen .
    Es gibt rote Flaschen die allerdings in Deutschland nicht angenommen werden.

    Da ich zu Corona Zeiten nicht auf Campings stehen konnte habe ich keine Info wie es dort normalerweise gehandhabt wird.

  4. Was für ein schöner Beitrag! Danke, dass Ihr eure Erfahrungen so anschaulich teilt, ich bekomme direkt Fernweh. Ich würd so gerne mal wieder einen Kurzurlaub machen, am liebsten in den Bergen Österreichs! Bis dahin helfen mir eure Beiträge sehr! Liebe Grüße!

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