Wer am morgigen Samstag, 30. Mai, mit dem Wohnmobil oder Caravan Richtung Italien startet, sollte sich vorher zweimal überlegen, ob das wirklich eine gute Idee ist. Auf der Brenner-Autobahn A13 geht von morgens bis spätabends nichts mehr. Gar nichts.
Der Grund? Karl Mühlsteiger, parteiloser Bürgermeister von Gries am Brenner, hat eine ganztägige Demo auf der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung zwischen Deutschland und Italien angemeldet. Wie unter anderem der SWR berichtet, rechnen die Behörden mit massiven Auswirkungen bis weit nach Bayern und Baden-Württemberg hinein. Die österreichische Autobahngesellschaft Asfinag geht von rund 32.000 betroffenen Fahrzeugen aus.
Italien zieht direkt mit
Und es kommt noch dicker. Auch auf italienischer Seite bleibt der Brenner dicht: bereits ab 10.30 Uhr und bis 20 Uhr. Wer aus dem Süden zurück nach Deutschland will, soll laut Behörden über Tarvis ausweichen. Das sind mal eben 240 Kilometer Umweg. Selbst das Auswärtige Amt warnt mittlerweile vor erheblichen Behinderungen.
Besonders „bescheiden“: Bayern und Baden-Württemberg haben gerade Pfingstferien, in Sachsen-Anhalt endet das verlängerte Wochenende die Ferien. Wer also gehofft hatte, das Wochenende auf dem Campingplatz am Gardasee zu verbringen, kann seine Reiseplanung jetzt schon mal in die Tonne treten.
Bürgermeister: „Transitverkehr muss aufhören“
Mühlsteiger lässt sich von der Aufregung nicht beeindrucken. Elf Millionen Autos und 2,5 Millionen Lkw rollen jedes Jahr über die A13. Für die rund 15.000 Bewohner des Wipptales, die teilweise direkt neben Autobahn und Bundesstraße leben, heißt das: Lärm, Feinstaub, ständige Staus vor der Haustür.
Gegenüber der BILD-Zeitung erklärte der Bürgermeister, er wolle Europa zeigen, dass es so mit dem Transitverkehr nicht weitergehen könne. Auf Nachbarn könne man da keine Rücksicht nehmen, sonst würde man nie einen Termin finden, so Mühlsteiger weiter. Erst sollte die Demo am 21. Juni stattfinden. Dann hieß es, das sei der verkehrsreichste Tag Österreichs. Jetzt soll es eben der 30. Mai sein.
Versorgungsengpass? Sieht Mühlsteiger nicht. In Österreich gelten samstags von 15 bis 24 Uhr sowieso Lkw-Fahrverbote. Sonn- und Feiertags von 0 bis 22 Uhr ebenfalls. Ausweichrouten für Urlauber gebe es auch. Punkt.
Größter Polizeieinsatz der Geschichte
Die Polizei Oberbayern Süd bereitet sich auf den größten Verkehrseinsatz ihrer Geschichte vor. Mehrere Hundert Beamte sollen im Einsatz sein. Polizeisprecher Stefan Sonntag rät laut BILD davon ab, am Samstag überhaupt in den Süden zu fahren, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.
Hinzu kommt: Auf der A8 Richtung Salzburg und der A93 Richtung Brenner gilt samstags in den Landkreisen Rosenheim und Berchtesgadener Land ein generelles Abfahrverbot. Wer die Autobahn verlassen will, muss einen triftigen Grund nachweisen können. Mal eben durchs Dorf schleichen, um den Stau zu umfahren? Vergiss es. Auch in Tirol werden die Sperren laut Landesregierung streng kontrolliert. Nur wer ein konkretes Ziel in Tirol vorweisen kann, darf passieren. Die Autobahn GmbH plant außerdem, Reisende schon ab Nürnberg auf Ausweichstrecken hinzuweisen.
Auch der Bodensee bekommt es ab
Selbst wer gar nicht über den Brenner will, könnte den Samstag im Stau verbringen. Das Polizeipräsidium Ravensburg warnt laut SWR vor spürbaren Folgen im ganzen Grenzgebiet. Auf der A96 ist mit Rückstau zu rechnen, und auch die Strecken Richtung Ulm und Vorarlberg dürften schnell dicht sein. Im Prinzip alles, was Richtung Süden oder Osten geht.
Welche Ausweichrouten sind realistisch?
Theoretisch gibt es Alternativen. In der Praxis sehen die so aus:
- Gotthard-Route und San-Bernardino-Pass in der Schweiz: laut ACE grundsätzlich möglich, aber zu Urlaubszeiten ohnehin schon stark belastet
- Reschenpass: nett auf dem Papier, aber wegen Bauarbeiten zusätzlich eingeschränkt
- Tauernautobahn: das Bundesland Salzburg hat dort eigens Abfahrtssperren verhängt, um Ausweichverkehr abzufangen
- Tarvis im Osten: 240 Kilometer Umweg, aber für viele die einzige halbwegs entspannte Option
Der ADAC spricht von extrem hoher Staugefahr auf allen Strecken. Wer auf eine entspannte Fahrt hofft, wird wohl enttäuscht.
Was bedeutet das für dich als Camper?
Ganz ehrlich: Wenn du am Samstag nicht zwingend über den Brenner musst, lass es. Verschiebe die Abfahrt auf Freitagabend oder Sonntag. Mit dem Wohnmobil oder Gespann stundenlang im Stau zu stehen, bei heißem Wetter, ohne Bewegung, ist extrem anstrengend – vor allem für mitreisende Kinder und Haustiere.
Aber Achtung: Auch die Tage vor und nach dem 30. Mai sind keine Garantie für freie Fahrt. Das Land Tirol erwartet rund um die Sperrung ein sehr hohes Verkehrsaufkommen, weil viele Reisende ihre Pläne anpassen. Vor und nach der Sperrzeit kann es deshalb ebenfalls deutliche Verzögerungen geben.
Wer wirklich muss, sollte folgende Punkte einplanen:
- Vollgetanktes Fahrzeug und genug Vorrat an Wasser und Verpflegung
- Stoßzeiten konsequent meiden, eher früh morgens oder spät abends starten
- Auf den Ausweichrouten mit zähem Verkehr bis zum Stillstand rechnen
- Live-Verkehrslage vor der Abfahrt checken und flexibel bleiben
Und nicht vergessen: Im Sommer geht es weiter. Am 27. Juni und am 1. August stehen die nächsten Demos an, dann wird die Fernpassstraße jeweils von 10 bis 12 Uhr gesperrt. Auch das mitten im Ferienverkehr. Wer dieses Jahr in die Berge oder ans Mittelmeer will, sollte die Termine im Kalender markieren.
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